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Nigerianische Streitkräfte

Flag of Nigeria.svg Nigerianische Streitkräfte
Nigerian Armed Forces
Flag of the Nigerian Armed Forces.svg
Führung
Oberbefehlshaber: Tukur Buratai
Verteidigungsminister: General Aliyu Mohammed Gusau
Sitz des Hauptquartiers: Abuja
Militärische Stärke
Aktive Soldaten: 130 000
Wehrpflicht:
Wehrtauglichkeitsalter:
Haushalt
Militärbudget: 6 Mrd. US-Dollar
Anteil am Bruttoinlandsprodukt: 1,5 %
Geschichte
Gründung: 1947

Die nigerianischen Streitkräfte (englisch: Nigerian Armed Forces) sind das Militär der Bundesrepublik Nigeria. Das Militär hat aktives Militärpersonal in drei Waffengattungen, zusammen ungefähr 85.000 reguläre Soldaten und 82.000 Paramilitärs.[1]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte


Die Ursprünge des nigerianischen Militärs liegen bei den Royal West African Frontier Forces, die 1960 während des Unabhängigkeitsprozesses nigerianisch wurden.

1956 wurde das Nigeria Regiment der Royal West African Frontier Force (RWAFF) in Nigerian Military Forces, RWAFF umbenannt, und im April 1958 übernahm die Kolonialregierung von Nigeria die Kontrolle der Streitkräfte vom britischen War Office.[2] Es gibt eine starke Tradition von Militärrevolten und Staatsstreichen in Nigeria; zwischen 1966 und 1999 fanden zehn Militärputsche in Nigeria statt.

Seit seiner Gründung hat das nigerianische Militär in einem Bürgerkrieg gefochten – dem Biafra-Krieg 1967–1970 – und es sandte zusammen mit den Vereinten Nationen Friedensmissionskräfte ins Ausland, als Rückgrat der von den ECOWAS-Staaten (Westafrikanische Union) gestellten Friedenstruppen in Liberia und Sierra Leone.

Das Militär hatte mit Militärjuntas zweimal die Staatsgewalt inne, von 1966 bis 1979 und von 1983 bis 1998.

Das Militär ist heute in alle Facetten des nigerianischen Wirtschafts- und Soziallebens involviert, einschließlich der Manipulation der Nationalpolitik – ein Ergebnis von General Sani Abachas Erschaffung künstlicher politischer Parteien. Es spielt eine zentrale Rolle in der Kontrolle und Bewirtschaftung von Nigerias Ölreichtum.[3]

In der Nachfolge des Bürgerkrieges verbrauchte das stark expandierte Militär, mit etwa 250.000 Personen um 1977, einen großen Anteil der Ressourcen Nigerias für wenig produktive Dinge. Die große Ausdehnung des Militärs während des Bürgerkriegs untergrub jedoch die klassische soziale Aufteilung der nigerianischen Gesellschaft; und so spielte das Militär zum Einen eine wichtige und wertgeschätzte Rolle als „Erster unter Gleichen“ bei der Angleichung der Lebensverhältnisse in ganz Nigeria, zum Anderen trat hiermit verbunden ein Niedergang der militärischen Effektivität ein.

Olusegun Obasanjo, der 1999 Präsident wurde, benannte diese Tatsache in seiner Antrittsrede: „die Professionalität ist verlorengegangen... mein Herz blutet, wenn ich den Niedergang in der Leistung des Militärs sehe.“[4]

Nigeria sendet zwecks Training viele Offiziere nach Pakistan, insbesondere zu Institutionen wie der Pakistan Military Academy, zum Command and Staff College in Quetta und zur National Defence University in Islamabad. Trainingseinheiten in Nigeria beinhalten die Offiziers-Grundausbildung bei der Nigerian Defence Academy in Kaduna, das Armed Forces Command and Staff College in Jaji und das National Defence College in Abuja.[5] Die US-amerikanische Militärfirma Military Professional Resources Inc. war um 1999–2000 in die Ausbildung und Entwicklung von Verbindungen zwischen dem zivilen und dem militärischen Sektor involviert.[6]

Gesetzliche Grundlage


Die Funktionen der Streitkräfte sind in der Verfassung beschrieben. Die Verteidigung der nationalen Integrität und andere Kernpunkte des nationalen Interesses bilden den Hauptteil der Aufgaben des Militärs. Der Abschnitt 217 der nigerianischen Verfassung von 1999 legt bezüglich der nigerianischen Streitkräfte fest:

Heer


Das Nigerianische Heer (NA, Nigerian Army) ist die Landstreitkraft der Nigerianischen Streitkräfte und die größte Teilstreitkraft unter den Waffengattungen. Ausgerüstet wird die Nigerianische Armee von der staatlichen Rüstungsfirma DICON.

Die Nigerianische Armee ist in 6 Divisionen gegliedert.

Die Opposition in Nigeria wirft 2014 der Regierung und dem Militär im Kampf gegen Boko Haram totales Versagen vor. Die Armee sei in einem verrotteten Zustand. Disziplin und Moral der Soldaten seien schlecht, auch deshalb, weil die Soldaten oft wochenlang auf ihren Sold warten müssten. Die Ausrüstung des Militärs sei verwahrlost und die interne Kommunikation chaotisch. Bestechliche Offiziere würden mit Boko Haram kollaborieren. Im Mai 2014 wurde gegen neun Generäle wegen Waffenverkäufen an Boko Haram ermittelt.

Ausgerüstet ist die Armee unter anderem mit:

Marine


Die Nigerianische Marine (NN, Nigerian Navy) ist die Seestreitkraft der nigerianischen Streitkräfte. Die Marine-Kommandostruktur besteht aus dem Marine-Hauptquartier, dessen Basis sich in Abuja befindet, zwei operationalen Kommandos mit Hauptquartieren in Lagos und Calabar, zwei Trainingskommandos mit Hauptquartieren in Lagos, jedoch mit Trainingsgeländen über ganz Nigeria verteilt, zwei Operationsbasen, fünf vorgelagerten Operationsbasen (die in Kürze um zwei weitere vergrößert werden sollen), zwei Werften in Lagos und Port Harcourt und zwei Flottenbasen in Lagos und Calabar.

1984 übernahm Blohm + Voss den Bau der Marinebasis Wilmot Point. 1987 wurde ein erster Teil der Werftanlagen mit dem Ausbildungszentrum offiziell eingeweiht. B+V war seit 1985 auch mit der Schulung von Werftpersonal tätig. In rund 300 Containern wurde das Material für eine Schiffbau- und Stahlbauhalle, einen moderner Maschinen-Prüfstand, Elektro- und Elektronikwerkstätten, ein Labor zur Werkstoffprüfung, Krananlagen und anderes Material nach Nigeria verschifft. Am 28. August 1990 weihte der damalige nigerianische Staatschef, General Babangida, die Gesamtanlage von Wilmot Point ein. Die Marine hat einschließlich der Küstenwache 7.000 Mann unter Waffen.

Bekannte Schiffe

Einsätze

Die NN war an dem gewaltlosen Ausgang einer Geiselnahme durch Piraten 2010 beteiligt. Seeräuber hatten die BBC Polonia vor dem Nigerdelta geentert und dabei eines der zwölf Besatzungsmitglieder verletzt. Marinesoldaten hatten noch am Abend des Kidnappings das verlassene Schiff gesichert.[7]

Luftwaffe


Die Nigerianische Luftwaffe wurde formal im Januar 1964 gegründet, mit technischer Unterstützung aus Deutschland. Die Luftwaffe begann ihr Dasein als Transporteinheit mit einer Crew von Piloten, die in Kanada, Äthiopien und Indien trainiert worden waren. Die Luftwaffe verfügte über keine Kampfkraft, bis 1966 die Sowjetunion eine Anzahl von MiG-17 lieferte.

2007 hatte die Luftwaffe eine Stärke von 10.000 Mann.[8] Sie fliegt Transportflugzeuge, Trainingsflugzeuge, Hubschrauber und Kampfflugzeuge, zu denen das International Institute for Strategic Studies bemerkt, dass sie „von sehr begrenzter Operationsfähigkeit“ seien. Ende 2014 wurde gemeldet, dass Nigeria 25–40 Kampfflugzeuge des Types Chengdu FC-1 von Pakistan kaufen wird, welche die bisherigen veralteten Kampfflugzeuge Chengdu J-7 ersetzen sollen.

Die Luftwaffe sponsert die Air Force Military School in Jos.

Nigeria hat eine Politik eingeschlagen, militärisches Training und militärische Produktionskapazitäten im Lande aufzubauen. Nigeria setzt eine strikte politische Strategie der Diversifikation militärischer Beschaffung aus verschiedenen Ländern ein.

Andere Einheiten


Es gibt eine gemeinsame Einheit in der Region Niger-Delta, die Restore Hope genannt wird.[9] Das Hauptquartier der Gemeinsamen Einheiten („Joint Forces“) JTF HQ ist in Yenagoa ansässig.

Nigerianische Streitkräfte außer Landes


Im Dezember 1983 kündigte das neue Regime unter Generalmajor Muhammadu Buhari an, dass Nigeria nicht mehr länger eine aktive anti-koloniale Rolle in Afrika spielen werde. Anglophone Mitglieder von ECOWAS gründeten 1990 die ECOMOG, die von der nigerianischen Armee dominiert wurde, um im Bürgerkrieg in Liberia zu intervenieren. Die Armee erwies in Liberia ihre Befähigung dazu, Kräfte in Größe einer Brigade zu mobilisieren, zu verbringen und zu unterhalten, die der Unterstützung von Friedensmissionen dienen. Kleinere Streitkräfte wurden zuvor schon zu UN- und ECOWAS-Einsätzen nach Jugoslawien, Angola, Ruanda, Somalia und Sierra Leone entsandt.

Dieser politische Standpunkt hielt Nigeria unter General Ibrahim Babangida 1990 und Sani Abacha 1997 nicht davon ab, ECOMOG-Friedenseinheiten nach Liberia und später Sierra Leone zu senden, als in diesen Ländern Bürgerkriege ausbrachen. Präsident Olusegun Obasanjo verpflichtete im August 2003 nigerianische Truppen erneut nach Liberia, auf Anforderung seitens der USA, um eine Zwischenlösung zu schaffen, bis die Einheiten der United Nations Mission in Liberia (UNMIL) im Konfliktgebiet ankämen. Charles Taylor wurde in dieser Folge entmachtet und nach Nigeria exiliert.

Im Oktober 2004 gingen nigerianische Truppen als Speerspitze der Truppen der Afrikanischen Union nach Darfur in den Sudan, um den Genozid in Darfur zu stoppen. Nigeria beansprucht, mehr als 20.000 Soldaten zu verschiedenen UN-Missionen seit 1960 beigetragen zu haben. Nigerianische Polizei und Truppen dienten in Einsätzen wie UNIPOM in Indien und Pakistan 1965, UNIFIL im Libanon 1978, der UN-Beobachtungsmission UNIIMOG, die den Iran-Irak-Konflikt 1988 befriedete, im früheren Jugoslawien 1998, in Osttimor 1999 und in der Demokratischen Republik Kongo (MONUC) 2004.

Nigerianische Offiziere dienten als Chefs der Verteidigung in anderen Ländern, mit dem Brigadegeneral Maxwell Khobe als Chef der Truppen Sierra Leones von 1998 bis 1999,[10] und nigerianische Offiziere waren zumindest bis 2007 Kommandierende Offiziere der Streitkräfte Liberias.

Literatur


Weblinks


 Commons: Military of Nigeria  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. IISS Military Balance 2007, Routledge, p.286
  2. Library of Congress Country Studies, Nigeria
  3. J. Kayode Fayemi: Governing the Security Sector in a Democratising Polity: Nigeria. In: Gavin Cawthra, Robin Luckham (Hrsg.): Governing Insecurity: Democratic Control of Military and Security Establishments in Transitional Democracies. Zed Books, London/New York 2003, S. 57–77.
  4. zitiert nach: Herbert M. Howe: Ambiguous Order: Military Forces in African States. Lynne Rienner, Boulder/London 2001, S. 54 (Es sollte allerdings angemerkt werden, dass Obasanjo des Missbrauchs seiner Position zur eigenen Bereicherung angeklagt wurde.).
  5. About NDC. National Defense College, 10. Dezember 2012, abgerufen am 29. Juli 2013.
  6. http://news.biafranigeriaworld.com/archive/2003/dec/11/0097.html, accessed October 2009 and Peter Singer, 'Corporate Warriors,' Cornell University Press, Ithaca and London, 2003, p.131-2. ISBN 0-8014-4114-5
  7. Piraten überfallen Frachter vor Nigeria  (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven i Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis., Deutsche Welle (abgerufen 3. Juli 2010)
  8. IISS Military Balance 2007
  9. http://www.punchng.com/Articl.aspx?theartic=Art200809101281020 (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven i Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  10. Dr Nowa Omoigui



Kategorien: Militär (Nigeria)



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