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Nicolas Werth

Nicolas Werth (* 1950 in Paris) ist ein französischer Historiker, der als Spezialist für die Geschichte der Sowjetunion gilt. Er ist Direktor des Forschungsressorts am Institut d’histoire du temps présent, das zum Centre national de la recherche scientifique (CNRS) gehört.

Inhaltsverzeichnis

Leben


Werths Vater war der englische Journalist Alexander Werth, der sich während des Zweiten Weltkriegs in der UdSSR aufgehalten hatte.[1] Nicolas Werth besuchte die École normale supérieure Lettres et sciences humaines und lehrte später in der Sécondaire und im Ausland in Minsk, New York City, Moskau und Shanghai. Während der Perestroika war er Kulturattaché bei der französischen Botschaft in Moskau.

Werth beschäftigt sich seit seinem ersten Buch (Être communiste en URSS sous Staline, Gallimard, 1981) mit der Geschichte der Sowjetunion. Er interessiert sich besonders für die Sozialgeschichte der Sowjetunion im Zeitraum von 1920 bis zum Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges (1941). Hier interessiert ihn insbesondere das Verhältnis von Staat und Gesellschaft, beispielsweise staatliche Übergriffe und gesellschaftlicher Widerstand. Er trat 1989 in den CNRS ein.

Werk


Werth betreibt seine Forschung unter anderem mit dem Ziel, die Spaltung der „totalitaristischen“ und der „revisionistischen“ Schulen zu überwinden, deren Kontroversen lange die Historiographie zur sowjetischen Geschichte prägten. Werth sieht sie nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und der Öffnung der Archive als überholt an. Er bereicherte mit seinen Nachforschungen nicht nur die Erkenntnisse der westlichen Sowjetologie, sondern auch die Arbeit seiner russischen Kollegen (Russisch ist seine Muttersprache). Wegen seiner Verbundenheit mit der Sozialgeschichte, die „lange die arme Verwandte einer auf die Politik fixierten Sowjetologie“[2] war, sah er sich jedoch eher auf der Seite der „revisionistischen“ Historiker. Er erklärte im Widerspruch zu manchen anderen Historikern, die die totalitäre Kontrolle der sowjetischen Gesellschaft für effektiv hielten, dass die Berichte der politischen Polizei nur „die Verzerrung zwischen der gewollten Realität und der tatsächlichen Realität“[3] aufdecken.

Als Autor des Abschnitts im Schwarzbuch des Kommunismus, der sich der Russischen Sowjetrepublik und der UdSSR widmet, distanzierte er sich öffentlich von der Vorstellung, die Stéphane Courtois im Vorwort des Schwarzbuchs formulierte und die behauptete, der Kommunismus an sich rufe Verbrechen hervor. Er hat gleichermaßen falsche Zahlen[4] und „ein Abgleiten der reinen Politikgeschichte“ in dieser Veröffentlichung angeprangert.[5] 2006 veröffentlichte Werth eine Monographie über die Tragödie von Nasino (L’Île aux cannibales. 1933. Une déportation-abandon en Sibérie). Im Jahr 2009 veröffentlichte er eine Monographie zum Großen Terror (L’Ivrogne et la marchande de fleurs. Autopsie d’un meurtre de masse, 1937–1938).

Nicolas Werth nimmt seit 1997 am Seminar „Histoire soviétique: sources et méthodes“ (dt.: Sowjetische Geschichte: Quellen und Methoden) unter der Leitung von Wladimir Berelowitsch teil. Außerdem ist er Mitglied des Komitees der Redaktion der geschichtswissenschaftlichen Zeitschriften Vingtième Siècle. Revue d’histoire und Cahiers du monde russe.

Veröffentlichungen (Auswahl)


Weblinks


 Commons: Nicolas Werth  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Alexander Werth schrieb darüber das Buch „La Russie en guerre“ (Russland im Krieg). 2 Bände (Bd. 1: 1941–1942 la patrie en danger. Bd. 2: 1943–1945 de Stalingrad à Berlin.). Paris, Stock 1964.
  2. N. Werth: Une source inédite. 1994, S. 26.
  3. N. Werth: Une source inédite. 1994, S. 25.
  4. Le Monde, 14. November 1997.
  5. In einem Interview mit der Zeitung Le Monde, vom 21. September 2000, S. 32.



Kategorien: Historiker | Kulturattaché | Franzose | Geboren 1950 | Mann



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