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Neuropathie



Neuropathie ist ein Sammelbegriff für viele Erkrankungen des peripheren Nervensystems, wie er sich rein symptomatisch vor allem bei den Polyneuropathien eingebürgert hat. Aber auch bei zentralen Erkrankungen des Nervensystems wie etwa bei konstitutionell verankerter Neigung zu vegetativen Funktionsstörungen wird der Begriff verwendet, so u. a. in der Pädiatrie.[1] Historisch war dieser Begriff auch für die Neurose und Neurasthenie üblich.[2] Primäre Erkrankungen der peripheren Nerven sind eher selten. Neuropathien als sekundäre Folge anderer Erkrankungen (z. B. Diabetes mellitus) oder neurotoxischer Substanzen (z. B. Alkohol) sind jedoch häufig.

Bei der Polyneuropathie sind mehrere Nerven, bei der Mononeuropathie bzw. Neuralgie ist nur ein Nerv des peripheren Nervensystems betroffen.

Inhaltsverzeichnis

Ätiologie der primären Neuropathien


Primäre, d. h. vom Nerven selbst ausgehende, Erkrankungen sind in der Regel vererbt. Folgende Erkrankungen fallen darunter:

Es werden konstitutionell bedingte funktionelle Symptome in der Kinderheilkunde mit vegetativer Symptomatik als Neuropathien bezeichnet, die mit Trinkfaulheit, gewohnheitsmäßigem Erbrechen, Störungen der Darmentleerung, Schwitzen, Neigung zu Temperaturanstieg etc. einhergehen. Dabei wird eine erhöhte Reizempfindlichkeit mit überschießender Reizbeantwortung angenommen.[1][4]

Ätiologie der sekundären Neuropathien


Sekundäre Schäden des peripheren Nervs sind meist auf Beeinträchtigungen des neuronalen bzw. axonalen Stoffwechsels oder auf entzündliche bzw. autoimmunologische Vorgänge zurückzuführen:

Entzündliche Erkrankungen

Zu dieser Gruppe gehören v. a. Erreger-bedingte Erkrankungen. So kommt es bei Infektionen durch Varizellen, Mycobacterium leprae und Borrelia burgdorferi zu einer Infektion des peripheren Nervens bzw. des Neurons. Das körpereigene Immunsystem versucht die Erreger zu eliminieren und zerstört dadurch in der Regel das Neuron bzw. die Myelinscheide.

Autoimmunologische Erkrankungen

In dieser Gruppe ist v. a. das Guillain-Barré-Syndrom zu nennen. Bei den autoimmunologischen Erkrankungen kommt es zum Angriff des Immunsystems auf die körpereigenen Bestandteile, hier eben den Nerven bzw. die Myelinscheiden. Ursächlich wird heute angenommen, dass im Vorfeld der Erkrankung eine Infektion durch einen Erreger stattgefunden hat, gegen den das Immunsystem kreuzreagierende, d. h. auch körpereigene Zellen angreifende Abwehrstoffe bildet. Speziell Campylobacter jejuni scheint mit Gangliosiden der Myelins kreuzreagierende Antikörper zu induzieren. Betroffen ist meist nur die Myelinscheide, so dass in den Neurografien v. a. eine Verminderung der Nervenleitgeschwindigkeit zu finden ist. Klinisch finden sich beim Guillain-Barré-Syndrom v. a. schlaffe Lähmungen, die jedoch reversibel sind. Gefährlich ist jedoch, dass die Erkrankung auch die Zwerchfell versorgenden Nerven (Nervus phrenicus) betreffen kann. Sind bei einem Guillain-Barré-Syndrom v. a. die Hirnnerven betroffen, so spricht man auch von dem Miller-Fisher-Syndrom.

Eine Untergruppe der HIV-positiven Patienten entwickelt Immunkomplex vermittelte periphere Neuropathie. Die Arbeitsgruppe um Robert Miller[5] / San Francisco, die bereits 1988 im Wesentlichen vier Varianten klinisch zu diffenzierender Krankheitsbilder der HIV-Neuropathie beschrieb:

  1. distale sensomotorische Polyneuropathie,
  2. chronisch entzündliche demyelisierende Polyneuroradiculitis,
  3. Mononeuropathie mulitplex
  4. Progressive Polyradiculitis.

Es gelang der histologische Nachweis von zirkulierenden Antikörpern gegen Myelin und Therapieansätze mittels Plasmapherese.

Metabolische Erkrankungen

Zu dieser Gruppe gehören Stoffwechselstörungen des Neurons bzw. der Myelinscheiden (Schwannsche Zellen). Als Ursache dafür kommen z. B. Darmerkrankungen, ein Diabetes mellitus, Sprue und dadurch entstehende Vitaminmangel-Zustände, wie ein Thiamin-Mangel (Beriberi), Leber- und Nierenerkrankungen, das Refsum-Syndrom und Schilddrüsenstörungen infrage. Weitaus am häufigsten findet man den Diabetes mellitus als (sekundären) Auslöser oder Begleiter einer Neuropathie. Hier finden sich häufig distal betonte Polyneuropathien, aber auch eine schmerzhafte Mononeuritis multiplex. Häufig ist das autonome Nervensystem beteiligt. Daraus können vegetative Störungen resultieren.

Neurotoxische Substanzen

Zu dieser Gruppe gehören Beeinträchtigungen des neuronalen Stoffwechsels bzw. des Stoffwechsels der Myelinscheiden durch sog. Neurotoxine:

Lokalisation der Schädigung


Folgen


Die Folgen einer Neuropathie sind unterschiedlich.[10] Demyelinisierungen können reversibel sein und sich zurückbilden. Kommt es zur kompletten Schädigung des Neurons (z. B. traumatisch) so kommt es zur sogenannten Wallerschen Degeneration.

Periphere Neuropathie


Autonome Neuropathie


Die autonome Neuropathie tritt typischerweise beim Diabetes mellitus auf und betrifft das vegetative Nervensystem. Sie kann nahezu jedes Organsystem befallen und ist charakterisiert durch vielfältige Symptome. Ausgeprägte Beschwerden sind relativ selten. Sie treten oft erst nach langer Diabetesdauer auf. Zu den wichtigsten Organen mit den dazugehörigen Symptomen gehören:[11]

Befallsmuster


Therapie der Neuropathie


Ähnliche Begriffe


Literatur


Weblinks


Wiktionary: Neuropathie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise


  1. a b Neuropathie. In: Uwe Henrik Peters: Wörterbuch der Psychiatrie und medizinischen Psychologie. Urban & Schwarzenberg, München 1984, S. 372.
  2. Neuropathische Degeneration. In: Walter Bräutigam: Reaktionen, Neurosen, Psychopathien. (= dtv Wissenschaftliche Reihe). 1. Auflage. Georg Thieme, Stuttgart 1968, DNB 456172254 , S. 2.
  3. F. B. Axelrod, G. Gold-von Simson: Hereditary sensory and autonomic neuropathies: types II, III, and IV. In: Orphanet J Rare Dis. Band 2, 3. Oktober 2007, S. 39. PMID 17915006, PMC 2098750 (freier Volltext).
  4. Erwin Grundler, Gerhard Seige: Kinderheilkunde. Hippokrates-Verlag, Stuttgart 1965, S. 643 ff.
  5. Miller RG1, Parry GJ, Pfaeffl W, Lang W, Lippert R, Kiprov D: The spectrum of peripheral neuropathy associated with ARC and AIDS. In: American Association of Neuromuscular & Electrodiagnostic Medicine (Hrsg.): Muscle & Nerv. Band 11, Nr. 8. Wiley, New York 1988, S. 857-63.
  6. A. Douros, K. Grabowski, R. Stahlmann: Safety issues and drug-drug interactions with commonly used quinolones. In: Expert opinion on drug metabolism & toxicology. Band 11, Nummer 1, Januar 2015, S. 25–39, doi:10.1517/17425255.2014.970166. PMID 25423877 (Review).
  7. FDA updates warnings for fluoroquinolone antibiotics. Pressemitteilung der FDA vom 26. Juli 2016 (abgerufen 19. April 2018)
  8. K. Korabathina: Methanol Toxicity. medscape.com, 30. Januar 2017 (abgerufen 19. April 2018)
  9. S. A. Berman: Alcohol (Ethanol) Related Neuropathy. Medscape.com, 12. Januar 2015 (abgerufen 19. April 2018)
  10. Nathan P. Staff, JaNean Engelstad, Christopher J. Klein u. a.: Post-surgical inflammatory neuropathy. In: Brain. Nr. 10, Oktober 2010, S. 1–15. doi:10.1093/brain/awq252
  11. deutsche-diabetes-gesellschaft.de (PDF; 3,4 MB) Diagnostik, Therapie und Verlaufskontrolle der Neuropathie bei Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2, Leitlinie DDG 2004.
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Kategorien: Krankheitsbild in der Diabetologie | Erkrankung des peripheren Nervensystems



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