Muskelkater


Als Muskelkater (wohl volksetymologische Eindeutschung von Katarrh) bezeichnet man einen Schmerz, der nach körperlicher Anstrengung, besonders bei hohen Belastungen der Muskelpartien, auftritt. Meistens macht sich dieser erst Stunden nach der jeweiligen Tätigkeit bemerkbar.

Inhaltsverzeichnis

Ursachen


Die Ursachen des Muskelkaters sind noch nicht abschließend geklärt. Früher wurde eine Übersäuerung des Muskels durch Milchsäure (Laktate) angenommen. Diese Hypothese ist jedoch durch folgende Fakten widerlegt worden:

Heute nimmt man an, dass – wie Beobachtungen zeigen – durch Überlastung kleine Risse (Mikrotraumata) in den Z-Scheiben im Muskelgewebe auftreten. Diese sind gewissermaßen die äußeren Abgrenzungen kleiner Abschnitte innerhalb der Muskelfibrille. Die Entzündungen, die durch die Risse entstehen, führen durch Eindringen von Wasser (es bilden sich Ödeme) zum Anschwellen des Muskels. Ein sofortiger Schmerz stellt sich nicht ein, da sich innerhalb der Muskelfaser keine Schmerzrezeptoren befinden. Nach etwa 12 bis 24 Stunden beginnt der Körper jedoch, die durch die Mikrotraumata gebildeten Entzündungsstoffe auszuspülen, wodurch sie in Kontakt mit den außerhalb liegenden Nervenzellen kommen.[1]

Die Risse entstehen beim Bremsen von Bewegungen (exzentrische Kontraktion, zum Beispiel beim Bergabgehen oder Abfedern eines Sprungs) deutlich schneller als beim Beschleunigen (Bergaufgehen).[2]

Vorbeugung und Behandlung


Laut einer australischen Veröffentlichung[3] verringern Dehnungsübungen vor oder nach dem Training einen Muskelkater nur in vernachlässigbar geringem Umfang. Ein gründliches Aufwärmen der Muskulatur vor der sportlichen Belastung erhöht jedoch die muskuläre Leistungsfähigkeit und verringert damit das Risiko der Überbeanspruchung.

Die Symptome lindern sich in der Regel innerhalb von vier Tagen. Dennoch ist angeraten, die betroffenen Muskelpartien etwa zehn Tage lang zu schonen und zunächst nur leicht zu belasten, um abzuwarten, bis die Heilung vollständig abgeschlossen ist. Eine wirksame medikamentöse Behandlung ist nicht bekannt.[4]

Gute Behandlungserfolge erzielt man mit sanften Massagen mit flächigen Ausstreichungen. Diese führen zu einer verstärkten Durchblutung. Auf kräftige Massagen sollte man dagegen verzichten, denn diese tragen nicht zur Heilung bei, sondern verzögern sie, da sie eine zusätzliche mechanische Irritation der Muskulatur darstellen. Wärmebehandlungen, wie z. B. die Naturfango-Anwendung, aber auch warme Bäder und Saunagänge (vor allem direkt nach der Belastung) lindern den Schmerz und tragen zu einer schnelleren Genesung bei. Die Wärme wird dabei genutzt, um die Durchblutung zu steigern. Dadurch werden die beschädigten Muskelfasern besser mit Mineralstoffen und Spurenelementen versorgt. Dies kann die Heilung beschleunigen.[5] Auch sind vorbeugend und nach Belastung größere Mengen an eiweißhaltiger Nahrung gegen Muskelkater empfehlenswert.[6] Diese erfahrungsgestützten Ergebnisse sind inzwischen durch entsprechende Forschung untermauert worden, wobei verzweigtkettige Aminosäuren die beste Wirkung haben.[7]

Eine Studie, die von Declan Connolly an der Universität von Vermont durchgeführt und 2006 veröffentlicht wurde, wies auf eine positive Wirkung von Kirschsaft bei Muskelkater von Sportlern hin.[8]

Weblinks


Wiktionary: Muskelkater – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise


  1. Dieter Böning: Muskelkater. In: Deutsches Ärzteblatt 99(6). 2002, S. A-372 / B-297 / C-280.
  2. Anja Kopf, Axel Klein: Muskelkater lindern und vorbeugen. In: Apotheken-Umschau. 5. September 2019, abgerufen am 10. Juli 2021.
  3. Rob D. Herbert, Michael Gabriel: Effects of stretching before and after exercising on muscle soreness and risk of injury. Systematic review. In: BMJ. Band 325, 2002, S. 468, doi:10.1136/bmj.325.7362.468 (englisch, bmj.com ).
  4. Muskelkater vorbeugen & lindern - Tipps zur Selbsthilfe. Woebnzym, abgerufen am 11. Juli 2021.
  5. Rolf Gassel: Sportmedizinische Grundlagen und Empfehlungen – Kleines Sportmedizinisches Repetitorium für die Praxis. Teil 2: Sportmedizinische Aspekte des Trainings unter besonderer Berücksichtigung der Ausdauer. GRIN Verlag, München 2011, ISBN 978-3-640-90466-2, S. 28 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  6. Arnd Krüger, Helmut Oberdieck: Kleiner Ratgeber für Leichtathletik-Verletzungen. Bartels & Wernitz, Berlin 1975, ISBN 3-87039-955-4.
  7. M. Negro, S. Giardina, B. Marzani, F. Marzatico: Branched-chain amino acid supplementation does not enhance athletic performance but affects muscle recovery and the immune system. In: Journal of Sports Medicine and Physical Fitness. Band 48, Nr. 3, September 2008, S. 347–351, PMID 18974721 (englisch, researchgate.net [PDF; 1,5 MB]).
  8. D. A. Connolly, M. P. McHugh, O. I. Padilla-Zakour, L. Carlson, S. P. Sayers: Efficacy of a tart cherry juice blend in preventing the symptoms of muscle damage. In: British journal of sports medicine. Band 40, Nummer 8, August 2006, S. 679–683, doi:10.1136/bjsm.2005.025429, PMID 16790484, PMC 2579450 (freier Volltext).









Kategorien: Krankheitsbild in der Sportmedizin




Stand der Informationen: 06.11.2021 01:48:42 CET

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