Multiples Pterygium-Syndrom - de.LinkFang.org

Multiples Pterygium-Syndrom




Klassifikation nach ICD-10
Q79.8 Sonstige angeborene Fehlbildungen des Muskel-Skelett-Systems
ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Mit Multiples Pterygium-Syndrom (Multiple-Pterygien-Syndrom) werden angeborene Erkrankungen mit einer Kombination von zahlreichen ausgeprägten Pterygien (Flügelfellen) mit weiteren Fehlbildungen bezeichnet.[1]

Derzeit werden folgende Formen bzw. Typen unterschieden:

Inhaltsverzeichnis

Autosomal-rezessives Multiples Pterygium-Syndrom


Diese Form geht mit Fehlbildungen der Finger wie Kamptodaktylie und Syndaktylie einher.

Synonyme sind:

Diese Erkrankung wurde erstmals 1902 von J. A. Bussière beschrieben, die Festlegung als eigenständiges Syndrom erfolgte 1978 durch den amerikanischen Humangenetiker Victor Escobar, nach dem sie auch als Escobar-Syndrom bezeichnet wird.[3]

Epidemiologie

Die Vererbung erfolgt autosomal-rezessiv.

Klinik

Diagnostische Kriterien sind:

Differentialdiagnose

Abzugrenzen ist das Frias-Syndrom.[6]

Popliteales Pterygium-Syndrom, letaler Typ


Bei diesem Typ bestehen die Pterygien lediglich in den Kniekehlen.

Synonyme sind:

Die Eigennamen beziehen sich auf Beschreibungen von 1972[7] beziehungsweise von 2000[8].

Klinik

Klinisch finden sich multiple Flügelfelle in den Kniekehlen, verklebte Lidspalte nach der Geburt (Ankyloblepharon), Lippen-Kiefer-Gaumenspalte und Syndaktylien.

Prognose

Die Lebenserwartung ist gering, allerdings gibt es Berichte über das Erreichen des Kindes- und Jugendlichenalters.[9][10]

Autosomal-dominantes Multiples Pterygium-Syndrom


Epidemiologie

Die Häufigkeit wird mit unter 1 zu 1.000.000 angegeben, die Vererbung erfolgt autosomal-dominant.[11]

Klinik

Die klinischen Auffälligkeiten umfassen Ptosis und ausgeprägte Skoliose, scheinen aber variabel zu sein: in leichteren Formen mit Ähnlichkeiten mit der Distalen Arthrogrypose Typ IIb[12], in schwereren Formen mehr dem Escobar-Syndrom entsprechend.[13]

Multiples Pterygium-Syndrom Typ Frias


Kombination mit Ptosis und Skelettanomalien, jedoch kein Minderwuchs. Möglicherweise identisch mit vorstehendem Autosomal-dominanten Multiplen Pterygium-Syndrom.

Synonym: Frias-Syndrom[14]

Epidemiologie

Die Vererbung erfolgt autosomal-dominant.[15]

Letales Multiples Pterygium-Syndrom


Bei diesem heterogenen Syndrom finden sich multiple Pterygien mit Einschränkung der Beweglichkeit kombiniert mit Fehlbildungen an Schädel, Hals, Gesicht, Wirbeln und Genitalien.[16]

Epidemiologie

Die Häufigkeit wird mit unter 1 zu 1.000.000 angegeben, die Vererbung erfolgt autosomal-rezessiv oder X-chromosomal-rezessiv. Bislang wurden verschiedene Gendefekte beschrieben.[17]

Klinik

Klinisch auffällig sind zahlreiche Pterygien an verschiedenen Lokalisationen mit Beugekontrakturen, die an eine Arthrogryposis erinnern, ein bereits bei der Geburt bestehender Minderwuchs, Ödemneigung von Unterhautödemen bis fetalem Hydrops reichend sowie Gesichtsfehlbildungen wie Hypertelorismus, Epikanthus, flache Nasenwurzel, Mikrostomie.

Je nach den knöchernen Veränderungen im Röntgenbild können zwei Formen unterschieden werden mit Fusionen der Dornfortsätze der Wirbelkörper oder mit Fusionen der langen Röhrenknochen.[16]

Differentialdiagnose

Differentialdiagnostisch muss die fetale Akinesie-Sequenz (Pena-Shokeir-Syndrom I) abgegrenzt werden.

Letales X-chromosomales Multiples Pterygium-Syndrom


Synonym: Multiples Pterygium-Syndrom, X-Linked

Für diese Form sind bislang lediglich wenige Beobachtungen erfolgt.[18][19][20]

Siehe auch


Literatur


Weblinks


Einzelnachweise


  1. Multiples Pterygium-Syndrom. In: Orphanet (Datenbank für seltene Krankheiten).
  2. MULTIPLE PTERYGIUM SYNDROME, ESCOBAR VARIANT.  In: Online Mendelian Inheritance in Man. (englisch)
  3. V. Escobar, D. Bixler, S. Gleiser, D. D. Weaver, T. Gibbs: Multiple pterygium syndrome. In: American journal of diseases of children (1960). Band 132, Nummer 6, Juni 1978, S. 609–611, ISSN 0002-922X . PMID 655146.
  4. B. Leiber: Die klinischen Syndrome. Syndrome, Sequenzen und Symptomenkomplexe. Herausgegeben von G. Burg, J. Kunze, D. Pongratz, P. G. Scheurlen, A. Schinzel, J. Spranger, 7. Auflage. Urban & Schwarzenberg 1990, ISBN 3-541-01727-9
  5. Multiples Pterygium-Syndrom, autosomal-rezessives. In: Orphanet (Datenbank für seltene Krankheiten).
  6. Who named it Escobar's syndrome
  7. C. S. Bartsocas, C. V. Papas: Popliteal pterygium syndrome. Evidence for a severe autosomal recessive form. In: Journal of medical genetics. Band 9, Nummer 2, Juni 1972, S. 222–226, ISSN 0022-2593 . PMID 4339984. PMC 1469049 (freier Volltext).
  8. Y. Aslan, E. Erduran, N. Kutlu: Autosomal recessive multiple pterygium syndrome: a new variant? In: American journal of medical genetics. Band 93, Nummer 3, Juli 2000, S. 194–197, ISSN 0148-7299 . PMID 10925380.
  9. POPLITEAL PTERYGIUM SYNDROME, LETHAL TYPE.  In: Online Mendelian Inheritance in Man. (englisch)
  10. Multiples Pterygium-Syndrom Typ Aslan. In: Orphanet (Datenbank für seltene Krankheiten).
  11. Multiples Pterygium-Syndrom, autosomal-dominantes. In: Orphanet (Datenbank für seltene Krankheiten).
  12. ARTHROGRYPOSIS, DISTAL, TYPE 5.  In: Online Mendelian Inheritance in Man. (englisch)
  13. ARTHROGRYPOSIS, DISTAL, TYPE 8.  In: Online Mendelian Inheritance in Man. (englisch)
  14. Who named it Frias' syndrome
  15. Jaime L. Frias, J. R. Holahan, A. L. Rosenbloom, A. H. Felman: An autosomal dominant syndrome of multiple pterygium, ptosis, and skeletal anomalities. 1973 in: Fourth International Conference on Birth Defects. Vienna 1973. Excerpta Medica, 19.
  16. a b Multiples Pterygium-Syndrom, letale Formen. In: Orphanet (Datenbank für seltene Krankheiten).
  17. MULTIPLE PTERYGIUM SYNDROME, LETHAL TYPE.  In: Online Mendelian Inheritance in Man. (englisch)
  18. MULTIPLE PTERYGIUM SYNDROME, X-LINKED.  In: Online Mendelian Inheritance in Man. (englisch)
  19. A. Carnevale, A. López Hernández, L. De los Cobos: Sindrome de pterygium familiar con probable transmission dominante ligada al cromosoma X. In: Revista de investigación clínica; organo del Hospital de Enfermedades de la Nutrición. Band 25, Nummer 3, 1973 Jul-Sep, S. 237–244, ISSN 0034-8376 . PMID 4757629.
  20. Multiples Pterygium-Syndrom, letales, X-chromosomales. In: Orphanet (Datenbank für seltene Krankheiten).








Kategorien: Fehlbildung | Seltene Krankheit | Erbkrankheit








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