Michael Roth (Kybernetiker) - de.LinkFang.org

Michael Roth (Kybernetiker)




Michael Roth (* 18. Juni 1936 in Kleinlomnitz, Tschechoslowakei; † 23. Juli 2019 in Ilmenau[1]) war ein deutscher Ingenieur und Professor für Automatisierung, spezialisiert für Mikroprozessortechnik, Informatik und Gesellschaft sowie Wissenschaftstheorie. Er gehörte zu den Pionieren der Computertechnik in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Leben


Roth absolvierte zunächst eine Berufsausbildung als Schlosser sowie als Programmierer. Sein Hochschulstudium nahm er im Jahr 1957 an der Technischen Hochschule Ilmenau in der Fachrichtung Elektrotechnik auf und vertiefte es insbesondere im Fach Regelungstechnik bei Karl Reinisch. Im Jahr 1963 erwarb er den akademischen Grad Diplom-Ingenieur (Dipl.-Ing.). Anschließend war er in Ilmenau am Institut für maschinelle Rechentechnik als wissenschaftlicher Assistent tätig. Diese Tätigkeit schloss er im Jahr 1967 mit der Promotion zum Doktoringenieur (Dr.-Ing.) erfolgreich ab. Die Dissertation wurde auf dem Gebiet der Computertechnik zum Hybridrechnerentwurf erarbeitet. Sie stellte eine wesentliche Grundlage für sein späteres Forschungsprofil dar. Anschließend absolvierte er 1967/68 ein Zusatzstudium am Moskauer Energetischen Institut.

Roth wurde im Jahr 1970 als Hochschuldozent (entsprach C3-Professor) an der TH Ilmenau, Sektion Technische und biomedizinische Kybernetik (TBK) berufen (Direktor: Karl Reinisch). Er entwickelte dort im Zusammenwirken mit Fachgremien in der Kammer der Technik sowie der Elektronikindustrie in Thüringen das neue Fachgebiet „Mikrocomputertechnik“, vertrat es als eigenständiges Lehrfach und veröffentlichte hierzu Fachbücher in mehreren Auflagen.

Roth förderte die Markteinführung der Mikrocomputertechnik nicht nur mit seinen Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, sondern auch durch seine Mitwirkung an Weiterbildungsmaßnahmen für diese industrielle Technik sowie durch spezielle Buchpublikationen. Als Wissenschaftler beschäftigte er sich inhaltlich vorwiegend mit Fragen zur Entwicklung von Komponenten und Werkzeugen für intelligente Automatisierungssysteme.

Im Jahr 1978 erfolgte seine Berufung als Ordentlicher Professor für Automatik und technische Kybernetik an der TH Ilmenau. Diese Berufung entsprach seinen damaligen Kenntnissen und seinem Erfahrungsschatz. Er erweiterte später die Ausbildung von Ingenieuren mit Abschlüssen in der im deutschsprachigen Raum damals seltenen Spezialisierung für Mikroprozessortechnik durch seine neuen Lehrveranstaltungen und unterlegte diese inhaltlich durch spezielle Lehrbücher.

Aus der Kooperation mit seinen Professorenkollegen – zu denen auch das Rechenzentrum mit seinem Direktor Reinhold Schönefeld gehörte[2], gingen für die Mikroprozessortechnik an der TH Ilmenau umfangreiche Forschungs- und Praktikumseinrichtungen auf industrienahem Niveau hervor, die ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber vergleichbaren Hochschuleinrichtungen im deutschsprachigen Raum darstellten. Roth trug hiermit zum Aufbau und zur Profilierung von Lehre und Forschung an der Sektion Technische und Biomedizinische Kybernetik bei. Zugleich arbeitete er beim Technologietransfer in die umliegenden Computerbetriebe mit.

Bei seiner Tätigkeit entwickelte Roth verschiedene Mikrocontrolleranwendungen und -implementierungen. Er gewann dabei Erfahrungen in den Programmiersprachen sowie im Umgang mit den dazugehörigen Entwicklungswerkzeugen sowie Hard- und Softwarekomponenten. Der Einsatz von Visualisierungssystemen erfolgte zur rationellen Mensch-Maschine-Kommunikation. Arbeiten zum Einsatz in praktischen Anwendungen und Demonstrationsobjekten erweiterten seine Kenntnisse und Erfahrungen im Bereich der Programmierung. Weiterhin erlangte er einen fundierten Kenntnisstand auf dem Gebiet der Datenkommunikation und den damit verbundenen Teilbereichen.

Roth sah dieses Fachgebiet keineswegs als technologisch abgeschlossen. Daher arbeitete er permanent am wissenschaftlichen Vorlauf für künftige Lösungen im engen Kontakt mit Industrie- und Forschungspartnern. Über seine Gremienarbeit in der „Gesellschaft für Informatik der DDR“ (Vorsitzender: Gerhard Merkel) zusammen mit spezifischen Buch- und Zeitschriftenpublikationen konnte er dazu beitragen, dass dem neuen Fachgebiet „Mikroprozessortechnik“ eine DDR-weite Beachtung verschafft wurde.

Darüber hinaus war Roth seit seinen frühen Jahren an einer übergeordneten Betrachtung von Wissenschaftsentwicklungen interessiert. So entstand auch im Jahr 1986 seine Habilitationsarbeit an der TU Dresden auf dem Gebiet Wissenschaftstheorie.

Wissenschaftliche Funktionen


Roth war zunächst Wissenschaftsbereichsleiter Informationsverarbeitung in der Sektion TBK. Anschließend wurde er ab 1975 als Nachfolger von Siegfried Pilz zum Direktor dieser Sektion ernannt, ihm folgte ab 1983 Manfred Günther in diesem Amt. Auf der Grundlage seiner spezialisierten Forschungsarbeiten wurde er zum Mitbegründer des Fachstudiums „Technische Informatik/Computertechnik“. Darüber hinaus war er Gründer des postgradualen Studiums zum Fachingenieur „Mikroprozessortechnik“.

Roth war Gründer und Herausgeber der Fachzeitschrift „MP Mikroprozessortechnik“ beim Verlag Technik Berlin. Die langwierigen Prozesse bei dieser Gründung unter DDR-Bedingungen schilderte er beim Abendgespräch in einer Fachausschuss-Tagung der Kammer der Technik im April 1982 in Angelroda: 15 Jahre lang engagierte er sich, bis eine kleine Auflage der „Mikroprozessortechnik“ erscheinen durfte. „Informatik“ durfte sie nicht heißen, da SED-Politbüromitglied Günter Mittag dies als „Westbegriff“ ansah. Das Papier-Kontingent-Gegenargument musste ebenso überwunden werden wie die Vorhaltung, dass es 28 Jahre lang im VEB Verlag Technik keine neue Zeitschrift gegeben habe.

Sein Wirken als Mitbegründer der Zeitschrift Ethik und Sozialwissenschaften, ein Streitforum für Erwägungskultur beim Westdeutschen Verlag, verdeutlicht seine Fähigkeit zum unkonventionellen Denken (Querdenken) sowie sein Interesse an Zukunftsfragen.[3]

Roth war langjähriger Landesvorsitzender Thüringen im Verband Hochschule und Wissenschaft (VHW) im Deutschen Beamtenbund, zugleich Mitglied des Bundesvorstandes des VHW in Bonn (damaliger Vorsitzender: Reinhard Kuhnert).[4]

Im Expertenrat „Delphi-Prognose“ der Fraunhofer-Gesellschaft wirkte Roth als Gutachter.

Arbeitsgebiete


Michael Roth überdeckte eine breite Palette von Arbeitsgebieten:

Über seine Forschungsresultate hat Roth zahlreiche Vorträge auf wissenschaftlichen Veranstaltungen und Messen gehalten, deren Durchführung er teilweise selbst angeregt und mitorganisiert hat. Seine wissenschaftlichen Publikationen spiegeln zugleich seine Teamarbeit wider und umfassen über 100 Arbeiten, davon mehrere Bücher mit bis zu fünf Auflagen. Parallel dazu erfolgte seine Mitarbeit an verschiedenen Gutachten.

Veröffentlichungen (Auswahl)


Literatur


Weblinks


Einzelnachweise


  1. http://micialmedia.de/2019/07/nachruf-fuer-papa/
  2. Reinhold Schönefeld, Werner Liebich u. a.: Jubiläum: 30 Jahre Rechenzentrum und Informatik an der TH Ilmenau (Festkolloquium am 29. Nov. 1991). In: Ilmenauer Hochschulblatt. Zeitung der Technischen Hochschule Ilmenau, Jg. 34/16/1991.
  3. Michael Roth: Pro Zukunft. Internationale Bibliothek für Zukunftsfragen – Robert-Jungk-Stiftung. In: Ilmenauer Uni-Nachrichten 36/7/1993, S. 7.
  4. Michael Roth: vhw-informationen: Schwerpunktthemen des Interessen- und Berufsverbandes. In: Ilmenauer Uni-Nachrichten 36/3/1993, S. 7.








Kategorien: Elektroingenieur | Ingenieurwissenschaftler | Hochschullehrer (Technische Universität Ilmenau) | DDR-Bürger | Deutscher | Geboren 1936 | Gestorben 2019 | Mann








Stand der Informationen: 03.07.2020 10:34:26 CEST

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