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Michael Köhlmeier



Michael Johannes Maria Köhlmeier (* 15. Oktober 1949 in Hard, Vorarlberg) ist ein österreichischer Schriftsteller.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Werk


Michael Köhlmeier ist das zweite Kind des Journalisten Wise Köhlmeier und dessen Frau Paula Köhlmeier, geb. Könner.[1]

Er besuchte von 1963 bis 1970 das humanistische Gymnasium in Feldkirch,[1] von 1970 bis 1976 studierte Michael Köhlmeier Politikwissenschaft und Germanistik in Marburg an der Lahn. 1976 schloss er das Studium mit dem ersten Staatsexamen und einer Arbeit über den Austrofaschismus ab. Von 1977 bis 1980 betrieb er ein Zweitstudium der Mathematik und Philosophie in Gießen.[2]

Er wurde ab Anfang der 1970er Jahre mit Hörspielen im Österreichischen Rundfunk (Like Bob Dylan, Drei im Café spielen, Das Anhörungsverfahren) und mit kürzeren Prosatexten als Schriftsteller bekannt (erste Auszeichnung: Rauriser Förderungspreis für Literatur 1974). 1972 gründete er zusammen mit dem Musiker Reinhold Bilgeri das Duo Bilgeri & Köhlmeier. Mit dem Lied Oho Vorarlberg verzeichnete das Duo 1973 einen Erfolg in Österreich. Das Duo war sehr erfolgreich – pro Auftritt nahm jeder 30.000 Schilling ein.[1][1]

Seit Anfang der 1980er Jahre ist ein umfangreiches Romanwerk entstanden, neben einer Vielzahl von kürzeren Texten und feuilletonistischen Beiträgen. Seine Romane sind zum Teil auch als Hörbücher erschienen, darunter Madalyn, gesprochen von Jürgen Uter, und Nachts um eins am Telefon, das von Köhlmeier selbst gesprochen wurde und sich auf der hr2-Hörbuchbestenliste platzierte.

Erfolgreich waren seine vom Radiosender Ö1 ausgestrahlten freien Nacherzählungen antiker Sagenstoffe und biblischer Geschichten, die später auch in CD-Editionen und als Bücher erschienen sind. Von 2007 an wurde auf BR-alpha die 80-teilige Sendereihe Mythen – Michael Köhlmeier erzählt Sagen des klassischen Altertums ausgestrahlt, in welcher er griechische Sagen frei nacherzählt. Ebenfalls 2007 wurde auf demselben Fernsehsender die 42 Folgen umfassende Serie Köhlmeiers Märchen mit freien Nacherzählungen bekannter, aber auch selten gedruckter Märchen gezeigt. Seiner Faszination für die geheimnisvolle Gattung der Märchen hat Köhlmeier ein Buch mit dem Titel "Von den Märchen: Eine lebenslange Liebe" gewidmet, das im Jahr 2018 erschienen ist. In einem Interview mit dem Haymon Verlag betont der Schriftsteller die Aktualität und Wichtigkeit der Märchen: "Ich glaube, ich bin ja der Überzeugung, dass im Kern von jeder guten Geschichte, jeder guten Geschichte, ob es ein Roman ist, ob es eine historische Geschichte ist – jede historische Geschichte wird uns aufbereitet, die Geschichte ist erst dann Geschichte, wenn sie erzählt wird – im Kern einer jeden Geschichte sitzt ein Märchen. Davon bin ich überzeugt."[3]

Seine Werke wurden u. a. ins Englische,[4] Französische, Griechische, Koreanische, Rumänische, Slowenische, Spanische und Türkische übersetzt.

Für die Gruppe Schellinski schreibt er seit 2004 Liedtexte in Vorarlberger Mundart. Von 2007 bis 2012 moderierte er regelmäßig die Diskussionssendung Club 2 auf ORF 2.

1981 heirateten Michael Köhlmeier und die Schriftstellerin Monika Helfer, sie haben vier Kinder. Die Tochter Paula Köhlmeier verunglückte 2003 im Alter von 21 Jahren tödlich. Ihren Tod arbeitete Köhlmeier in der 2008 erschienenen Erzählung Idylle mit ertrinkendem Hund auf.

Köhlmeier bezieht regelmäßig Stellung zu politischen Themen. So zeigte er im Jahr 2014 den damaligen FPÖ-Europaabgeordneten Andreas Mölzer wegen Verhetzung an.[5] Im Jahr 2018 sorgte er für Schlagzeilen, als er im Parlament im Zuge eines Akts zum Gedenken an verfolgte Juden die regierende FPÖ heftig für ihren Umgang mit Antisemitismus angriff.[6][7][8] Köhlmeier kritisierte die FPÖ, weil sie „nahezu im Wochenrhythmus naziverharmlosende oder antisemitische oder rassistische Meldungen“ abgebe und den Namen George Soros für Verschwörungstheorien und Klicks im Netz missbrauche.[9] Mit der Aussage „Es hat auch damals schon Menschen gegeben, die sich damit brüsteten, Fluchtrouten geschlossen zu haben“ stellte Köhlmeier einen Bezug her zum Verhalten der europäischen Staaten und der USA angesichts der anschwellenden Flüchtlingsströme nach dem Anschluss Österreichs und der Konferenz von München.[10] Köhlmeier richtete an die österreichische Zivilgesellschaft den Appell, Anti-Islamismus nicht mit Philosemitismus zu begründen. Während FPÖ und ÖVP erbost auf die Rede reagierten, bekam Köhlmeier Anerkennung von SPÖ und Grünen.[11]

2019 erschien bei dtv der Roman An den Mauern des Paradieses von Martin Schneitewind, angeblich aus dem Französischen übersetzt von Raoul Schrott. Köhlmeier zufolge habe Schneitewinds Witwe ihm das Manuskript zur Veröffentlichung überlassen. Recherchen des NDR zeigen, dass es eher unwahrscheinlich ist, dass der literarisch nie aufgefallene Martin Schneitewind je existiert hat, auch wenn in dem Buch 28 Seiten zu seiner Vita zu finden sind. Rezensoren werteten dies als zum Roman gehörendes Spiel mit Fiktion und Wirklichkeit.[12][13]

Michael Köhlmeier lebt als freier Schriftsteller in Hohenems und Wien. Das Leben in der Provinz habe er nie als Problem empfunden, erklärte er in einem Interview in den Salzburger Nachrichten auf die Feststellung, er arbeite abseits der großen literarischen Zentren: „Im Alter der Informationsüberflutung, im Jahrhundert der Massenkommunikation gibt es den Begriff der Provinz nicht mehr in der Form wie im 19. Jahrhundert. Wenn ich mir die Ringstraße anschauen will, fahre ich halt nach Wien.“[14]

Auszeichnungen und Ehrungen


Werke (Auszug)


Prosa

Stücke

Hörspiele

Hörbücher

Drehbücher

Musik

Lyrik/Liedtexte

Literatur


Weblinks


Commons: Michael Köhlmeier  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. a b c d Ulrike Längle: Narrare necesse est. Leben als Erzähler, Erzählen als Überleben. In: Günther A. Höfler, Robert Vellusig (Hrsg.): Michael Köhlmeier. Droschl, Graz, Wien 2001, ISBN 3-85420-573-2, S. 241–257.
  2. Ulrike Längle: Narrare necesse est. Leben als Erzählen, Erzählen als Überleben. In: Günther A. Höfler, Robert Vellusig (Hrsg.): Michael Köhlmeier. Droschl, Graz, Wien 2001, ISBN 3-85420-573-2, S. 247.
  3. Vom Rätselhaften im Märchen. Michael Köhlmeier im Haymon Interview. Haymon Verlag, 1. Februar 2018, abgerufen am 19. Februar 2020.
  4. Michael Köhlmeier: Two Gentlemen on the Beach. Haus Publishing, London 2016, ISBN 978-1-910376-46-1 (deutsch: Zwei Herren am Strand. München 2014. Übersetzt von Ruth Martin).
  5. Autor Michael Köhlmeier zeigt Mölzer wegen Verhetzung an. In: Der Standard. 4. April 2014, abgerufen am 19. Februar 2020.
  6. Köhlmeier: Wer glaubt, die FPÖ schütze Juden, "ist ein Idiot". In: Der Standard. 4. Mai 2018, abgerufen am 19. Februar 2020.
  7. 2018/05/04 - Rede von Michael Köhlmeier. In: YouTube. 4. Mai 2018, abgerufen am 19. Februar 2020 (Rede zum Gedenktag gegen Gewalt und Rassismus).
  8. Köhlmeier: Wer glaubt, FPÖ beschütze Juden, "ist Idiot oder Zyniker". In: Kurier. 4. Mai 2018, abgerufen am 19. Februar 2020.
  9. Kathrin Glösel: Köhlmeier-Rede: Wie sich Kanzler Kurz zum Opfer macht. In: Kontrast.at. 9. Mai 2018, abgerufen am 19. Februar 2020.
  10. Johannes Voggenhuber: Köhlmeier-Rede: Eine historische Wahrheit von brennender Aktualität. In: Der Standard. 5. Oktober 2018, abgerufen am 21. Februar 2020 (Userkommentar).
  11. Karin Janker: In vielen kleinen Schritten zum Bösen. In: Süddeutsche Zeitung. 5. Mai 2018, abgerufen am 21. Februar 2020.
  12. Alexander Solloch: Lüge oder Wahrheit - ein rätselhafter Roman. »An den Mauern des Paradieses« von Martin Schneitewind, aus dem Französischen von Raoul Schrott. In: NDR Kultur. 29. März 2019, abgerufen am 22. Februar 2020.
  13. Kristina Maidt-Zinke: Herrenliteratur – Gähnende Lüge. Der Roman "Martin Schneitewind" wirft die Frage auf: Ergibt das postmoderne Spiel mit fiktiven Autoren noch Sinn? In: Süddeutsche Zeitung. 13. Mai 2019, abgerufen am 22. Februar 2020.
  14. Wolfgang Ölz: Der Autor muß vor allem ehrlich sein zu seinen Figuren. Gespräch mit dem Vorarlberger Autor Michael Köhlmeier über dessen schriftstellerische Tätigkeit. In: Salzburger Nachrichten. 11. Juni 1994.
  15. Wiener Auszeichnungen für Gerhard Rühm und Michael Köhlmeier. In: Presse-Service Rathauskorrespondenz. Stadt Wien, 12. Februar 2007, abgerufen am 22. Februar 2020.
  16. Pressemitteilung der Stadt Aachen vom 5. Mai 2014 (Memento vom 17. Mai 2014 im Internet Archive)
  17. Ehrenkreuz für Köhlmeier und Helfer. In: orf.at. 8. März 2016, abgerufen am 22. Februar 2020.
  18. DÖW ehrt Köhlmeier für Hofburg-Rede. In: orf.at. 8. April 2019, abgerufen am 22. Februar 2020.
  19. Nestroy-Ring für Michael Köhlmeier. In: orf.at. 8. Dezember 2019, abgerufen am 22. Februar 2020.
  20. Rezensionsnotizen zu Der Mann, der Verlorenes wiederfindet bei perlentaucher.de
  21. Markus Wigert: In Bregenz spielt der Teufel Gott: Uraufführung von Michael Köhlmeiers «Lamm Gottes». In: tagblatt.ch. 25. November 2019, abgerufen am 26. November 2019.



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Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Michael Köhlmeier (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0


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Stand der Informationen: 05.05.2020 02:51:15 CEST - Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
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