Międzyzdroje - de.LinkFang.org

Międzyzdroje



Misdroy ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Weitere Bedeutungen sind unter Misdroy (Begriffsklärung) aufgeführt.
Międzyzdroje
(Misdroy)
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Powiat: Kamień Pomorski
Gmina: Międzyzdroje
Fläche: 4,51 km²
Geographische Lage: 53° 55′ N, 14° 27′ O
Einwohner: 5376
(30. Jun. 2019)[1]
Postleitzahl: 72-510
Telefonvorwahl: (+48) 91
Kfz-Kennzeichen: ZKA
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 3: Deutschland/ŚwinoujścieJakuszyce/Tschechien
DW 102: Międzyzdroje → TrzebiatówKołobrzeg
Schienenweg: Szczecin Dąbie–Świnoujście
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 4 Ortschaften
3 Schulzenämter
Fläche: 117,17 km²
Einwohner: 6492
(30. Jun. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 55 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3207043
Verwaltung (Stand: 2012)
Bürgermeister: Leszek Dorosz
Adresse: ul. Książąt Pomorskich 5
72-500 Międzyzdroje
Webpräsenz: www.miedzyzdroje.pl



Międzyzdroje [mʲɛnʣɨˈzdrɔjɛ] (deutsch Misdroy) ist eine etwa 5500 Einwohner umfassende Stadt mit Sitz einer Stadt- und Landgemeinde auf der Insel Wolin (deutsch: Wollin), im Powiat Kamieński (Kreis Cammin) der polnischen Woiwodschaft Westpommern und einer der bekanntesten Badeorte der Ostseeküste.

Inhaltsverzeichnis

Geographische Lage


Międzyzdroje liegt in Vorpommern, an der Nordseite der Insel Wolin direkt an der zur Ostsee gehörenden Pommerschen Bucht. Stettin im Süden ist etwa 60 Kilometer entfernt, Berlin im Südwesten etwa 230 Straßenkilometer.

Geschichte


Von der Ortsentstehung bis zum 19. Jahrhundert

Die Geschichte von Międzyzdroje lässt sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen.[2] 1554 wurde Misdroy urkundlich als Eigentum der deutschen Dompropstei Cammin erwähnt. Bis zu seinem Aufstieg zum Seebad galt es als kleines Dorf, das nur von einigen Kolonisten bewohnt war, die sich von Fischfang und kümmerlicher Landwirtschaft ernährten.

Zum Badeort wurde Misdroy zwischen 1830 und 1835. Von 1830 an zählte man einzelne Badegäste. Ab 1835 entwickelte sich ein regelrechter Badebetrieb.[3] Im gleichen Jahr wurden die ersten Badehäuschen errichtet, für Frauen und Männer getrennt, wie es damals in den deutschen Bädern üblich war. Wohlhabende Berliner und Stettiner bauten sich hier Villen. 1850 hatte Misdroy bereits 317 Einwohner und 500 Badegäste aufzuweisen. Der Berliner Fremdenführer Edwin Müller schrieb drei Jahrzehnte später in seinem Führer durch die Badeorte der Inseln Wollin und Usedom.[4]

„Misdroy liegt an der Westküste der Insel Wollin, umschlossen von den Abhängen einer bewaldeten Hügelkette, die bei den Lebbiner Bergen am Haff beginnt, und sich über Misdroy hinaus am ganzen nördlichen Küstensaume der Insel hart am Meeresstrande hinzieht. […] Wohl kein zweites deutsches Seebad hat in so kurzer Zeit einen ähnlichen rapiden Aufschwung genommen. Vor 30 Jahren war der Ort ein armseliges, aus wenigen Hütten bestehendes Fischerdorf, dessen freundliche Umgebung zwar schon damals einige genügsame Badegäste anlockte, das aber dennoch Jahre lang sein einfaches und dürftiges Aussehen bewahrte. […] Seit jener Zeit hat sich Misdroy, unterstützt durch thätige Mitwirkung der Badedirection, von Jahr zu Jahr weiter ausgedehnt, und zu einem der bedeutendsten Ostseebäder empor geschwungen.“

Nach 1860 setzte ein rasches Wachstum des Ortes ein. Die Errichtung einer protestantischen Kirche auf der Königshöhe im Jahre 1862 ist dafür Zeugnis. Im Jahre 1862 schrieb Josef Seegen aus Wien, Brunnenarzt in Karlsbad, in seinem Handbuch der allgemeinen und speziellen Heilquellenlehre: „Misdroy liegt von Buchenwäldern umgeben auf der Nordwestküste der preußischen Insel Wollin, 200 Schritte vom Strand entfernt. Der Strand besteht aus dichtem feinen Sand. Der Wellenschlag ist nur bei Westwind etwas bedeutender, was in den Herbstmonaten am häufigsten vorkommt.“[5]

Ab 1870 wurde auch das Dünengelände im Westen des Ortes nach und nach bebaut. 1869 verbesserte der Bau einer Schiffsanlegestelle für den direkten Verkehr von und nach Stettin an der Laatziger Ablage, am Großen Vietziger See, die Erreichbarkeit des Ortes.

Der Thronfolger und spätere deutsche Kaiser Friedrich III. hatte hieran seine Verdienste. Er hatte sich im Jahre 1867 einige Wochen mit seiner Familie in Misdroy erholt. Dank seiner Fürsprache wurde zwei Jahre später am Vietziger See der erwähnte Anleger für Passagierschiffe zur Direktverbindung Stettin–Misdroy–Swinemünde gebaut. Die dankbaren Einwohner von Misdroy gaben daraufhin ihrer 1885 eröffneten Seebrücke, der ersten in der Region, seinen Namen. Die Strecke „Laatziger Ablage“–Misdroy fuhren Kutschen und später Kraftomnibusse. Nach dem Krieg 1870/1871 waren der damalige preußische Kronprinz mit seinem Hofstaat, der Generalpostmeister Heinrich von Stephan sowie Professor Rudolf Virchow prominente Gäste des Seebades. Von 1872 an war Misdroy eines der führenden deutschen Seebäder. Als besondere Attraktion entstand 1885 der erste Seesteg, der 1906 auf 360 Meter verlängert wurde. 1913 zerstörte ihn eine Sturmflut. Er wurde erst 1921 wieder erneuert.

Im 20. Jahrhundert: der Ort wird Seebad

Nachdem 1899 eine Eisenbahnstrecke von Wollin nach Misdroy gebaut worden war, stieg die Attraktivität des Ortes weiter. Nun konnte die Eisenbahnverbindung Berlin–Ducherow–Swinemünde–Misdroy für die An- und Abreise der Gäste genutzt werden. 1930 wurden 21.115 Badegäste gezählt. Die Zahl der Einwohner betrug 1939 insgesamt 4145.

Eine bekannte Bewohnerin Misdroys war von 1915 bis 1945 die deutsche Schriftstellerin Magda Trott, die nur noch für ihre nach wie vor verlegten Kinderbücher Pucki (Titania Verlag) und Goldköpfchen (Engelbert Verlag) bekannt ist.

Von 1919 bis Ende 1944 bestand in Misdroy die insbesondere unter Baltendeutschen beliebte Baltenschule Misdroy, eine private Oberschule.[6] Claus von Amsberg, der spätere Gemahl der niederländischen Königin Beatrix, besuchte in den Jahren 1938 bis 1942 diese Schule.

Südlich von Misdroy, in den bewaldeten Hügeln bei Zalesie (Laatzig) an der Laatziger Ablage am Ostufer des Wicko Małe (Kleiner Vietziger See), befand sich während des Zweiten Weltkriegs eine geheime Versuchsanlage zur Erprobung der Kanone V3, die als Mehrkammerkanone Bodenziele in weiter Entfernung unter Beschuss nehmen sollte. Reste der 1945 bis 1947 zerstörten Anlage sind noch sichtbar. In einem erhaltenen Bunker der Anlage ist ein kleines, privat betriebenes Militaria-Museum eingerichtet, das Informationen zur einstigen V3-Anlage bietet.[7]

Bis 1945 gehörte Misdroy zum Landkreis Usedom-Wollin.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs

Seit 1945 ist das Standesamt I in Berlin für die vor 1945 dort Geborenen zuständig (beispielsweise zur Ausstellung einer Geburtsurkunde).

Die Insel Wollin wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs Anfang Mai 1945 von der Roten Armee besetzt und nach Kriegsende mit ganz Hinterpommern und einem Teil Vorpommerns mit Stettin unter polnische Verwaltung gestellt. Im Ort wurden nun Polen angesiedelt. Soweit sie nicht zuvor vor den Kampfhandlungen geflüchtet war, wurde die deutsche Bevölkerung anschließend vertrieben. Misdroy hieß nun in der Zugehörigkeit der Volksrepublik Polen Międzyzdroje.

Der Ort erhielt 1947 Stadtrecht und war von 1973 bis 1984 ein Stadtteil von Świnoujście (Swinemünde). Seitdem ist Międzyzdroje wieder eine eigenständige Gemeinde. Die Einwohner leben überwiegend von der Fremdenverkehrswirtschaft.

Entwicklung der Gästezahlen

Sehenswürdigkeiten


Bauwerke
Sonstiges
Kultur

In Międzyzdroje finden regelmäßig polnische Filmfestivals statt. In der Nähe der Strandpromenade befindet sich der polnische Walk of Fame, auf dem sich polnische Schauspielerinnen und Schauspieler mit einem Handabdruck in Bronze verewigt haben.

Städtepartnerschaft


Patengemeinden der Stadt Międzyzdroje sind das deutsche Ostseebad Timmendorfer Strand sowie Sellin auf Rügen.

Gmina Międzyzdroje


Die Stadt- und Landgemeinde (gmina miejsko-wiejska) Międzyzdroje umfasst ein Gebiet von 117 km² mit 6.500 Einwohnern. Nordöstlich der Stadt, an der Nationalparkküste, befinden sich die Siedlungen Biała Góra (Weißer Berg) und Jaromin (Jordansee, 2010 in Grodno umbenannt).

Zur Gmina Międzyzdroje gehören neben dem Küstenort Międzyzdroje und seinen Siedlungen noch drei weitere eigenständige Ortschaften. Am Fuß der Misdroy-Lebbiner Endmoränen und an den Ufern der zum Stettiner Haff gehörenden Vietziger Seen (Wicko Wielkie und Wicko Małe) liegen

Wirtschaft


Der wichtigste Wirtschaftszweig in Międzyzdroje ist der Tourismus. Das Seebad ist mit seinem feinsandigen Strand, der belebten Promenade, der abwechslungsreichen Steilküstenlandschaft und diversen Sehenswürdigkeiten vor allem ein beliebtes Sommerziel. Im Jahr 2013 wurden 600.000 Übernachtungen gezählt.[11]

Öffentliche Einrichtungen


In Misdroy befindet sich eine Zweigstelle des Staatsarchivs Stettin.[12]

Die Universität Stettin verfügt über eine Naturforschungsstation in Misdroy.[13]

Verkehr


An das Straßennetz ist die Stadt über die Landesstraße DK 3 angebunden, die den Ort im Südwesten tangiert. Die Stadt hat einen Bahnhof an der Eisenbahnstrecke Szczecin–Świnoujście (Stettin–Swinemünde), die parallel zu der genannten Landesstraße verläuft. Nach Usedom im Westen ist eine bessere Verkehrsanbindung über einen zu errichtenden Swinetunnel angedacht – bislang muss der Fluss in Świnoujście mit der Fähre überquert werden.[14]

Fahrradfahrer können beidseitige Randstreifen der Landesstraße nutzen oder über den sicheren, aber weitgehend unbefestigten und unbeleuchteten Waldweg entlang der Küste z. B. nach Świnoujście gelangen. Dieser Weg ist Bestandteil des internationalen Ostseeküsten-Radwegs EV10.

Persönlichkeiten


Söhne und Töchter der Stadt

Personen, die in der Stadt gewirkt haben

Literatur


Weblinks


Commons: Międzyzdroje  – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Międzyzdroje – Reiseführer

Siehe auch


Fußnoten


  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  2. Georg Wilhelm von Raumer: Die Insel Wollin und das Seebad Misdroy. Historische Skizze. Berlin 1851, S. 354–367.
  3. Raumer (1851): S. 367 ff.
  4. Edwin Müller: Swinemünde, Heringsdorf –- Misdroy, Führer für Badegäste und Touristen durch die Haupt-Seebäder der Inseln Usedom und Wollin. Ansichten, Spezialkarten und Pläne, W. Lobeck, Berlin. 1869.
  5. Josef Seegen: Handbuch der allgemeinen und speciellen Heilquellenlehre, zweite neu bearbeitete Auflage. Braumüller, Wien 1862. – Volltext online .
  6. Gerhard Brugmann: Misdroy, Wyk, Hemmelmark. Drei christlich-konservative Internate. Verlag Chronos, Berlin 2001. ISBN 3-931054-07-1
  7. Touristenkarte - Insel Wollin und Umgebung, Warschau 2012.
  8. a b Raumer (1851), S. 367.
  9. Meyers Reisebücher: Ostseebäder und Städte der Ostseeküste. Vierte Auflage, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1910, S. 124.
  10. a b Meyers Reisebücher: Deutsche Ostseeküste. Teil II: Rügen und die pommersche Küste, 2. Auflage, Bibliographisches Institut, Leipzig 1924, S. 149.
  11. a b BalticPortal , Tourismuszahlen der polnischen Ostseeküste, 29. August 2014
  12. https://www.szczecin.ap.gov.pl/pl/Miedzyzdroje
  13. http://smus.edu.pl/
  14. BalticPortal : Zehn Bewerber für Tunnel-Ausschreibung, 27. August 2014
  15. www.miedzyzdroje.pl .



Kategorien: Gmina in der Woiwodschaft Westpommern | Ort in Pommern | Kurort in Polen | Wolin | Ort der Woiwodschaft Westpommern | Gmina Międzyzdroje | Seebad



Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Międzyzdroje (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0


Veränderungen: Alle Bilder und die meisten Designelemente, die mit ihnen in Verbindung stehen, wurden entfernt. Icons wurden teilweise durch FontAwesome-Icons ersetzt. Einige Vorlagen wurden entfernt (wie „Lesenswerter Artikel“, „Exzellenter Artikel“) oder umgeschrieben. CSS-Klassen wurden zum Großteil entfernt oder vereinheitlicht.
Wikipedia spezifische Links, die nicht zu Artikeln oder Kategorien führen (wie „Redlink“, „Bearbeiten-Links“, „Portal-Links“) wurden entfernt. Alle externen Links haben ein zusätzliches FontAwesome Icon erhalten. Neben weiteren kleinen Designanpassungen wurden Media-Container, Karten, Navigationsboxen, gesprochene Versionen & Geo-Mikroformate entfernt.


Stand der Informationen: 06.05.2020 03:01:49 CEST - Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
Beachten Sie auch : Impressum & Datenschutzerklärung.