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Mehmet Shehu

Mehmet Shehu (* 10. Januar 1913 in Çorrush, Albanien; † 17. Dezember 1981 in Tirana) war unter der Führung von Enver Hoxha von 1954 bis 1981 Ministerpräsident der Sozialistischen Volksrepublik Albanien.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Aufstieg


Mehmet Shehu wurde als eines der vier Kinder von Scheich (Shejh) Ismail aus Mallakastra und Sulltana Alikaj aus Vlora geboren. Sein Vater war der Scheich der Tekke von Çorrush und am moslemischen Aufstand des Haxhi Qamili beteiligt. Mehmet Shehu besuchte die amerikanische Berufsschule in Tirana, die er 1932 abschloss. Anschließend erhielt er ein Stipendium für die Militärakademie in Neapel, die er aber bereits nach kurzer Zeit wegen kommunistischer Aktivitäten verlassen musste. Als Mitglied der Internationalen Brigaden nahm Shehu am Spanischen Bürgerkrieg teil und kehrte nach Internierung in Frankreich 1942 nach Albanien zurück, wo er sich am Partisanenkampf gegen die deutschen und italienischen Besatzer beteiligte und Gründungsmitglied der Kommunistischen Partei Albaniens (KP) wurde.

Beschuldigungen und Tod Shehus


Nach 1945 absolvierte er die Militärakademie in Moskau und wurde Generalstabschef der Armee, 1948 Innenminister, 1954 Ministerpräsident.

Shehus Position wurde Ende der 1970er Jahre – insbesondere auch nach dem Tod Hysni Kapos – immer mächtiger und einflussreicher. Er gehörte außerdem zu den 154 Personen, denen der Titel „Held des Volkes“ (Hero i Popullit) verliehen wurde.[1]

1981 wurde er in seinem Bett liegend erschossen aufgefunden, seine Pistole in Reichweite. Dem waren unter der Regie des allmächtigen Parteichefs Enver Hoxha harte Kritiken an seine Adresse in der Parteiführung vorausgegangen, bei denen ihm u. a. zur Last gelegt wurde, dass er der Verlobung eines seiner Söhne mit einer jungen Frau zugestimmt hatte, die aus einer „schlechten“ ehemals bürgerlichen Familie, die im Kampf gegen die deutsche Besetzung nicht auf kommunistischer Seite gestanden hatte, stammte. Die Verlobung musste gelöst werden. Schon vorher wurde die Ehefrau eines anderen Shehu-Sohnes vom Geheimdienst Sigurimi bearbeitet, weil sie die verdeckten Kontaktbestrebungen eines Mitarbeiters der französischen Botschaft duldete – ein selbst für den erhöhten Spielraum der Kinder höherer Funktionäre unerhörter Verstoß gegen gültige Regeln.

Nach seinem Tode wurde Mehmet Shehu von Enver Hoxha als langjähriger Agent mehrerer ausländischer Geheimdienste angeprangert. Bis heute wird die offizielle Version des Selbstmordes in Frage gestellt, konnte aber nicht widerlegt werden. Hoxha hatte für Shehu nur Häme übrig und notierte in seinem Tagebuch:

„Dieser Agent und Söldner der Ausländer hat sich den Schädel an der Einheit der Partei und des Volkes eingerannt.“

Enver Hoxha: Tagebücher[2]

Verfolgungen nach Shehus Tod


Etwa ein Jahr nach Shehus Tod wurden zahlreiche Partei- und Staatsfunktionäre verhaftet und 1983 in geheimen Prozessen verurteilt, darunter Shehus Frau Fiqret und seine Söhne, ferner Verteidigungsminister Kadri Hazbiu, der vorher lange Zeit Innenminister und Geheimdienstchef gewesen war, der nicht mit Mehmet Shehu verwandte Innenminister Feçor Shehu, der zuvor lange in Führungspositionen des Geheimdienstes Sigurimi gearbeitet hatte, zuletzt als dessen Leiter, weitere hohe Geheimdienstfunktionäre, Außenminister Nesti Nase und der Minister für Gesundheitswesen Llambi Ziçishti. Alle sollen unter Shehus Leitung im Auftrag der CIA, des jugoslawischen UDB und des KGB einen Staatsstreich und die Liquidierung Hoxhas vorbereitet haben.

Belastende Aussagen wurden unter Folter erzwungen. Hazbiu und Feçor Shehu konnten aber auch dadurch nicht veranlasst werden, die absurden Anschuldigungen zuzugeben. Mehrere Angeklagte wurden hingerichtet, die anderen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Einige von ihnen, u. a. Fiqret Shehu, starben in der Haft. Shehus ältester Sohn beging noch während der Untersuchung Suizid.

Literatur


Weblinks


Einzelnachweise


  1. 154 personat qe kane marre titullin "Hero i Popullit" (Memento des Originals vom 25. Juni 2011 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.; Zëri YT!, 18. März 2006
  2. Silke Satjukow, Rainer Gries: Unsere Feinde: Konstruktionen des Anderen im Sozialismus in der Google-Buchsuche, S. 540, ISBN 3937209808, 2004
VorgängerAmtNachfolger
Enver HoxhaMinisterpräsident Albaniens
1954–1981
Adil Çarçani



Kategorien: Mitglied der Partei der Arbeit Albaniens | Premierminister (Albanien) | Innenminister (Albanien) | Interbrigadist | Partisan (albanischer Widerstand im Zweiten Weltkrieg) | Albaner | Geboren 1913 | Gestorben 1981 | Mann



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