Mausoleum


Ein Mausoleum ist ein monumentales Grabmal in Gebäudeform. Der Ausdruck leitet sich ab von Maussol-eion, dem zu den antiken sieben Weltwundern gehörenden Grab von Maussolos in Halikarnassos (heute Bodrum), gewidmet dem Statthalter von Karien an der Westküste der heutigen Türkei zwischen 377 und 353 v. Chr.

Belegt ist das Wort Mausoleum im deutschsprachigen Schrifttum seit dem 16. Jahrhundert. Im Klassizismus wurde dieser Grabmalstypus der Antike reaktiviert, wenn auch in kleinerer Form.[1] Es handelt sich um oft doppelgeschossig angelegte Kleinarchitekturen, bestehend aus einem Andachtsraum und einer darunter liegenden Gruft, wobei Gruft und Kapelle oberirdisch in einem Raum vereint sein können. Funktional bilden diese neuzeitlichen Mausoleen eine Mischform von Gebäude und Denkmal und erfüllen innerhalb der Sepulkralkultur die Aspekte Totengedenken, Repräsentation als auch Appell an die Nachwelt.[2]

Mausoleen im Islam


Mazār (arabisch مزار ‚Ort, dem ein Besuch gilt; Wallfahrtsort; Heiligtum‘)[3] ist ein Mausoleum oder Schrein, vornehmlich ein Begräbnisplatz einer berühmten, beziehungsweise „heiligen“ muslimischen Persönlichkeit. Im Mittelarabischen werden auch Begriffe wie mašhad, maqām oder ḍarīḥ analog verwendet.[4] In Palästina und in der wissenschaftlichen Literatur werden diese Stätten auch als wali oder weli bezeichnet. Sie sind oft mit einem gewissen Volksglauben, aber auch mit synkretistischen Elementen verbunden. Die Anhänger der strengen Sekte der Wahhabiten, die Salafisten (von arabisch سلف الصالحين, DMG salaf aṣ-ṣāliḥīn ‚Vorfahren der Tugendhaften‘),[5] legen großen Wert darauf, dass kein Mensch zwischen Mann und Gott vermitteln kann.[6] Sie halten Muslime, die „heilige Persönlichkeiten“ (arabisch اولياء الله, DMG Aulīya’ Allāh ‚Freunde Gottes‘) und deren Schreine verehren, für Häretiker. 1802 eroberten Wahhabitische Truppen Kerbela und zerstörten teilweise den Schrein von Imam Husayn.[7] 1925 zerstörte der Kommandant und spätere König von Saudi-Arabien, Saud I. ibn Abd al-Aziz, die Mausoleen der Baqīʿ al-Gharqad (arabisch بقيع الغرقد, DMG baqī‘ al-ġarqad) in Medina, den Begräbnisplatz von vier der Imame der Schia sowie von Fātima bint Muhammad.[8] Der Friedhof wurde 1926 unter Abd al-Aziz ibn Saud vollständig zerstört, dient jedoch noch immer als Friedhof.

Es gibt keine spezifischen architektonischen Typen für mazārat, die große Unterschiede in Größe und Ausführung aufweisen. Allen gemeinsam ist eine turba (arabisch تربة ‚Grab, Grabstätte, Grabmal‘), ein Grab im Zentrum, welches gewöhnlich rechteckig angelegt ist.[9]

Etymologie

Mazār (Plural mazārāt) geht zurück auf das Wort ziyāra (arabisch زيارة) mit der Bedeutung „(andächtig) besuchen“. Es bezieht sich auf bestimmte Plätze und Zeiten.[10]

Unterscheidungen

Regionale Bezeichnungen

Bekannte Mausoleen


Afghanistan

Ägypten

Im Kairo stammen die Schreine aus der Zeit der Fatimiden, meist handelt es sich um einfache, rechteckige Strukturen mit einer Kuppel. Einige der Mausoleen bei Assuan waren komplexer und verfügten über Seitenräume.[24] Die meisten sind jedoch zerstört oder gänzlich umgebaut

Bangladesch

China

Taiwan

Indien

Indonesien

Irak

Iran

Kirgisistan

Korea

Mongolei

Pakistan

Syrien

Türkei

Türkistan

Usbekistan

Vietnam

Amerika

Afrika

In Afrika sind die Pharaonengräber im Tal der Könige bei Luxor, aber vor allem die zu den sieben Weltwundern der Antike zählenden Pyramiden von Gizeh zu nennen, die zugleich auch zu den ältesten Mausoleen der Welt zu rechnen sind. Weitere Pyramiden-Grabstätten finden sich in Meroe in Nubien.

Maghreb

Europa

Bulgarien

Deutschland

Frankreich

Griechenland

Italien

Antike Mausoleen
Frühchristliche Mausoleen

Kroatien

Niederlande

Österreich

Polen

Russland

Serbien

Spanien

Tschechien

Vereinigtes Königreich

Siehe auch


Einzelnachweise


  1. Helke Kammerer-Grothaus: Antikenrezeption und Grabkunst. In: Vom Kirchhof zum Friedhof. Wandlungsprozesse zwischen 1750 und 1850. Symposion vom 11. – 13. Mai 1981 in Mülheim/Ruhr zum Forschungsprojekt Erfassung und Dokumentation der Sepulkralkultur des Klassizismus, der Romantik und des Biedermeier, Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal in Kassel. Kassel 1984, ISBN 3-924447-04-7, S. 125–136, S. 125. (Kasseler Studien zur Sepulkralkultur, Band 2)
  2. Norbert Fischer: Vom Gottesacker zum Krematorium: eine Sozialgeschichte der Friedhöfe in Deutschland seit dem 18. Jahrhundert. Diss. Phil. Hamburg 1996. Böhlau, Köln/ Weimar/ Wien 1996, ISBN 3-412-11195-3, S. 66.
  3. Vgl. H. Wehr: Arabisches Wörterbuch für die Schriftsprache der Gegenwart, Wiesbaden 1968, S. 350.
  4. Sandouby 2008: 14.
  5. Vgl. H. Wehr: Arabisches Wörterbuch, S. 385 und 474.
  6. J. Spencer Trimingham: The Sufi Orders in Islam . Oxford University Press, 16. Juli 1998, ISBN 9780198028239, S. 105.
  7. Nasr 2007: 97.
  8. Nasr 2007: 97; Loring M. Danforth: Crossing the Kingdom: Portraits of Saudi Arabia . Univ. of California Press, 29. März 2016, ISBN 9780520290280, S. 163.
  9. Houtsma 1993: 425.
  10. Sandouby 2008: 16.
  11. Sandouby 2008. S. 14.
  12. Halm 2007: 26.
  13. Sandouby 2008: 17.
  14. Sandouby 2008: 15.
  15. Sandouby 2008: 16.
  16. Vgl. H. Wehr: Arabisches Wörterbuch, Wiesbaden 1968, S. 490.
  17. Sandouby 2008: 15.
  18. Moshe Sharon: Corpus Inscriptionum Arabicarum Palaestinae (CIAP), Volume Two: B-C . Brill Academic Publishing, 1998, ISBN 9789004110830, S. 172 (Abgerufen am 3. Januar 2015).
  19. Guérin, 1880: 488
  20. Vgl. H. Wehr: Arabisches Wörterbuch, Wiesbaden 1968, S. 658.
  21. Robert S. Kramer, Richard A. Lobban Jr., Carolyn Fluehr-Lobban: Historical Dictionary of the Sudan  (=  Historical Dictionaries of Africa), 4. Auflage, Scarecrow Press, an imprint of Rowman & Littlefield, Lanham, Maryland, USA 2013, ISBN 978-0-8108-6180-0, S. 361 (Abgerufen am 2. Mai 2015): „QUBBA. The Arabic name for the tomb of a holy man... A qubba is usually erected over the grave of a holy man identified variously as wali (saint), faki, or shaykh since, according to folk Islam, this is where his baraka [blessings] is believed to be strongest...“
  22. Vgl. H. Wehr: Arabisches Wörterbuch, Wiesbaden 1968, S. 732.
  23. Vgl. Junker/Alavi: Persische-Deutsches Wörterbuch, Leipzig/Teheran 1970, S. 271; DMG nach afghanischer Aussprache.
  24. Kuiper 2009: 164.
  25. Petersen 2002: 45.
  26. Petersen 2002: 45–46.
  27. Houtsma 1993: 488.
  28. Rabasa, Chalk, Cragin 2006: 51.
  29. Nasr 2007: 63.
  30. B. Tayefeh-Mahmoudi: Der persische Arzt und Philosoph Avicenna (Ibn Sina). Medizinische Dissertation Düsseldorf 1964, S. 70–79.
  31. Nasr 2007: 58.
  32. Nasr 2007: 58–59.
  33. Nasr 2007: 56.
  34. Tabbaa 1997: 110.
  35. Tabbaa 1997: 111.
  36. Tabbaa 1997: 110.
  37. Hugo Brandenburg: Die frühchristlichen Kirchen in Rom vom 4. bis zum 7. Jahrhundert. Schnell & Steiner, Regensburg 2013, S. 56ff.
  38. Hans Georg Wehrens: Rom – Die christlichen Sakralbauten vom 4. bis zum 9. Jahrhundert – Ein Vademecum. Herder, Freiburg, 2. Auflage 2017, S. 90ff.
  39. Carola Jäggi: Ravenna - Kunst und Kultur einer spätantiken Residenzstadt. Schnell & Steiner, Regensburg 2016
  40. Carola Jäggi: Ravenna - Kunst und Kultur einer spätantiken Residenzstadt. Schnell & Steiner, Regensburg 2016

Literatur


Weblinks


Commons: Mausoleen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Mausoleum – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen









Kategorien: Mausoleum | Liste (Grabstätten)




Stand der Informationen: 03.11.2021 09:06:04 CET

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