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Matthew Arnold

Matthew Arnold (* 24. Dezember 1822 in Laleham, Middlesex; † 15. April 1888 in Liverpool) war ein englischer Dichter und Kulturkritiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben


Herkunft und Ausbildung

Matthew Arnold war der älteste Sohn des bekannten Pädagogen Dr. Thomas Arnold, Leiter der Rugby School. Er besuchte seit 1837 die Rugby School und studierte danach am Balliol College der University of Oxford. Mit seiner frühen Lyrik gewann er einige Preise, so 1843 für das GedichtCromwell“. In Oxford, wo er sich besonders wohl fühlte und bald als eine Art Dandy und „Gesellschaftslöwe“ galt, war er mit dem späteren katholischen Kardinal John Henry Newman befreundet. Früh zeigte sich auch seine Begeisterung für die französische Kultur, eher ungewöhnlich bei einem Briten dieser Zeit. Arnold graduierte 1844.

Ab 1847 war er Privatsekretär des einflussreichen Politikers Lord Lansdowne. 1851 heiratete Arnold Frances Lucy Wightman, Tochter eines Richters. Durch Vermittlung Lansdownes erlangte er im selben Jahr eine Stellung als Schulinspektor. Beruflich reiste Arnold in den folgenden Jahren viel, besuchte Frankreich, die Niederlande, die Schweiz und Deutschland, um die dortigen höheren Bildungseinrichtungen zu studieren. Zu diesem Thema publizierte er auch zwei damals weithin beachtete Bücher. Er war in dieser Position fast bis zu seinem Lebensende tätig. Arnold besuchte auch die USA, inzwischen berühmt geworden, später; jedoch – „Denver ist noch nicht reif für Mr. Arnold“, wie es damals hieß.

Lyrik und Lehre

1849 hatte Matthew Arnold seinen ersten Gedichtband veröffentlicht, 1852 folgte mit „Empedocles on Etna“ der zweite Band. Erst seit 1853 publizierte er Lyrik unter seinem wirklichen Namen und übte strenge Selbstkritik an seinen früheren Arbeiten, denen es stellenweise an klassisch-antiker Ausgewogenheit gemangelt habe. Der Dichter Arnold wurde nun bekannt. Es folgten noch die akademische klassische TragödieMerope“ (1858) sowie die „New Poems“ (1867) mit Elegien für den verstorbenen Vater und einen Freund. Unterdessen hatte sich der Autor immer mehr der Kulturkritik zugewandt.

1857 war Arnold Professor für Dichtung in seinem geliebten Oxford geworden. Er war einer der ersten Dozenten, die ihre Vorlesungen nicht mehr in Latein hielten. Aus seinen Vorträgen gingen die Bücher „On Translating Homer“ (1861, 1862) und „On the Study of Celtic Literature“ (1867) hervor. Bereits in seiner Antrittsvorlesung nahm er sich die literarische „Modernität“ zum Thema.

Kulturkritik

Wichtige Beiträge zu Arnolds neuartiger Form der Kulturkritik wurden seine Werke „Essays in Criticism“ (1865) und „Culture and Anarchy“ (1869). Arnold, der das zeitgenössische britische Weltreich trotz seiner wirtschaftlichen und machtpolitischen Erfolge als kulturell provinziell empfand, wandte sich auch „kontinentalen“ Kulturschaffenden und Denkern wie Spinoza, Goethe, Hegel, Heinrich Heine, Leo Tolstoi und Sainte-Beuve zu. Die Briten sah er eingeteilt in

Alles komme darauf an, die dynamische Mittelschicht der „Philister“ zu bilden und zu humanisieren. Dies war nach Arnold eine staatliche Aufgabe. Die ungesteuerte viktorianische Demokratie komme ohne kulturelle Gegenmaßnahmen einer alle Werte zersetzenden Anarchie gleich. Arnolds Kritik am damals unangreifbar scheinenden britischen Weltreich kam nicht bei allen Landsleuten gut an.

Wirkung und Kritik

Arnold, der der Kritik eine ganz neue, fundamentale Rolle erschloss, erfuhr als Kulturkritiker wahrscheinlich breitere Wirksamkeit denn als Lyriker. Kulturkritische Autoren wie Lionel Trilling, T. S. Eliot, Clement Greenberg und Harold Bloom stehen teilweise in seiner Tradition. Spätestens mit dem Anbruch der Postmoderne jedoch ist dieser Ansatz, vor allem seine Beschränkung von Kultur auf Phänomene der „High Seriousness“, selbst in die Kritik geraten. Arnolds Versuch der Aufstellung eines verpflichtenden Kanons englischsprachiger Dichter (er beschäftigte sich unter anderem mit John Milton, John Keats, mit dem ihm noch persönlich bekannten William Wordsworth, mit Lord Byron und Percy B. Shelley) wurde schon bald kritisiert: John Dryden und Alexander Pope zum Beispiel galten ihm nicht als „echte Poeten“, John Donne war ihm keine Erwähnung wert. In seinem Gedicht „To Marguerite“ sagt Arnold implizit gar das Gegenteil von Donnes bekanntem Satz „Niemand ist eine Insel“ aus: zwischen den Partnern klafft hier das Meer, man ist „in the sea of life enisled“ – jeder ist eine Insel. James Joyce soll diese Zeilen des „unglücklichen Viktorianers“ Matthew Arnold in seinem frühen Gedicht „In dark pinewood“ – mit den Joyce-üblichen sexuellen Konnotationen – kräftig parodiert haben.

Auch Arnolds (verkürzt wiedergegebene) Auffassung, dass Dichtung sich gegen das Leben zu wenden habe, wurde als Pessimismus gewertet. Tatsächlich ist der Dichter in seiner Lyrik der selbstgestellten Norm des klassisch-objektiven, klaren und nüchternen Stils nicht immer gerecht geworden, viele seiner Gedichte sind eher sentimental-melancholischer und subjektiver Natur; sie werden genau deshalb auch von manchen als frühe Zeugnisse der Moderne gewertet. Arnold, als Gesellschaftsmensch von Zuversicht und lässiger Eleganz geprägt, gab sich in seiner Lyrik einem untergründigen Skeptizismus hin. Ein gutes Beispiel ist sein spätes Gedicht „Dover Beach“. So unterschiedliche Künstler wie der Komponist Samuel Barber oder die Rockband „The Fugs“ setzten dieses Gedicht zu Musik. Auch Ralph Vaughan Williams vertonte Arnold-Texte.

Die Publikation religiöser Essays folgte in späteren Jahren. Arnold widmete sich hier vor allem der Modernisierung des Anglikanismus, auch darin stieß er wieder auf viele Kritiker. Arnold hatte sechs Kinder und überlebte drei seiner Söhne. Er starb 1888, als er eine Tochter, die inzwischen in den USA lebte, in Liverpool vom Schiff abholen wollte.

1883 wurde Arnold in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.[1]

Werke (Auswahl)


Lyrik

Essays, Kulturkritik und andere Prosa

Herausgebertätigkeit

Literatur


Weblinks


 Commons: Matthew Arnold  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Members of the American Academy. Listed by election year, 1850–1899 (PDF ). Abgerufen am 24. September 2015



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