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Markus Dröge




Markus Dröge (* 16. Oktober 1954 in Washington, D.C.) ist ein deutscher evangelischer Theologe. Er war von 2009 bis 2019 Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO).

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken


Markus Dröge ist der Sohn des Diplomaten Heinz Dröge, wuchs in Washington, Bonn, Paris und Brüssel auf und studierte an den Universitäten Bonn, München und Tübingen. 1983 wurde er Vikar in der Evangelischen Kirche im Rheinland. Im Jahre 1985 übernahm er seine erste Pfarrstelle in der Kirchengemeinde Koblenz-Karthause und wechselte 1994 in die Kirchengemeinde Koblenz-Mitte.

Im Jahre 2004 wählte die Kreissynode Koblenz Dröge in das Amt des Superintendenten eines der flächengrößten Kirchenkreise der rheinischen Kirche. Am 15. Mai 2009 wurde Dröge als Nachfolger von Wolfgang Huber zum Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) mit Sitz in Berlin gewählt und am 14. November 2009 in sein neues Amt eingeführt, das er bis zum 16. November 2019 ausübte. Sein Nachfolger ist Christian Stäblein.[1]

In der neuen Position als Bischof führte er den unter seinem Vorgänger eingeleiteten Reformprozess in der EKBO[2] voran, der als Zwischenergebnis unter anderem in den 2014 von ihm federführend verfassten Zehn Thesen: „begabt leben – mutig verändern“ (Ergebnisse des Konsultationsprozesses „Welche Kirche morgen?“)[3] mündete.

Während des Reformationsjubiläumsjahres 2017 war die EKBO Gastgeberin des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Berlin und Potsdam. Dröge hielt unter anderem beim Eröffnungsgottesdienst vor dem Reichstag die Predigt.[4]

Dröge ist verheiratet und hat drei Kinder.[5]

Dröges Großvater, Alfred Dobbert, stimmte als Reichstagsabgeordneter der SPD gegen das Ermächtigungsgesetz vom 24. März 1933.[6][7][8]

Weitere Tätigkeiten


Im Jahre 1999 wurde Dröge zum Doktor der Theologie promoviert und übernahm 2000 neben seinen pfarramtlichen Aufgaben einen Lehrauftrag für Systematische Theologie an der Universität Koblenz-Landau. Von 2002 bis 2004 absolvierte er eine Ausbildung als Systemischer Berater beim Institut für Familientherapie Weinheim. Von 2007 bis 2009 war er außerdem Vorsitzender des Kuratoriums der Evangelischen Akademie im Rheinland.

Dröge war von Juni 2010 bis Oktober 2012 Vorsitzender des Aufsichtsrates des Evangelischen Entwicklungsdienstes (eed). Am 11. November 2014 wurde Dröge von der EKD-Synode als Nachfolger von Nikolaus Schneider in den Rat der EKD gewählt.[9]

Positionen


Ökumene

Markus Dröge setzt sich für eine Stärkung der Ökumene in den christlichen Kirchen ein. Bereits in seiner Zeit als Superintendent in Koblenz war er Mitbegründer der dortigen Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen. Als Bischof in Berlin führte er 2010 den Gottesdienst für verfolgte Christen in aller Welt ein, der jedes Jahr in der Bischofskirche St. Marien in Berlin-Mitte an Reminiszere, dem zweiten Sonntag in der Passionszeit vor Ostern begangen wird. Viele Kirchengemeinden der EKBO folgen dem und feiern an diesem Tag ebenfalls solche Gottesdienste.

Gemeinsam mit Erzbischof Heiner Koch vom katholischen Erzbistum Berlin führte er die Möglichkeit eines konfessionell-kooperativen Religionsunterrichtes in Berlin ein. Am 6. Oktober 2017 unterschrieb er öffentlich mit dem Erzbischof die gemeinsame Vereinbarung, die in ihrer konkret ausgestalteten Form die erste dieser Art in Deutschland ist.[10][11]

Dröge war ein scharfer Kritiker der Aufhebung der Exkommunikation der vier Bischöfe der Piusbruderschaft durch Papst Benedikt XVI.: „Hier wurde die ökumenische Schmerzgrenze deutlich überschritten.“ Papst Benedikt schreibe „die Linie der Öffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils“ nicht fort, sondern lenke „die römische Kirche in einen Traditionalismus“.

Auch für den Dialog mit anderen Religionsgemeinschaften setzt er sich ein[12]: So schuf er kurz nach seiner Amtsübernahme als Bischof eine neue Pfarrstelle im Berliner Missionswerk, die den interreligiösen Dialog, vor allem mit muslimischen und jüdischen Gemeinden, aber auch anderen Religionen fördern soll.[13][14]

Menschen auf der Flucht

Bischof Dröge setzt sich für eine humane und positive Asyl- und Integrationspolitik ein, die sich am Leitbild der Nächstenliebe orientiert. Er hat sich persönlich für eine Lösung der Berliner Flüchtlingssituation eingesetzt, die unter anderem durch einen Hungerstreik auf dem Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor und später durch die Besetzung des Oranienplatzes in Berlin-Kreuzberg verschärft hatte. Nachdem er im Oktober 2013 die Hungerstreikenden besucht hatte, nahmen Gemeinden der EKBO viele Flüchtlinge auf.

Mit einem Bischofswort auf der Herbstsynode der EKBO 2014 regte er die Initiierung der Flüchtlingskirche St. Simeon in Berlin an; die Gründung erfolgte am 8. Oktober 2015.[15]

Auseinandersetzung mit AfD und Rechtspopulismus

Markus Dröge gilt als scharfer Kritiker der AfD und deren Menschenbildes. Ebenso lehnt er jede Form des Rechtspopulismus und menschenfeindlicher Äußerungen gegen Fremde und angebliche Andere ab und hat sich dazu häufiger zu Wort gemeldet. Dennoch war er als einer der ganz wenigen Kirchenvertreter deutschlandweit bereit, sich einer öffentlichen Diskussionsrunde mit einer Vertreterin der „Christen in der AfD“ zu stellen.[16][17] Trotz teilweise heftiger Kritik daran fand die Veranstaltung auf dem Kirchentag 2017 in Berlin statt. Die Vertreterin der AfD, Anette Schultner, trat fünf Monate nach der Podiumsdiskussion, auf der Dröge den „Christen in der AfD“ vorhielt, dass sie für die rechten Kreisen in der AfD lediglich als Feigenblatt dienten, aus der Partei aus.[18]

Gremienzugehörigkeiten


Schriften (Auswahl)


Weblinks


Einzelnachweise


  1. Evangelische Kirche im Rheinland: EKBO-Synode: Markus Dröge neuer Landesbischof in Berlin. In: http://www.ekir.de/www/service/5719.php. Abgerufen am 15. Januar 2018.
  2. EKBO: Reformprozess der EKBO 2007–2017 – Ein Portrait (PDF). Abgerufen am 15. Januar 2018.
  3. EKBO: Zehn Thesen: "begabt leben – mutig verändern". Abgerufen am 15. Januar 2018.
  4. Birte Mensing: Eröffnungsgottesdienst vor dem Reichstag. Verein zur Förderung des Deutschen Evangelischen Kirchentages e.V., abgerufen am 9. Oktober 2018.
  5. Dröge: Vita (Memento vom 24. Februar 2016 im Internet Archive), ekbo.de, abgerufen am 24. Februar 2016.
  6. Verhandlungen des Deutschen Reichstags. Abgerufen am 28. Mai 2017.
  7. "Otto Wels’ Rede ist eine Aufforderung an uns alle" | SPD-Bundestagsfraktion. In: SPD-Bundestagsfraktion. 21. März 2013 (spdfraktion.de [abgerufen am 28. Mai 2017]).
  8. Bischof Markus Dröge über den Kirchentag – Die Kirche. Abgerufen am 28. Mai 2017.
  9. Berliner Bischof Dröge in Rat der EKD gewählt , ekd.de, Pressemitteilung vom 11. November 2014.
  10. Kirchen bieten gemeinsamen Religionsunterricht. evangelisch.de, abgerufen am 9. Oktober 2018.
  11. Berliner Kirchen kooperieren beim Fach Religion. katholisch.de, abgerufen am 9. Oktober 2018.
  12. Claudia Keller: Interreligiöser Dialog: Kirchen und Muslime suchen schon lange das Gespräch. Der Tagesspiegel, abgerufen am 9. Oktober 2018.
  13. dpa: Bischof Dröge: «Menschen in ihrer Religion ernst nehmen». dpa, abgerufen am 9. Oktober 2018.
  14. Thomas Schneider: Berliner Bischof setzt Pfarrer für Moscheen ein. AG Welt, abgerufen am 9. Oktober 2018.
  15. Julia Haak: Evangelische Kirche: Europaweit einzigartige Flüchtlingskirche in Berlin-Kreuzberg. Berliner Zeitung, abgerufen am 9. Oktober 2018.
  16. Albert Funk: Kirchentag und AfD: Mit dem Feind auf dem Podium. Der Tagesspiegel, abgerufen am 9. Oktober 2018.
  17. Reinhard Bingener: Diskussion auf dem Kirchentag: Lieben und lieben lassen. FAZ, abgerufen am 9. Oktober 2018.; Dokumentation der Podiumsdiskussion des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Berlin mit Anette Schultner am 25. Mai 2017, in:. W. Thielmann (Hg.), Alternative für Christen? Die AfD und ihr gespaltenes Verhältnis zur Religion, Neukirchen-Vluyn 2017, 165–192
  18. Maria Fiedler: AfD-Austritt: „Da war das Maß voll“. Der Tagesspiegel, abgerufen am 9. Oktober 2018.
  19. http://www.gcjz-berlin.de/?page_id=1357
VorgängerAmtNachfolger
Wolfgang HuberBischof der Ev. Kirche
Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz

20092019
Christian Stäblein



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