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Mandschu

Die Mandschu (mandschurisch ᠮᠠᠨᠵᡠ Manju; chinesisch 滿洲族 / 满洲族, Pinyin Mǎnzhōuzú, meist kurz: 滿族 / 满族, Mǎnzú), auch Mandschuren (滿族人 / 满族人, Mǎnzúrén), sind ein Volk in der Mandschurei im Nordosten Chinas und nach den Zhuang die zweitgrößte der 55 anerkannten ethnischen Minderheiten Chinas. Von den knapp 11 Millionen Angehörigen der Gruppe sprechen die meisten Chinesisch in dem jeweiligen Dialekt ihrer Wohnorte, also vor allem den Nordostdialekt. Nur noch einige Dutzend alte Menschen beherrschen die mandschurische Sprache, die damit so gut wie ausgestorben ist. Das verwandte Xibenisch, das im autonomen Kreis Qapqal der Xibe in Xinjiang noch gesprochen wird, ist jedoch tatsächlich ein Dialekt des Mandschurischen.

Inhaltsverzeichnis

Demographie und Autonomie


Bei der Volkszählung im Jahre 2010 wurden 10.387.958 Mandschu gezählt. Ihre Bevölkerung verteilte sich (nach den 1990er Daten) folgendermaßen: 50,43 % der Mandschu leben in Liaoning, 17,6 % in Hebei, 12,06 % in Heilongjiang, 10,67 % in Jilin, 4,65 % im autonomen Gebiet Innere Mongolei und 1,68 % in Peking.

Herkunft


Die Mandschu stammen von den Jurchen ab, die im 12. Jahrhundert Nordostchina eroberten. Dort haben sie sich mit Goguryeo-Koreanern vermischt. Der Name „Mandschu“ wurde 1635 offiziell von Huang Taiji (皇太極 / 皇太极), der den Jianzhou-Jurchen angehörte, eingeführt. Er dürfte allerdings schon ab 1605 benutzt worden sein. Nurhacis Sohn Huang Taiji entschied sich, den Namen „Mandschu“ zu verwenden, und verbot die Benutzung des Namens „Jurchen“. Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffes steht zwar nicht fest, es wird jedoch vermutet, dass es ein altes Wort für die Jianzhou-Jurchen war. Nach einer anderen Theorie stammt der Begriff von dem Bodhisattva Manjusri (das „Bodhisattva der Weisheit“), dessen Menschwerdung Nurhaci zu sein behauptete. Vor dem 17. Jahrhundert waren die Vorfahren der Mandschu ein ländliches Volk, das sich durch Jagen, Fischerei und teilweise Landwirtschaft ernährte.

Geschichte


Späte Jin-Dynastie

Im Jahre 1616 errichtete der Mandschu-Anführer Nurhaci die Späte Jin-Dynastie und den Staat Amaga Aisin Gurun, oder kurz Manju Gurun („Staat der Mandschu“) und vereinigte die Mandschu-Stämme. Auf diese Zeit geht auch die Schaffung des Militärsystems der Acht Banner zurück. Nach dem Tod Nurhacis 1626 änderte sein Sohn Huang Taiji den Namen der Dynastie in Qing.

Qing-Dynastie

Als Li Zicheng 1644 Peking eroberte, griff die Qing-Armee das chinesische Gebiet jenseits der Großen Mauer an und machte Peking nach Mukden (seit der Zeit der Streitenden Reiche eine chinesische Stadt) zur neuen Hauptstadt. Sie eroberten binnen weniger Jahre das gesamte Territorium der Ming-Dynastie.

In der Qing-Dynastie wurden alle wichtigen Ämter des Reiches mit jeweils einem Han- und mandschurischen Mitglied besetzt, wodurch ein recht großer Anteil der Mandschu, deren Anzahl insgesamt vergleichsweise gering war, Regierungsbeamte waren.

Assimilierung

Während der Qing-Dynastie versuchte die Regierung, die mandschurische Kultur und Sprache zu erhalten. Diese Versuche waren langfristig nicht sehr erfolgreich, weil sich die Mandschu immer mehr den Bräuchen der Han anpassten und auch deren Sprache nach und nach übernahmen. Bereits im 18. Jahrhundert wurde selbst am Kaiserhof nur noch selten Mandschurisch gesprochen. In den 1880er Jahren berichtete der Sprachforscher Paul Georg von Möllendorff, die Sprache sei am Hof mündlich nur noch als feststehende Kommandos bei Zeremonien in Gebrauch. Die Mandschurische Schrift wurde aber bis zum Zerfall der Dynastie neben dem Chinesischen weiterhin als Schriftsprache für offizielle Dokumente und die Kommunikation zwischen dem Kaiser und den Banneroffizieren verwendet.

Auf der anderen Seite hat auch die mandschurische die Han-Kultur in großem Ausmaß beeinflusst. Große Gruppen von Han, die so genannten Han-Bannerleute, wurden in einem gegenläufigen Prozess seit dem 17. Jahrhundert mandschurisiert. Viele Dinge, die heute als typisch für die nordchinesische Kultur angesehen werden, sind tatsächlich mandschurischen Ursprungs und Ergebnis einer umgekehrten Assimilierung.

Obwohl sich die Mandschu an die Han-Kultur assimilierten und sich selbst immer als Chinesen im Sinne von Angehörigen des Reiches der Mitte begriffen, wurden sie gegen Ende der Qing-Dynastie von chinesischen Nationalisten als ausländische Kolonialmacht dargestellt. Diese Darstellung verschwand aber schnell, weil das neue republikanische China nach der Revolution von 1911 die Mandschu in eine neue, republikanische nationale Identität hineinkonstruierte.

Mandschukuo

1931 errichteten die Japaner im Nordosten Chinas einen als Mandschukuo (滿州國 / 满洲国, Mǎnzhōuguó, jap. まんしゅうこく, 満州国 Manshūkoku) bezeichneten Marionettenstaat. Zu dieser Zeit war das Gebiet bereits überwiegend von Han bewohnt und selbst unter den Mandschu konnte dieses Projekt nicht viel Interesse erwecken.

Vermutlich wurde ein „mandschurischer“ Staat nur deswegen errichtet, um eine Sezession zu rechtfertigen und damit nicht nur China, sondern auch den seit 1890 starken Einfluss Russlands in der Region weiter zu schwächen und eine Invasion Chinas vorzubereiten.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Territorium wieder ein Teil Chinas.

Religion


Ursprünglich waren die Mandschu und ihre Vorfahren Schamanisten. Nach der Eroberung von China im 17. Jahrhundert kamen die Mandschu in Kontakt mit der chinesischen Kultur. Sie wurden stark von den chinesischen Volksreligionen beeinflusst und behielten nur wenige schamanische Riten bei. Sie wurden auch vom Buddhismus und dem Christentum beeinflusst.

In der Qing-Dynastie gab es Christen unter den Mandschu. In der Ära von Yongzheng und Qianlong gab es Depei, den Prinzen von Hošo Jiyan, dessen Taufname „Joseph“ war. Seine Frau hieß „Maria“. Auch in der Neuzeit gibt es unter den Mandschu Christen, wie Ying Lianzhi, Lao She und Philip Fugh.

Die Jurchen, die Vorfahren der Mandschus, wurden vom 10.–13. Jahrhundert vom Buddhismus von Balhae, Goryeo, Liao und Song beeinflusst, es war also nichts Neues für die aufstrebenden Mandschus im 16.–17. Jahrhundert. Die Qing Eroberer wurden immer „Buddha“ genannt. Im tibetischen Buddhismus wurden sie als Manjushri betrachtet. Allerdings wurde der Buddhismus von den Regierenden benutzt, um auf die Mongolen und Tibeter Macht auszuüben. Für die gewöhnlichen Mandschus war der Buddhismus in der Qing-Dynastie von geringer Bedeutung. Sie glaubten nicht an den tibetischen Buddhismus und wollten auch nicht konvertieren.

Literatur


Weblinks


 Commons: Mandschu  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien



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Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Mandschu (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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