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Ludwig Steil




Ludwig Steil (* 29. Oktober 1900 in Lüttringhausen, Rheinprovinz; † 17. Januar 1945 im Konzentrationslager Dachau) war ein evangelischer Pfarrer und Märtyrer der Bekennenden Kirche.

Inhaltsverzeichnis

Leben


Nach seinem Studium der evangelischen Theologie in Bonn, Münster, Tübingen, Berlin und Utrecht legte Steil 1924 sein erstes theologisches Examen in Koblenz ab. 1925/26 war er Vikar im Predigerseminar in Wittenberg und nach seinem zweiten theologischen Examen 1926 Studieninspektor am Predigerseminar in Preetz (Holstein), wo er seine erste Ehefrau Elisabeth, geborene Egen, kennenlernte.

Während seiner Studentenzeit engagierte sich Steil in der „Deutschen Christlichen Studentenvereinigung“. 1927 war er Hilfsprediger in Lüttringhausen, 1928/29 Pfarrstellenverwalter in Barmen-Gemarke und seit 1929 Gemeindepfarrer in Holsterhausen. 1931 starb seine Frau[1] einige Monate nach der Totgeburt der gemeinsamen Tochter. Steil heiratete 1933 die gleichaltrige Vikarin Auguste „Gusti“ Ederhof, eine der ersten Theologinnen der westfälischen Provinzialkirche, die ihren Mann in seiner Gemeinde während dessen Dienstreisen im Auftrag der Bekennenden Kirche häufig vertrat und später die pastoralen Dienste während seines Gefängnisaufenthaltes übernahm.[2]

Die Auseinandersetzung mit den „Deutschen Christen“, die im August 1932 eine Ortsgruppe in Holsterhausen gegründet hatten, machte ihn durch sein oppositionelles Engagement auch überregional bekannt. Im September 1933 trat er dem von Pfarrer Martin Niemöller 1933 mitgegründeten Pfarrernotbund bei. Zusammen mit Hans Ehrenberg (1883–1958) formulierte Steil 1933 in Bochum ein Bekenntnis, das von über 100 westfälischen Pfarrern unterzeichnet wurde.[3] Als eine der bedeutendsten westfälischen Persönlichkeiten der Bekennenden Kirche wirkte Steil nicht nur im Kirchenkreis Herne, sondern auch auf der Ebene der westfälischen Provinzialkirche. Als am 16. März 1934 in Dortmund die westfälische „Bekenntnissynode“ zusammentrat, hielt Steil den Einführungsvortrag. In der Zeit von 1934 bis 1936 war er als Mitglied des westfälischen Bruderrates an den Bekenntnissynoden in Barmen, Berlin-Dahlem, Augsburg und Bad Oeynhausen beteiligt. Unter Präses Karl Koch (1876–1951) gehörte er zur geistlichen Leitung der westfälischen Bekennenden Kirche.[2]

Bereits seit 1934 hatte Steil aufgrund seiner Ablehnung des Nationalsozialismus und der ideologischen Position Alfred Rosenbergs unter Repressions- und Einschüchterungsmaßnahmen zu leiden. So wurde er mindestens 15 mal durch polizeiliche Vorladungsschreiben auf Polizeipräsidien oder zur Gestapo bestellt. Allein im Jahr 1938 liefen beim Sondergericht in Dortmund fünf Verfahren gegen Steil mit der Anklage: „heimtückische Angriffe auf Staat und Partei“. Er wurde überwacht und seine Predigten bespitzelt. Vom 10. bis 16. Juli 1944 hielt er für die Herner Kirchengemeinde eine „Vortragsreihe für Angefochtene“. Im Anschluss an einen dieser Vorträge zum Thema „Schweigt Gott im Krieg“ wurde er am 11. September 1944 von der Gestapo verhaftet und in die Dortmunder Steinwache gebracht. Im Oktober wurde er ins Polizeigefängnis nach Herne verlegt, da die Steinwache durch Bombenangriffe schwer beschädigt wurde, und am 5. Dezember 1944 ins Konzentrationslager Dachau deportiert, das er nach einer dreiwöchigen Tortur am 23. Dezember 1944 erschöpft und krank erreichte. Dennoch hielt er in der Aufnahmebaracke die Weihnachtspredigt. Im Lager erkrankte er Anfang Januar an Typhus und einer Lungenentzündung. Am 17. Januar 1945 starb der Seelsorger in einer Krankenbaracke des KZ Dachau.[1][2][4]

Würdigung


2016 fand mit Ein Pfarrer im Widerstand eine Ausstellung zu Ludwig Steil im VHS-Foyer im Kulturzentrum Herne, Willi-Pohlmann-Platz, statt, die nach Ende April 2016 als Wanderausstellung auch außerhalb Hernes gezeigt wurde.[5][6]

Die Evangelische Kirche in Deutschland erinnert mit einem Gedenktag im Evangelischen Namenkalender am 18. Januar an Ludwig Steil.

In Bochum, Herne, Bielefeld und Lüttringhausen sind Straßen und Plätze nach Ludwig Steil benannt. Nach ihm wurden verschiedene Einrichtungen benannt, unter anderem

Schriften


Literatur


Weblinks


Einzelnachweise


  1. a b Martin Tochtrop: Einzigartige Dokumente über Ludwig Steil. In: WAZ vom 29. März 2016. Abgerufen am 21. Januar 2020
  2. a b c Stadt Herne: Die Stunde des Bekennens. Biographie. Abgerufen am 21. Januar 2020
  3. Online auf geschichte-bk-sh.de
  4. Traugott Jähnichen: Geschichte. Ludwig Steil. In: Evangelische Kirchengemeinde Lüttringhausen vom 19. Mai 2015. Abgerufen am 21. Januar 2020
  5. Evangelische Kirchengemeinde Wanne-Eickel Bezirk Holsterhausen: Ludwig Steil (1900 - 1945) - Streiter der Bekennenden Kirche. Flyer zur Ausstellung. Abgerufen am 21. Januar 2020
  6. Evangelische Kirche von Westfalen: Wanderausstellung über Ludwig Steil zu Gast in Dortmund, 14. September 2017. Abgerufen am 21. Januar 2020



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