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Ludwig Börne




Carl Ludwig Börne (* 6. Mai 1786 im jüdischen Ghetto von Frankfurt am Main als Juda Löb – auch Löw – Baruch; † 12. Februar 1837 in Paris) war ein deutscher Journalist, Literatur- und Theaterkritiker. Börne, der zuweilen mit Jean Paul verglichen wird, gilt aufgrund seiner pointiert-witzigen anschaulichen Schreibweise als Wegbereiter der literarischen Kritik – insbesondere des Feuilletons – in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Leben, Werk und Wirkung


Auf Wunsch des Vaters ging Börne 1802 nach Berlin, um Medizin zu studieren. Untergebracht wurde er bei Marcus Herz, zu dessen Frau Henriette Herz er eine impulsive Neigung entwickelte. Nach dem Tod ihres Mannes offenbarte Börne seine Gefühle, wurde jedoch zurückgewiesen. Frau Herz vermittelte Börne daraufhin zur Fortsetzung des Studiums nach Halle zu Johann Christian Reil. Er stellte, wie schon vorher Herz, mangelnde Studierfähigkeit bei Börne fest. Börne wurde aufs Gymnasium geschickt, um seine Allgemeinbildung zu verbessern. Erst 1804 immatrikulierte er sich für Medizin, hörte aber auch philosophische Seminare bei Henrik Steffens und Friedrich Schleiermacher. 1806 war er gezwungen, seinen Studienort zu wechseln, da Napoleon die Schließung der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg angeordnet hatte.[1]

1807 kam es wegen Schulden zu einer schweren Auseinandersetzung mit seinem Vater; ein folgender Zivilprozess sollte sich bis 1813 hinziehen. Börne musste nach Heidelberg wechseln. Hier wechselte er von Medizin zu den Rechtswissenschaften. Seinen Schwerpunkt setzt er auf die Kameralwissenschaften, die der philosophischen Fakultät angeschlossen waren. Als er auch in Heidelberg Schulden machte, musste er erneut die Universität wechseln.

1808 schrieb er sich in Gießen ein. Er wurde durch seinen früheren Internatslehrer Professor Crome gefördert, in dessen Zeitschrift Germanien er unter anderem Aphorismen veröffentlichte. Schon nach drei Monaten ließ er Börne zum Dr. phil. mit den Schriften „Über die geometrische Gestalt des Staatsgebietes“ und „Von dem Gelde“ promovieren, ohne auf ein gesondertes Examen zu bestehen.

Börne wurde am 19. Juli 1808 in der Loge Zur aufgehenden Morgenröthe in Frankfurt/Main als Freimaurer aufgenommen.[2] Er schrieb 1811 einen Vortrag Über Freimaurerei, aus dem manche Sätze in neuere Freimaurer-Rituale Einzug gehalten haben.[3]

1811 wurde er durch Vermittlung seines Vaters Polizeiaktuar in Frankfurt am Main, jedoch aufgrund seines Judentums 1815 entlassen. 1818 ließ er sich evangelisch taufen. In diesem Rahmen änderte er seinen Namen von Juda Löw Baruch zu (Carl) Ludwig Börne mit der Begründung, dass sein Name zu eindeutig seine jüdische Herkunft zeige und ihm bei seiner Herausgebertätigkeit schaden könnte.

Als Publizist und Journalist unternahm er zahlreiche Reisen und ließ sich 1830 in Paris nieder. Er schrieb unter anderem für die Allgemeine Zeitung und wurde gemeinhin zur Bewegung des „Jungen Deutschland“ gezählt, mit dem Ziel der Verbreitung der Demokratie als Voraussetzung der Freiheit. Seine 1830 bis 1833 in der Korrespondenz mit Jeanette Wohl entstandenen Briefe aus Paris leiteten aus der Pariser Julirevolution die Notwendigkeit einer Revolution in Deutschland ab. Wohl hatte er schon 1816 kennengelernt; später sollte er diese langjährige Freundin zur Verwalterin seines literarischen Nachlasses einsetzen. 1832 wurde er von Wirth zum Hambacher Fest als Ehrengast eingeladen und nahm teil. Diese Schriften, wie auch seine Metternich-kritische Zeitschrift Die Wage, wurden verboten. Auch gegen Johann Wolfgang Goethe, Wolfgang Menzel und Heinrich Heine (mit dem er zunächst befreundet war) verfasste er kritische Schriften. Er bemühte sich um eine deutsch-französische Freundschaft.

Ludwig Börne starb im Februar 1837 in Folge einer langjährigen Tuberkuloseerkrankung in Paris, wo er auf dem Friedhof Père Lachaise beerdigt wurde. Sein Grab ist noch heute zu besichtigen.

Deutsche Emigranten gründeten 1849 ihm zu Ehren den Ort Boerne in Kendall County, Texas (übrigens nahe den nach Bettina von Arnim und Ludwig Uhland benannten Orten Bettina und Uhland).

Seit 1993 wird in der Frankfurter Paulskirche jährlich der Ludwig-Börne-Preis an deutschsprachige politische Publizisten verliehen. An seiner früheren Universität Gießen wurde 2015 die Ludwig-Börne-Professur eingerichtet. Erster Amtsinhaber ist der Politikwissenschaftler Claus Leggewie.

Zitate


Werke. Werkausgaben


Ein vollständiges Werkverzeichnis findet sich in der deutschsprachigen Wikisource.

Sekundärliteratur


Siehe auch


Weblinks


Wikisource: Ludwig Börne – Quellen und Volltexte
Commons: Ludwig Börne  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Willi Jasper: Ludwig Börne - ein Zeitschriftsteller. In: Josef Rattner, Gerhard Danzer (Hrsg.): Aufklärung und Fortschrittsdenken in Deutschland 1750–1850. Von Kant und Lessing bis Heine und Feuerbach. Königshausen & Neumann, Würzburg 2004, ISBN 3-8260-2874-0, S. 241–260.
  2. Jürgen Holtorf: Die Logen der Freimaurer, Nikol VerlagsGmbH, Hamburg, ISBN 3-930656-58-2, S. 141
  3. Eugen Lennhoff, Oskar Posner, Dieter A. Binder: Internationales Freimaurer Lexikon. 5. überarbeitete und aktualisierte Auflage 2007, Herbig Verlag. ISBN 3-7766-2478-7
  4. zitiert von Fritz J. Raddatz, Süddeutsche Zeitung Nr. 202, 3./4. September 1977, S. 92








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