Liu Baiyu


Liú Báiyǔ (chin. 刘白羽/劉白羽, Wade-Giles Liu Pai-yu oder Liu Pai-yü) (* 2. September 1916 in Běijīng; † 24. August 2005 ebenda) war ein chinesischer Schriftsteller und Kulturpolitiker. Er veröffentlichte in mehr als 60 Jahren schriftstellerischer Arbeit über 50 Werke und gehört mit Yáng Shuò, Qín Mù und Wèi Wēi zu den bedeutendsten Essayisten der chinesischen Gegenwartsliteratur. Liú Báiyǔs Werk durchzieht gleichsam als roter Faden die tiefe Liebe zu offenen und heroischen Menschen, seine Essays sind durch tiefsinnige philosophische Gedanken charakterisiert.

Inhaltsverzeichnis

Leben


Liú Báiyǔ wurde als Liú Yùzàn (刘玉赞) in Běijīng geboren und wuchs daselbst auf. Nach dem Abschluss der Mittelschule 1936 ging er nach Nánjīng und begann dort mit dem Schreiben. Seine erste Erzählung 《冰天》 (bīngtiān; etwa: Eishimmel) wurde im März jenes Jahres in der von Bā Jīn herausgegebenen Zeitschrift 《文学》 (wénxué; Literatur) veröffentlicht. Seine erste Sammlung von Kurzgeschichten 《草原上》 (cǎoyuánshàng; in der Prärie) erschien 1937.

Im Februar 1938 ging er nach Yán'ān, um den Widerstandskampf gegen die japanische Besetzung zu unterstützen, wurde dort mit Máo Zédōng bekannt und trat in die Kommunistische Partei Chinas ein; dort in Yán'ān schrieb er auch die Biographie Zhū Dés 《朱德将军传》 (Zhū Dé jiāngjun zhuàn) und brachte u. a. die Sammlungen von Kurzgeschichten 《龙烟村纪事》 (Lóngyāncún jìshì; Die Chronik des Dorfes Lóngyān) und 《幸福》 (xìngfú; Glück) heraus. Im Jahre 1942 nahm er an der Beratung über Fragen der Literatur und Kunst in Yán'ān teil, die für die kulturelle Entwicklung in der VR China von weitreichender Bedeutung sein sollte. Seine berühmten Erzählungen 《日出》 (rìchū; Sonnenaufgang) und 《长江三日》 (Chángjiāng sān rì; Drei Tage am Chángjiāng) sind typische Beispiele dafür, wie nach dieser Beratung auch vermeintlich unpolitische Sujets zur politischen Mobilisierung des Volkes gebraucht wurden; Naturbeschreibung erfüllt hier angesichts des Antijapanischen Krieges vornehmlich die Funktion, Patriotismus unter der Jugend zu wecken.

1944 übernahm Liú die Herausgeberschaft der Beilage der 《新华日报》 (Xīn huá rìbào; Neue Chinesische Tageszeitung) in Chóngqìng, außerdem schrieb er eine große Zahl an Geschichten, die das Leben in den befreiten Gebieten thematisierten. Als Mitarbeiter der Nachrichtenagentur Xīnhuá nahm er an der Befreiung Nordost- und Mittelchinas teil und schrieb hierüber mehrere Kurzgeschichten und Novellen. Seine Erfahrungen aus dem Kriege ließ er in das Drehbuch zum Film 《中国人民的胜利》 (Zhōngguó rénmín de shènglì; der Sieg des chinesischen Volkes) einfließen, dafür erhielt er den Stalinpreis. Während des Koreakrieges fuhr er zweimal an die Front und schrieb Reportagen und Kurzgeschichten über seine Erlebnisse wie 《朝鲜在战火中前进》 (Cháoxiǎn zài zhànhuǒzhōng qiánjìn; Korea schreitet in den Flammen des Krieges voran) und 《对和平宣誓》 (duì hépíng xuānshì; Eid an den Frieden).

Nach 1955 war er vor allem als Kulturpolitiker tätig, er war u. a. Stellvertretender Vorsitzender des Chinesischen Schriftstellerverbandes und Stellvertretender Kulturminister. Erst als sich nach dem Ende der Kulturrevolution die künstlerischen Möglichkeiten als nicht mehr so eng erwiesen, trat er wieder mit eigenen Werken an die Öffentlichkeit, er verfasste viel Prosa. Liú Báiyǔs Schaffen wurde weiterhin von seiner militärischen Vergangenheit geprägt, so im wegen seiner sprachlichen Brillanz hochgelobten Roman 《第二个太阳》 (dì'èr gè tàiyáng; die zweite Sonne, 1987).

Bis 1994 gab der schon hochbetagte Liú Báiyǔ die 52-bändige Serie 《世界反法西斯文学书系》 (shìjiè fǎnfǎxīsī wénxué shū xì World Anti-fascist literature series) heraus. Am 2. Februar 1994, am Tage vor dem chinesischen Neujahrsfest, verstarb plötzlich seine Frau, die Journalistin Wāng Qí (汪琦), mit der er seit den Tagen in Yán'ān verbunden war. Sie hatte ihn mit ganzer Kraft bei der Niederschrift seines letzten preisgekrönten Werkes, 《心灵的历程》 (xīnlíng de lìchéng; Seelische Vorgänge) unterstützt und auch den Titel des Buches ausgewählt. Die abschließenden Arbeiten und die Vorbereitung der Drucklegung widmete Liú ihrem Angedenken. Nach dem Tod seiner langjährigen Weggefährtin verfasste er noch ein Buch, den Roman 《风风雨雨太平洋》 (fēngfēng-yǔyǔ Tàipíng Yáng; Stürmischer Pazifik), der 1998 erschien, danach legte er den Stift aus der Hand.

Zuletzt war Liú Báiyǔ Stellvertretender Vorsitzender des chinesischen PEN (den Vorsitz hat seit 1980 Bā Jīn inne), er war weiterhin Mitglied des Präsidiums des Chinesischen Schriftstellerverbandes sowie Ausschussmitglied der Allchinesischen Föderation der Kulturschaffenden.

Wichtigste Werke


Auszeichnungen


Werkausgaben


Einzelausgaben

Gesamtausgabe

Übersetzungen

Sekundärliteratur


Weblinks











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Stand der Informationen: 05.11.2021 03:42:29 CET

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