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Leo Frobenius

Leo Frobenius (* 29. Juni 1873 in Berlin; † 9. August 1938 in Biganzolo, Italien) war ein deutscher Ethnologe.

Inhaltsverzeichnis

Leben


Als Sohn des preußischen Offiziers Hermann Frobenius, Bruder des Kunstmalers Hermann Frobenius und Enkel des Direktors des Berliner Zoologischen Gartens Heinrich Bodinus aufgewachsen, verbrachte er eine unstete Kindheit, verließ das Gymnasium ohne Abitur und machte eine Kaufmannslehre.

Als Autodidakt wandte er sich bereits früh der Völkerkunde zu, war zeitweise Volontär an verschiedenen Museen und gründete 1898 in München sein „Afrika-Archiv“, das er später in Institut für Kulturmorphologie umbenannte. 1905 gründete er die Deutsche Inner-Afrikanische Forschungsexpedition, D.I.A.F.E., mit der er bis 1935 zwölf große Forschungsexpeditionen nach Afrika durchführte, insbesondere nach Togo, Tunesien, Sambia sowie in den Sudan, den Kongo und Äthiopien[1].

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs leitete Frobenius eine geheime Mission in das neutrale Abessinien, um von dort aus einen Aufstand im Anglo-Ägyptischen Sudan zu organisieren. Die italienischen Behörden in Massaua (Eritrea) verboten jedoch die Weiterreise, und Frobenius kehrte nach Europa zurück. Zuvor veranlasste er die Verteilung von Lebensmitteln deutscher, internierter Schiffe unter Bedürftigen auf der Arabischen Halbinsel.[2]

1925 erwarb die Stadt Frankfurt am Main die umfangreichen Sammlungen seines Instituts für Kulturmorphologie, mit dem er nach Frankfurt umsiedelte (heute: Frobenius-Institut). 1932 wurde er zum Honorarprofessor an der Frankfurter Universität und 1934 zum Direktor des dortigen Völkermuseums ernannt. Außerdem war er Mitglied der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte.

Werk


Mit seinem 1898 veröffentlichten Aufsatz über den Ursprung der afrikanischen Kultur begründete er die Kulturkreislehre, die später von Ankermann und Graebner weiter ausgebaut wurde, von der er sich selbst aber wieder abwandte, da sie ihm allzu mechanistisch erschien. Frobenius veröffentlichte zahlreiche Werke, darunter auch eine umfangreiche Sammlung von afrikanischen Volkserzählungen. Neben anderen Unterstützern konnte er auch die Journalistin Else Frobenius, die Frau seines Bruders Hermann, für die Verbreitung seiner Forschungsergebnisse gewinnen. Besonderes Interesse brachte er den erstmals von Heinrich Barth beschriebenen Felsbildern der Sahara entgegen, die er im Sinne des Entdeckers als wichtige Quelle für die Rekonstruktion der afrikanischen Geschichte ansah.

Intensiv beschäftigte sich Frobenius mit der Atlantis-Hypothese. Unter dem Titel Atlantis veröffentlichte er zwischen 1921 und 1928 eine zwölfbändige Reihe mit Volksmärchen und -erzählungen aus Nord- und Westafrika. Den Höhepunkt erreichte die Darstellung seiner Atlantis-Theorie in Band 10 mit dem Titel Die Atlantische Götterlehre. 1931 schaltete er sich in seinem Werk Erythräa. Länder und Zeiten des heiligen Königsmordes in die Diskussion um die Ruinen von Simbabwe ein und vertrat im Gegensatz zu Gertrude Caton-Thompson die Ansicht, dass es sich hier um sehr alte Kulturen handle.[3]

Zugleich entwickelte er die Grundzüge seiner „Kulturmorphologie“, die die einzelnen Kulturen als Organismen auffasste, wobei er u. a. von Oswald Spengler beeinflusst war. Zentral ist für seine Theorie der Begriff des „Paideuma“, der „Kulturseele“, den er 1938 auch als Titel für die von ihm gegründete Zeitschrift verwandte. Die Summe seines Wissens und Forschens sowie seiner geistes- und kulturgeschichtlichen Theorien findet sich in der 1933 veröffentlichten Kulturgeschichte Afrikas.

Wirkung


Durch seine Forschungen zur afrikanischen Geschichte wird er noch heute in vielen afrikanischen Staaten geschätzt. Er beeinflusste insbesondere die Begründer der Négritude Léopold Sédar Senghor, der einmal von ihm schrieb, er habe „Afrika seine Würde und seine Identität wiedergegeben“, sowie Aimé Césaire, für dessen poetisches und essayistisches Werk er ebenso grundlegend war. Frobenius sah die afrikanische Kultur der europäischen als gleichwertig an, was für einen Gelehrten seiner Zeit ungewöhnlich war.

Auf ihn geht auch eine umfangreiche Sammlung von ca. 4700 Kopien prähistorischer afrikanischer Felsbilder zurück, die sich heute im Frankfurter Frobenius-Institut befindet. Auch Erika Trautmann-Nehring (1897–1968) kopierte die Felsbilder des Valcamonica in seinem Auftrag.

Frobenius und sein Schüler Adolf Ellegard Jensen prägten eine Reihe deutscher Ethnologen. Unter Frobenius’ Schülern finden sich Hans Rhotert (Direktor des Linden-Museums in Stuttgart von 1957 bis 1970), Adolf Friedrich (Universität Mainz), Helmut Straube (Universität München) und Helmut Petri (Universität Köln), Hertha von Dechend (Universität Frankfurt) sowie der UN-Berater Heinz Wieschhoff. Bei Jensen studierten wiederum Adolf Friedrich, Horst Nachtigall (Universität Marburg), Wolfgang Rudolph (Freie Universität Berlin) und Eike Haberland (Universität Frankfurt).

Ehrungen


Sein Grab auf dem Hauptfriedhof Frankfurt ist ein Ehrengrab der Stadt.

Von der Firma Ernst Leitz Wetzlar erhielt er 1932 die Leica-Kamera mit der Nummer 100.000 überreicht.

Publikationen


Siehe auch


Literatur


Weblinks


Wikisource: Leo Frobenius – Quellen und Volltexte
 Commons: Leo Frobenius  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Jensen, A. E., Rhotert, H. und Frobenius, L.: Verlauf und Ergebnisse der 12. Deutschen Inner-Afrikanischen Forschungs-Expedition (DIAFE) 1934/35 unter Führung von Leo Frobenius. Strecker & Schröder, Stuttgart 1938.
  2. Peter Heine: Leo Frobenius als politischer Agent, in: Paideuma, Jg. 26 (1980), S. 1–5. (Onlineressource ; Zusammenfassung ).
  3. Heinrich Pleticha, Siegried Augustin: Lexikon der Abenteuer- und Reiseliteratur von Afrika bis Winnetou, Edition Erdmann, Stuttgart, Wien, Bern 1999, S. 99 ff.



Kategorien: Afrikaforscher | Ethnologe | Deutscher | Geboren 1873 | Gestorben 1938 | Mann



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