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Leo Baerwald

Leo Baerwald (geboren am 20. September 1883 in Saaz, Königreich Böhmen, Österreich-Ungarn; gestorben am 8. April 1970 in New York, Vereinigte Staaten) war ein deutsch-böhmischer Rabbiner und Autor.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken


Baerwald entstammt einer Familie von Rabbinern und jüdischen Gelehrten. Er war der Sohn des Rabbiners von Saaz, Aron Baerwald und dessen Frau Fanny, geb. Lazarus, Tochter des Breslauer Seminarrabbiners Leiser Lazarus. Baerwald besuchte bis zum Abitur 1902 das Wilhelmsgymnasium München[1] in der St.-Anna-Vorstadt von München, wo er 1910 bis 1936 auch Religionslehrer für die jüdischen Schüler war. Er studierte ab dem Jahre 1902 am Jüdisch-Theologisches Seminar Fraenckel'sche Stiftung und an der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Breslau. 1905 wurde er an der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen mit der Dissertation Die Entwicklung der Lotzeschen Psychologie zum Doktor (Dr. phil.) promoviert. Von 1906 bis 1911 arbeitete er als Hilfslehrer an der Religionsschule I in Breslau. 1911 absolvierte er das Rabbinerexamen am Jüdisch-Theologischen Seminar.

Eine erste Anstellung fand Rabbiner Baerwald im Februar 1911 als Rabbinatssubstitut bei seiner Heimatgemeinde München, wo er sich rasch hohes Ansehen erwarb. Im Ersten Weltkrieg war er 1914 zunächst Armierungssoldat, dann bis Dezember 1917 Feldrabbiner für die bayerischen Soldaten bei der Etappen-Inspektion der 6. Armee an der Westfront. Ende November 1918, wurde er von der Israelitischen Kultusgemeinde in München einstimmig zum Rabbiner gewählt. Baerwald prägte gemeinsam mit dem Zionisten Elias Straus und dem langjährigen Vorsitzenden Alfred Neumeyer maßgebend das jüdische Leben der Gemeinde in der Zwischenkriegszeit.[2]

Von 1918 bis zu seiner Ausreise aus Deutschland im Jahre 1940 (auch noch nach der Zerstörung der Synagoge) war Leo Baerwald Rabbiner der alten Hauptsynagoge von München. Im November 1936 gründete er das Jüdische Lehrhaus und wurde Vorsitzender dessen Kuratoriums. Er war Mitglied der Freien jüdischen Vereinigung (Mittelpartei).

Baerwald leistete bereits seit 1920 Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Im Jahre 1933 wurde er durch die SA entführt und erhielt Morddrohungen. Im November 1938 wurde er im KZ Dachau inhaftiert, woraufhin er sich zur Emigration entschloss. Im März 1940 gelang ihm die Emigration in die USA. Die Israelitische Kultusgemeinde München dankte ihm vor seiner Emigration für seine „Segnungen, die sie durch drei Jahrzehnte von Ihnen erfahren hat in Gottesdienst und Seelsorge in Schule, Wohlfahrt und Verwaltung“.[3]

Gemeinsam mit Rabbiner Isaak Heilbronn gründete Baerwald die Einwanderergemeinde Congregation Beth Hillel in New York. Von 1940 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1955 war er der erste Rabbiner dieser Gemeinde in Washington Heights. Die Gemeinde bestand vorwiegend aus deutschstämmigen jüdischen Emigranten aus München und Nürnberg. Von 1947 bis 1949 war Baerwald Präsident der B’nai B’rith in New York. Er war Mitglied des New York Board of Rabbis. Weiterhin wirkte er als Geistlicher der Jewish Veterans Association. Obwohl liberal, versuchte er alle jüdischen Richtungen zu vereinen. So war es bei Beth Hillel selbstverständlich, dass Männer und Frauen getrennt saßen und dass es keine Orgel gab.[4]

Nach seiner Pensionierung war er Mitglied des Leo Baeck Instituts und Vorstandsmitglied der American Federation of Jews from Central Europe und von Blue Card, einer deutsch-jüdischen Wohlfahrtsorganisation in New York.

Auszeichnungen


Während des Ersten Weltkrieges wurde Leo Baerwald mit dem bayerischen Militärverdienstorden 4. Klasse und (1916) mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet.

Baerwald wurde 1965 mit dem Bayerischen Verdienstorden geehrt[3] und bei seinem letzten Besuch in München im Mai 1969 mit der Medaille „München leuchtet“ ausgezeichnet.[5]

Werke (Auswahl)


Literatur (Auswahl)


Weblinks


Einzelnachweise


  1. Jahresbericht über das Wilhelms-Gymnasium zu München 1901/02.
  2. Richard Bauer, Michael Brenner (Hrsg.): Jüdisches München. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. C. H. Beck, München 2006, ISBN 978-3-4065497-9-3, S. 145.
  3. a b Leo Baerwald in der Datenbank des Projekts Erinnern des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands
  4. Christian Kraft: Aschkenas in Jerusalem. Die religiösen Institutionen der Einwanderer aus Deutschland im Jerusalemer Stadtviertel Rechavia (1933-2004). Transfer und Transformation. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014, ISBN 978-3-5255703-4-0, S. 289 f.
  5. Harry Herbert Tobies: Königsberg, München, Jerusalem: jüdische Menschen und jüdisches Leben über die Jahrhunderte. H. Tobies, München 2006, ISBN 978-3-00-018721-6, S. 82; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche



Kategorien: Rabbiner (Deutschland) | Rabbiner (Vereinigte Staaten) | Häftling im KZ Dachau | Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus | Träger des Bayerischen Verdienstordens | Person des Judentums (München) | Person (Žatec) | Person (Cisleithanien) | Deutscher | Geboren 1883 | Gestorben 1970 | Mann

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Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Leo Baerwald (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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