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Lein (Neckar)




Lein
Oberlauf: Seebach, Leinbach
historisch: Gartach

Karte des Laufs der Lein (in rot) im Landkreis Heilbronn, Baden-Württemberg, Deutschland

Daten
Gewässerkennzahl DE: 23856
Lage Baden-Württemberg
Flusssystem Rhein
Abfluss über Neckar → Rhein → Nordsee
Quelle Westlich von Kleingartach
49° 5′ 41″ N, 8° 55′ 47″ O
Quellhöhe ca. 293 m ü. NHN[1]
Mündung Bei Neckargartach von Westen und links in den Neckar
49° 10′ 1″ N, 9° 12′ 19″ O
Mündungshöhe 150,8 m ü. NHN[2]
Höhenunterschied ca. 142,2 m
Sohlgefälle ca. 5,2 ‰
Länge fast 27,5 km[3]
Einzugsgebiet über 110 km²[4]

Die Lein ist ein Fluss im Westen des baden-württembergischen Landkreises Heilbronn. Sie entspringt südwestlich von Kleingartach und mündet nach einem 27 km langen Lauf in nordöstlicher bis östlicher Richtung im Stadtteil Neckargartach gegenüber der nördlichen Kernstadt von Heilbronn von links in den mittleren Neckar.

Der Hauptstrang des Flusses beginnt als Seebach und setzt sich anschließend auf dem Oberlauf noch länger als Leinbach fort, bis er unterhalb von Niederhofen kurz vor dem Austritt aus seiner Bucht im Keuperbergland seinen deutlich längsten Laufabschnitt als Lein beginnt. Früher hieß der Bach Gartach, eine Bezeichnung, die sich im Namen einiger Orte am Lauf wiederfindet wie auch in dem des mittelalterlichen Gartachgaus.

Inhaltsverzeichnis

Geographie


Verlauf

Die Lein entspringt nahe Kleingartach aus mehreren Quellen im südlichen Hartwald, die sich dann zunächst zum Seebach vereinen, der später zum Leinbach und zur Lein wird. Von hier an zieht das Gewässer zunächst in Richtung Nordosten, links nur anfangs begleitet vom Hartwald, rechts länger vom auf seinem Kamm meist ebenfalls Wald tragenden Heuchelberg. Fast von Anfang an stehen dabei an den südexponierten Hängen zu beiden Seiten und in den kleinen Nebentälern Weingärten. Nachdem sie Kleingartach und Niederhofen durchlaufen hat, kehrt sie sich bei Stetten am Heuchelberg nach Osten. Hier tritt auch die Kraichgaubahn aus Eppingen im Westen ins Muldental. Unterhalb von Schwaigern mündet von links mit dem knapp 8 km langen Massenbach der erste der zwei bedeutenderen Zuflüsse. Unterhalb der zusammengewachsenen Ortsteile Schluchtern und Großgartach von Leingarten verlässt die Bahn auf der anderen Seite das Tal, das hier nach Nordwesten abknickt. Danach tritt die Lein aufs Gebiet der Stadt Heilbronn über und der rund 10 km lange Rotbach fließt in Frankenbach wiederum von links zu. Bald darauf zerteilt die Lein den Ort Neckargartach und mündet dort von links in den nördlich fließenden Neckar.

Einzugsgebiet

Das deutlich linkslastige Einzugsgebiet der Lein bedeckt über 110 km², von denen rund zwei Drittel links des Gewässerlaufs liegen und nur ein Drittel rechts. Die Wasserscheide rechts verläuft im Süden sehr lange auf dem Kamm des recht nahen Heuchelbergs und ist kaum je auch nur 2,5 km vom Lauf entfernt, während sich das Einzugsgebiet auf der anderen Seite weit nach Norden erstreckt; die nördliche Wasserscheide verläuft in einer Nordausbuchtung um den oberen Massenbach und Rotbach lange in etwa 6,5 km Abstand vom Gewässerlauf.

Sämtliche Konkurrenten unmittelbar jenseits der Wasserscheiden entwässern ebenfalls zum Neckar. Von der Mündung ganz im Osten in Neckargartach beginnend verläuft die Scheide rechts des Flusses zunächst westsüdwestlich auf einem kleinen Stück gegen den kurzen Böckinger Wolfsgraben, weiter dann steigt die Scheide an der Heuchelberger Warte auf dem Kamm des Heuchelbergs, jenseits dessen zunächst wiederum auf kurzer Strecke der Nordheimer Katzentalbach konkurriert. Schon vor dem Eichbühl, an dem die Grenze nach Südwesten abbiegt, sammelt die Zaber viele Zuflüsse, welche die Südflanke des Heuchelbergs herunterlaufen. Ihr Einzugsgebiet umringt sogar südlich noch etwas die oberste Lein bis an ihre linke Seite und stößt im Bereich des südwestlichen Hartwaldes an das der nördlich zum unteren Neckar entwässernden Elsenz, die im Westen und Nordwesten vor allem im Abschnitt nördlich des Hartwaldes mit ihren rechten Zuflüssen die Lein bedrängt. Nördlich von Massenbachhausen knickt die linke Gewässerscheide am obersten Massenbach dann nach Osten, ab hier läuft der Böllinger Bach anfangs sehr nahe östlich zum Neckar wie die Lein selbst, bis dieser Bach nach dem Quellgebiet des Rotbachs sogar weitere Flächen rechts seines Laufes auf Kosten der Lein gewinnt. Kurz vor der Mündung im Osten schiebt sich ein sehr kleines Gebiet ohne oberirdische Läufe dazwischen.

Zuflüsse

Liste der Quelläste und Zuflüsse auch höherer Ordnung der Lein, jeweils eingerückt unter dem übergeordneten Gewässer, auch mit einigen Seen. Aufzählung immer von der Quelle zur Mündung. Erhoben aus LUBW-FG10/LUBW-SG10 und TK25. Gewässerverläufe, -längen und -flächen bevorzugt nach LUBW, Namen bevorzugt nach TK25. Gewässerlängen auf volle hundert Meter, Gewässerflächen auf Zehntelshektar gerundet. Einzugsgebietsflächen nach LUBW-GEZG, auf 0,1 km² gerundet. Kursivierte Gewässernamen stehen als Eigennamen in einer der benutzten Quellen, ansonsten steht ersatzweise eine beschreibende Bezeichnung, von der dann nur die kursivierten Anteile (Talnamen, Bergnamen, Gewannnamen usw.) Eigennamen aus den Quellen sind.

Ursprung der Lein zwischen Eppingen-Mühlbach im Westen und Eppingen-Kleingartach in einem Waldgebiet westlich des Gewanns Herrenschlag.

Mündung der Lein auf 150,8 m ü. NHN von links und Westen in den Neckar in Neckargartach gegenüber dem Heilbronner Salzwerkhafen. Die Lein ist fast 27,5 km lang und hat ein Einzugsgebiet von über 110 km².

Ortschaften

Das Gewässer läuft auf der Gemarkung der Städte Eppingen und Schwaigern, der Gemeinde Leingarten und der Stadt Heilbronn. Im Einzugsgebiet liegen nördlich des Flusses noch Massenbachhausen, Massenbach und Kirchhausen an Zuläufen.

Die Lein entspringt etwa auf 293 m ü. NHN und mündet nach einem Lauf von wenig über 27 km Länge auf einer Höhe von etwa 151 m ü. NHN; sie hat also mit wenig über 5 ‰ ein nur kleines mittleres Sohlgefälle.

Landschaft

Die obersten Quellbäche der Lein entspringen noch im Naturraum Heuchelberg, in dem ihr Tal anfangs eine Bucht des zum nördlich benachbarten Kraichgau rechnenden Leinbachgäus durchläuft. In Großgartach beginnt ihr Unterlauf durch dessen östlichen Teilraum Gartacher Feld. Zuletzt wechselt sie kurz vor der Mündung in Neckargartach in den Unterraum Heilbronn-Wimpfener Feld von dessen Nachbarnaturraum Neckarbecken.[7]

Der größte Teil des Einzugsgebietes ist Ackerland, Grünland kommt kaum vor. Links an seinem Rand am Oberlauf liegt ein großer Teil des Hartwaldes im Einzugsgebiet, rechts lange der bewaldete Hang und Kamm des Heuchelberges. Einige kleinere kompakte Waldgebiete, u. a. der Taschenwald südlich von Kirchhausen, die Stöckach und der Bruchtalwald bei Massenbachhausen, liegen in der Nordausbuchtung des Einzugsgebietes um den oberen Massenbach und Rotbach. Es gibt recht großflächige Siedlungsgebiete.[8]

Geschichte


Funde aus der älteren Steinzeit sind im Leintal selten, wohingegen die Funde der Großgartacher Kultur von einer Besiedelung in der jüngeren Steinzeit künden. In der jüngeren Bronzezeit scheint das Leintal, wie sich aus der geringen Fundzahl schließen lässt, nur sehr gering besiedelt gewesen zu sein, wohingegen aus den nachfolgenden Perioden ab der mittleren Bronzezeit wieder zahlreiche Funde vorliegen. Die älteren heute noch bestehenden Orte im Leintal gehen auf die Zeit der fränkischen Landnahme zurück. Alte frühmittelalterliche Befestigungen waren die Harchenburg bei Schluchtern, die Frankenschanze bei Großgartach und auf dem Schlossbuckel zwischen Stetten und Neipperg. Die Lein hieß zu jener Zeit Gartach. Die umliegende Region bildete den Gartachgau, und auch die Ortsnamen Kleingartach (einst nur Gartach), Großgartach (heute ein Ortsteil von Leingarten) und Neckargartach nehmen Bezug auf den Fluss und den Gau. Zur Zeit der Karolinger entstanden einige Ausbausiedlungen im Leintal, darunter Niederhofen. Im hohen Mittelalter stand das Leintal unter dem Einfluss des Bistums Worms und der Staufer. Nach dem Niedergang der Staufer und dem Erstarken der Regionalfürstentümer kamen die Orte in den Besitz verschiedener Herren, u. a. der vermutlich als Uradel aus dem Leintal stammenden Herren von Neipperg sowie weiterer Herrengeschlechter aus der näheren und ferneren Umgebung, größtenteils aus dem späteren Ritterkanton Kraichgau. Da das Leintal nicht im Zentrum eines größeren Territoriums lag, sondern vielmehr in verschiedener Hinsicht an mehrere Bistumsgrenzen oder Grenzen aufstrebender Flächenstaaten wie Württemberg und Kurpfalz grenzte, kam es zu keiner einheitlichen Entwicklung längs des Gewässers, sondern waren die Orte vielmehr vielfach Ziel verschiedenster Expansionsbestrebungen. Bei der Mediatisierung der Fürstentümer im Jahr 1805 kam das Leintal schließlich an Württemberg, mit Ausnahme von Schluchtern (heute Teil von Leingarten), das als vormals kurpfälzischer Ort an Baden kam und damit eine badische Exklave in Württemberg bildete, bevor es 1945/47 ebenfalls an Württemberg kam. Heute liegt das Leintal innerhalb des westlichen Landkreises Heilbronn bzw. im Unterlauf bei Frankenbach und Neckargartach innerhalb der Markung der Stadt Heilbronn.

Wirtschaft


Die Lein hat als Verkehrsweg keine Bedeutung, da sie nicht sehr breit und auch nicht tief genug ist. Die Zuläufe sind in den Ortschaften teilweise verdolt. Im 19. Jahrhundert befand sich zwischen Neckargartach und Frankenbach die Widmann’sche Papiermaschinenfabrik, ein Pionierbetrieb bei der Herstellung der ersten Papiermaschinen in Deutschland, der die benötigte Wasserkraft aus der Lein gewann.

Hochwasserschutz


Der Zweckverband Hochwasserschutz Leintal errichtet insgesamt 14 Hochwasserrückhaltebecken, davon sind 8 bereits fertiggestellt. Weitere vier in kommunaler Regie errichtete Hochwasserrückhaltebecken wurden dem Zweckverband übergeben. Der Zweckverband wurde von den Kommunen Eppingen, Heilbronn, Leingarten, Massenbachhausen und Schwaigern im Jahr 1998 gegründet, nachdem im Einzugsgebiet der Lein immer häufiger auftretende Hochwasser immense Schäden in den Ortslagen angerichtet hatten. Bis November 2011 investierte der Zweckverband 18,7 Mio. Euro in den Hochwasserschutz.[9]

Siehe auch


Einzelnachweise


  1. Interpoliert nach der TK25.
  2. Stauziel im Unterwasser der Schleuse vor dem Heilbronner Kanalhafen, Texteintrag in Blau auf der topographischen Karte.
  3. Nach LUBW-FG10 (Datensatzeintrag).
  4. a b c Summe der Teileinzugsgebiete nach LUBW-GEZG (Datensatzeinträge).
  5. Beschriftung auf der TK25 wie auf der LUBW-FG10 im Maßstab, in dem die geläufigen Namen angeschrieben sind.
  6. a b c d Nach LUBW-GEZG (Datensatzeintrag).
  7. Josef Schmithüsen: Geographische Landesaufnahme: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 161 Karlsruhe. Bundesanstalt für Landeskunde, Bad Godesberg 1952. → Online-Karte (PDF; 5,1 MB)
  8. Flächennutzung nach LUBW-LANDSAT-2000.
  9. Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg: Land fördert Hochwasserschutzmaßnahmen im Leintal mit über 1,3 Millionen Euro , Baden-Württemberg. Das Landesportal, 10. November 2011

Literatur


Weblinks





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