Kulturpädagogik - de.LinkFang.org

Kulturpädagogik

Inhaltsverzeichnis

Schwierigkeiten einer begrifflichen Definition


Kulturpädagogik und Kulturelle Bildung sind Begriffe, die erst seit den späten 1960er und frühen 1970er Jahren verwendet wurden. Historisch präziser wird in der geschichtlichen Darstellung auch von „neuer“ Kulturpädagogik gesprochen[1], um der Gefahr einer „historischen Blindheit“[2] entgegenzuwirken, die verkennt, dass es Vorformen von Kulturpädagogik auch in den Jahrzehnten davor gegeben hat, ohne dass dieser Terminus verwendet worden wäre. Der im Absatz „Motivationen und Zielsetzungen“ beschriebene Paradigmenwechsel und eine bewusste Abgrenzung vom Vorangegangenen lassen es aber plausibel erscheinen, den Beginn der Kulturpädagogik in den frühen 1970er Jahren zu temporalisieren. Einer klaren begrifflichen Abgrenzung von „Kulturpädagogik“ stehen verschiedene Hürden im Weg: Begriff und Disziplin stammen aus der Praxis, entwickelten sich anfangs in einem gewissen „Wildwuchs“ und wurden erst zeitverzögert zum Gegenstand wissenschaftlicher Begriffsbestimmung – zu einem Zeitpunkt, als sich der Begriff bereits vielfältig differenziert hatte und aus sehr unterschiedlichen Motivationen heraus für sehr unterschiedliche Phänomene verwendet wurde. Jeder Versuch einer Definition birgt deshalb die Gefahr einer nachträglichen Einengung und Missachtung von Sprachregelungen und begrifflichen Inanspruchnahmen, die sich in der Praxis längst durchgesetzt haben. So wird Kulturpädagogik beispielsweise häufig als eine explizit außerschulische pädagogische Arbeit mit den Mitteln oder zum Thema der Kultur definiert.[3] Diese Definition würde jedoch die zahlreichen und rapide wachsenden Schnittstellen zwischen Schule und Kulturpädagogik ausschließen, die vom Aufsuchen außerschulischer Lernorte bis zum Expertenbesuch im Unterricht reichen. Längst sind Kooperationen zwischen Schulen und Kultureinrichtungen (Museen, Theatern, Konzerthäusern etc.) eines der wichtigsten kulturpädagogischen Arbeitsfelder, so dass eine begriffliche Abgrenzung von der Institution Schule nur bedingt als Definitionsmerkmal geeignet ist.

Motivationen und Zielsetzungen


Besser als durch einen Definitionsversuch wird man der Kulturpädagogik gerecht, indem man die unterschiedlichen Motivationen und Zielsetzungen benennt, die sich zeitgleich in ihr niedergeschlagen haben. In ihrem emanzipatorischen und vom Autonomiegedanken geprägten Menschenbild hat die Kulturpädagogik ältere und als antiquiert oder naiv betrachtete[4] Konzepte wie das der „musischen Bildung“ abgelöst. Dies wird auch daran deutlich, dass der Begriff im Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) den der „musischen Bildung“ ablöste. In ihrem partizipativen Kulturverständnis hat die Kulturpädagogik ein Gegengewicht zu einem als einseitig und elitär empfundenen Verständnis von „Hochkultur“ etabliert. Gleichzeitig war und ist die Kulturpädagogik in ihrer Ausprägung als Kulturvermittlung stets auch interessengeleitet. Eine Triebkraft kulturpädagogischer Aktivitäten ist häufig auch die „Konkurrenz bei dem Kampf um die (außerschulische) Freizeit der Heranwachsenden“[5]. Dieser Aspekt dürfte seit den 1990er Jahren durch die Überalterung des Publikums,[6] durch wachsende Konkurrenz der Medien und durch die Gefahr sinkender Kulturförderung in seinem Gewicht noch gestiegen sein. Sowohl in ihrer Eigenwahrnehmung als auch in ihrer Außendarstellung wird dieses Konkurrenzaspekt aber eher selten betont. Stattdessen beschreibt und definiert sich Kulturpädagogik gerne über ihre tatsächlichen oder erhofften Wirkungen:

Handlungsfelder


Kulturpädagogik lässt sich in drei Handlungsfelder unterteilen:

Die drei Handlungsfelder sind bei der pädagogischen Arbeit stets in irgendeiner Weise miteinander verknüpft und stehen nicht alleine für sich. Je nach beruflichen Anforderungen, Ausbildung und persönlichem Zugang des Pädagogen ist allerdings eine Schwerpunktbildung als „Manager“, „Erzieher“ oder „Künstler“ (bzw. dazwischen) möglich.

Kulturpädagogische Richtungen


Kulturpädagogik ist der Überbegriff für eine Vielzahl von pädagogisch-methodischen Richtungen:

Ausbildung


Eine fundierte Ausbildung als Kulturpädagoge berücksichtigt alle drei Handlungsfelder, so dass künstlerische, pädagogische und organisatorische Aufgaben gleichermaßen erfüllt werden können.

Es gibt zwei Möglichkeiten zur Ausbildung als Kulturpädagoge:

Hinweis: Die Berufsbezeichnung „Kulturpädagoge“ ist geschützt. Deshalb ist eine Ausbildung, die mit Diplom oder Zertifikat abschließt, zum Nachweis der Qualifikation nötig. I. d. R. bleibt ein universitäres Grundstudium und die Fortsetzung an einem entsprechenden Institut Voraussetzung für den Abschluss als Kulturpädagoge.

Siehe auch


Ästhetische Bildung

Literatur


Weblinks


Einzelnachweise


  1. Vgl. etwa Wolfgang Zacharias: Kulturpädagogik: Kulturelle Jugendbildung. Eine Einführung
  2. vgl. Eckart Liebau: Davids Traum. Zur Zukunft der Jugendkunstschulen. , auf bjke.de
  3. Sanne Grabisch: KulturpädagogikEine erste Annäherung zur Definition Ende der 1980er Jahre , auf ideal.istik.de
  4. Musische Erziehung (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive)
  5. Max Fuchs: Kulturpädagogik und Schule im gesellschaftlichen Wandel Alte und neue Herausforderungen für die Theorie und Praxis von Bildung und Erziehung – Ein Versuch (pdf) (S. 15), auf kulturellebildung.de
  6. Roland Eberlein Überalterung des Klassikpublikums: Neue Zahlen , auf walcker-stiftung.de



Kategorien: Kulturpädagogik



Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Kulturpädagogik (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Veränderungen: Alle Bilder und die meisten Designelemente, die mit ihnen in Verbindung stehen, wurden entfernt. Icons wurden teilweise durch FontAwesome-Icons ersetzt. Einige Vorlagen wurden entfernt (wie „Lesenswerter Artikel“, „Exzellenter Artikel“) oder umgeschrieben. CSS-Klassen wurden zum Großteil entfernt oder vereinheitlicht.
Wikipedia spezifische Links, die nicht zu Artikeln oder Kategorien führen (wie „Redlink“, „Bearbeiten-Links“, „Portal-Links“) wurden entfernt. Alle externen Links haben ein zusätzliches FontAwesome Icon erhalten. Neben weiteren kleinen Designanpassungen wurden Media-Container, Karten, Navigationsboxen, gesprochene Versionen & Geo-Mikroformate entfernt.


Stand der Informationen: 21.10.2019 09:44:21 CEST - Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
Beachten Sie auch : Impressum & Datenschutzerklärung.