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KZ Sachsenhausen

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KZ Sachsenhausen in Deutschland

Das KZ Sachsenhausen, Volltitel Konzentrationslager Sachsenhausen, amtliche Abkürzung KL Sachsenhausen, war ein ab 1936 eingerichtetes nationalsozialistisches deutsches Konzentrationslager. Es befand sich im Ortsteil Sandhausen[1] der Stadt Oranienburg nördlich von Berlin. Es ist jedoch weder örtlich noch zeitlich identisch mit dem KZ Oranienburg, das 1933 bis 1934 in Oranienburg in der Nähe des Stadtzentrums bestand.

Durch die Nähe zu Berlin und damit auch zur Gestapozentrale in der Prinz-Albrecht-Straße hatte das KZ Sachsenhausen eine Sonderrolle im KZ-System. Ein großes SS-Kontingent war hier stationiert. Das Lager diente als Ausbildungsort für KZ-Kommandanten und das Bewachungspersonal im ganzen NS-Machtbereich (ähnlich wie das KZ Dachau). Insgesamt wurden etwa 200.000 Häftlinge nach Sachsenhausen deportiert, nur etwa 140.000 davon wurden registriert. Im August 1941 wurde eine Genickschussanlage errichtet, in der etwa 13.000 bis 18.000 sowjetische Kriegsgefangene ermordet wurden. Insgesamt sollen mehrere zehntausend Häftlinge ermordet worden sein.

Heute befindet sich die Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen auf dem Gelände des ehemaligen KZs. Die Einrichtung versteht sich als Gedenk- und Lernort sowie als modernes zeithistorisches Museum. Sie folgt einem dezentralen Gesamtkonzept, um dem Besucher die Geschichte an den authentischen Orten erfahrbar zu machen. In verschiedenen Ausstellungen wird die konkrete Geschichte des jeweiligen historischen Ortes als Leitidee mit einer darüber hinaus weisenden thematischen Darstellung verknüpft.

Inhaltsverzeichnis

Überblick


„Schutzhaftlager“

Das Konzentrationslager Sachsenhausen wurde seit dem Hochsommer 1936 auf Befehl Heinrich Himmlers durch Häftlinge der aufgelösten Lager Esterwegen, Berlin-Columbia und Lichtenburg erbaut. Obwohl es nach der nordwestlich angrenzenden, damals selbstständigen Gemeinde Sachsenhausen benannt wurde, befand sich das Konzentrationslager auf dem Gebiet des Ortsteils Sandhausen[1] der Stadt Oranienburg.

Das KZ Sachsenhausen nahm eine Sonderrolle unter den nationalsozialistischen Konzentrationslagern ein. Es war der erste große KZ-Komplex, der von einem SS-Architekten geplant wurde. Himmler hatte dazu Bernhard Kuiper den Auftrag erteilt, mit Sachsenhausen ein „vollkommen neuzeitliches, modernes und jederzeit erweiterbares“ Lager zu errichten. Der SS-Architekt entwarf ein gleichseitiges Dreieck, in dessen Fläche er das Häftlingslager, die Kommandantur sowie das SS-Truppenlager unterbrachte. Die Architektur des Häftlingslagers folgte einer „Geometrie des totalen Terrors“. Vom Wachturm A aus sollte ein einziges Maschinengewehr die in vier Ringen um den halbkreisförmigen Appellplatz herum gruppierten 68 Häftlingsbaracken ungehindert erreichen können. Das Lager wurde nach dem Modell einer panoptischen Anlage konstruiert. Das Modell erwies sich aber schon bald, im Gegensatz zu Himmlers Erwartungen, als nicht beliebig erweiterbar und wurde deshalb nicht auf andere Lager übertragen.

Übungslager Sachsenhausen

Auf dem Gelände des Schutzhaftlagers befand sich auch eines der drei von der Schutzstaffel betriebenen Übungslager, wo nicht nur die Ausbildung von zukünftigen SS-Wachmannschaften, die nach ihrer „Ausbildung“ in anderen Konzentrationslagern eingesetzt wurden, sondern auch die vor- und nachmilitärische Schulung von Angehörigen der Allgemeinen SS erfolgte.

Seit 1938 befand sich dort auch die SS-Dienststelle „Inspekteur der Konzentrationslager und Führer der SS-Totenkopfstandarten“, die 1937 aus Umbenennung der IKL entstand und die für die zentrale Verwaltung aller Konzentrationslager im Machtbereich des sogenannten Großdeutschen Reiches zuständig war.

Außenlager

In etwa 100 KZ-Außenlagern leisteten Häftlinge Zwangsarbeit, vor allem in der Rüstungsindustrie. Im Sommer 1945 diente das Revier des ehemaligen KZ Sachsenhausen als Übergangs-Lazarett für ehemalige Häftlinge und andere Opfer des Krieges, die auf Grund ihres Gesundheitszustandes nicht in die Heimat zurückkehren konnten.

Verwendung nach 1945

Ab August 1945 wurde das Gelände des KZ Sachsenhausen von der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) als Speziallager Nr. 7 verwendet. In diesem sowjetischen Gefangenenlager wurden Sozialdemokraten, NS-Funktionäre der unteren und mittleren Ebene, Angehörige der Wehrmacht, Jugendliche unter „Werwolf-Verdacht“, Gegner der neuen politischen Ordnung und zum Teil völlig willkürlich Verhaftete interniert. Die DDR schloss das 1948 in Speziallager Nr. 1 umbenannte Lager 1950 als letztes der Speziallager. Die Kasernierte Volkspolizei übernahm das Gelände im selben Jahr und nutzte einen Teil davon als Kaserne.

1961 wurde die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen eröffnet und später mehrfach erweitert. Sie gehört heute als Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen zu den Gedenkstätten von nationaler und internationaler Bedeutung in Deutschland.

Seit 2006 nutzt die Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg einen Teil des ehemaligen SS-Truppenlagers des Lagerkomplexes.

Geschichte


Das KZ Sachsenhausen wurde im Sommer 1936 von Häftlingen aus den Emslandlagern errichtet. Diese Aufbauphase wurde in einem viele Jahre später entdeckten Fotoalbum des Kommandanten Karl Otto Koch penibel dokumentiert.

Die von SS-Architekten am Reißbrett als idealtypisches KZ konzipierte Anlage sollte dem Weltbild der SS architektonisch Ausdruck geben und die Häftlinge auch symbolisch der absoluten Macht der SS unterwerfen. Das Häftlingslager wurde in Form eines gleichschenkligen Dreiecks angelegt. Alle Gebäude waren symmetrisch um die Mittelachse gruppiert und auf den Turm A, den Sitz der SS-Lagerleitung, auf der Mitte der Grundlinie des Dreiecks bezogen. Vor diesem Turm lag der halbkreisförmige Appellplatz, der wiederum von vier Ringen fächerförmig angeordneter Baracken umschlossen wurde. Um die Fortsetzung der Mittelachse über den Turm A und die Lagerstraße hinaus wurde das SS-Truppenlager angelegt, in dem die Axialität und Symmetrie des Häftlingslagers und des Kommandanturbereichs sich fortsetzte. Zum 388 Hektar umfassenden SS-Komplex in Oranienburg gehörten darüber hinaus umfangreiche Wohnsiedlungen für die höheren SS-Dienstgrade und ihre Familien sowie das ab 1938 an der Lehnitzschleuse errichtete Außenlager Klinkerwerk (Lehnitz; Einsatzort der Strafkompanien und Lagerbereich „Isolierung“; dort standen ab 1941 zehn Häftlingsbaracken).

Zwischen 1936 und 1945 waren im KZ Sachsenhausen mehr als 200.000 Menschen aus ca. 40 Nationen inhaftiert. Häftlinge waren zunächst politische Gegner des NS-Regimes, dann in immer größerer Zahl Angehörige der von den Nationalsozialisten als rassisch und/oder sozial minderwertig erklärten Gruppen (Juden, Homosexuelle, „Zigeuner“, sogenannte „Asoziale“), die dem Regime hauptsächlich wegen ihrer Ablehnung des Militärdienstes verhassten Zeugen Jehovas und ab 1939 zunehmend Bürger der besetzten Staaten Europas.[2] Zehntausende kamen durch Hunger, Krankheiten, Zwangsarbeit und Misshandlungen um. Andere wurden Opfer systematischer Vernichtungsaktionen. So wurden hier im Herbst 1941 mindestens 12.000 sowjetische Kriegsgefangene ermordet. Die beteiligten SS-Männer erhielten anschließend einen mehrwöchigen Italien-Urlaub.[3] Weitere Häftlinge starben an den Folgen medizinischer Experimente. So wurden ihnen unter anderem schwere Wundinfektionen zugefügt, um die Wirkung von Medikamenten zu testen. Kinder wurden mit Hepatitis B infiziert, um Erkenntnisse über die Veränderungen an der Leber zu gewinnen.

Der Zellenbau wurde 1936 als T-förmiges Gebäude errichtet, das mit 80 Zellen für Einzelhaft, Dunkelarrest und Massenunterbringung als Lagergefängnis und Sondergefängnis der Gestapo diente. Im vom übrigen Lager isolierten Hof des Zellenbaus dienten ein Erdbunker und Vorrichtungen zum „Pfahlhängen“ sowie der sogenannte „Bock“ dem Vollzug besonders brutaler Strafen.

Das Krematorium befand sich auf dem durch die Lagermauer vom Häftlingslager abgetrennten Industriehof und wurde ab Herbst 1939 eingesetzt. 1942 wurde das provisorische Krematorium durch einen Neubau mit Krematorium und Genickschussanlage ersetzt, in dem 1943 auch eine Gaskammer eingerichtet wurde. In dem 11 Quadratmeter großen Raum konnten zu einem Zeitpunkt maximal 60 Personen ermordet werden. In der Gaskammer wurden neue Vergasungstechniken erprobt.[4]

In der Kantine und im Lagerbordell konnten Gutscheine eingelöst werden, die in manchen der Werkstätten oder als Funktionshäftling erarbeitet werden konnten.

Um neue Häftlinge unterbringen zu können, wurde in Abweichung vom „Idealplan“ im Sommer 1938 das „kleine Lager“ als Barackenkomplex errichtet, in dem bis zu ihrer Deportation nach Auschwitz im Oktober 1942 die meisten der jüdischen Häftlinge untergebracht waren.

Auf der 1940 auf dem Appellplatz angelegten Schuhprüfstrecke mit unterschiedlichen Bodenbelägen mussten Häftlinge des Schuhläufer-Kommandos durch Marschieren von bis zu 40 km am Tag Sohlenmaterial für die deutsche Leder- und Schuhindustrie testen.

Von 1942 bis 1945 mussten im KZ Sachsenhausen bis zu 144 jüdische Häftlinge unter Zwang ausländische Währungen, vor allem englische Pfundnoten, in Milliardenhöhe für die Aktion Bernhard fälschen. Dafür wurde im sogenannten „kleinen Lager“ in zwei Baracken die „Fälscherwerkstatt“ eingerichtet.

Am 27. März 1944 entdeckte die SS im KZ Sachsenhausen, dass der Häftling Friedrich Büker Radio Moskau abhörte und die Nachrichten auf Flugblättern verteilte. Daraufhin versuchte eine Sonderabteilung des Reichssicherheitshauptamtes mit Verhören und Spitzeln, die internationale Widerstandsorganisation im Lager zu zerschlagen. Obwohl innerhalb eines halben Jahres lediglich eine Solidaritätsaktion deutscher Kommunisten nachgewiesen werden konnte, sollten 27 Häftlinge vor allen Lagerinsassen erhängt werden. Aus Angst vor Unruhe wurde der Plan jedoch geändert und 24 deutsche und drei französische Häftlinge am Abend des 11. Oktober 1944 nach dem Zählappell in der „Station Z“ erschossen. 102 weitere Häftlinge wurden am 20. Oktober in das KZ Mauthausen abgeschoben.[5]

Inspektion der Konzentrationslager

Als Modell- und Schulungslager der SS und Konzentrationslager in unmittelbarer Nähe der Reichshauptstadt nahm Sachsenhausen eine Sonderstellung im System der nationalsozialistischen Konzentrationslager ein. Diese wurde unterstrichen, als 1938 die Inspektion der Konzentrationslager, die Verwaltungszentrale für alle Konzentrationslager im deutschen Machtbereich, von Berlin nach Oranienburg verlegt wurde. Die Inspektion der Konzentrationslager und die Führung der SS-Totenkopfverbände zogen im August 1938 in ein großes Stabsgebäude südlich des KZ Sachsenhausen, das wegen seiner charakteristischen dreiflügeligen Form „T-Gebäude“ genannt wird. Die Inspektion war für die Lebensbedingungen der Häftlinge im Lager verantwortlich. Sie legte grundsätzlich und in Einzelfällen fest, in welches Lager die Häftlinge kamen, welche Zwangsarbeit sie zu leisten hatten und welche Nahrungsration sie erhielten.

Das Netz der Außenlager zur Kriegsproduktion

Häftlinge wurden zunächst in SS-eigenen Werkstätten und Betrieben des dem Häftlingslager benachbarten Industriehofes zur Arbeit eingesetzt, wo sich eine Schneiderei, Tischler-, Schlosser- und Elektrikerwerkstätten befanden. Vor allem im Zuge des massenhaften Einsatzes der Zwangsarbeit von KZ-Häftlingen in der Rüstungsindustrie ab 1942 entstanden mehr als 100 KZ-Außenlager und Außenkommandos des KZ Sachsenhausen in der Nähe der Rüstungsbetriebe und bei Berliner Industriebetrieben wie Siemens, DEMAG-Panzer, Henschel-Werke Berlin, Daimler-Benz, I.G. Farben und AEG sowie BRABAG Schwarzheide. Mit dem Begriff „Außenkommando“ sind die Gruppen oder Kolonnen von Häftlingen gemeint, die vom Lager aus zu einer Fabrik oder einem sonstigen Arbeitseinsatz marschieren mussten, abends dann aber wieder im Hauptlager nächtigten. Das geschah oft über Wochen und Monate. Die Zusammensetzung der Gruppe hing vom Arbeitsanfall und der körperlichen Verfassung der Gefangenen ab. Krankheit oder Arbeitsunfall kam oft einem Todesurteil gleich, weil Arbeitsunfähige in Sammeltransporten immer wieder nach Auschwitz weggeschafft wurden.

Außenlager hingegen waren Lager, in denen die Häftlinge arbeiteten und auch dort wohnten. Sie hatten unterschiedliche Größe und zählten zum Stammlager, wurden von dort aus mit verwaltet. Auch sie dienten überwiegend der „Lieferung“ von Häftlingen an Produktionsbetriebe. Zum Teil fand die Unterbringung direkt auf dem Fabrikgelände statt, zum Teil marschierten von einem Außenlager sternförmig die Häftlingskolonnen zu verschiedenen Fabriken in der Umgebung.

Von Mai 1936 bis Mai 1937 wurden die Heinkel-Werke Oranienburg in Oranienburg-Annahof und Germendorf errichtet, da das Stammwerk in Rostock-Marienehe ausgelastet war. In diesem Werk bestand spätestens ab März 1943 ebenfalls ein Außenlager, in dem bis zu 6000 Häftlinge aus dem KZ Sachsenhausen arbeiten mussten. Erster Lagerleiter war der SS-Hauptsturmführer Johannes Hassebroek.[6] Ab September 1944 übernahm das KZ Sachsenhausen das KZ-Außenlager Velten vom KZ Ravensbrück. Dort mussten Frauen Zwangsarbeit für die Ikaria/Veltener Maschinenbau und die Havelschmelzwerk GmbH leisten.

Klinkerwerk

Die Mordfabrik des KZ Sachsenhausens war das Klinkerwerk, ein Großziegelwerk mit eigenem Hafen an der Lehnitzschleuse. Hier wurden Ziegel für Albert Speers Großbauvorhaben in Berlin produziert, dem Aufbau der Reichshauptstadt Germania. Die Häftlinge selbst hatten Fabrik und Hafenanlage außerhalb des Hauptlagers zu bauen. Später kam ein eigenes Häftlings-Außenlager hinzu.

Von Juli bis September 1942 fielen hier fast alle damaligen Rosa-Winkel-Häftlinge einer gezielten Mordaktion der SS zum Opfer.[7] Der ehemalige Lagerälteste Harry Naujoks berichtet in seinen Erinnerungen von der Ermordung von 200 Homosexuellen und Amtsanmaßern. Der ehemalige Häftling Emil Büge notierte die Namen von 89 Häftlingen, die in den sechs Wochen ermordet wurden.

Der Opfer der Mordaktion von 1942 wurde am 30. Juni 2002 und am 26. August 2007 mit einem temporären Denkmal aus 200 Gedenksteinen gedacht.[8]

Geistliche im KZ Sachsenhausen

Unter den inhaftierten politischen Gefangenen befanden sich auch circa 700 Geistliche, darunter mehr als 600 polnische Priester, Bischöfe und zwei Subdiakone.

Bis 1941 waren im Zellenbau in Sachsenhausen 230 Geistliche inhaftiert, darunter Martin Niemöller von März 1938 bis 1941 als „persönlicher Gefangener“ Hitlers bis zu seiner Überführung ins KZ Dachau sowie von Dezember 1939 bis August 1940 der Jesuitenpater Rupert Mayer. Weitere bekannte Inhaftierte waren Franz von Galen (1879–1961), preußischer Landtagsabgeordneter und Bruder von Clemens August Graf von Galen, Hw. Kazimierz Majdański, der spätere Bischof von Szczecin-Kamien und der Selige Karl Leisner, damals noch Seminarist. Zudem befanden sich im Lager zeitweise protestantische Widerstandsfrauen aus den Niederlanden, die in der Region Achterhoek Juden geholfen hatten; mehrere tausend französische katholische Laien der Résistance waren zeitweise in Sachsenhausen inhaftiert.

Todesmärsche und Lagerauflösung 1945

Die Räumung des KZ Sachsenhausen durch die SS begann in den Morgenstunden des 21. April 1945, als die Rote Armee nur noch wenige Kilometer entfernt war. 33.000 der noch verbliebenen 36.000 Häftlinge wurden in Gruppen von 500 Häftlingen nach Nordwesten in Marsch gesetzt.

Nur die ersten Kolonnen erhielten einige Lebensmittel. Viele Häftlinge, die am Tag zwischen 20 und 40 Kilometer marschieren mussten, starben bei nasskaltem Wetter an Entkräftung oder wurden von der SS erschossen. Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz verteilten auf den Märschen Lebensmittel-Pakete an die Häftlinge und retteten somit viele vor dem Hungertod. Trotzdem starben auf den Todesmärschen nach der Evakuierung des Lagers im April 1945 noch einmal Tausende von Häftlingen.

Im Belower Wald, dem Stadtforst von Wittstock/Dosse, wurden ab dem 23. April 1945 etwa 18.000 Häftlinge zusammengezogen, die dort bis zum 29. April 1945 lagerten (siehe auch Gedenkstätte Todesmarsch im Belower Wald). Die überlebenden Häftlinge erreichten anschließend auf unterschiedlichen Wegen den Raum zwischen Parchim und Schwerin, wo sie, inzwischen von ihren SS-Bewachern verlassen, auf Einheiten der Roten Armee und der US Army trafen.

Am 22. und 23. April erreichten sowjetische und polnische Truppen das Hauptlager.[9] Etwa 3000 Kranke, Ärzte und Pfleger wurden befreit. In den folgenden Wochen starben noch mindestens 300 ehemalige Häftlinge an den Folgen der KZ-Haft. Sie wurden in sechs Massengräbern an der Lagermauer im Bereich des Krankenreviers bestattet.

Die befreiten Häftlinge wurden mit Gefangenen aus dem Frauen-KZ Ravensbrück und dem Außenlager Wöbbelin des KZ Neuengamme in zwei Kasernen in Schwerin untergebracht. Im Mai konnten die meisten westeuropäischen Häftlinge in ihre Heimatländer zurückkehren, während Häftlinge aus Osteuropa nicht selten zunächst eine Überprüfung in Repatriierungslagern über sich ergehen lassen mussten.

Im Auftrag der vom Obersten Sowjet in Moskau eingesetzten Außerordentlichen Staatlichen Kommission zur Untersuchung von Verbrechen des NS-Regimes führten sowjetische Gerichtsmediziner an den Massengräbern Exhumierungen durch; die Expertengruppe führte der Leiter des Wissenschaftlichen Forschungsinstituts für Gerichtsmedizin (NISM) beim Volkskommissariat für Gesundheitswesen der UdSSR, Wiktor Prosorowski, der 1946 als Zeuge beim Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher aussagte.[10]

Bekannte Inhaftierte


(mit † versehene Personen überlebten das NS-Regime nicht)

Täter der SS


Lagerkommandanten

Andere SS-Täter im Lager

Strafverfahren gegen einzelne Täter

Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen


Seit 1993 ist die Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen auf dem Gelände des ehemaligen KZ Sachsenhausen für die Ausstellungen und Forschung zur Geschichte des Lagers verantwortlich. Die inhaltlichen Schwerpunkte der Einrichtung reichen dabei von der Geschichte des KZ Oranienburg, verschiedenen Aspekten der Geschichte des KZ Sachsenhausen über das sowjetische Speziallager bis hin zur Geschichte der Gedenkstätte selbst.

Filme


Siehe auch


Literatur


Zeitzeugen

Historische Darstellungen

Außenlager

Gedenkstätte

Weblinks


Commons: KZ Sachsenhausen  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. a b Friedhelm Brennecke: „Die SS fühlte sich hier willkommen“. In: Oranienburger Generalanzeiger. 30. Mai 2014, abgerufen am 18. Januar 2015.
  2. Z. B. aus der Sowjetunion, vgl. Hans Coppi: Sowjetische Kriegsgefangene im Konzentrationslager Sachsenhausen. In: Jahrbuch für Forschungen zur Geschichte der Arbeiterbewegung. Heft I/2003.
  3. Horst Seferens: Sowjetische Kriegsgefangene im KZ Sachsenhausen 1941-1945. In: Gedenkstättenrundbrief. Nr. 104, 2001, S. 38–40 (gedenkstaettenforum.de [abgerufen am 9. November 2016]).
  4. Günter Morsch, Bertrand Perz: Neue Studien zu nationalsozialistischen Massentötungen durch Giftgas. Historische Bedeutung. Technische Entwicklung. Revisionistische Leugnung. 2011, S. 260–276.
  5. Seite nicht mehr abrufbar , Suche in Webarchiven: Denkmal für die 27 am 11. Oktober 1944 ermordeten deutschen und französischen Widerstandskämpfer hrsg. vom internationalen Sachsenhausenkomitee.
  6. Norbert Rohde, S. 128–137.
  7. rosa-winkel.de (Memento vom 29. März 2013 im Internet Archive)
  8. (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: Oranienburger Generalanzeiger, 1. Juli 2002 ) und(Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven: Gedenkveranstaltung 2007 )
  9. Günter Morsch, Astrid Ley: Das Konzentrationslager Sachsenhausen 1936–1945. Ereignisse und Entwicklungen. 2013, S. 142.
  10. Bol'šaja medicinskaja enciklopedija - Prozorovskij, Viktor Il'i č
  11. Biografie (PDF; 1,3 MB) In: Unser Blatt, Nr. 60, September 2015, S. 2
  12. Gerhard Hoffmann: Antifaschistischer Widerstand in Frankfurt/Oder und Umgebung, 1999, S. 89
  13. Friedrich Guttstadt. Abgerufen am 21. Juni 2018.
  14. Gerhard Hoffmann: Antifaschistischer Widerstand in Frankfurt/Oder und Umgebung, 1999, S. 68
  15. Gerhard Hoffmann: Antifaschistischer Widerstand in Frankfurt/Oder und Umgebung, 1999, S. 69
  16. Chronik Sachsenhausen im Anhang zu: Rudolf Wunderlich, Joachim S. Hohmann: Konzentrationslager Sachsenhausen bei Oranienburg 1939 bis 1944. Aufzeichnung KZ-Häftling Rudolf Wunderlich. Lang, Frankfurt am Main 1997, ISBN 3-631-32212-7, S. 103 f.
  17. Dirk Riedel: Ordnungshüter und Massenmörder im Dienst der „Volksgemeinschaft“: Der KZ-Kommandant Hans Loritz. S. 224.
  18. Kein Friede den Frevlern. Website der Gegenfeuer Produktionen, abgerufen am 9. Mai 2015.
  19. Rezension




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