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Kontraktur




Klassifikation nach ICD-10
M24.5 Gelenkkontraktur
ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Als Kontraktur (lat. contrahere „zusammenziehen“) wird eine Funktions- und Bewegungseinschränkung von Gelenken bezeichnet. Sie entsteht durch die Verkürzung umliegender Weichteile wie Muskeln, Sehnen, Bändern und Faszien. Die betroffenen Gelenke lassen sich sowohl aktiv wie auch passiv nicht oder nur schwer und in geringem Maße bewegen, dabei kann die Bewegung schmerzhaft sein. Das Ausmaß der Einschränkung kann bis zu einer vollständigen Versteifung reichen. Die Behandlung aufgetretener Kontrakturen erfolgt überwiegend physiotherapeutisch, besondere Bedeutung kommt der Vermeidung der Bewegungseinschränkungen durch die Kontrakturenprophylaxe zu.

Inhaltsverzeichnis

Vorkommen


Gelenkkontrakturen können bei folgenden Erkrankungen vorkommen:[1]

Klinisches Erscheinungsbild und Diagnostik


Kontrakturen werden durch aktive und passive, manchmal auch schmerzhafte Bewegungseinschränkungen gekennzeichnet, wodurch auch die Funktion des Gelenks eingeschränkt wird. Dabei können alle Bewegungsebenen eines Gelenks betroffen sein; die Bewegung erscheint dabei unharmonisch. Die Einschränkung kann von einer leichten Funktionseinschränkung bis hin zu einer vollständigen Steifigkeit mit Zwangshaltung des Gelenks reichen. Die Übergänge sind fließend. Grundsätzlich können alle Gelenke von Kontrakturen betroffen sein, jedoch treten sie zumeist an den großen Gelenken wie den Schultern, Ellenbogen, Hüft- und Kniegelenken auf.[2][3]

Kontrakturen haben ein sehr typisches klinisches Erscheinungsbild, die Diagnosestellung ist dementsprechend einfach. Weitere diagnostische Maßnahmen werden daher in der Regel nicht notwendig.[3]

Kontrakturarten


Einteilung nach Gelenkstellung

Kontrakturen können durch die Fehlstellung des betroffenen Gelenks beschrieben werden; die häufigste Kontraktur ist dabei die Beugekontraktur, da die Beugemuskulatur häufig stärker ausgeprägt ist als die entgegenwirkende Streckmuskulatur, jedoch kommen auch Streckkontrakturen vor. Typisches Beispiel für Beugekontrakturen der Hand ist die Kamptodaktylie, die sporadisch, familiär gehäuft oder als syndromale Form auftreten kann (Kontraktur im proximalen Interphalangealgelenk des Kleinfingers).

Werden durch die Kontraktur Gliedmaße von der Körpermitte abgespreizt oder angezogen, werden diese als Abduktions- oder Adduktionskontraktur bezeichnet. Weitere Formen sind Innen- oder Außenrotationskontrakturen sowie Pronations- und Supinationskontrakturen.[2]

Einteilung nach Gewebsschädigung

Kontrakturen werden nach ihrer Ursache und Entstehung unterschieden:

Behandlung


Die am häufigsten auftretenden Kontrakturen sind lagerungsbedingt, daher wird vor allem versucht, diese durch eine gute Prophylaxe zu vermeiden. Wichtigste Behandlungsmethode bereits entstandener Kontrakturen sind aktive und passive Bewegungsübungen im Rahmen einer Physiotherapie oder Ergotherapie. Als Ergänzung zur Physio- bzw. Ergotherapie kann das Training an einem Bewegungstrainer bzw. einem Bewegungstherapiegerät Kontrakturen verringern bzw. vermeiden. Zusätzlich können Massagen und Wärmebehandlungen angewandt werden, in Behandlungspausen können Lagerungsschienen, Streckverbände oder motorgetriebene Bewegungsschienen eingesetzt werden. Greifen diese Maßnahmen nicht, können operative Eingriffe in Betracht gezogen werden um die Kontraktur zu beseitigen.[5]

Kontrakturenprophylaxe


Um Bewegungs- und Funktionseinschränkungen zu vermeiden, sollte nach Ermittlung des Kontrakturrisikos, beispielsweise durch eine Pflegeanamnese, mit der Kontrakturenprophylaxe begonnen werden. Dazu gehören je nach Ursache des Risikos beispielsweise die frühzeitige Mobilisation nach operativen Eingriffen sowie aktives, assistierendes oder passives Durchbewegen der Gelenke. Zur Vermeidung von Schonhaltungen kann eine Schmerzmedikation eingesetzt werden. Aktivierende Pflege, beispielsweise die Fortführung des Tag- und Nachtrhythmus mit An- und Auskleiden, trägt ebenfalls zur Vermeidung einer kontrakturbegünstigenden Bewegungsarmut bei. Bewegungsunfähige und bewusstseinsgetrübte Patienten, bei denen zudem eine Dekubitusprophylaxe notwendig ist, sollten in physiologischer Stellung und nicht zu weich gelagert werden, da dies Eigenbewegungen hemmt.[6][7]

Literatur


Einzelnachweise


  1. F. Hefti: Kinderorthopädie in der Praxis. Springer, 1998, ISBN 3-540-61480-X, S. 648.
  2. a b Jürgen Krämer, Joachim Grifka: Orthopädie. Springer, 2004, ISBN 3-540-21970-6, S. 23.
  3. a b Bernhard Weigel: Praxisbuch Unfallchirurgie. Springer, 2005, ISBN 3-540-41115-1, S. 1066–1067.
  4. Bernd-Dietrich Katthagen, I. Scheuer: Der posttraumatische „Psychogene Klumpfuß“. In: Arch. Orth. Traumat. Surg. 97 (1980), S. 193–195 [1]
  5. a b Jürgen Krämer, Joachim Grifka: Orthopädie. Springer, 2004, ISBN 3-540-21970-6, S. 24.
  6. Ulrich Kamphausen: Prophylaxen in der Pflege: Anregungen für kreatives Handeln. Kohlhammer Verlag, 2009, ISBN 978-3-17-020829-2, S. 89–101.
  7. Axel Berning: Prophylaxen in der Pflegepraxis: Risiken sicher einschätzen – Pflegestandards kompetent anwenden. Elsevier, Urban & Fischer, 2006, ISBN 3-437-27740-5, S. 72–76.



Kategorien: Krankheitsbild in Orthopädie und Unfallchirurgie | Krankheitsbild in der Kinderheilkunde | Pflegeintervention



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