Kognitionspsychologie - de.LinkFang.org

Kognitionspsychologie




Die Kognitionspsychologie, auch Kognitive Psychologie genannt, ist ein Teilgebiet der Psychologie und beschäftigt sich auf der erkenntnistheoretischen Grundlage des Kognitivismus mit der Informationsverarbeitung (Kognition), insbesondere mit all jenen psychischen Vorgängen, die mit Wahrnehmung, Erkenntnis und Wissen zu tun haben. Weiterhin ist sie in die Kognitionswissenschaft einzuordnen. Gegenstand der Kognitionspsychologie sind die auf komplexe Weise organisierten psychischen Mechanismen des menschlichen Denkens.

Inhaltsverzeichnis

Gegenstand und Einordnung des Fachgebiets


Die Kognitionspsychologie untersucht die Kognitionen des Menschen. Dabei beschäftigt sich die Forschung vor allem mit jenen Zuständen und Prozessen, die zwischen der Reizaufnahme und dem daran anschließenden Erleben und Verhalten liegen. Hierzu zählen z. B. die Funktionsweisen neuronaler Repräsentation oder das angenommene Prinzip einer Interdependenz zwischen Intuition und Reflexion.

Zum Begriff der Kognition, welcher traditionell irrtümlicherweise als Gegenbegriff zur Emotion angesehen wurde, gehören:

Kognitionswissenschaften sind generell meist interdisziplinär orientiert. Die Kognitive Psychologie beschäftigt sich mit der Analyse der menschlichen Informationsverarbeitung (Kognition). Für ein Erklären kognitionspsychologischer Zusammenhänge ist ein grundlegendes Wissen im Bereich der Neurobiologie, also der biologischen Kommunikationsprinzipien des Zentralen Nervensystems (ZNS), von großer Bedeutung. Die kognitive Neurowissenschaft hat zu einer Erweiterung der Methoden und Theoriebildung in der Kognitionspsychologie maßgeblich beigetragen. Experimentelle kognitionspsychologische Forschung ist aber auch ohne den expliziten Rückgriff auf Gehirnmechanismen fruchtbar möglich.

Ende der 1950er Jahre hat sich die Kognitive Psychologie als eine Teildisziplin der Allgemeinen Psychologie entwickelt. Sie wurde dabei wesentlich durch die Informationstheorie beeinflusst. Häufig werden Kognitive Psychologie und Kognitionswissenschaft verwechselt: Erstere ist zwar eine der an der Kognitionswissenschaft beteiligten Disziplinen, jedoch mittlerweile auch eine komplett eigenständige Forschungsrichtung der Psychologie.

In der Sozialpsychologie werden mit einer sozialen Einstellung assoziierte Wahrnehmungen, Meinungen, Urteile, Wissen, Überzeugungen, Argumente und weitere Leistungen des Verstandes als kognitive Komponenten der betreffenden Einstellungen bezeichnet.

Geschichte


Nachdem 1868 Frans Cornelis Donders die Grundlagen für die Mentale Chronometrie mitgeschaffen hatte und sich etwa am Ende des 19. Jahrhunderts die Ansicht durchgesetzt hat, dass das menschliche Denken Gegenstand naturwissenschaftlicher Untersuchung und nicht nur philosophischer Betrachtung sein kann, entstehen die Ansätze der Psychologie als Wissenschaft.

Nach der langen Dominanzphase des Behaviorismus Mitte des 20. Jahrhunderts in Nordamerika beginnt schließlich die sogenannte Kognitive Wende. Angeregt wurde diese durch gesellschaftliche Bedingungen und vom Wunsch nach einem wissenschaftlichen Theorieansatz über das „Denken“, der den mittlerweile besser erforschten biologischen Bedingungen Rechnung trägt, dabei aber auch die Vorstellung vom Menschen als informationsverarbeitendem Organismus zu Grunde legt. Die moderne Kognitive Psychologie nahm somit Gestalt an.

Mit der Entwicklung des Informationsverarbeitungsansatzes zwischen 1950 und 1960 waren einige wichtige Fortschritte der Informatik eng verbunden, insbesondere im Gebiet Künstliche Intelligenz. Es bildete sich schnell ein entsprechendes gesellschaftliches Interesse an dieser neuen wissenschaftlichen Perspektive auf den menschlichen Verstand, an einer Erkenntniswissenschaft vom Erleben und Verhalten, die per Computer-Metapher funktionierte. Die Etablierung dieses neuen Menschenbildes kennzeichnet die Kognitive Wende insbesondere, da man von nun an auch in die „Black Box“ schauen konnte und diese in die behavioristische Theorie integrieren konnte. Die Methodik der Kognitionspsychologen damals beschränkte sich häufig nur auf Experimente im Labor.

Seit den 1970er Jahren jedoch zeigt die Kognitive Psychologie größeres Interesse an Kognitionen in realen Situationen, an übergreifenden Theorien und an den Gehirnmechanismen, die der Kognition zu Grunde liegen. Sie ist mittlerweile Pflichtfach für Psychologiestudenten und zusammen mit der Kognitionswissenschaft ein anerkanntes Forschungsfeld, mit einem noch sehr hohen Potential für zukünftige wissenschaftliche Erkenntnisse. Heutzutage können spezielle bildgebende Verfahren helfen, die zugrunde liegenden komplexen Hirnfunktionen besser zu verstehen.

Die Kognitionspsychologie befindet sich noch am Anfang einer komplizierten Forschung. Dank ihrer interdisziplinären Tendenzen ist sie von großer Beitragsfähigkeit für viele weitere Forschungsfelder.

Sekundärdisziplinen:

Neuronale Repräsentation


Neuronale Systeme zeigen eine komplexe Pfadabhängigkeit: Ihr zeitliches Verhalten ist nicht nur vom aktuellen Zustand, sondern auch von der Vorgeschichte des Systems abhängig. Die Ontogenese des Verstandes beinhaltet durch Erleben gemachte Erfahrung, neuronal repräsentiert durch Wissen im Gedächtnis (Psychogenese). Die interne Arbeitsweise des Verstandes ist weit komplexer als die modernsten Systeme der Computertechnologie. Daher ist das lange simplifizierend benutzte Bild vom Körper Hardware und dem Geist als Software mittlerweile obsolet.

Heutzutage ist mehr und mehr die Rede von einem organisierten Chaos im Gehirn. Eine große Herausforderung für mögliche Erklärungen für Funktionsweisen menschlichen Denkens und Handelns stellt die enorme Parallelität der neuronalen Reizweiterleitungen dar. Eine Lokalisierung in einfach dimensionierte Parameter ist nicht möglich, stattdessen spricht man von offenen Systemen, Selbstorganisation und -regulierung, Pfadabhängigkeit, sowie von Nichtlinearität.

Es handelt sich bei der neuronalen Repräsentation von deklarativem oder prozeduralem Wissen vermutlich um eine Koordination u. a. von Aktionspotentialen der Neuronen in bestimmten räumlich und zeitlich definierten Mustern. Eine wichtige Rolle spielt ebenfalls die Biochemie im ZNS, denn auch Neurotransmitter und Hormone nehmen Einfluss auf die Interaktion mehrerer Nervenzellen. Von den Alphawellen wird eine wichtige Aufgabe bei der Steuerung der Aufmerksamkeit vermutet; hier gibt es zahlreiche verschiedene Forschungsansätze im Bereich der Neurologie und Hirnforschung.

Funktionelle Anatomie des Nervensystems


Der Aufbau des Gehirns zählt zum – noch immer als unvollständig zu betrachtenden – Basiswissen. John R. Anderson sieht das Gehirn eingeteilt in eine Anzahl abgrenzbarer Bereiche, die unterschiedlichen Funktionen dienen. Unterschiedliche Spezialbereiche des Gehirns unterstützen dabei unterschiedliche kognitive Funktionen. Tatsächlich lassen sich durch Positronen-Emissions-Tomographie, sowie Elektroenzephalographie und Magnetoenzephalographie, (oder auch: im so genannten Scanner) auf der Hirnrinde allgemein bestimmbare Funktionsbereiche lokalisieren, die z. B. klare Aufgaben des „Verstandes“ oder Bereiche im peripheren Nervensystem repräsentieren. Durch Differenzbilder konnten auch die bekannten verschiedenen Hirnareale relativ genau ausfindig gemacht werden.

Konnektionismus


In der Kognitiven Psychologie gibt es die Modelle des so genannten Konnektionismus. Diese erklären die Funktionsweise der Informationsverarbeitung durch das Ansammeln neuronaler Reize im Gehirn zu so genannten Aktivationsmustern. Aktivationsmuster können Wissen repräsentieren und stellen unzählige Verbindungen zu weiteren Mustern her. Ein Hirn-Neuron kann bis zu 10.000 Verbindungen zu anderen Hirn-Neuronen haben; insgesamt gibt es im Gehirn etwa 1014 Verbindungen. Demgegenüber gehen nur etwa 2,5 Millionen Nervenfasern ins Gehirn hinein und nur etwa 1,5 Millionen hinaus. Unser Gehirn ist sozusagen hauptsächlich damit beschäftigt, mit sich selbst zu kommunizieren. Es entstehen kontextabhängige Kategorien, durch deren „Konnexion“ die Erkenntnis zustande kommt. J.R. Anderson schreibt von den „nervenzellenartigen Elementen […], die Aktivation ansammeln und erregende und hemmende Einflüsse auf andere Einheiten ausüben.“ Im Gehirn arbeiten im Gegensatz zu Computern an jedem „Rechenschritt“ Tausende von Neuronen gleichzeitig. Ein dichtes Netz von Verbindungen ermöglicht die Koordinierung ihrer Aktivität und ermöglicht die menschliche Erkenntnis.

In den Neurowissenschaften und der Hirnforschung ergeben sich ständig neue Erkenntnisse, die in dieses Gebiet hineinwirken. Beispielsweise spricht man sogar bei grundlegenden kognitiven Wahrnehmungsprozessen von interkulturellen Unterschieden: „Lange Zeit gingen Psychologen davon aus, die grundlegenden Denk- und Wahrnehmungsprozesse verliefen bei allen Menschen gleich, aber unser kultureller Hintergrund bestimmt nicht nur, worüber wir nachdenken, sondern auch wie.“ (Kühnen 2004)

Siehe auch


Portal: Geist und Gehirn – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Geist und Gehirn

Literatur


Weblinks










Kategorien: Allgemeine Psychologie | Kognitionswissenschaft








Stand der Informationen: 03.07.2020 05:29:07 CEST

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