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Kościan




Kościan
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Großpolen
Powiat: Kościan
Fläche: 8,80 km²
Geographische Lage: 52° 5′ N, 16° 39′ O
Höhe: 75 m n.p.m.
Einwohner: 23.880
(30. Jun. 2019)[1]
Postleitzahl: 64-000 bis 64-009
Telefonvorwahl: (+48) 65
Kfz-Kennzeichen: PKS
Wirtschaft und Verkehr
Straße: PosenBreslau
Schienenweg: Leszno–Posen
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 8,80 km²
Einwohner: 23.880
(30. Jun. 2019)[1]
Bevölkerungsdichte: 2714 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 3011011
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Michał Jurga
Adresse: al. Kościuszki 22
64-000 Kościan
Webpräsenz: www.koscian.pl



Kościan [ˈkɔɕʨan] (deutsch: Kosten) ist eine Stadt in der polnischen Wojewodschaft Großpolen.

Inhaltsverzeichnis

Geographie


Geographische Lage

Kościan liegt an der Obra, etwa 45 Kilometer südlich der Stadt Posen.

Geologie

Im Umland der Stadt befinden sich Braunkohleflöze. Deren Entstehung ist darauf zurückzuführen, dass während der Kreidezeit ein Meer die Fläche des Ortes bedeckte und sich im Tertiär in der Gegend viele Seen befanden.

Geschichte


In alten Urkunden heißt der Ort 1242 Costan, 1289 Costhan, 1425 Costen und 1472, 1487 sowie 1520 Kosten, später auch Costenum.[2] Der Geschichtsschreibung zufolge hatte hier im 12. Jahrhundert der böhmische Herzog Soběslav I. ein Schloss erbauen lassen, um von hier aus die Schlesier besser im Zaume halten zu können; er starb jedoch im Jahr 1140 vor dessen Vollendung. Hundert Jahre später soll Heinrich I., Herzog von Schlesien, Polen und Krakau, der Geistlichkeit Kostens mehrfach Rechte zugestanden haben; das dafür angegebene Jahr 1238 ist jedoch sein Todesjahr, er starb am 19. März 1238 in Crossen.[2]

Im 13. Jahrhundert war die Siedlung ein Marktflecken. Seit 1296 stand Kosten unter schlesischen Herzögen, bei der Erbteilung 1312 erscheint es als Hauptort eines Kreises. 1332 wurde es von den Polen belagert, unter Anführung Kasimirs, des jüngsten Sohns des polnischen Königs Władysław I. Ellenlang. Eine deutsche Besatzung hielt Kosten, bis die Einwohner in die Übergabe einlenkten. Danach wurden die Verteidiger niedergemacht, und Kosten kam fortan unter polnische Hoheit.[2]

Das Stadtrecht, das die Ortschaft vermutlich in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts erhalten hatte, wurde 1400 von König Władysław II. Jagiełło bestätigt. Während dieser Zeit war der Ort die zweite Stadt in Großpolen. Im 15. Jahrhundert wurde die Stadt Sitz eines großen Landkreises, der 24 Städte, u. a. Babimost (Bomst), Wolsztyn (Wollstein) und Książ, sowie 574 Dörfer und 118 Pfarreien umfasste. Der Ort war auch ein wichtiges Zentrum des Handwerks. Der Ort und seine Umgebung bildeten eine kleine deutsche Sprachinsel.[3]

Ein schwerer Schlag für die Entwicklung des Ortes war der zweite Schwedisch-Polnische Krieg. 1655 bis 1656 wurde der Ort von den Schweden zerstört und niedergebrannt. Auch in nachfolgenden Kriegen wurde der Ort mehrfach zerstört. Nach der zweiten polnischen Teilung wurde der Ort 1794 Teil Preußens. 1807 wurde die Stadt Teil des neu gegründeten Großherzogtums Warschau, fiel 1815 aufgrund der Beschlüsse auf dem Wiener Kongress aber wieder an Preußen zurück und wurde Sitz des Kreises Kosten.

1856 erhielt der Ort Anschluss an das Eisenbahn­netz mit Verbindungen nach Breslau und Posen. Wirtschaftlich von Bedeutung waren für die Stadt in der Zeit die Tabak- und Zuckerrüben­verarbeitung. Die seit 1881 bestehende Zuckerfabrik lag direkt am Bahnhof, zur Anlieferung der Zuckerrüben gab es von 1906 bis ca. 1945 ein Netz von Feldbahnen in Richtung Westen zu den Gütern Kobelnik, Kokorzyn und Szczodrowo[4].

Gegen Ende des Ersten Weltkriegs kam Kosten im Dezember 1918 im Rahmen des Großpolnischen Aufstands unter die Kontrolle bewaffneter polnischer Rebellen. Aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrag musste die Stadt 1920 offiziell an die Zweite Polnische Republik abgetreten werden. Die Wirtschaft entwickelte sich anschließend gut.

1939 wurde die Stadt beim Überfall auf Polen von der deutschen Wehrmacht besetzt. Anschließend wurde sie völkerrechtswidrig dem Deutschen Reich einverleibt. Während der Besetzung durch die Nationalsozialisten kam es in der Stadt zu Hinrichtungen, Vertreibungen und Deportationen in Konzentrationslager. Aus der Pflegeanstalt Kosten/Warthegau im ehemaligen Bernhardinerkloster wurden 3334 psychisch kranke Menschen ermordet, davon waren 2750 am 9. Februar 1940 aus dem Altreich dorthin gebracht worden.[5]

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Januar 1945 die Rote Armee die Stadt. In der Folgezeit wurden deutsche Bewohner vertrieben.

1975 verlor die Stadt ihren Sitz als Hauptstadt eines Powiat und wurde Teil der neu geschaffenen Woiwodschaft Leszno. Bei einer erneuten Verwaltungsreform 1999 wurde die Woiwodschaft aufgelöst und die Stadt wurde wieder Sitz des Powiat Kościański.

Einwohnerzahlen

Vor 1945
Nach 1945

Gmina


Kościan ist Sitz der Landgemeinde Kościan, zu der die Stadt Kościan selbst nicht gehört.

Verkehr


Der Fernverkehrsbahnhof Kościan liegt an der Bahnstrecke Wrocław–Poznań. Früher begann im Bahnhof die Bahnstrecke Kościan–Opalenica und endete die Gostyner Kreisbahn.

Söhne und Töchter der Stadt


Literatur


Weblinks


Commons: Kościan  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2019. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF-Dateien; 0,99 MiB), abgerufen am 24. Dezember 2019.
  2. a b c d e f Heinrich Wuttke: Städtebuch des Landes Posen. Codex diplomaticus: Allgemeine Geschichte der Städte im Lande Posen. Geschichtliche Nachrichten von 149 einzelnen Städten. Leipzig 1864, S. 338–341.
  3. Walter Kuhn: Geschichte der deutschen Ostsiedlung in der Neuzeit. Band 1, S. 49.
  4. Reinhard Richter: Die Feldbahn zur Zuckerfabrk Kosten. In: Feldbahnen im Dienste der Landwirtschaft. Verlag Bernd Neddermeyer, Berlin 2005, ISBN 3-933254-65-5, S. 249–250
  5. Koscian und die Euthanasie in Polen , deathcamp.org, abgerufen 10. Oktober 2015
  6. a b c Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. pos_kosten.html. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).



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