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Knoten (Knüpfen)




Ein Knoten (ahd chnodo, mhd knode ‚knotige Verdickung‘)[1] ist in der Knotenkunde eine Verwicklung oder Verschlingung von Faden, Schnur, Band, Seil, Tauwerk, Tuch oder ähnlich biegsamen Textil, mitunter auch einer Kette, die in bestimmter Form gewickelt, geschlungen, geknüpft oder geknotet wird. Die Windungen des verknoteten Materials bekneifen sich unter Zug, erhöhen so die Reibung und vermindern oder verhindern dadurch ein Gleiten. Nach der Weise des Windungsverlaufs lassen sich Knotenarten voneinander unterscheiden.

Dabei ist zu beachten, dass etwa ein verknotetes Seil nicht mehr seiner ursprünglichen Zugfestigkeit entsprechend belastet werden kann, denn der Knoten wird zu einer schwächeren Stelle im Seilverlauf. Die herabgesetzte Zugfestigkeit wird Knotenfestigkeit genannt. Zusätzlich kann die Seilreibung an einem festen Gegenstand die Belastbarkeit reduzieren.

Knoten werden zu unterschiedlichen Zwecken und in recht verschiedenen Anwendungsbereichen gebraucht, weshalb es oft mehrere Namen gibt für die gleiche Knotenart. Will man die mit dem Ausdruck Knoten benannten Verwicklungsformen begrifflich näher bestimmen, lassen sich drei Bedeutungen abgrenzen:[2]

Die Knotenkunde kennt eine lange Liste der Knoten mit Schifferknoten, Anglerknoten, Feuerwehrknoten, Krawattenknoten und beschreibt auch das Knüpfen von Knoten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte


Steinzeit und Altertum

Menschen nutzen Knoten schon seit einer halben Million Jahre. Sogar Gorillas und andere Affen verknoten Grashalme, wenn sie Nester bauen.[3]

Schon in der Steinzeit gab es Menschen, die sich als Sammler und Jäger, später als Siedler und Fischer, Schlingen und Netze knüpften, um damit Tiere und Fische zu fangen. Die Äxte der Steinzeit wurden ebenso von verknoteten Därmen zusammengehalten wie die Pfahlbauten mit Sehnen und Seilen. Der einfache Überhandknoten diente zum Zusammenbinden von Gebrauchsgegenständen. Aus ihm entwickelte sich der Filetknoten (ein um einen Leitfaden geknüpfter Überhandknoten) zum Knüpfen der Netze. Zur Jagd mit dem Bogen (Altsteinzeit, 30.000 bis 10.000 v. Chr.) musste die Bogensehne sicher befestigt werden. Der Gletscherfund Ötzi (etwa 3340 v. Chr. in der Jungsteinzeit) lässt einfache Schläge, Überhandknoten und Kreuzknoten an seiner Ausrüstung erkennen.[4]

Antike

Die älteste Überlieferung von Zierknoten stammt von den Assyrern aus der Antike (900 bis 609 v. Chr.). In Stein gemeißelte Reliefs zeigten tunikaähnliche Gewänder, Waffenröcke und Pferdedecken. Sie sind mit dicht verknüpften Fransen sowie dicken Quasten verziert.

Im ersten Jahrhundert beschrieb der griechische Arzt Heraklas sechzehn chirurgische Knoten.

In der Antike wurden bestimmten Knoten sogar magische Kräfte zugesprochen. Homer erwähnte im achten Gesang der Odyssee, dass Odysseus „wertvolle Geschenke des Alkinoos und der Königin mit einem Seil zusammenschnürte, das er mit einem zaubermächtigen Knoten nach Kirkes kunstvoller Art sicherte.“

Der römische Gelehrte Plinius der Ältere (ca. 23–79 n. Chr.), behauptete vom Herkulesknoten, dass er Wunden schneller heile, die mit ihm geschlossen werden.[5]

Nach 756 kamen durch die Mauren arabische Einflüsse in der Knüpftechnik nach Europa (Córdoba / Spanien).[6]

Mit den Kreuzzügen (1096 bis 1270) bis zum späten Mittelalter entwickelten sich aus den relativ einfachen Fransen der Ägypter und Assyrer kunstvolle Knüpfkanten. Das alte Inka-Reich (1250 bis 1781) kannte mit „Quipu“ eine Knotenschrift, welche im Dezimalsystem statistische Aufzeichnungen übermittelte.

Seefahrt

Der dritte wesentliche Einfluss ging von der christlichen Seefahrt aus. Eine Vielzahl von „Schifferknoten“ waren für die unterschiedlichsten Zwecke gebräuchlich. In ihren oft monatelangen Fahrten begannen die Seeleute neben ihren bekannten Gebrauchsknoten in ihrer Freizeit mit Garn und Tauwerk nach Mustern zu knüpfen, welche sie im Orient gesehen hatten. Sie dekorierten ihre Schiffe mit kunstvoll geknüpften Glockenzügen, umknüpften Flaschen und vielem mehr. Oft waren diese Arbeiten ohne praktischen Wert, sie dienten mehr der Zierde. Diese „Knotenknüpfkunst“ wird als Fancywork, Platting und Makramee gepflegt.

Neuzeit

Für heutige Anforderungen werden immer wieder neue Knoten erfunden, beispielsweise der Zeppelinstek oder der Karabinerklemmknoten. In den 1980er Jahren wurde Scoubidou bekannt, das 2004 weite Verbreitung unter Jugendlichen fand.

Der Zeppelinstek oder auch Zeppelinknoten ist einer der „jüngsten“ Knoten, welcher in der Fachwelt anerkannt wurde.

Mit Rainbow Looms werden verschiedene Gegenstände wie Bänder, Armreife oder auch großflächige Verknüpfungen bzw. Verflechtungen mittels Gummiringen hergestellt.

Anwendungen


Schrift

Knoten wurden früher auch als Schrift verwendet. Die Inkas benutzten die Knotenschrift Quipu. Bauern und Müller nutzten Knoten als Hilfsmittel zum Zählen (Müllerknoten).[7]

Rechtsprechung

Der Henkersknoten am Galgen diente zur Hinrichtung eines Verurteilten. Im Mittelalter wurde beim Abschluss eines Vertrages ein Urkundenknoten in die Riemen der Urkunde geknüpft. Die Anzahl der Knoten bewiesen, wie viele Männer am Vertragsabschluss beteiligt und mit dem Inhalt des Vertrages einverstanden waren. Der „Knotenknüpfer“ galt deshalb auf dem Gericht als Gewährsmann oder Zeuge.[8]

Heraldik

In Wappen diente der „Liebesknoten“ als Wappenfigur in Liebesschnüren oder Liebesseilen, welche im 17. Jahrhundert (Frankreich) als modische Kreationen bzw. Verzierung diente.[9] Der Liebesknoten ist auch als „Witwenstrick“ bekannt.[10]

Auch heute finden sie sich noch in den Abzeichen schottischer Clans.[11]

Beruf und Sport

Knoten werden von vielen Berufsgruppen und in vielen Sportarten eingesetzt:

Alltag

Versteckte Knoten

Kunst und Mode

Sex

In der Bondage-Szene werden fixierende oder dekorative Knoten für Fesselspiele und andere sexuellen Praktiken verwendet.

Magie

Mit Knoten können auch Tricks zur Unterhaltung vorgeführt werden. Besonders in Zauberkunststücken werden solche Knotentricks angewendet. Eine sinnvolle, praktische Anwendung ist im Alltag meistens ausgeschlossen.

Wissenschaft


Knoten sind u. a. für die Analyse von Makromolekülen wie zum Beispiel Proteine und DNA von Belang. Die Wissenschaft hat sich seit Jahrhunderten mit der Mathematik und Physik von Knoten befasst. Die Knotentheorie behandelt die Topologie von Knoten und dient der Beantwortung von Fragen wie der, welche Knoten mathematisch äquivalent sind, d. h. sich ineinander überführen lassen, ohne zerschnitten werden zu müssen. Die Knotenkunde hingegen befasst sich mit der Herstellung, Unterscheidung und Anwendung von Knoten.

Angesichts des komplexen Zusammenspiels von Topologie und Mechanik sind die Eigenschaften elastischer Knoten schwer zu bestimmen. Forscher am Massachusetts Institute of Technology entwickelten 2019 ein Modell, um die Stabilität von Knoten vorherzusagen. Dabei betrachten sie die Anzahl der Kreuzungen, der Verdrehungen und der entgegengesetzten Strangverläufe. Zur Überprüfung ihrer Theorie stellten die Forscher Versuche mit photonischen Fasern an, die bei Zug ihre Farbe verändern.[14][15]

Verein der Knotenspezialisten


Unter der International Guild of Knot Tyers wurde 1982 in London eine Vereinigung von Gleichgesinnten aus allen Schichten und Berufsgruppen gegründet. Vom Anfänger bis zum Spezialisten mit dem Interesse rund um Knoten erfolgt der Austausch in Foren und Mitgliederzeitschriften. Durch die stete Entwicklung von Kunstfasern wird der Einsatzbereich von Knoten ständig erweitert und aktualisiert.

Begriffe


Festes Ende

Das feste Ende ist der lange Teil einer Leine, an dem die Last hängt oder zieht, beispielsweise ein Kranseil oder ein Lasso, oder an Schiffen eine Festmacherleine, eine Ankerleine, eine Schot, ein Fall. In der klassischen Seemannssprache spricht man auch von der „festen“ oder „stehenden Part“.

Loses Ende

Das lose Ende ist der kurze Teil einer Leine, mit dem der Knoten geknüpft oder gesteckt wird, und der am fertigen Knoten unbelastet heraushängt. Das lose Ende am fertigen Knoten soll immer mindestens 3 bis 5 mal so lang sein wie der Durchmesser der Leine. In der klassischen Seemannssprache spricht man auch von der „losen Part“; dort hat das „Ende“ die Bedeutung eines ganzen Stück Seils.

Redewendungen


Siehe auch


Literatur


Weblinks


Commons: Knoten  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
für eine Übersicht mit deutschen Namen für die Kategorienkategorien, siehe Commons: Unterkategorien von Knoten
Wikibooks: Knotenkunde – Lern- und Lehrmaterialien
Wikibooks: Grundlegende Knoten für Pfadfinder – Lern- und Lehrmaterialien

Einzelnachweise


  1. KNOTEN . In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Hirzel, Leipzig 1854–1961 (woerterbuchnetz.de , Universität Trier).
  2. Clifford Ashley: Ashley-Buch der Knoten.
  3. Welcher Knoten hält am besten? In: Spektrum. 30. Januar 2020, abgerufen am 1. Februar 2020.
  4. Christian Tröster: Museumsführer: Internationales Maritimes Museum Hamburg. (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche [abgerufen am 17. April 2020]).
  5. Allgemeine Encyclopädie der Wissenschaften und Künste. S. 147 (Volltext in der Google-Buchsuche [abgerufen am 1. Februar 2020]).
  6. Makramee als Kunst und Hobby, S. 17
  7. Müllerknoten als Mengen- und Sortenkennzeichnung
  8. Zählknoten des Müllers
  9. Quelle: Frauenwappen
  10. Liebesknoten(BILD)
  11. Charles Boutell: The Handbook to English Heraldry. (HTML – Bourchier Knot (No 219), Bowen Knot (No 220) uvm.).
  12. Wickel- und Ursusknoten-Bild
  13. Knüpfen von Teppichen
  14. Physik: Forscher entwickeln Theorie zur Festigkeit von Knoten. In: Zeit online. 5. Januar 2020, abgerufen am 12. Januar 2020.
  15. Vishal P. Patil, Joseph D. Sandt, Mathias Kolle, Jörn Dunkel: Topological mechanics of knots and tangles. In: Science. Band 367, Nr. 6473, 3. Januar 2020, S. 71–75, doi:10.1126/science.aaz0135 .



Kategorien: Knotenkunde | Verfahren (Textiltechnik)



Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Knoten (Knüpfen) (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0


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