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Kloster Pontigny

Zisterzienserabtei Pontigny

Südostansicht der Klosterkirche
Lage  Frankreich
Region Bourgogne-Franche-Comté
Liegt im Bistum einst Auxerre; heute Sens
Koordinaten: 47° 54′ 33,9″ N, 3° 42′ 52,1″ O
Ordnungsnummer
nach Janauschek
3
Patrozinium St. Edmund
Gründungsjahr 1114
Jahr der Auflösung/
Aufhebung
1791
Mutterkloster Kloster Cîteaux

Tochterklöster

19 Klöster, Liste siehe Artikel

Das Kloster Pontigny (lat. Abbatia Pontiniacum) ist eine ehemalige Primarabtei des Zisterzienserordens am Flüsschen Serein gelegen, ca. 300 m östlich des ca. 800 Einwohner zählenden Orts Pontigny knapp 20 km (Fahrtstrecke) nordöstlich von Auxerre bzw. nordwestlich von Chablis im Département Yonne in der Region Bourgogne-Franche-Comté in Frankreich.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte


Die Zisterzienserabtei von Pontigny ist eine der vier Primarabteien, die vom Mutterkloster aller Zisterzienser, der Abtei Cîteaux aus gegründet wurden. Das turmlose gotische Mönchskloster, die „zweite Tochter von Cîteaux“, steht auf ehemals unwegsamem Sumpfgebiet und wurde im Jahr 1114 mit 12 Mönchen unter Abt Hugo von Mâcon aufgebaut.

Pontigny selbst wurde zum Mutterkloster für 43 Tochterabteien in Europa, darunter die unmittelbaren Tochtergründungen der Klöster Bourras, Cadouin, Fontainejean, Jouy, Saint-Sulpice, Quincy, Chaalis, Les Roches, Cercamp, Trizay, L’Estrée, L’Étoile, Notre-Dame-de-Ré, Dalon, Le Pin und Valence sowie im damaligen Ungarn (heute Rumänien) des Klosters Igriș.

Im Verlauf der Französischen Revolution wurde das Kloster aufgehoben; bis auf die Kirche wurden die Klostergebäude zerstört.

Architektur


Heute steht nur noch die Kirche aus exakt behauenem hellen Kalkstein; sie wurde mitsamt dem Narthex (Vorhalle) in den Jahren zwischen 1140 bis 1170 erbaut und ist mit 108 m Länge und 25 m Breite die größte erhaltene Abteikirche der Zisterzienser. Der Chorumgang der Kirche wurde von 1185 bis 1212 durch einen Kapellenkranz aus leicht bräunlichem Sandstein erweitert und mit gotischem Strebewerk versehen.

Die Lage des Kreuzgangs und der übrigen Klostergebäude (Kapitelsaal, Refektorium, Dormitorium etc.) auf der Nordseite der Kirche war zwar nicht üblich, befand sich aber durchaus in Übereinstimmung mit den Ordenstraditionen (vgl. Kloster Obazine).

Pontigny repräsentiert den strengen Stil der Zisterzienser: die Kirche ist außen wie innen vollkommen weiß wie die Mönchsgewänder. Der zweigeschossige Wandaufriss ist einfach. Als Stützen des Langhauses fungieren nicht Pfeiler, sondern Rechteckvorlagen mit Halbsäulen bzw. Diensten, die in halber Höhe auf Konsolen aufgefangen werden – eine typische Erfindung der Zisterzienser, deren Sinn nicht ganz klar ist, aber möglicherweise als „Reduzierung“ bzw. „Vereinfachung“ verstanden werden kann. Ein Kreuzrippengewölbe überdeckt das etwa 14 m hohe Mittelschiff, die nur etwa 7 m hohen Seitenschiffe haben Kreuzgratgewölbe.

Die spätere Chorerweiterung, die innen – wenn auch schlichte – gotische Züge trägt, stört trotz ihres Strebesystems nicht den äußeren Gesamteindruck der Kirche. Auf Fialenaufsätze wurde verzichtet.

Zitat


Der Zisterzienserorden hat die neuen Möglichkeiten der Rippenwölbung über Spitzbogen sehr schnell begriffen, sie in die Strenge und Einfachheit seines Architektursystems integriert und einen Bautypus daraus entwickelt – wie er in Pontigny in der ältesten erhaltenen Form vor uns steht –, der sich rasch in ganz Europa ausbreitete dank der straffen Organisation des Ordens […] und der leichten Handhabung des Systems, das auf die technisch komplizierten Aufrisslösungen und statischen Experimente der Wandauflösung der Île-de-France verzichtete zugunsten eines soliden, kraftvollen Aufbaues der Wand, der der burgundischen Tradition entsprach und den Bausitten fremder Länder entgegenkam: ein zweigeschossiger Aufriss aus Arkadenzone und Obergaden mit großen einfachen Lanzettfenstern, eine kräftige Durchbildung der einzelnen Joche mit eckigen Gurtbögen und Halbsäulenvorlagen, die häufig nicht bis zum Boden herabreichen, sondern auf Konsolen abgefangen werden.[1]

Ausstattung


Die Kirche enthält außer einer später hinzugefügten hölzernen Chorschranke, dem Chorgestühl (stalles) und einem Baldachingrabmal keinerlei Ausstattungsgegenstände.

Sonstiges


Im Lauf seiner Geschichte war das Kloster des Öfteren Zufluchtsort:

Im Jahr 1909 ging die Kirche in den Besitz von Paul Desjardins über, der anschließend jeweils in den Jahren 1910 bis 1914 und danach von 1922 bis 1939 französische und internationale Intellektuelle bei den „Dekaden von Pontigny“ versammelte. Unter anderen nahmen teil: Antoine de Saint-Exupéry, Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, T.S. Eliot, Thomas Mann, Heinrich Mann und Helmut Kuhn mit seiner Frau Käthe.

Siehe auch: Territorialprälatur der Mission de France in Pontigny

Weinbau


Neben den religiösen Aufgaben spielte auch der Weinbau eine große Rolle. Die Mönche von Pontigny legten einen der ersten Weinberge der Region an, der die Grundlage für den berühmten Wein von Chablis bildete. Sie führten im Gebiet auch die Chardonnay-Rebe ein, die bis heute bedeutendste weiße Rebsorte von Chablis, und verankerten den Weinbau als zentralen Bestandteil der Landwirtschaft.[2]

Im Kloster beigesetzte Persönlichkeiten


Jakobsweg


Das Kloster war und ist ein Anlaufpunkt auf einer der beiden von Vézelay ausgehenden Routen des Jakobswegs nach Santiago de Compostela.

Literatur


Weblinks


Commons: Kloster Pontigny  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Klaus Bußmann: Burgund, Köln 1977, S. 189:
  2. Jancis Robinson: Das Oxford-Weinlexikon. 2., vollständig überarbeitete Ausgabe. Hallwag, München 2003, ISBN 3-7742-0914-6, S. 134.



Kategorien: Ehemaliges Zisterzienserkloster in Frankreich | Kloster (12. Jahrhundert) | Pontigny | Kloster im Département Yonne | Monument historique seit 1840

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Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster Pontigny (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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