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Filmverwertung


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Filmverwertung (oder Filmauswertung) bezeichnet in der Phasengliederung einer Filmproduktion die fünfte und letzte Phase[1] und umfasst die für einen Film möglichen Erlösformen. Generell geht es bei der Filmverwertung um die Veräußerung von Nutzungsrechten am Produkt Film.

Inhaltsverzeichnis

Filmverwertungskette


Die Filmverwertungskette beschreibt, in welcher Reihenfolge ein fertiggestellter Film bei einer vollständigen Auswertung – also unter Berücksichtigung aller Einnahmemöglichkeiten in der finanziell ertragreichsten Reihenfolge – erscheint. Die Präsentation eines Films auf Filmfestivals erfolgt in der Regel vor dem Kinostart und wird nicht zur Verwertungskette gezählt.

Eine vollständige Filmverwertungskette sieht wie folgt aus:

  1. Kino
  2. Blu-ray/DVD/Video im Verleih
  3. Blu-ray/DVD/Video im Verkauf
  4. Pay-TV
  5. Free-TV

Laut einer im September 2000 von der Investmentbank ABN AMRO veröffentlichten Studie entfielen von den Erlösen etwa 26 % auf die Kinoauswertung, 46 % auf die VHS/DVD-Auswertung und 28 % auf die Fernsehauswertung.[2]

Verwertungsfenster

Damit die Filmverwertung optimal abläuft, spielen die Zeitfenster – die so genannten Verwertungsfenster – zwischen dem Erscheinen eines Films im Kino, auf Bilddatenträger (DVD, Video), im Pay- und im Free-TV eine besonders wichtige Rolle. Schließlich haben die Rechteinhaber ein hohes Interesse daran, dass auf jeder Verwertungsstufe die höchstmöglichen Einnahmen erzielt werden. Hierzu darf das Zeitfenster weder zu kurz noch zu lang sein.

Würde ein Film zeitgleich mit dem Kino auch auf DVD erscheinen, würden viele Interessierte auf den Kinobesuch verzichten und den Film gleich auf DVD kaufen – die Einnahmen aus dem Kinobetrieb würden hierbei verloren gehen. Ist das Zeitfenster jedoch zu groß, kann es sein, dass das allgemeine Interesse am Film bereits zu sehr nachgelassen hat und weniger Personen die DVD kaufen, als dies der Fall wäre, wenn die DVD früher erschienen wäre.

Wie groß ein Zeitfenster ausfällt, hängt in erster Linie vom Filmverleiher ab, kann aber bei mit öffentlichen Geldern geförderten Produktionen auch von gesetzlichen Bestimmungen abhängen.

Die von den Filmverleihern in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Nutzern vereinbarte Verwertungskette für Kinofilme mit den ursprünglich einmal zugesicherten so genannten Verwertungsfenstern bzw. englisch release windows sieht folgendermaßen aus:

Laut Filmförderungsgesetz (Sperrfristenregelungen § 53 FFG) gelten folgende Auswertungszeiträume/Verwertungsfenster:

Die verkürzten Zeiträume sind nur auf Antrag zu gewähren. Diese Verwertungsfenster gelten jedoch nur für geförderte Filme. Da aber ein großer Teil der Kinofilme gefördert ist, kann man diese Zeiträume als allgemein gültig ansehen.

Aufgrund der Verbreitung von CD- und DVD-Brennern und der damit einhergehenden Zunahmen von illegalen Film-Kopien wurden die vereinbarten Zeiten für die Verwertungskette in jüngerer Vergangenheit durch die Verleiher kaum noch eingehalten. Da die Filme nach oder teilweise bereits vor dem Erscheinungstermin schnell illegal Verbreitung finden, sind die Abstände zwischen dem Kinostart und der Video-Veröffentlichung beziehungsweise einer Fernseh-Ausstrahlung deutlich verkürzt worden. So ist es heutzutage nicht mehr ungewöhnlich, dass Kinofilme bereits drei oder vier Monate (statt ursprünglich sechs Monate) nach ihrem Kinodebüt auf DVD erscheinen. Weitere Kürzungen sind im Gespräch, wobei einige Verleihfirmen inzwischen schon planen, Kinodebüt und DVD-Start auf denselben Tag („Day-in-Day“) zu terminieren bzw. DVDs sogar vor dem Kinodebüt zu veröffentlichen. Durch die zunehmende Verbreitung von Video-on-Demand-Diensten wie Netflix und neue Vertriebswege wie Electronic-Sell-Through (EST) wird sich diese Entwicklung weiter beschleunigen. Der Branchenexperte Jeffrey Katzenberg sagte 2014 für die nahe Zukunft eine Verkürzung der Kinoauswertung auf nur wenige Wochen voraus.[3] Direkt danach würden die Filme per Video-on-Demand den Kunden angeboten.

Verkürzte Filmverwertungskette


Eine verkürzte Verwertungskette ist grundsätzlich dann möglich, wenn keine Förderung des betreffenden Films nach dem Filmfördergesetz erfolgt ist.

TV-Produktion

Bei einer TV-Auftragsproduktion geschieht die Verwertung zum größten Teil bereits bei der Auftragsvergabe. Dem Produzenten bleibt oftmals nur noch die Möglichkeit der Verkäufe von Nutzungsrechten ins Ausland.

Direct-to-Video-Produktion

Eine Direct-to-Video-Produktion wird ausschließlich für den Video-/DVD-Markt produziert. Filme, die beispielsweise in Deutschland nicht im Kino zu sehen waren/sind und hier sofort auf einer DVD erscheinen, werden auch „Videopremieren“ genannt.

Andere Begriffsverwendung für „Filmauswertung“


Seit den frühen 1960er Jahren trugen gedruckte Handreichungen für Schulen häufig die Bezeichnungen Filmauswertung. Damit sollte Pädagogen, Seminarleitern usw. ein Material an die Hand gegeben werden, Filme nach der (in der Regel nichtkommerziellen) Vorführung zu besprechen. Am bekanntesten sind die Arbeitsblätter zur Filmauswertung der Staatsbürgerlichen Bildungsstelle des Landes NRW. Der Begriff weist auf eine relativ große Unsicherheit von Lehrpersonal im Umgang mit dem (für Schulen) neuen Medium, dem damit eine Hilfe gegeben werden sollte; zugleich drang das Medium im Umfang verstärkt in die Schulen, was sich an deren technischer Ausstattung, der Gründung von Kreisbildstellen u. ä. zeigte.

Literatur


Einzelnachweise


  1. Projektentwicklung – Vorproduktion – Dreharbeiten – Postproduktion – Filmverwertung. Nach Josef Steiff: The Complete Idiot’s Guide to Independent Filmmaking. Alpha Books, 2005. S. 26–28.
  2. The Monster That Ate Hollywood - Anatomy Of A Monster | PBS - FRONTLINE | PBS. Abgerufen am 13. April 2018.
  3. Jeffrey Katzenberg Predicts 3-Week Theatrical Window in Future bei variety.com, abgerufen am 4. Juni 2014
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Kategorien: Filmverwertung



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