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Kiedrich




Wappen Deutschlandkarte

Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Rheingau-Taunus-Kreis
Höhe: 165 m ü. NHN
Fläche: 12,35 km2
Einwohner: 4062 (31. Dez. 2018)[1]
Bevölkerungsdichte: 329 Einwohner je km2
Postleitzahl: 65399
Vorwahl: 06123
Kfz-Kennzeichen: RÜD, SWA
Gemeindeschlüssel: 06 4 39 009
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Marktstraße 27
65399 Kiedrich
Website: www.kiedrich.de
Bürgermeister: Winfried Steinmacher (SPD)
Lage der Gemeinde Kiedrich im Rheingau-Taunus-Kreis

Kiedrich ist eine Weinbaugemeinde im südhessischen Rheingau-Taunus-Kreis.

Inhaltsverzeichnis

Geografie


Lage

Kiedrich liegt im Rheingau am Südhang des Taunus, etwa zwei Kilometer nördlich der Stadt Eltville am Rhein und drei Kilometer vom Rheinufer entfernt. Kiedrich umfasst nur die gleichnamige Gemarkung (Gmk.-Nr. 60647).

Sie beginnt im Süden gleich hinter dem Kinderdorf Marienhöhe, das oberhalb von Erbach in den Weinbergen liegt und schließt die Klostermühle am Stadtrand von Eltville mit ein. Von hier aus erstreckt sich das Gemeindegebiet als Streifen von eineinhalb und zwei Kilometer Breite etwa 7 Kilometer weit nach Norden über den Taunushauptkamm bis zum Ortsrand von Hausen vor der Höhe. Hier oben liegen als höchste Erhebung Kiedrichs mit 548 Meter die Dreibornsköpfe. Der niedrigste Punkt an der Klostermühle hat etwa 105 Meter. Fast die ganze Gemarkung wird vom Kiedricher Bach und seinen Zuflüssen, dem Grünbach, dem Pfaffenborn und dem Sillgraben entwässert, die ein ausgeprägtes Talsystem in die Südabdachung des Taunus eingegraben haben.

Im Gemeindegebiet wurden sehr ergiebige Trinkwasserbrunnen erschlossen, sodass Kiedrich die einzige Rheingaukommune ist, die sich selbst mit Trinkwasser in jederzeit ausreichender Menge versorgen kann und sogar noch die Nachbarstadt Eltville beliefert.

Der Ortskern von Kiedrich liegt auf 165 Meter Höhe und die Ortslage hat sich westlich des Kiedricher Bachs auf dem nach Nordosten exponierten sonnenarmen Hang 1.500 Meter weit ausgebreitet. Die sonnenverwöhnten Süd- und Südwesthänge der Gemarkung sind bis in etwa 250 Meter Höhe überwiegend Weinbergsland. Nördlich davon schließt sich in den höheren Lagen der Kiedricher Gemeindewald an.

Außerhalb der Ortslage finden sich an Bauwerken eine Reihe von Mühlen am Kiedricher Bach, angefangen von der Waldmühle bis zur Klostermühle. Und weithin sichtbar erhebt sich nördlich von Kiedrich auf einem Bergsporn über dem Tal an der Grenze zwischen Wald und Reben der Bergfried der Ruine Scharfenstein. Kaum wahrnehmbar hingegen sind im Wald die Überreste vom Ringwall Dreibornskopf in der Nähe des Taunusübergangs nach Hausen vor der Höhe. Umso augenfälliger wiederum sind die 300 Meter hoch gelegenen nach dem Krieg entstandenen modernen Gebäude am Hahnwald nordwestlich von Kiedrich.

Nachbargemeinden

Kiedrich ist fast vollständig vom Stadtgebiet von Eltville umschlossen. Nur im Norden gibt es eine kurze gemeinsame Grenze mit der Gemeinde Schlangenbad, und zwar mit dem Ortsteil Hausen vor der Höhe. Die Grenze mit Eltville wird im Westen vom Stadtteil Erbach eingenommen, während Kiedrich im Süden und Osten an die Gemarkung der Kernstadt grenzt.

Geschichte


Von der frühen Besiedlung der Gegend um Kiedrich zeugt unter anderem der Ringwall Dreibornskopf.

Kiedrich wurde in einer Urkunde des Erzbistums Mainz erstmals erwähnt. Die Urkunde ist nicht datiert, sie stammt aber aus der Zeit des Erzbischofs Friedrich (937 bis 954). Um 1160 wurde mit dem Bau der Burg Scharfenstein begonnen. Bereits 1131 wurde der Weinbau in Kiedrich erstmals erwähnt. Die Burg Neuhaus wird unter den Besitzungen des Mainzer Domkapitels in einer Urkunde vom 25. Dezember 1274 als eine neu erbaute Burg in der Nähe der Burg Scharfenstein genannt. Ein gewisser Cedric von Leber war von 1455 bis 1470 Bürgermeister von Kiedrich.

Zur Zeit des Herzogtums Nassau gehörte Kiedrich zum Amt Eltville. Nach der Annexion des Herzogtums durch Preußen wurde der Ort 1867 dem Rheingaukreis im Regierungsbezirk Wiesbaden zugeordnet.

Auf Grund relativ vieler Gegenstimmen und Enthaltungen bei der Volksabstimmung über den „Anschluss“ Österreichs am 10. April 1938 (14,1 % in Kiedrich/Rheingauer Durchschnitt: 3,4 %), erwarb sich die Gemeinde während der NS-Diktatur den Ruf eines „Nein-Dorfs“.[2]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen in den 1970er Jahren wurde Kiedrich trotz ursprünglich anderer Planungen als eine von wenigen Gemeinden nicht verändert und konnte seine Eigenständigkeit bewahren.

Politik


Gemeindevertretung

Die Kommunalwahl am 6. März 2016 lieferte folgendes Ergebnis,[3] in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:[4][5]

Parteien und Wählergemeinschaften %
2016
Sitze
2016
%
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
%
2001
Sitze
2001
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 61,9 12 67,9 16 60,5 14 57,5 13
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 27,1 5 26,5 6 28,4 6 33,4 8
FDP Freie Demokratische Partei 10,9 2 5,6 1 11,1 3 9,1 2
Gesamt 100,0 19 100,0 23 100,0 23 100,0 23
Wahlbeteiligung in % 55,8 53,7 49,5 65,9

Über die politische Arbeit in den drei in Kiedrich aktiven Parteien (SPD, CDU, FDP) hinaus, engagieren sich Kiedricher Bürger seit 2001 auch im Rahmen der lokalen Agenda 21.

Parteien in Kiedrich

Die SPD ist in Kiedrich nachweislich seit 1918 aktiv. Während der Nazi-Diktatur war sie wie überall in Deutschland verboten. Im Herbst 1945 wurde der SPD-Ortsverein wieder gegründet und trat im Kiedricher Winzerhaus erstmals wieder an die Öffentlichkeit. Damals war auch der spätere Wiesbadener Oberbürgermeister Georg Buch anwesend. Seit den 1970er Jahren ist die politische Landschaft Kiedrichs durch absolute SPD-Mehrheiten in der Gemeindevertretung (Kommunalparlament) geprägt. Die SPD gibt regelmäßig das Infoblatt „Kiedricher Blättche“ heraus.

Bürgermeister

Kiedrich wird seit 1972 von sozialdemokratischen Bürgermeistern regiert, der erste war bis 1989 Siegfried Siems. Ihm folgte Hans Tide nach, der am 7. Mai 1995 in der ersten Direktwahl von den Wählern wiedergewählt wurde. Der amtierende Kiedricher Bürgermeister Winfried Steinmacher wurde am 20. November 2005 mit 77,7 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen im ersten Wahlgang gewählt. Die Wahlbeteiligung betrug 62,6 Prozent. Er wurde am 1. Januar 2006 offiziell in sein Amt eingeführt.[6] Am 18. August 2011 erfolgte seine Wiederwahl ohne Gegenkandidat mit 95,6 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen. Die Wahlbeteiligung betrug 44,6 Prozent.[7] Am 24. September 2017 wählten die Kiedricher Winfried Steinmacher zum dritten Mal zu ihrem Bürgermeister: Steinmacher setzte sich gegen einen Mitbewerber mit 71,1 Prozent der abgegebenen gültigen Stimmen durch. Die Wahlbeteiligung betrug 78,7 Prozent.[8]

Wappen

Der Gemeinde Kiedrich im Rheingau-Taunus-Kreis ist am 29. Oktober 1979 vom Hessischen Minister des Innern ein Wappen mit folgender Blasonierung genehmigt worden: Im gespaltenen Schild vorn in Silber ein roter Turm, hinten in Rot ein kreuzverbundenes silbernes Doppelrad aufrecht.[9]

Partnergemeinde

Kiedrich unterhält seit 1981 partnerschaftliche Beziehungen zu Hautvillers in der Champagne in Frankreich.

Kultur und Sehenswürdigkeiten


Musik

Bauwerke

Aufgrund seiner gotischen Kirchen, die von der Frühgotik bis zur Spätgotik entstanden, wird Kiedrich auch „Schatzkästlein der Gotik“ genannt. Es sind dies die katholische Pfarrkirche St. Valentinus – vollendet 1493 – und die von Nikolaus Eseler dem Älteren erbaute benachbarte als Doppelkapelle ausgeführte gotische Michaelskapelle von 1444 mit Karner und großer doppelseitiger Leuchtermadonna von Peter Schro, einem Künstler der Backoffen-Schule (um 1520).

Sehenswert sind:

Regelmäßige Veranstaltungen

Wirtschaft und Infrastruktur


Weinbau

Kiedrich bietet die Voraussetzungen zum Anbau hochwertiger Weine. Die Weinlagen Gräfenberg, Wasseros, Klosterberg, Sandgrub und Turmberg sowie die Großlage Heiligenstock gelten als Spitzenlagen des Rheingaus. Die Weinbautradition der Kiedricher Winzer geht bis auf das Jahr 1480 zurück, wo schon damals, im heutigen Winzerhaus, unter dem Namen „Adelsgut Langenhof“ Weinbau betrieben wurde.

Wer im historischen Rathaus in Kiedrich heiratet, erhält zur Heiratsurkunde auch eine Besitzurkunde über einen Weinstock in dem 1976 angelegten und inzwischen erweiterten Weinberg der Ehe in der Einzellage Kiedricher Wasseros, neben der Burgruine Scharfenstein gelegen. Rund 2.000 Paare haben mittlerweile davon Gebrauch gemacht. Alle zwei Jahre werden die Ehepaare zum Kiedricher Rieslingfest nach Kiedrich eingeladen. Man trinkt dann Wein vom Weinberg der Ehe. Der Wein mit einem eigenen Flaschenetikett wird von der Gemeinde verwaltet.[12]

Die örtliche Winzergenossenschaft besteht seit 1893 und ist somit die älteste Genossenschaft im Rheingau.

Öffentliche Einrichtungen

St. Valentinushaus, 1884 gegründetes psychiatrisches Krankenhaus. Die Einrichtung war an der Durchführung der Krankenmorde in der Zeit des Nationalsozialismus beteiligt. Zwischen 300 und 350 Patienten waren hier untergebracht. In den Jahren 1934 bis 1945 wurden in dieser Anstalt für 39 Kranke Anträge auf Zwangssterilisationen gestellt. Im Juni und Dezember 1937 wurden Patienten nach Hadamar, Herborn und Kalmenhof verlegt.[13] Während des Zweiten Weltkriegs war im St. Valentinus-Haus ein Lazarett untergebracht. Heute ist das St. Valentinushaus eine kirchliche Einrichtung der Altenhilfe und Gerontopsychiatrisches Zentrum.[14]

Radwanderwege

Durch den Ort verläuft die Variante R3a des Hessischen Radfernweg R3 (Rhein-Main-Kinzig-Radweg). Der R3 führt unter dem Motto Auf den Spuren des Spätlesereiters. entlang von Rhein, Main und Kinzig über Fulda nach Tann in der Rhön. Auf dem ersten Teilstück bis Eltville am Rhein führt die Variante R3a über die Rheingauer Riesling Route.

Bildung

Persönlichkeiten


In Kiedrich geboren

Mit Kiedrich verbunden

Siehe auch


Literatur


Weblinks


Commons: Kiedrich  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikivoyage: Kiedrich – Reiseführer

Einzelnachweise


  1. Hessisches Statistisches Landesamt: Bevölkerungsstand am 31.12.2018 (Landkreise und kreisfreie Städte sowie Gemeinden, Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Walter Hell: Vom „Braunhemd“ zum „Persilschein“-Nationalsozialismus und Entnazifizierung im Rheingau, S. 82, Sutton Verlag, Eltville 2005, ISBN 3-89702-824-7.
  3. Ergebnis der Gemeindewahl am 6. März 2016. Hessisches Statistisches Landesamt, abgerufen im April 2016.
  4. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 27. März 2011
  5. Hessisches Statistisches Landesamt: Ergebnis der Gemeindewahl am 26. März 2006
  6. Wiesbadener Tagblatt vom 21. November 2005: Klarer Sieg für Winfried Steinmacher
  7. Hessisches Statistisches Landesamt: Direktwahlen in Kiedrich
  8. Hessisches Statistisches Landesamt: Direktwahlen in Kiedrich
  9. Genehmigung eines Wappens der Gemeinde Kiedrich, Rheingau-Taunus-Kreis vom 29. Oktober 1979. In: Der Hessische Minister des Inneren (Hrsg.): Staatsanzeiger für das Land Hessen. 1979 Nr. 47, S. 2188, Punkt 1283 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 7,0 MB]).
  10. Weitere Info unter: www.naturschutzhaus-wiesbaden.de
  11. Kiedricher Wildschweinfest  (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  12. Weinberg der Ehe
  13. „Kiedrich, St.-Valentinus-Haus“. Topografie des Nationalsozialismus in Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  14. Scivas GmbH



Kategorien: Kiedrich | Gemeinde in Hessen | Ort im Rheingau-Taunus-Kreis | Rheingau | Weinbauort in Hessen | Ersterwähnung 1069



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