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Kanton Graubünden




Kanton Graubünden
Chantun Grischun (rätoromanisch)
Cantone dei Grigioni (italienisch)
Wappen
Kanton der Schweizerischen Eidgenossenschaft
Kürzel/Kontrollschild: GR
Amtssprache: Deutsch (76 %),
Rätoromanisch (14 %),
Italienisch (10 %)
Hauptort: Chur
Beitritt zum Bund: 1803
Fläche: 7.105 km²
Website: www.gr.ch
Bevölkerung
Einwohner: 198'379 (31. Dezember 2018)[1]
Einwohnerdichte: 28 Einwohner pro km²
Ausländeranteil:
(Einwohner ohne Bürgerrecht)
18,3 % (31. Dezember 2015)[2]
Arbeitslosenquote: 2,1 % (31. Dezember 2015)[3]
Lage des Kantons in der Schweiz
Karte des Kantons
Politische Gemeinden des Kantons

Graubünden (Kürzel GR; schweizerdeutsch Graubünda, Bündnerland, rätoromanisch Grischun?/i [ɡʁiˈʒun], italienisch Grigioni [ɡriˈdʒoːni], französisch Grisons) ist ein Kanton der Schweiz und liegt vollständig im Gebiet der Alpen. Die Amtssprachen Graubündens sind Deutsch, Rätoromanisch und Italienisch. Neben dem Tessin ist Graubünden der einzige Schweizer Kanton mit Italienisch als Amtssprache. Graubünden ist der einzige Kanton mit drei Amtssprachen. Der Kanton zählt zur Region Südostschweiz und zur Grossregion Ostschweiz. Der Hauptort und zugleich grösste Ort ist Chur.

Inhaltsverzeichnis

Name und Wappen


Der Kanton Graubünden trägt den Namen des ehemals politisch gewichtigsten der Drei Bünde, aus denen er entstanden ist. Der 1367 gegründete Graue Bund (gespaltener Schild, schwarz und silber) wurde 1442 erstmals genannt, vermutlich ein Spottname der Zürcher und Österreicher, der von den Bundsleuten vor 1486 übernommen wurde. Im 15. Jahrhundert erscheint der Name für die sonst Drei Bünde genannte Gesamtheit der Bünde. Im 16. Jahrhundert wurde von Humanisten der Name der römischen Provinz Raetia als Rätien auf das Gebiet der Drei Bünde übertragen. 1799 wurden die Bünde von Napoleon Bonaparte als Kanton Rätien der damaligen Helvetischen Republik eingegliedert. Die Bezeichnung ist heute noch für Institutionen wie die Rhätische Bahn oder das Rätische Museum in Chur üblich, und auch die Bezeichnung rätoromanisch für die bündnerromanische Sprache stammt daher. Mit der 1803 von Napoleon Bonaparte erlassenen Mediationsakte und der damit verbundenen Konstituierung der modernen Schweizerischen Eidgenossenschaft wurde der Name Graubünden offiziell.[4][5] Das Kantonswappen setzt sich entsprechend aus den Wappen der Drei Bünde zusammen; siehe auch Fahne und Wappen des Kantons Graubünden.

Geographie


Übersicht

Der Kanton bildet als flächengrösster Kanton der Schweiz deren südöstlichen Teil und ist vor allem durch Berglandschaften geprägt. Aufgrund der geographischen Bedingungen ist er der am dünnsten besiedelte Kanton der Schweiz und belegt trotz seiner Grösse von der Einwohnerzahl her den 14. Rang.

Nachbargebiete

Gemeinsame Kantonsgrenzen hat Graubünden im Südwesten mit dem Kanton Tessin, im Westen mit Uri, im Norden mit Glarus und St. Gallen. Graubünden bildet die Landesgrenze der Schweiz mit Liechtenstein sowie mit Österreich (Bundesländer Vorarlberg und Tirol) im Norden, dem italienischen Südtirol im Osten und der Lombardei im Süden. Neben Graubünden grenzt nur noch St. Gallen an drei verschiedene Nachbarstaaten.

Wassergeographie

Entwässert wird Graubünden zum grössten Teil vom Rhein mit seinen in Graubünden entspringenden Quellflüssen Vorderrhein und Hinterrhein. Den Osten des Landes, das Engadin, entwässert der Inn, der ebenfalls in Graubünden entspringt. Jenseits des Alpenhauptkamms liegen die zum Po entwässernden und italienischsprachigen Bündner Südtäler: das Misox mit dem Calancatal, das Bergell und das Puschlav. Der östlichste Teil des Landes, das Münstertal, entwässert zur Etsch.

Die drei Einzugsgebiete der Nordsee, des Mittelmeers und des Schwarzen Meers treffen sich unweit der Inn-Quelle nahe dem Pass Lunghin oberhalb von Maloja, dem wichtigsten Wasserscheidepunkt Europas. Von dort fliesst in Richtung Norden die Julia, die via Rhein zur Nordsee führt, nach Süden die Maira, deren Wasser über den Po ins Mittelmeer kommt, und nach Osten der Inn, der in die Donau mündet und damit ins Schwarze Meer fliesst.

Landschaften

Im Kanton Graubünden gibt es ca. 150 Täler, 615 (von gut 1'500 Schweizer) Seen sowie 937 Berggipfel bis hinauf zum Piz Bernina auf 4049 m.[6] Graubünden besitzt auch den grössten prähistorischen Bergsturz der Welt, der bei Flims immer noch sichtbar ist. Den Gesamtkomplex der Berggruppen um Rhein- und Innquellgebiet nennt man Bündner Alpen.

Fauna und Flora

Der Kanton Graubünden ist bekannt für seinen Wildreichtum, vor allem Hirsche, Gämsen und Steinböcke. Im Averstal gibt es so viele Murmeltiere, dass ein Murmeltier-Lehrpfad angelegt wurde. Die Einwanderung von einst ausgerotteten Säugetierarten wie Bär, Wolf, Luchs, Biber usw. wertet in der Neuzeit die Bündner Fauna auf, erzeugt jedoch oft Nutzungs- und Interessenkonflikte mit den besiedelten Talschaften und den stark genutzten Alpgebieten.

In Graubünden sind rund 300 Vogelarten bekannt, dokumentiert sind sie im Nachschlagewerk «Die Vögel Graubündens».

Bevölkerung


Übersicht

Die Einwohner werden als Bündner bezeichnet. Per 31. Dezember 2018 betrug die Einwohnerzahl des Kantons Graubünden 198'379.[7] Die Bevölkerungsdichte liegt mit 28 Einwohnern unter dem Schweizer Durchschnitt (207 Einwohner pro Quadratkilometer). Der Ausländeranteil (gemeldete Einwohner ohne Schweizer Bürgerrecht) bezifferte sich am 31. Dezember 2015 auf 18,3 Prozent, während landesweit 24,6 Prozent Ausländer registriert waren.[8] Per 31. Dezember 2015 betrug die Arbeitslosenquote 2,1 Prozent gegenüber 3,7 Prozent auf eidgenössischer Ebene.[9]

Sprachen

Als einziger Kanton der Schweiz hat Graubünden drei Amtssprachen: Deutsch, Rätoromanisch und Italienisch. Gleichzeitig ist er der einzige Kanton, in dem Rätoromanisch Amtssprache ist. Aufgrund dieser sprachlich-kulturellen Vielfalt und auch wegen seiner Form und Beschaffenheit wird der Kanton als kleine Schweiz innerhalb der Schweiz bezeichnet.

Die Gemeinden und Kreise sind autonom, ihre eigenen Amts- und Schulsprachen festzulegen, der Kanton setzt jedoch Richtlinien, insbesondere zur Unterstützung der Minderheitensprachen Rätoromanisch und Italienisch. Gemäss Artikel 16 des Bündner Sprachengesetzes von 2006 gelten Gemeinden, in denen mindestens 40 Prozent der Einwohner das angestammte Idiom sprechen, als amtlich einsprachig, und Gemeinden, in denen wenigstens 20 Prozent das angestammte Idiom sprechen, als amtlich zweisprachig.[10]

Die deutschen Mundarten Graubündens gehören zu zwei Gruppen des Schweizerdeutschen:

Im Bündnerromanischen, das in verschiedenen Gegenden des Kantons – Surselva, in Teilen Mittelbündens, im Engadin und im Münstertal – gesprochen wird, existieren sowohl fünf regionale Schriftdialekte (sogenannte Idiome), nämlich Surselvisch (Sursilvan), Sutselvisch (Sutsilvan), Surmeirisch (Surmiran), Oberengadinisch (Puter) und Unterengadinisch (Vallader) als auch eine einheitliche Schriftsprache Rumantsch Grischun, die erst in den 1980er Jahren als Kunstsprache geschaffen worden ist. Münstertalisch (Jauer) hat keine schriftsprachliche Tradition. In den Münstertaler Schulen wurde bis zur Einführung von Rumantsch Grischun in Unterengadinisch unterrichtet.

Die italienischen Mundarten im Misox und Calancatal, Bergell, in Bivio und dem Puschlav gehören dem Alpinlombardischen an.

Spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts, als der Bund im Zug der Umsetzung des Gesetzes betreffend die Heimatlosigkeit dem Kanton Graubünden eine grosse Zahl Jenischer zwangsweise zuwies, hat Graubünden auch eine statistisch nicht erfasste (gesamtschweizerisch auf 35'000 Personen geschätzte) Population jenischer Muttersprache. Das Jenische ist anerkannte Minderheitensprache in der Schweiz[11] und somit auch in Graubünden, besitzt aber keinen Amtssprachenstatus.

Wohnbevölkerung nach Sprachen (Volkszählung 2000):

Sprachen in Graubünden 1803–2000[12][13]
Jahr Bevölkerung Rätoromanisch % Deutsch % Italienisch %
1803 072'903 36'700 (ca. 50 %) ca. 36 % ca. 14 %
1850 089'895 42'439 (47,2 %) 39,5 % 13,3 %
1880 093'864 37'794 (39,8 %) 043'664 (46,0 %) 12'976 (13,7 %)
1900 104'520 36.472 (34,9 %) 048'762 (46,7 %) 17'539 (16,8 %)
1920 119'854 39'127 (32,7 %) 061'379 (51,2 %) 17'674 (14,8 %)
1941 128'247 40'187 (31,3 %) 070'421 (54,9 %) 16'438 (12,8 %)
1950 137'100 40'109 (29,3 %) 077'096 (56,2 %) 18'079 (13,2 %)
1960 147'458 38'414 (26,1 %) 083'544 (56,7 %) 23'682 (16,1 %)
1970 162'086 37'878 (23,4 %) 093'359 (57,6 %) 25'575 (15,8 %)
1980 164'641 36'017 (21,9 %) 098'645 (59,9 %) 22'199 (13,5 %)
2000 187'058 27'038 (14,5 %) 127'755 (68,3 %) 19'106 (10,2 %)

Bis 2003 hatte der Kanton Graubünden seine Schulbücher in sieben Sprachen herausgegeben, neben Deutsch und Italienisch auch in allen fünf rätoromanischen Schriftdialekten. 2003 entschied das Bündner Parlament, die romanischen Lehrmittel nur noch in Rumantsch Grischun herauszugeben. Dieser Entscheid wurde jedoch bereits 2013 im Grundsatz wieder rückgängig gemacht.[14]

Der dialektale und historische Wortschatz sowie die Volkskultur Graubündens werden für das Deutsche vom Schweizerischen Idiotikon, für das Bündnerromanischen vom Dicziunari Rumantsch Grischun und für das Italienische vom Vocabolario dei dialetti della Svizzera italiana dokumentiert. Das Walserdeutsche Idiom wird durch Interessenvertreter der Walservereinigung Graubünden gestützt.

Konfessionen

Infolge der Souveränität der einzelnen Gemeinden konnte im 16. Jahrhundert jede Gemeinde ihre Konfession autonom bestimmen. Fläsch war die erste reformierte Gemeinde im Kanton, danach folgte St. Antönien, später andere. Graubünden gehört somit zu den traditionell paritätischen Kantonen.

Überwiegend katholisch sind das Vorderrheintal mit dem Lugnez (ohne Teile der Gruob sowie Waltensburg), das Oberhalbstein (ohne Bivio) und das mittlere Landwassertal (ohne Bergün), das Misox, das Calancatal und das Puschlav.

Überwiegend reformiert sind das Prättigau, das Schanfigg und die Landschaft Davos, im Hinterrheintal das Schams, das Rheinwald und das Avers, im Vorderrheintal das Safiental, Teile der Gruob und die Ortschaft Waltensburg sowie in Südbünden das Engadin (ohne Tarasp und Samnaun), das Bergell und das Münstertal (ohne Müstair).

Konfessionell traditionell gemischt sind die Regionen Fünf Dörfer und Imboden sowie das Domleschg und das Churwaldnertal.

Klöster gibt es in Müstair, Disentis, Cazis und Ilanz.

Von der gesamten Wohnbevölkerung des Kantons Graubünden waren im Jahr 2017 rund 80 Prozent Mitglied einer Landeskirche: 91'051 Personen (46,0 Prozent) waren Mitglied der römisch-katholischen Kirche und 66'533 Personen (33,6 Prozent) waren Mitglied der evangelisch-reformierten Kirche (100 Prozent: 197'888 Personen).[15]

Mit 81,8 Prozent bekennt sich heute (2015) laut einer Umfrage[16] des Bundesamtes für Statistik (BFS) die Mehrheit der Kantonsbevölkerung ab 15 Jahren zum Christentum: 45,1 Prozent sind Angehörige der römisch-katholischen Landeskirche, 32,7 Prozent der evangelisch-reformierten Landeskirche und 4,0 Prozent gehören anderen christlichen Kirchen an. Knapp 3 Prozent gehören anderen Religionen an: 1,8 Prozent bekennen sich zum Islam und weitere 0,8 Prozent zu anderen Religionsgemeinschaften. 14,5 Prozent sind konfessionslos.[17]

Verfassung und Verwaltung


Bisher kennt Graubünden drei kantonale Verfassungen. Die früher gültigen wurden in den Jahren 1854 und 1892 erlassen, die heutige[18] datiert von 2003.

Für die Bundesversammlung entsendet Graubünden wie jeder Vollkanton zwei Vertreter in den Ständerat und gemäss seinem Anteil an der Bevölkerung fünf Abgeordnete in den Nationalrat.

Legislative

Gesetzgebende Behörde ist der Grosse Rat, der 120 Mitglieder zählt und vom Volk gemäss Majorzverfahren fest für vier Jahre gewählt wird. Das Bündner Majorzsystem allerdings ist seit einem Bundesgerichtsurteil im Sommer 2019 umstritten und ein politischer Dauerbrenner. Seit 1937 wurden acht Modelle für eine Verhältniswahl Proporz zur Volksabstimmung vorgeschlagen. Ein einziges Mal, 2003, siegten die Befürworter des Proporzes. Die Abstimmung wurde jedoch nach einer Nachzählung wiederholt und es gewannen wieder die Verfechter des Majorzes. Schliesslich hatten Privatpersonen und kleine Parteien im Jahre 2017 eine Beschwerde beim Bundesgericht eingereicht. Sie verlangten, das Majorzwahlsystem in den 39 Wahlkreisen für die Bestellung des 120-köpfigen Bündner Grossen Rates müsse auf dessen Verfassungsmässigkeit hin geprüft werden. Das Bundesgericht kam zum Schluss: das Majorz-Wahlsystem in Graubünden ist zum Teil verfassungswidrig. Laut diesem entspricht das geltende System für die Wahl des Kantonsparlaments im kleinsten Wahlkreis Avers und in den sechs bevölkerungsreichsten Wahlkreisen Chur, Fünf Dörfer, Oberengadin, Rhäzüns, Davos und Ilanz nicht den verfassungsrechtlichen Anforderungen. Auf Geheiss der Lausanner Richter soll daher das Majorzwahlsystem für die Gesamterneuerungswahlen von Mai 2022 geändert werden. Denkbar wäre laut dem Bundesgericht eine Aufteilung der grössten Wahlkreise. Eine andere Möglichkeit wäre die Einführung eines Mischsystems, bei dem in den grösseren Wahlkreisen das Proporzprinzip angewendet würde und in den kleineren das Majorzwahlsystem bestehen bliebe.

Das Volk ist direkt an der Gesetzgebung beteiligt: 4000 Stimmberechtigte oder ein Siebtel der Gemeinden können eine Änderung der Verfassung verlangen, 3000 Stimmberechtigte oder ein Achtel der Gemeinden ein Gesetz oder eine Gesetzesänderung vorschlagen (Volksinitiative) und 1500 Stimmberechtigte oder ein Zehntel der Gemeinden können verlangen, dass ein vom Grossen Rat erlassenes Gesetz oder eine solche Gesetzesänderung der Volksabstimmung zu unterwerfen sei (Referendum). Änderungen der Verfassung unterliegen obligatorisch der Volksabstimmung.

Partei 120 Sitze Sitzverteilung 2018–2022[19]
FDP.Die Liberalen (FDP) 36
Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) 30
Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) 23
Sozialdemokratische Partei der Schweiz (SP) 19
Schweizerische Volkspartei (SVP) 09
Grünliberale Partei (GLP), fraktionslos 03

Exekutive

Die Regierung (früher: Kleiner Rat) zählt fünf Mitglieder und wird vom Volk ebenfalls im Majorzverfahren auf ebenfalls vier Jahre gewählt. Das Präsidium wechselt jährlich im Turnus.

Mitglieder der Regierung des Kantons Graubünden (Amtsperiode 2019–2022)[20]
Regierungsrat Partei Departement
Peter Peyer SP Departement für Justiz, Sicherheit und Gesundheit DJSG
Christian Rathgeb, Vizepräsident 2019 FDP Departement für Finanzen und Gemeinden DFG
Marcus Caduff CVP Departement für Volkswirtschaft und Soziales DVS
Mario Cavigelli CVP Bau-, Verkehrs- und Forstdepartement BVFD
Jon Domenic Parolini, Regierungspräsident 2019 BDP Erziehungs-, Kultur- und Umweltschutzdepartement EKUD

Leiter der Standeskanzlei ist seit 1. Juli 2017 Daniel Spadin.[20]

Judikative

Die obersten Gerichte des Kantons sind das Kantonsgericht und das Verwaltungsgericht. Das Kantonsgericht ist mit der Rechtsprechung auf den Gebieten des Zivil-, Straf-, Schuldbetreibungs- und Konkursrechts sowie teilweise des Verwaltungs- und Verwaltungsstrafrechts betraut. Das Verwaltungsgericht ist zugleich Verfassungs- und Versicherungsgericht und ist mit der Rechtsprechung auf dem Gebiet des öffentlichen Rechtes betraut. Untere Instanz sind die elf Regionalgerichte (vor 2017 Bezirksgerichte genannt).

Bevor eine Klage bei einem Bezirksgericht eingereicht werden kann, ist in der Regel ein Schlichtungsverfahren durchzuführen. Dafür zuständig sind die Schlichtungsbehörden, deren Vorsitzende im allgemeinen Sprachgebrauch oft Friedensrichter oder Vermittler genannt werden. Im Kanton Graubünden gibt es drei Arten von Schlichtungsbehörden (Artikel 3 Einführungsgesetz zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, kurz EGzZPO): Vermittlerämter (ein pro Bezirk), Schlichtungsbehörden für Mietsachen (eine pro Bezirk) und die kantonale Schlichtungsbehörde für Gleichstellungssachen (eine im Kanton).

Verwaltungseinheiten

Graubünden ist der Kanton, in dem die über hundert politischen Gemeinden – im Jahr 2001 waren es noch 212 – historisch bedingt die wohl ausgeprägteste Gemeindeautonomie der Schweiz haben.

Die Kreise, die aus einer kleinen Zahl Gemeinden oder ausnahmsweise aus einer einzigen Gemeinde bestehen, fungieren heute nur noch als Wahlkreise für den Grossen Rat. Bis Ende 2015 (im Oberengadin noch bis Ende 2017) waren sie jedoch autonome Körperschaften, und die Grossräte wurden bis 2014 teilweise noch an den traditionellen Landsgemeinden gewählt.[21]

Die elf Regionen sind reine Verwaltungsorgane des Kantons und damit ohne innere Autonomie. Sie haben 2016 die bisherigen Bezirke ersetzt.[21]

Diese dreifache Verwaltungsgliederung ist vor dem geschichtlichen Hintergrund zu sehen, dass die politischen Gemeinden in ihrer Mehrheit die Nachbarschaften und die Kreise die Gerichtsgemeinden des früheren Freistaats der Drei Bünde fortsetzen, die Bezirke hingegen eine erst im 19. Jahrhundert vom modernen Kanton Graubünden errichtete Institution sind.[21]

Wirtschaft und Tourismus


Die für die dauerhafte Besiedlung mancher Talschaften unabdingbare Berglandwirtschaft überlebt dank Nischenproduktion, etwa aus dem Anbau von Nutzhanf,[22] sowie Subventionen. Acht Prozent der Bevölkerung arbeiten in der Land- und Forstwirtschaft, wobei 50 Prozent der Betriebe biologisch geführt werden. Das grösste Wachstum nach der Jahrtausendwende erreicht die Exportindustrie,[23] 24 Prozent der Bevölkerung arbeiten in Industrie und Gewerbe. Wichtigster Wirtschaftszweig ist der Dienstleistungssektor und insbesondere der Tourismus mit einem sehr hohen Anteil am Bündner Bruttoinlandsprodukt von rund 14 Prozent.

Der Fremdenverkehr, ursprünglich eine Sommeraktivität, wurde schon 1865 durch die Bündner Erfindung des Wintertourismus[24] ergänzt, die Brennpunkte sind die Regionen Oberengadin, Davos/Klosters, Arosa, Lenzerheide und Flims. Hervorzuheben ist auch der Bädertourismus in Vals, Scuol und Andeer sowie Alvaneu. Graubünden ist der Kanton mit der grössten Dichte an Burgen und weist mit dem Benediktinerinnenkloster St. Johann in Müstair, dem Dorf Soglio und der Kirche von Zillis Kulturgüter von Weltrang auf. Neu dazugestossen ist die Anlage der Rhätischen Bahn im Albulatal. Auch die Bahnstrecke über den Berninapass ist von grosser architektonischer Bedeutung, während die TektonikArena Sardona als Weltnaturerbe gelistet wird. Seit 1991 ist die Salginatobelbrücke der Verbindungsstrasse von Schiers nach Schuders das bislang einzige Weltmonument der Schweiz. Diese Auszeichnung wurde von der ASCE vergeben.

Verkehr


Strassenverkehr

Der Verkehr bestimmte seit dem Altertum die Besiedelung des Kantons. Der Handelsverkehr war ein wichtiger Wirtschaftsfaktor; schon während der Römerzeit querten Karren den Julierpass. 1387 beauftragte der Bischof von Chur den Bergeller Adligen Jakob von Castelmur, den Septimerpass zu einer befahrbaren Strasse auszubauen.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es im Kanton Graubünden Strassen in der Länge von 1000 Kilometern, doch der motorisierte Individualverkehr wurde vehement bekämpft. 1903 erteilte der Kleine Rat (Regierungsrat) nur Autos von Ärzten und Sanitätsfahrzeugen eine Fahrbewilligung auf Bündner Strassen. Am 13. Oktober 1907 stimmten 9110 Stimmbürger gegen die Zulassung von Autos, 2074 waren dafür. Trotzdem setzte der Rat seine frühere Bewilligungspraxis fort und beschloss am 14. Mai 1910, die Strasse von der Tardisbrücke bei Landquart bis Chur ganz dem Verkehr zu öffnen. Eine weitere Volksabstimmung machte diese Bewilligung rückgängig, später wurde ein absolutes Verbot durchgesetzt. 1919 wurden auch Postautokurse auf Bündner Strassen abgelehnt. Erst am 21. Juni 1925 stimmte der Bündner Souverän knapp einer Vorlage zu, die das Befahren der Strassen mit Autos bis acht Plätzen erlaubte.[25]

Die Zulassung von Autos verlangte den Ausbau des Strassennetzes, wofür dem Kanton jedoch die finanziellen Mittel fehlten. Erst 1935 kam die Eidgenossenschaft den Alpenkantonen zu Hilfe und stellte 126 Millionen Franken zur Verfügung, 35 erhielt Graubünden. Damit wurden die vier wichtigsten Alpenstrassen ausgebaut; darunter die «Obere Strasse» über den Julierpass. Das kantonale Strassennetz umfasst heute 597 Kilometer Hauptstrassen und 826 Kilometer Verbindungsstrassen. Die 166 Kilometer Nationalstrassen, bestehend aus A13 und A28 (Prättigauerstrasse), sind am 1. Januar 2008 in die alleinige Verantwortung des Bundes übergegangen.[26] Die Autobahn A13 durchquert den Kanton in Nord-Süd-Richtung.

Wichtigste Pässe zwischen Nord und Süd sind heute der San Bernardino zwischen dem Rheinwald und dem Misox und der Julierpass ins Engadin. Der Motorisierungsgrad (Personenkraftwagen pro 1000 Einwohner) lag im Jahr 2019 bei 575.[27]

Eisenbahn

Die Schweizerischen Bundesbahnen fahren auf Normalspur über Landquart bis Chur. Die wichtigsten Talschaften und Tourismusorte Graubündens werden von der Rhätischen Bahn auf Meterspur bedient. Die Rhätische Bahn fährt auch auf der Linie des Bernina-Express.

Geschichte


Während der Eisenzeit bestanden auf dem Gebiet des heutigen Graubünden vor allem keltische, rätische und lepontische Kulturen. Abgesehen von den italischen Südtälern gehörte das Gebiet von etwa 15 vor unserer Zeitrechnung bis zum 5. Jahrhundert zum Römischen Reich (Provinz Raetia, später Provinz Raetia I). Um 536/537 fiel Rätien (das Gebiet der ehemaligen Provinz Raetia I) an das Fränkische Reich. Um 806/807 wurde das Bistum Chur vom Erzbistum Mailand zum Erzbistum Mainz umgegliedert.

Im 10. und 11. Jahrhundert war Rätien Teil des Herzogtums Schwaben. Im Laufe des Hochmittelalters kam es zur Territorialbildung. Zu den bedeutendsten Territorialherren erwuchsen der Bischof von Chur und das Kloster Disentis. Kleinere Territorien wurden von verschiedenen Grafen und Herren ausgebildet oder erworben. Im Süden erreichte die Familie Visconti eine starke Stellung (später Herzogtum Mailand).

Das Spätmittelalter ist gekennzeichnet durch politische Verselbständigung vieler (Gerichts-)Gemeinden, die viele Souveränitätsrechte an sich binden konnten. Sie vereinigten sich in mehreren Bünden (Gotteshausbund 1367, Oberer oder Grauer Bund 1395, Zehngerichtebund 1436). Diese Bünde fanden sich ab 1450 zu einem eigenständigen staatlichen Gebilde zusammen (Freistaat der Drei Bünde). Die Bünde wurden durch verschiedene Verträge (seit 1497) gleichberechtigter Partner der schweizerischen Eidgenossenschaft (formell als Zugewandter Ort). Seit 1512 verfügten die Bünde über die südlich anschliessenden Untertanengebiete Chiavenna, Veltlin und Bormio.

Die bündnerischen Untertanengebiete fielen 1797 an die Cisalpinische Republik. 1799/1800 kam das verbliebene Gebiet als Kanton Rätien zur Helvetischen Republik, 1803 als Kanton Graubünden zur Schweiz.

Am 5. März 1972 wurde das Frauenstimm- und -wahlrecht eingeführt.

Verwaltungsgliederung


Politische Gemeinden

Nach Angabe des Amtes für Gemeinden des Kantons Graubünden existieren derzeit 105 politische Gemeinden (Stand 1. Januar 2020). Folgende Gemeinden des Kantons zählten im Jahr 2019 mehr als 4'000 Einwohner per 31. Dezember 2018:[28][29]

Politische Gemeinde Einwohner
Chur, Hauptort 35'897
Davos 10'899
Landquart 08889
Domat/Ems 08038
St. Moritz 04928
Ilanz/Glion 04756
Scuol 04591
Klosters-Serneus 04451

Regionen

Der Kanton Graubünden ist seit 1. Januar 2016 in 11 Regionen gegliedert.

Region Einwohner
(31. Dezember 2018)
Fläche
in km²
Anzahl
Gemeinden
BFS-Nr.
Albula 08120 0683,51 07 1841
Bernina 04629 0237,30 02 1842
Engiadina Bassa/Val Müstair 09200 1196,66 05 1843
Imboden 20'970 0203,81 07 1844
Landquart 25'157 0174,67 08 1845
Maloja 18'259 0973,61 12 1846
Moesa 08566 0496,03 12 1847
Plessur 42'315 0285,31 06 1848
Prättigau/Davos 26'083 0853,40 11 1849
Surselva 21'483 1373,54 17 1850
Viamala 13'597 0627,59 25 1851
Total (11) 198'3790 7105,43 1120

Frühere Einteilung – Bezirke und Kreise

Der Kanton Graubünden war zum 31. Dezember 2015 in 11 Bezirke und diese wiederum in 39 Kreise eingeteilt.

Bezirk Anzahl
Gemeinden
Kreise
Albula 16 Alvaschein, Belfort, Bergün, Surses
Bernina 02 Brusio, Poschiavo
Hinterrhein 24 Avers, Domleschg, Rheinwald, Schams, Thusis
Imboden 07 Rhäzüns, Trins
Inn 05 Sur Tasna, Ramosch, Suot Tasna, Val Müstair
Landquart 09 Fünf Dörfer, Maienfeld
Maloja 12 Bergell, Oberengadin
Moesa 14 Kreis Calanca, Misox, Roveredo
Plessur 05 Chur, Churwalden, Schanfigg
Prättigau-Davos 13 Davos, Jenaz, Klosters, Küblis, Luzein, Schiers, Seewis
Surselva 18 Cadi/Disentis, Ilanz, Lumnezia/Lugnez, Ruis, Safien
Total (11) 1250 39

Kultur


Bündner Küche

Der Kanton Graubünden hat eine eigenständige Küche entwickelt, welche sich von anderen Schweizer Regionalküchen unterscheidet. Typische regionale Produkte sind das luftgetrocknete Bündnerfleisch und andere Trockenfleischspezialitäten wie Salsiz oder Andutgel. Typische Gerichte sind Capuns, Plain in Pigna, Pizokel, Maluns, die Bündner Nusstorte sowie die Bündner Gerstensuppe. Als typisches Bündner Getränk gilt der Röteli. Bekannt sind die Weine aus der Bündner Herrschaft, dem grössten Weinbaugebiet des Kantons.

Zwischen 1559 und ca. 1610 entstand in Chur am Bischöflichen Schloss das Kochbuch Ein schön Kochbuch 1559, das als das älteste Kochbuch der Schweiz gilt.

Literatur

Es gibt eine in verschiedenen Idiomen geschriebene rätoromanische Literatur; bekannte Vertreter waren und sind Clo Duri Bezzola, Cla Biert, Arno Camenisch, Göri Klainguti und Tresa Rüthers-Seeli.

Siehe auch


Portal: Graubünden – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Graubünden

Literatur


Weblinks


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Einzelnachweise und Anmerkungen


  1. Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Kanton, definitive Jahresergebnisse, 2018. Bundesamt für Statistik (BFS), 27. August 2019, abgerufen am 18. September 2019 (definitive Jahresergebnisse).
  2. Struktur der ständigen Wohnbevölkerung nach Kantonen. Bundesamt für Statistik (BFS), 26. August 2016, abgerufen am 31. Mai 2017.
  3. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Dezember 2015. (PDF; 807 kB) Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), 8. Januar 2016, S. 9, archiviert vom Original am 12. Januar 2016; abgerufen am 13. Januar 2016.
  4. Rätisches Namenbuch. Begründet von Robert von Planta. Bd. 2. Etymologien. Bearbeitet und herausgegeben von Andrea Schorta. Bern 1964, S. 713 f., 810 f.
  5. Adolf Collenberg: Rätien. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  6. Nach Angaben von Graubünden Tourismus.
  7. Bilanz der ständigen Wohnbevölkerung nach Kanton, definitive Jahresergebnisse, 2018. Bundesamt für Statistik (BFS), 27. August 2019, abgerufen am 18. September 2019 (definitive Jahresergebnisse).
  8. Struktur der ständigen Wohnbevölkerung nach Kantonen. Bundesamt für Statistik (BFS), 26. August 2016, abgerufen am 31. Mai 2017.
  9. Die Lage auf dem Arbeitsmarkt im Dezember 2015. (PDF; 807 kB) Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO), 8. Januar 2016, S. 9, archiviert vom Original am 12. Januar 2016; abgerufen am 13. Januar 2016.
  10. Sprachengesetz des Kantons Graubünden vom 19. Oktober 2006.
  11. Schweizerische Eidgenossenschaft, Bundesamt für Kultur: Fahrende – Anerkennung als nationale Minderheit. (Memento vom 20. Dezember 2007 im Internet Archive)
  12. Renata Coray: Von der Mumma Romontscha zum Retortenbaby Rumantsch Grischun: Rätoromanische Sprachmythen. Institut für Kulturforschung Graubünden ikg, Chur 2008, ISBN 978-3-905342-43-7, S. 86.
  13. Georg Jäger, Florian Hitz: Graubünden. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
  14. Lokale Idiome statt Rumantsch Grischun (Memento des Originals vom 16. Dezember 2013 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.. Tagesschau vom 26. Juli 2011.
  15. SPI St. Gallen: Kirchenmitgliedschaft in der römisch-katholischen und evangelisch-reformierten Kirche nach Kantonen (2017) | Tabelle 1.4. 2018, abgerufen am 5. September 2019.
  16. Seit 2010 basieren die Daten des BFS zu den Religionsgemeinschaften in der Schweiz auf einer Stichprobenerhebung, für welche jeweils schweizweit 200'000 Personen ab dem Alter von 15 Jahren befragt werden. (Siehe hierzu Volkszählung in der Schweiz#Strukturerhebung.) Seit der letzten Volkszählung im Jahr 2000 liegen keine Zahlen zur Religionszugehörigkeit der Gesamtbevölkerung (jeden Alters) mehr vor. Eine Ausnahme bilden die römisch-katholische und evangelisch-reformierte Kirche, deren Mitglieder amtlich registriert werden (unter anderem aufgrund der Kirchensteuer).
  17. Ständige Wohnbevölkerung ab 15 Jahren nach Religion im Kanton Graubünden und der Schweiz, 2010–2015. (XLS; 62 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) Amt für Wirtschaft und Tourismus Graubünden, ehemals im Original ; abgerufen am 4. Juni 2016. (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  18. Verfassung des Kantons Graubünden. In: admin.ch. Schweizerische Bundeskanzlei (BK), abgerufen am 22. Juni 2015.
  19. Rat des Kantons Graubünden. Standeskanzlei Graubünden, abgerufen am 23. April 2019.
  20. a b Regierung des Kantons Graubünden. Standeskanzlei Graubünden, abgerufen am 23. April 2019.
  21. a b c Gebietsreform wird auf 2016 hin umgesetzt – Medienmitteilung der Bündner Standeskanzlei vom 15. Januar 2015.
  22. Ursina Straub: Die Alpenpioniere holen alles aus den Hanfnüssli. In: suedostschweiz.ch. 31. Januar 2019, abgerufen am 4. Februar 2019.
  23. Wirtschaftliche Entwicklung der Regionen ab 1990 (Memento des Originals vom 30. August 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  24. Erfindung des Wintertourismus in St. Moritz (Memento des Originals vom 6. November 2011 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  25. Bündner Kalender 2010, S. 116.
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  27. bfs.admin.ch
  28. Ständige und nichtständige Wohnbevölkerung nach Jahr, Kanton, Bezirk, Gemeinde, Bevölkerungstyp und Geschlecht (Ständige Wohnbevölkerung). In: bfs.admin.ch. Bundesamt für Statistik (BFS), 31. August 2019, abgerufen am 22. Dezember 2019.
  29. Das Amt für Gemeinden ist eine kantonale Dienststelle. Es erfüllt seine Aufgaben im Rahmen der Gemeindeaufsicht, der Gemeindereform und des Finanzausgleichs. Es beaufsichtigt als kantonale Behörde den Finanzhaushalt der Gemeinden und berät sie in grundsätzlichen Fragen der Haushaltsführung sowie in allgemeinen Verwaltungsfragen. Es berät die Gemeinden überdies in Fragen der Strukturreformen und begleiten sie zum Beispiel während eines Fusionsprojekts. Während der Umsetzungsphase eines Zusammenschlusses beraten die kantonalen Behörden die Gemeinden in rechtlichen, organisatorischen und finanziellen Fragen. Kleinere und finanzschwache politische Gemeinden versucht der Kanton Graubünden mit einer zentralisierten Verwaltung von Chur aus zu stützen, zu reformieren oder bei Bedarf zu restrukturieren, was im Laufe der letzten Jahre zu einer grossen Reduktion der Anzahl von Kleingemeinden führte. Den Gemeinden fallen grundsätzlich sehr viele Aufgaben zu, welche die dort lebenden Bewohner unmittelbar im Alltag betreffen. So wie der Kanton Vorschriften des Bundes vollziehen muss, haben die Gemeinden zunächst Aufgaben als Teil des Kantons auszuführen (z. B. die Bereiche Schulwesen, Zivilstandswesen, Feuerwehr, Zivilschutz usw.). Vieles aber muss eine Bündner Gemeinde – auch wenn sie nur wenige Dorfeinwohner und knappe Finanzmittel besitzt – in Eigenregie organisieren. Dies führte insbesondere in den abgelegenen und strukturschwachen Alpinregionen zu einem Verlust entsprechender Ressourcen (u. a. Personal oder Finanzen) und letztendlich zu den durch den Kanton Graubünden geforderten Gemeindefusionen.









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