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Königslinie



Sassnitz–Trelleborg
Spurweite:1435 mm (Normalspur)
Legende
von Malmö (Pågatåg Linie 9)
Trelleborg
Schweden–Deutschland
Fährhafen Sassnitz (bis 1998 vom Bahnhof Sassnitz Hafen, bis 1993 Saßnitz)
nach Stralsund

Als Königslinie (schwedisch Kungslinjen) wird eine Eisenbahnfährverbindung von Sassnitz (Rügen) in Deutschland nach Trelleborg in Schweden bezeichnet. Sie stellte mit einer Fahrtzeit von etwa vier Stunden die kürzeste direkte Fährverbindung zwischen Deutschland und Schweden dar und war in die Europastraße 22 eingebunden. Benannt ist sie nach Kaiser Wilhelm II. als König von Preußen und dem schwedischen König Gustav V.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte


Am 29. April 1897 wurde eine Postdampferlinie Saßnitz–Trelleborg eingerichtet. Eine erste Testfahrt war bereits am 3. Juni 1891 von dem Seitenraddampfer Freia der Stettiner Dampfschiffs-Gesellschaft J. F. Braeunlich durchgeführt worden. Die Freia brachte am 29. April 1897 die schwedischen Ehrengäste zur Eröffnung der Linie nach Saßnitz. Sie und die entsprechenden deutschen Honoratioren fuhren am folgenden Tag auf der schwedischen Rex nach Trelleborg, begleitet von dem deutschen Kreuzer SMS Gefion.[1] Am 1. Mai 1897 begann der planmäßige Betrieb. Anfangs sah der Staatsvertrag zwischen Preußen und Schweden nur eine Abfahrt je Richtung und Tag mit Schnellzuganschlüssen nach Berlin und Stockholm vor. Neben der Freia, die nach der Indienststellung der Odin ab 1902 auf der Postdampferlinie nur noch als Reserveschiff diente, verkehrten die schwedischen Dampfschiffe Rex (bis zu ihrer Strandung im Februar 1900), Svea (ab 1899, als zwei tägliche Abfahrten von Saßnitz und Trelleborg notwendig geworden waren) und Nordstjernan (ab Mai 1900) sowie die Braeunlich-Dampfer Imperator (ab 1897), Germania (1899–1902), Odin (ab 1902) und Hertha (ab 1905) auf der Linie.[2]

Aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens wurde beschlossen, die Postfähre in eine Eisenbahnfähre umzuwandeln, wozu der Bahnhof Saßnitz Hafen errichtet wurde. Nach dem Abschluss des Vertrages vom 15. November 1907 über die Einrichtung einer Eisenbahnfährverbindung zwischen dem Deutschen Reich und Schweden wurden von beiden Staaten zunächst je zwei Fährschiffe gebaut. Ab 1909 kamen auf deutscher Seite die von der AG Vulcan Stettin gebauten Eisenbahnfährschiffe Preußen und ihr Schwesterschiff Deutschland und auf schwedischer Seite die Fährschiffe Drottning Victoria und Konung Gustav V zum Einsatz. Nach den neuen Anforderungen entsprechenden umfangreichen Umbaumaßnahmen am damaligen Fährhafen Saßnitz zwischen 1908 und 1912 unter der Leitung von Hermann Proetel benutzte bereits am 6. Juli 1909 der erste Zug die neue Fähre in Anwesenheit des schwedischen Königs und des deutschen Kaisers. Dies gilt als „eigentlicher“ Eröffnungstermin für die Königslinie.

Im November 1911 wurde eine Funkverbindung zwischen Saßnitz, Trelleborg und den Fährschiffen eingerichtet, was eine erhöhte Sicherheit während der Überfahrt mit sich brachte. Zu gleicher Zeit wurde damit begonnen, am Kap Arkona ein Seefunkfeuer zu betreiben, um die Navigation auf der Fährlinie zu verbessern.

1931 wurde zur Verstärkung von beiden Ländern das unter schwedischer Flagge fahrende Fährschiff Starke angeschafft, das zudem als Eisbrecher eingesetzt werden konnte.

1936 wurde der Rügendamm eröffnet. Damit entfiel der zusätzliche zeitraubende Fährtransport zwischen Stralsund und Altefähr auf Rügen, wodurch die Fahrtzeit um eine Stunde verkürzt werden konnte.

Im Zweiten Weltkrieg stellten die Fähren der Königslinie mehrfach den Verkehr ein. Auf der Route wurde nun unter anderem Nachschub für die in Norwegen stationierten deutschen Truppen befördert. Wegen der Zerstörung des Rügendamms und des Fährhafens in Saßnitz ruhte der Verkehr nach dem Kriegsende insgesamt drei Jahre. Am 16. März 1948 wurde der internationale Fährverkehr wieder aufgenommen.

Als 1952 Baubeginn für den Rügenhafen war, wies das sowjetische Militär zur Aufrechterhaltung der Geheimhaltung die Deutsche Reichsbahn an, den Eisenbahnfährverkehr ab dem 4. Oktober 1952 zu unterbrechen. Dies dauerte bis zum 16. August 1953 und ging als „Sassnitzer Blockade“ in die Regionalgeschichte ein.[3]

Mit dem Einsatz des viergleisigen Fährschiffs Trelleborg begann 1958 die Zeit der Großfähren mit Autotransport auf der Ostsee. Für dieses mussten die Fährbetten und -brücken erweitert werden.

Täglich wurden zwei bis vier Schnellzugpaare (Tageszug Berlinaren, Nachtzug Saßnitz-Express, nach der Verlegung in den Fährhafen Mukran Nils Holgersson) zwischen Stockholm und Berlin, später nur noch MalmöBerlin Ostbahnhof transportiert. Ab 1962 fuhren Zubringerzüge von West-Berlin (Bf Zoo), später durchgehende Kurswagen. Bis zum Ende der 1970er Jahre verkehrte der Meridian zwischen Belgrad und Malmö. Nachdem der Meridian nur noch zwischen Berlin und Belgrad fuhr, wurde er durch ein Saisonzugpaar Csardas von und nach Budapest ersetzt. Zeitweise verkehrte der Zug Berlinaren als Schnelltriebwagen (DR-Baureihe 175). Die Züge wurden bis zur politischen Wende in der DDR überwiegend von Skandinaviern, West-Berlinern und Diplomaten benutzt.

Ende der 1960er Jahre gab es Planungen, die Fähren auf DDR-Seite statt von Saßnitz von einem neu zu bauenden Hafen Mövenort an der Nordseite der Insel Rügen mit einem Fährbahnhof Rügen Nord abfahren zu lassen. Die Fährzeit von Rügen nach Trelleborg hätte sich um eine Stunde verkürzt. Dieses Projekt wurde nicht verwirklicht.[4]

Seit 1998 verkehren die Fährschiffe nicht mehr vom alten Fähranleger im Stadthafen aus, sondern vom neuen Fährhafen Sassnitz im etwas weiter südlich gelegenen Mukran. Der Personenverkehr mit Eisenbahnwagen wurde immer mehr reduziert. Die letzten Tageszüge verkehrten am 9. Juni 2001 mit dem Ende des Winterfahrplanes 2000/2001. Heute werden nur sporadisch die Liegewagen des von den privaten Verkehrsunternehmen Georg Verkehrsorganisation und Transdev GmbH betriebenen und saisonal verkehrenden Zugpaares Berlin-Night-Express Malmö–Berlin transportiert.

Mitte Juni 2014 wurde der Güterverkehr mit Eisenbahnwagen von und nach Sassnitz eingestellt und auf die Linie Rostock–Trelleborg verlegt.[5]

Nachdem es lange bis zu zwei Abfahrten pro Richtung und Tag gegeben hatte, wurde die Linie ab dem 18. September 2018 nicht mehr täglich bedient.[6]
Am 14. März 2020 wurde wegen der COVID-19-Pandemie der Fährverkehr auf dieser Route eingestellt. Am 8. April 2020 gab Stena Line bekannt, dass eine dauerhafte Schließung vorgesehen sei.[7][8]

Betreiber


Die Königslinie wurde zuerst von den jeweiligen Staatsbahnen Schwedens und Deutschlands bzw. der DDR betrieben. 1991 ging der Betrieb auf schwedischer Seite an die SweFerry AB über. Auf deutscher Seite wurde das Fährgeschäft der Deutschen Reichsbahn 1994 an die Deutsche Fährgesellschaft Ostsee (DFO) übertragen, die 1998 in der deutsch-dänischen Reederei Scandlines aufging.

Stena Line übernahm im Jahr 2000 die SweFerry und gründete für den gemeinsamen Fährverkehr mit Scandlines die schwedische Scandlines AB. Damit waren alle Schiffe unter dem einheitlichen Erscheinungsbild von Scandlines im Einsatz, obwohl sie zu unterschiedlichen Gesellschaften gehörten.

2012 verkaufte Scandlines ihren Anteil der Königslinie an die Stena Line, die zum alleinigen Betreiber der Königslinie wurde. Die Schiffe trugen dann auch die Lackierung von Stena Line.

Fährschiffe


Die Fährschiffe der Königslinie haben sich in den über 100 Jahren des Betriebes der Königslinie stark entwickelt. Die ersten fünf Fähren wurden von Dampfmaschinen angetrieben; erst nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Dieselmotoren zum Einsatz. Die ersten vier Schiffe hatten zwei Gleise mit bis zu 165 m Gesamtlänge. Die Starke war das erste Schiff mit drei Gleisen (230 m), die Trelleborg (1958) hatte erstmals vier Gleise (403 m) und die 1973 gebaute Götaland war das erste Schiff mit fünf Gleisen und über 500 Metern Gleislänge. Die ersten Fähren hatten nur ein Deck für Eisenbahnfahrzeuge, das später auch für Straßenfahrzeuge genutzt wurde. Erst die Trelleborg erhielt 1958 ein eigenes Pkw-Deck. In den 1970er Jahren wurden zusätzlich Fähren eingesetzt, die vorrangig für den Güterverkehr konzipiert waren.

Folgende Fährschiffe wurden auf der Königslinie regelmäßig eingesetzt:

Sonderbriefmarken


Zum siebzigjährigen Jubiläum der Eisenbahnfährverbindung Saßnitz–Trelleborg wurde 1979 von der Deutschen Post ein Zusammendruck mit einem dazwischenliegenden Zierfeld ausgegeben.

2009 gab die Deutsche Post AG anlässlich des seit 100 Jahren bestehenden Fährverkehrs mit dem Erstausgabetag 2. Juli 2009 eine Sonderbriefmarke heraus. Die Briefmarke im Wert von 145 Cent basiert auf dem Entwurf von Jochen Bertholdt aus Rostock und zeigt eine Ansicht der Sassnitzer Fähranlagen in den 1920er Jahren. Zwei Sonderstempel der Stempelstellen Berlin und Bonn waren für den Erstausgabetag vorgesehen. Außerdem fand am 6. Juli 2009 ab 7:45 Uhr eine Sonderfahrt des Fährschiffs Sassnitz von Mukran nach Trelleborg statt, mit traditionellem Zwischenstopp im Stadthafen von Sassnitz.

Andere Fährverbindungen


Literatur


Weblinks


Einzelnachweise


  1. Insel Usedom – der Seitenraddampfer Freia (Memento vom 14. Mai 2012 im Internet Archive)
  2. Braeunlich-Schiffe auf dem Weg nach Skandinavien (Memento vom 19. November 2011 im Internet Archive)
  3. Als die DDR Rügen für die Rüstung opfern wollte. in: Hamburger Abendblatt, 26. Juli 2018, S. 10.
  4. Günter Meyer, Rudi Dobbert: Das Projekt 3700. Zur Vorgeschichte des Fährhafens Mukran auf Rügen. In: Verkehrsgeschichtliche Blätter Heft 6/2012, S. 167/168
  5. Stena Line verlagert Eisenbahnverkehr von Sassnitz nach Rostock.
  6. Stena Line: Fahrplan Sassnitz-Trelleborg
  7. Medienmitteilung von Stena Line zur Einstellung der Linie
  8. Eckhard-Herbert Arndt: „Königslinie“ droht das aus · Covid-19-Folgen treffen auch diese Fähr-Achse · Stena-Gruppe vor Radikalkur. In: Täglicher Hafenbericht vom 9. April 2020, S. 1
  9. „Königslinie“: Fähre weg. 28. April 2020, abgerufen am 29. April 2020.
  10. Rodtock–Trelleborg Stena Line, abgerufen am 28. April 2020



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