Königsberg (Biebertal) - de.LinkFang.org

Königsberg (Biebertal)




Königsberg
Gemeinde Biebertal
Höhe: 376 (293–403) m ü. NHN
Fläche: 1,27 km²[1]
Einwohner: 900[2]
Bevölkerungsdichte: 711 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Dezember 1970
Postleitzahl: 35444
Vorwahl: 06446
Königsberg – links der Mitte Burg und Kirche, rechts der Dünsberg

Königsberg ist ein Ortsteil der Gemeinde Biebertal im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Inhaltsverzeichnis

Geografische Lage


Königsberg liegt im Gleiberger Land. Es ist der höchstgelegene Ortsteil der Gemeinde. Nahe bei Königsberg entspringen zwei rechte Nebenflüsse der Lahn, der Bieber-Quellfluss Strupbach im Norden und der unmittelbare Zufluss Schwalbenbach im Süden.

Geschichte


Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Königsberg erfolgte im Jahr 1260 unter dem Namen Königsberg im Urkundenbuch der Deutschordensballei Hessen.[1] Ab 1500 hette es Stadtrechte. Zum Amt Königsberg gehörten die Orte Bischoffen, Frankenbach, Naunheim, Waldgirmes, Niederweidbach, Oberweidbach, Roßbach und Wilsbach.

Auf Burg Königsberg residierte das Grafengeschlecht von Solms-Königsberg. Die Evangelische Kirche Königsberg wurde im Dreißigjährigen Krieg völlig zerstört. Der dann errichtete Neubau aus dem Jahr 1654 wurde erst 1961 wieder völlig renoviert, eine weitere Renovierung erfolgte 1994. Bei dieser Gelegenheit wurden die ursprünglichen Farben der Kirche wieder hergestellt.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Königsberg :

„Königsberg (L. Bez. Giessen) Stadt; liegt 212 St. von Giessen, auf einer Anhöhe die 1529 Hess. (1176 Par.) Fuß über der Meeresfläche erhaben ist, und an deren Fuße der Konzbach fließt. Der Ort hat 86 Häuser und 475 Einwohner, die außer 21 Mennoniten evangelisch sind. Man findet 1 Kirche, 1 Amthaus, 1 Rathhaus, 2 Höfe und in der Nähe auf einer Basaltkuppe, die Ruinen des alten Schlosses Hohensolms, sodann große Kalkbrennereien und ein beträchtliches Eisenbergwerk, das einen dichten Rotheisenstein liefert, der in der Ludwigshütte bei Biedenkopf geschmolzen wird. Bei Königsberg wurden in frühern Zeiten viele römische Münzen gefunden und in der 12 St. entfernten sogenannten Obermühle, wurde 1717 der berühmte Kupferstecher Will geboren, der 1808, als Legionär des Ehrenkreuzes zu Paris gestorben ist. – Ein Markwart von Solms, der seit 1226 vorkommt, ist wahrscheinlich der Erbauer von Königsberg und des Schlosses Hohensolms, da er der Stifter der Linie des Solmsischen Hauses, die hier ihren Sitz hatte, gewesen ist. Das Schloß soll 1328 von dem Hessischen Prinzen Heinrich zerstört worden seyn. Philipp von Solms, der letzte dieser Linie, wollte nach Recht und Billigkeit in die Besitzungen seiner Linie allein eintreten, fand aber hierin bei seinen Agnaten Widerspruch, und schloß sich deshalb an Hessen an. Philipp hatte einen einzigen Sohn, Reinbold, der 1350 starb. Philipp der nun kinderlos war, verkaufte dem Landgrafen Heinrich II. das Schloß mit allem Zugehör, um 2000 fl. erhielt für sich seine Gemahlin eine lebenslängliche Rente von 300 fl. auf die Städte Alsfeld und Grünberg, sollte im lebenslänglichen Besitz des Schlosses und seines Zugehörs bleiben, und dem Landgrafen nur die Oeffnung freistehen. Im Jahr 1357 kam ein Burgfrieden zu Stand und im folgenden Jahre starb Philipps Gemahlin Amene. Im Jahr 1357 kam ein neuer Vertrag zu Stande, in Folge dessen, dem Landgrafen, gegen die Auszahlung von weiteren 1000 fl., das Schloß Königsberg mit allem Zugehör eingeräumt wurde, und daß sich der Landgraf in wirklichen Besitz des Schlosses setzte, wird eine Urkunde von 1360 gewiß, nach welcher er den Ritter Joh. Merz Cristeln zum Burgmann aufnahm. Philipp erscheint 1363 zum letztenmal und 1364 und 1365 kommt seine zweite Gemahlin Lysa in Urkunden allein vor.“[3]

Gebietsreform

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schloss sich die selbstständige Gemeinde Königsberg (Landkreis Wetzlar) am 1. Dezember 1970 freiwillig mit den Gemeinden Fellingshausen, Krumbach, Rodheim-Bieber und Vetzberg zur neuen Großgemeinde Biebertal zusammen.[4] Für Königsberg wurde wie für alle ehemals eigenständigen Gemeinden wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet.[5] Der Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Rodheim-Bieber.

Historische Namensformen

In erhaltenen Urkunden wurde Königsberg unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung):[1]

Territorialgeschichte und Verwaltung

Die folgende Liste zeigt im Überblick die Territorien, in denen Königsberg lag, bzw. die Verwaltungseinheiten, denen es unterstand:[1][6][7]

Gerichte seit 1803

In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Königsberg das „Amt Königsberg“ zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.

Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. „Stadtgericht Gießen“ war daher von 1821 bis 1866 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Königsberg zuständig war.

Nach der Abtretung des nordwestlichen Teil des Landkreis Gießen und mit ihm Königsberg an Preußen, infolge des Friedensvertrags vom 3. September 1866 zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Preußen wurde Königsberg vom Stadtgericht Gießen abgetrennt.[14] Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung im vormaligen Herzogtum Nassau und den vormals zum Großherzogtum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[15] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Landgerichts in Amtsgericht Gladenbach und die Zulegung Königsberg zu diesem Gericht. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Dillenburg und das Appellationsgericht Wiesbaden.[16] Aufgrund des Gerichtsverfassungsgesetzes 1877 kam es mit Wirkung zum 1. Oktober 1879 zum Wechsel des Amtsgerichts in den Bezirk des neu errichteten Landgerichts Marburg.[17] Mit dem Wechsel Königsberg 1932 in den Kreis Wetzlar, wechselt es auch in den Bereich des Amtsgerichts Wetzlar. Am 1. August 1979 wechselt Königsberg mit der Gemeinde Biebertal zum Bereich des Amtsgerichts Gießen. Die übergeordneten Instanzen sind jetzt das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.

Einwohnerentwicklung

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1577: 26 Haushaltungen
• 1629: 40 Haushaltungen
• 1742: 73 Haushaltungen
• 1791: 458 Einwohner[10]
• 1800: 465 Einwohner[18]
• 1806: 371 Einwohner, 80 Häuser[12]
• 1829: 475 Einwohner, 86 Häuser[3]
Königsberg: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2011
Jahr  Einwohner
1791
  
458
1800
  
465
1806
  
371
1829
  
475
1834
  
452
1840
  
468
1846
  
493
1852
  
457
1858
  
557
1864
  
534
1871
  
510
1875
  
488
1885
  
517
1895
  
502
1905
  
506
1910
  
510
1925
  
581
1939
  
490
1946
  
675
1950
  
635
1956
  
611
1961
  
667
1967
  
714
1970
  
711
1980
  
?
1990
  
?
2000
  
?
2011
  
843
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]; Zensus 2011[19]

Religionszugehörigkeit

 Quelle: Historisches Ortslexikon[1]

• 1885: 510 evangelische, ein katholischer, 6 andere Christen
• 1961: 512 evangelische (= 76,76 %), 93 katholische (= 13,94 %) Einwohner

Sehenswürdigkeiten


Verkehr


Durch den Ort führt die Landesstraße 3474. Den öffentlichen Personennahverkehr betreibt der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV).

Persönlichkeiten


Literatur


Weblinks


Commons: Königsberg (Biebertal)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. a b c d e f g Königsberg, Landkreis Gießen. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 14. Februar 2020). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Der Ortsteil im Internetauftritt der Gemeinde Biebertal (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive), abgerufen im September 2015.
  3. a b Georg Wilhelm Justin Wagner: Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen: Provinz Oberhessen. Band 3. Carl Wilhelm Leske, Darmstadt August 1830, OCLC 312528126 , S. 148 f. (Online bei google books ).
  4. Gerstenmeier, K.-H. (1977): Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen. S. 282. DNB 770396321
  5. Hauptsatzung der Gemeinde Biebertal. (PDF; 22 kB) S. §5, abgerufen im Februar 2019.
  6. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte von der Reichseinigung 1871 bis zur Wiedervereinigung 1990. Land Hessen. (Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006).
  7. Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434 , OCLC 162730471 , S. 12 ff. (Online bei google books ).
  8. Die Zugehörigkeit des Amtes Homberg an der Ohm anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: Hessen-Marburg 1567–1604. , Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt 1604–1638. und Hessen-Darmstadt 1567–1866.
  9. a b Grossherzogliche Centralstelle für die Landesstatistik (Hrsg.): Beiträge zur Statistik des Großherzogtums Hessen. Band 13. G. Jonghause's Hofbuchhandlung, Darmstadt 1872, DNB 013163434 , OCLC 162730471 , S. 27 ff., § 40 Punkte 1&1#41; und 6b&1#41; (Online bei google books ).
  10. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1791. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1791, S. 202 ff. (Online in der HathiTrust digital library ).
  11. Wilhelm von der Nahmer: Handbuch des Rheinischen Particular-Rechts: Entwickelung der Territorial- und Verfassungsverhältnisse der deutschen Staaten an beiden Ufern des Rheins : vom ersten Beginnen der französischen Revolution bis in die neueste Zeit. Band 3. Sauerländer, Frankfurt am Main 1832, OCLC 165696316 , S. 8 f., 428 (Online bei google books ).
  12. a b Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1806. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1806, S. 266 ff. (Online in der HathiTrust digital library ).
  13. Neuste Länder und Völkerkunde. Ein geographisches Lesebuch für alle Stände. Kur-Hessen, Hessen-Darmstadt und die freien Städte. Band 22. Weimar 1821, S. 420 (online bei Google Books ).
  14. Art. 14 des Friedensvertrages zwischen dem Großherzogthum Hessen und dem Königreiche Preußen vom 3. September 1866 (Hess. Reg.Bl. S. 406–407 )
  15. Verordnung über die Gerichtsverfassung in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim vom 26. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1094–1103 )
  16. Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 26. Juni d. J. in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen, mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim, zu bildenden Gerichte (Pr. JMBl. S. 218–220 )
  17. Verordnung, betreffend die Errichtung der Amtsgerichte vom 26. Juli 1878 (PrGS 1878, S. 275–283 )
  18. Hessen-Darmstädter Staats- und Adresskalender 1800. Im Verlag der Invaliden-Anstalt, Darmstadt 1800, S. 220 ff. (Online in der HathiTrust digital library ).
  19. Ausgewählte Daten über Bevölkerung und Haushalte am 9. Mai 2011 in den hessischen Gemeinden und Gemeindeteilen. (PDF; 1 MB) In: Zensus 2011. Hessisches Statistisches Landesamt








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Stand der Informationen: 02.07.2020 11:36:11 CEST

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