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Joseph Emanuel Fischer von Erlach




Joseph Emanuel Fischer von Erlach, auch genannt Fischer von Erlach der Jüngere (getauft 13. September 1693 in Wien; † 29. Juni 1742 ebenda) war österreichischer Architekt des Barock, Rokoko und Barockklassizismus.

Inhaltsverzeichnis

Leben


Als zweiter Sohn des ihn stets überschattenden Vaters Johann Bernhard Fischer von Erlach kann er zunächst in den väterlichen Werkstätten seine Begabung entwickeln. Um 1711 zeichnete er die Projekte seines Vaters (z. B. Palais Dietrichstein, Palais Trautson, Böhmische Hofkanzlei, Stadtpalais Schwarzenberg) und half auch bei der Fertigstellung der Publikation „Entwurf einer historischen Architektur“, in dessen 4. Band viele Zeichnungen von ihm stammen. Auf diese Weise kommt er bereits früh in Kontakt mit den adeligen Auftraggebern seines Vaters und mit moderner und historischer Architektur. Sein Vater veranlasst Joseph Emanuel auch zur Zusammenstellung der Publikation „Prospekte und Abrisse einiger Gebäude von Wien, daselbst gezeichnet von J.E.F.v.E.“, mit einem Vorwort des Hofantiquars Carl Gustav Heraeus. Diese Publikation wird später von Salomon Kleiner weitergeführt.

Er erhält Unterricht von Gottfried Wilhelm Leibniz, der sich bis 1714 in Wien aufhält und mit Joseph Emanuels Vater verkehrt. Beide erwirken von Kaiser Karl VI. ein Reisestipendium für Joseph Emanuel. Dieses führt ihn 1713/14 nach Italien, wo er unter anderem den bekannten Archäologen Francesco de Ficoroni begleitet. 1717–1719 hält er sich in Frankreich beim französischen Hofbaumeister Robert de Cotte, beim Architekten Germain Boffrand und beim Philologen Bernard de Montfaucon auf. Daneben war er auch in Leyden und in London, wo er die neu erfundenen Feuermaschinen studierte und möglicherweise auch auf Isaac Newton traf. Der Konstrukteur Isaac Potter folgte ihm zurück nach Österreich.

Als hervorragend ausgebildeter Architekt und Bautechniker kehrte er 1722 nach Wien zurück und suchte um die Stelle eines Hofarchitekten an, die er im Dezember 1722 auch erhielt. Nach dem Tod seines Vaters 1723 erhielt Johann Lucas von Hildebrandt die Stelle des ersten Hofarchitekten; 1725 gelingt es Joseph Emanuel, diese Stelle zu übernehmen, wohl mit Hilfe seines mächtigen Gönners, dem Hofbaudirektor Graf Gundaker von Althan, der von Joseph Emanuel die offenen Projekte seines Vaters fertigstellen lassen will. 1729 wird er zum kaiserlichen Hofkammerrat ernannt. Im Laufe seines Schaffens widmet er sich immer stärker seiner technischen Begabung und so dem Bau von Dampfmaschinen, die vorwiegend in Zusammenhang mit Bergwerken hervorragende Dienste verrichten. 1735 wird er deshalb mit dem Titel eines Barons belohnt.

1727 heiratete er Maria Anna von Dietrich, mit der er sieben Kinder hatte. Er wohnte im Gerstenbrandischen Haus beim Kärntner Tor, besaß eine bedeutende Kunstsammlung und eine umfangreiche Bibliothek. Seine Gattin starb 1740 und er selbst 1742 an schwerem Fieber. Er hinterließ ein gewaltiges Vermögen von 130.000 Gulden.

Arbeit


Er führte einige Projekte seines Vaters weiter, namentlich die Karlskirche, die Hofbibliothek und den Winterreitschultrakt der Hofburg.

Auf ihn geht auch die Planung des Traktes der Hofburg zum Michaelerplatz zurück, der erst in den Jahren 1889–1893 von Ferdinand Kirschner (mit leichten Veränderungen) gebaut wurde, da das Hofburgtheater im Weg stand. Auf denselben Plänen basiert auch die Königliche Bibliothek, im Volksmund Kommode in Berlin, die 1775 bis 1780 von Georg Christian Unger erbaut wurde.

1728 löste er Johann Lucas von Hildebrandt beim Bau des Reichskanzleitraktes der Hofburg ab.

Ansonsten sind wenige eigene Werke gesichert – dies hat aber auch mit unklaren Zuschreibungen zu tun. Zu nennen sind hier das 1847 abgerissene Palais Althan in Wien-Landstraße, das Corps de Logis des Schlosses Eckartsau und Schloss Thürnthal bei Fels am Wagram.

Bedeutung


Im Gegensatz zu seinem Vater, der stets tektonisch dachte, ist beim jüngeren Fischer durchaus ein Denken in Fassaden zu beobachten. Diese Fassaden sind aber anders als bei Hildebrandt und seinen zahlreichen Nachfolgern ohne überschwängliche Ornamentik, sondern klar und rational gegliedert. Er gilt als der österreichische Architekt, der sich dem gleichzeitigen westeuropäischen Klassizismus am weitesten genähert hat und somit auch als einziger Nachfolger seines Vaters.

Werke


Das lange Zeit ihm zugeschriebene Schloss Riegersburg stammt von Franz Anton Pilgram.

Der kaiserliche Steinbruch

Vor allem tragende Architekturteile wurden aus härtestem Kaiserstein gearbeitet, so sind auch von diesem bedeutenden Architekten große Steinmetzaufträge an die Kaisersteinbrucher Meister dokumentiert.[1][2]

Literatur


Weblinks


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Einzelnachweise


  1. Namentlich genannt wurden (Auswahl) Elias Hügel Fertigstellung der Karlskirche, Vermählungsbrunnen am Hohen Markt, Balkone Reichskanzleitrakt. Nach Fischers Plänen wurde 1889 der Michaelertrakt der Hofburg errichtet. Dabei ist härtester Kaiserstein für sehr große Balkonplatten dokumentiert, von Ferdinand Krukenfellner mit dem Zeindlerstein und Firma Amelin in: Helmuth Furch, Historisches Lexikon Kaisersteinbruch. Band 2 I–Z, Index Hügel Elias, Amelin Ferdinand, Krukenfellner Ferdinand. Museums- und Kulturverein Kaisersteinbruch, Bruckneudorf-Kaisersteinbruch 2004.
  2. Historisches Lexikon Kaisersteinbruch. Band 2 I–Z. PDF.



Kategorien: Architekt (Wien) | Architekt des Barock | Spanische Hofreitschule | Joseph Emanuel Fischer von Erlach | Person (Habsburgermonarchie vor 1804) | Geboren 1693 | Gestorben 1742 | Mann



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