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Joachim Israel

Joachim Israel (* 9. Juni 1920 in Karlsruhe; † 15. Mai 2001 in Halmstad, Schweden) war ein aus Deutschland emigrierter schwedischer Soziologe, Sozialpsychologe und kritischer Gesellschaftstheoretiker.

Inhaltsverzeichnis

Leben


Weil Joachim Israel im Alter von 16 Jahren wegen seiner jüdischen Herkunft der weitere Besuch des Gymnasiums untersagt wurde, wechselte er 1936 zu der von der zionistisch-sozialistischen Chaluzbewegung gegründeten jüdischen Internatsschule in Niederlausitz, um sich intellektuell und praktisch auf die Arbeit in einem Kibbuz in Palästina vorzubereiten.

Als eine Auswanderung nach Palästina unmöglich wurde, emigrierte er 1938 nach Schweden, wo er fünf Jahre lang als Landarbeiter tätig war, bis er ein Studium in Philosophie, Soziologie und Psychologie an der Universität Stockholm aufnehmen konnte.

1952 wurde er in Stockholm promoviert und habilitierte sich 1956 in Soziologie. Danach lehrte er als Professor an den Universitäten Uppsala, Kopenhagen und Lund, wo er auch über seine Emeritierung 1986 hinaus Vorlesungen in Soziologie und Philosophie anbot. Gastprofessuren führten ihn in die USA, nach Norwegen, Israel, Australien und Deutschland. 1989 nahm er die Franz-Rosenzweig-Gastprofessur an der Universität Kassel wahr.

Wirken


Joachim Israel gehört zu den international bekanntesten Theoretikern einer philosophisch fundierten Soziologie. Seine Bücher liegen in viele Weltsprachen übersetzt vor. In deutscher Sprache erschienen – zum Teil als Taschenbücher in hohen Auflagen –: Der Begriff Entfremdung (1972), Die sozialen Beziehungen (1977), Der Begriff Dialektik (1979), Sprache und Erkenntnis (1990). Seit seinen Jugendjahren hatte sich Joachim Israel der Philosophie Martin Bubers angeschlossen, daher widmete er seine Franz-Rosenzweig-Gastvorlesung in Kassel dem Werk Bubers: Martin Buber: Dialogphilosophie in Theorie und Praxis (1995). Posthum wurde auch seine grundlegende Einführung Handlung und Interaktion (2003) in deutscher Übersetzung veröffentlicht.

Israel bemühte sich darum, allgemeinverständlich zu schreiben und soziologische Fachsprache zu meiden. Das gesamte Manuskript zu Die sozialen Beziehungen ließ er den Volvo-Fließbandarbeiter Robert Björkenvall lesen und kritisieren. Im Vorwort bedankt er sich bei ihm für „Intoleranz gegen jeden technischen, soziologischen Jargon.“[1]

Seine Arbeiten befassen sich mit zentralen Problemen im Schnittfeld von Philosophie, Soziologie, Sozialpsychologie und Sprachwissenschaft. Die Spannweite der Themen, die Joachim Israel bearbeitete, reicht von wissenschaftstheoretischen Abhandlungen zu konkreten empirischen Sozialanalysen – Theorie und Praxis bleiben immer aufeinander bezogen. Ein besonderes Anliegen seiner wissenschaftstheoretischen Aufgaben sah er in der Vermittlung der dialektischen Philosophie von Hegel und Marx mit der anglo-amerikanischen Sprach- und Sozialwissenschaft.

Regelmäßig schaltete Israel sich auch praktisch ein in prinzipielle politische Angelegenheiten, wie die Verständigung über die Anliegen der Palästinenser, und untersuchte als Mitglied eines internationalen Ausschusses den Tod Ulrike Meinhofs im Gefängnis.[2]

Schriften (Auswahl)


Weblinks


Einzelnachweise


  1. Joachim Israel: Die sozialen Beziehungen, Reinbek bei Hamburg, 1977, Vorwort, ohne Seitenzahl.
  2. Pieter Bakker Schut: Stammheim. Der Prozeß gegen die Rote Armee Fraktion, S. 619, Kiel 1986



Kategorien: Soziologe (20. Jahrhundert) | Soziologe (21. Jahrhundert) | Emigrant aus dem Deutschen Reich zur Zeit des Nationalsozialismus | Sozialpsychologe | Hochschullehrer (Universität Kopenhagen) | Hochschullehrer (Universität Lund) | Hochschullehrer (Universität Uppsala) | Schwede | Geboren 1920 | Gestorben 2001 | Mann

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Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Joachim Israel (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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