Jeremia - de.LinkFang.org

Jeremia

Nevi’im (Propheten) des Tanach
Vordere Propheten
Hintere Propheten
Schriftpropheten
des Alten Testaments
Große Propheten
Kleine Propheten
Namen nach dem ÖVBE
Kursiv: Katholischer Deuterokanon

Jeremia (auch Jeremias; hebräisch יִרְמְיָהוּ Jirməjā́hû, auch יִרְמְיָה Jirməjâ; griechisch Ἰερεμίας Ieremías) ist einer der großen Schriftpropheten des Tanach (hebräische Bibel) und damit des Alten Testaments. Seit dem Mittelalter wird das Buch in 52 Kapitel unterteilt. Traditionell gilt Jeremia auch als Verfasser der Klagelieder Jeremias.[1]

Inhaltsverzeichnis

Etymologie


Der hebräische Name Jeremia wird im MT hauptsächlich יִרְמְיָהוּ jirməjāhû geschrieben (mit der Variante יִרְמְיָה jirməjāh in Jer 27,1 EU ). Es handelt sich um einen Satznamen. Das Subjekt (das theophore Element יָהוּ jāhû oder יָה jāhû) ist JHWH, das Prädikat gehört zur Wurzel רומ rwm „erheben / erhöhen“. Der Name bedeutet daher „JHWH möge erheben“.

Diese Übersetzung geht davon aus, dass der Name als יְרִמְיָהוּ jərimjāhû zu lesen ist, wie auch die Septuaginta den Namen stets als ιερεμιας ieremias wiedergibt. Andernfalls müsste nämlich der Name von der Wurzel רמה rmh „werfen / schießen / im Stich lassen / verraten“ abgeleitet werden, aber die sich daraus ergebende Übersetzung des Namens mit „JHWH möge werfen / schießen / im Stich lassen / verraten“ ergibt keinen Sinn.[2]

Historische Zuordnung


Laut den Angaben zu Beginn des Jeremiabuches wurde der Prophet von Gott im 13. Regierungsjahr eines Königs Joschija (siehe Jer 1,2 EU ) berufen, was etwa dem Jahr 626 oder 627 v. Chr. entspricht. Die Datierung ist von den verwendeten Modellen abhängig.[3] Es wird über sein Wirken zur Zeit der Könige Joschija, Joahas, Jojakim, Jojachin und Zedekia in Jerusalem berichtet, was vermutlich bis 585 v. Chr. dauerte. Er predigte dem Volk Israel Bekehrung und Umkehr zu JHWH und prophezeite jahrelang den Untergang Jerusalems und des Tempels, der im Jahr 586 v. Chr. durch den babylonischen König Nebukadnezar II tatsächlich eintrat.

Das Buch ist eine wichtige Quelle für die Geschichte des ausgehenden Königtums im Südreich Juda. Es zeichnet ein detailliertes Bild der damaligen politischen und sozialen Verhältnisse. Viele der darin erwähnten Völker des Nordens finden sich auch in assyrischen und griechischen Quellen (Aschkenas, Gomer, Minni, Ararat (Urarṭu), Meder und Perser). Piotrovski versuchte Jeremia auch für die Geschichte von Urarṭu heranzuziehen und setzte auf Grund von Jer 51,27 LUT (Feldzug von Ararat, Minni und Aschkenas – gewöhnlich als Skythen gedeutet – gegen Babel) das Ende von Urarṭu 590 oder 585 an.[4] Diese Interpretation wird jedoch überwiegend abgelehnt, die meisten Forscher gehen davon aus, dass das Reich bereits Ende des 7. Jh. v. Chr. sein Ende fand.

Der Verfasser des Buches Jeremia bezeichnet den Propheten als Sohn des Priesters Hilkija (Jer 1,1 EU ), der möglicherweise von Abjatar, dem von David nach Anatot (nach Jos 21,18 EU eine der Städte, die den Nachkommen des Priesters Aaron gegeben worden waren) verbannten Priester (1 Kön 2,26 Lut ), abstammt. Ob dieser mit dem im 2. Buch der Könige (2 Kön 22,4 Lut ) genannten Priester Hilkija identisch ist, ist höchst zweifelhaft. Jeremia stammt aus Anatot, dessen Bewohner ihm das Auftreten als Prophet ausreden wollen (Jer 11,18-23 EU ).

Eine priesterliche Prägung der Botschaft Jeremias, wie etwa beim Propheten Ezechiel, ist nicht erkennbar. Auch seine Stellung gegenüber der religiösen Reform (2 Kön 23 Lut und 2 Chr 35 Lut ) durch König Joschija, die auf das Jahr 622 v. Chr. datiert wird und hauptsächlich den jüdischen Gottesdienst im Jerusalemer Tempel sowie die Wiedereinführung des Pessachfest betraf, bleibt völlig unklar, da Jeremiaworte aus den Jahren zwischen der Reform und dem Tod von Joschija nicht überliefert sind.

Im biblischen Jeremiabuch ist die letzte Nachricht seine Verschleppung nach Ägypten. Spätere nicht-kanonische Schriften erzählen von seinem Leben dort und seiner Steinigung ca. 580 v. Chr.

Gliederung des Buches


Verschiedene Teile des Buches von Jeremia lassen sich der Form nach klar unterscheiden. Zum einen handelt es sich um Prophetenworte Jeremias, zumeist formuliert aus der Perspektive Jeremias, davon sind einzelne Sprüche in Reimform, dann gibt es psalmenartige Abschnitte und zum anderen gibt es eingeschobene Erzählungen und Berichte über Jeremia und sein Auftreten, formuliert in der dritten Person.

Erstes Kapitel als Programmtext


Das erste Kapitel kann als Programmtext des gesamten Buches gelesen werden. Dieses Kapitel legt vielfältige Spuren ins Buch hinein:

Theologische Schwerpunkte


Allgemein

Theologische und ethische Analysen gehen im Buch ineinander über, ebenso die Kritik. Ein Grundgedanke ist, dass – wenn Israel anderen Göttern folgt – JHWH gegen sein auserwähltes Volk prozessiert und mit dem Verlust des Landes droht. Šeqer (Hebr. = Lug, Trug, Verlogenheit) gilt als Schlüsselwort: Nicht mehr das Recht JHWHs bestimmt eine auf Solidarität gründende Gemeinschaft, sondern Täuschung, Betrug und Gewinn prägen die Gesellschaft. Daher trifft die Kritik v. a. die Propheten, Priester und Könige.

In manchen Texten scheint das Gericht als unausweichlich, dann wieder gibt es doch konkrete Heilserwartungen – vermutlich verstärkt durch spätere Zusätze. Heil und Unheil lassen sich nicht immer säuberlich scheiden. Heil liegt darin, dass die Zeit des Unheils begrenzt ist, dass Gott auf Bestrafung verzichtet und Jerusalem zurückkehren darf zu JHWH.

Jeremia 39

Das Kapitel ist insofern bedeutsam, als es eine Parallele in den Königebüchern hat (2Kön 25) und das Ende des Südreiches markiert. An diesem Kapitel werden unterschiedliche Aspekte deutlich:

Konfessionen Jeremias


Die Konfessionen Jeremias sind einzelne abschließende Abschnitte in den Kapiteln 11–20. Sie thematisieren die inneren und äußeren Konflikte des Propheten, sie sind im Stil von Klagepsalmen gehalten und unterscheiden sich der Form nach von den Prophetensprüchen.

Diese Konfessionen waren der Grund, dass die Klagelieder Jeremia zugeordnet wurden und führten auch zu dem Begriff Jeremiade.

Im Gesamtkontext des Buches wendet sich jedoch das Geschick Jeremias: In Kap. 37ff gehört Jeremia zu den Geretteten, während seine Gegner ihre Strafe erfahren. Deren Überlegenheit und Erfolg waren also nur vorläufig. Man könnte sagen, die Person und das Geschick Jeremias boten sich als „Folie“ für die Spannung zwischen realen Verhältnissen und Gerechtigkeit Gottes, die zwar noch aussteht, sich aber letztendlich durchsetzen wird. In späteren Schriften war es dann kein großer Schritt mehr in Richtung Apokalyptik. Die Verbindung von Gefährdung und Bewahrung eines Propheten gibt es in der Form nur bei Jeremia.

Textgeschichte des Buches


MT LXX
1–24 1–24
25 1–13a 25 1–13
13b–38 32 13–38
26–44 33–51
45 51 31–35
46 26
47 29
48 31
49 1–5, 7–22,
23–27, 28–33
30 17–21, 1–16,
29–33, 23–28
34–39 25 14–19
50–51 27–28
52 52

Das Jeremiabuch ist in zwei verschiedenen Fassungen überliefert. Die kurze Version des Jeremiabuches in der griechischen Septuaginta (LXX) weicht von der längeren Version im masoretischen Text (MT) in vielerlei Hinsicht ab. In den übereinstimmenden Passagen stellt die griechische Version offensichtlich eine getreue Übersetzung der hebräischen Vorlage dar. Insgesamt ist aber der hebräische Text um etwa ein Siebtel länger. Außerdem unterscheiden sich beide Versionen im Aufbau erheblich. So folgt der griechische Text dem „dreigliedrigen eschatologischen Schema“ (Unheilssprüche gegen Israel – Unheilssprüche gegen die Völker – Heilsansagen für Israel), während in der hebräischen Fassung die Völkersprüche (Kap. 46–51) nach den Heilsansagen für Israel folgen, die zudem in die Erzählungen über Jeremia eingebettet sind (siehe nebenstehende Tabelle[5]).

Wie die Funde von Qumran nahelegen, geht die griechische Fassung auf eine vom masoretischen Text unterschiedene hebräische Vorlage zurück. Welche der beiden Fassungen die ältere ist, ist umstritten. Jedenfalls kann man von einer längeren parallelen Überlieferungsgeschichte ausgehen.

Entstehung des Buches


Als Verfasser gilt in der biblischen Tradition der gleichnamige Prophet, der etwa von 627 bis 587 v. Chr. in Jerusalem wirkte.

Die wissenschaftliche Diskussion des 20. Jahrhunderts war lange bestimmt vom Kommentar Bernhard Duhms (1901). Er sah den ältesten Bestandteil des Buches in den „Gedichten Jeremias“ in den Kapiteln 1 bis 25. Ein zweiter Block bestand seiner Meinung nach im „Buch Baruchs“ (Kapitel 26–45). Spätere Ergänzungen fänden sich in allen Buchteilen. Auf den historischen Jeremia seien nach Duhm nur etwa 280 Verse zurückzuführen, d. h. weniger als ein Viertel des Buches.

Einen anderen Weg schlug Sigmund Mowinckel (1914) ein. Er unterschied bei der Buchentstehung vier Quellen: Worte Jeremias, Erzählungen über Jeremia, stilistisch deuteronomistische Reden (z. B. c. 7 und 25) sowie die Heilsworte in Jer 30f. Allerdings ist der Charakter der Prosareden nicht quellenhaft, sondern redaktionell, d. h., sie setzen ihren Kontext bereits voraus, wie Winfried Thiel nachweisen konnte. Thiel unterschied daher lediglich zwischen jeremianischen Texten, einer deuteronomistischen Redaktion und nachdeuteronomistischen Ergänzungen.

Allerdings ist in den so genannten deuteronomistischen Texten zu unterscheiden zwischen sprachlichen und sachlichen Deuteronomismen. Die Entstehung des Jeremiabuches ist daher vermutlich weit komplexer vorzustellen, als es sich in diesen vereinfachenden Modellen darstellen lässt. Das Buch Jeremia ist durchzogen von Hinweisen auf eine bestehende Schriftkultur: Nicht nur Baruch trägt den Titel ‚Schreiber‘ (36,26), sondern der Titel ist auch sonst Funktionsbezeichnung (36,12; 37,15.20; 52,25). Von Tafel (17,3), Tinte (36,18) und Schreibermesser (36,23) ist die Rede. Jeremia schreibt einen Brief an die Exilierten in Kapitel 29,1. Die wörtlich zitierte Unheilsdrohung Michas (26,17f) und Anspielungen auf zahlreiche frühere Propheten setzen schriftliche Dokumentation dieser früher entstandenen Prophetensprüche voraus.

Jeremia in der Kunst und Musik


Gedenktag des Propheten


Siehe auch


Literatur


Kommentare

Einzelstudien

Erzählungen und Romane

Weblinks


 Commons: Jeremia  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. http://www.bibelwissenschaft.de/stichwort/23640
  2. Martin Noth: Die israelitischen Personennamen im Rahmen der gemeinsemitischen Namengebung, Stuttgart: Kohlhammer, 1928, S. 201.
  3. Gebräuchliche Modelle stammen von William Foxwell Albright, Edwin R. Thiele und Gershon Galil.
  4. Adam T. Smith: The Making of an Urartian Landscape in Southern Transcaucasia: A Study of political Architectonics. In: American Journal of Archaeology 103/1, 1999, 50.
  5. Die Tabelle basiert auf den Texten in:
    Jeremiah. In: Parallel Aligned Hebrew-Aramaic and Greek texts of Jewish Scripture. University of Pennsylvania, Center for Computer Analysis of Texts (CCAT), 5. April 1994, abgerufen am 6. November 2018 (althebräisch, altgriechisch, (Betacode)).
  6. Jeremia im Ökumenischen Heiligenlexikon
  7. Kristiania auch Christiania, bis 1924 der Name von Oslo, der Hauptstadt Norwegens



Kategorien: Buch des Alten Testaments | Prophet des Alten Testaments | Stoffe und Motive (Altes Testament) | Jude (Altertum) | Person des evangelischen Namenkalenders | Buch Jeremia


Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Jeremia (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

Veränderungen: Alle Bilder und die meisten Designelemente, die mit ihnen in Verbindung stehen, wurden entfernt. Icons wurden teilweise durch FontAwesome-Icons ersetzt. Einige Vorlagen wurden entfernt (wie „Lesenswerter Artikel“, „Exzellenter Artikel“) oder umgeschrieben. CSS-Klassen wurden zum Großteil entfernt oder vereinheitlicht.
Wikipedia spezifische Links, die nicht zu Artikeln oder Kategorien führen (wie „Redlink“, „Bearbeiten-Links“, „Portal-Links“) wurden entfernt. Alle externen Links haben ein zusätzliches FontAwesome Icon erhalten. Neben weiteren kleinen Designanpassungen wurden Media-Container, Karten, Navigationsboxen, gesprochene Versionen & Geo-Mikroformate entfernt.


Stand der Informationen: 19.10.2019 09:31:27 CEST - Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
Beachten Sie auch : Impressum & Datenschutzerklärung.