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Jagd

Jagd ist das Aufspüren, Verfolgen, Fangen und Erlegen von Wild durch Jäger.[1] In der deutschen Jägersprache traditionell auch Weidwerk oder seltener Waidwerk genannt, ist die Jagd das Handwerk des Jägers.[2] Unerlaubte Jagd bezeichnet man als Wilderei.[3] Die Jagd wird, zusammen mit der ebenfalls auf Gewinnung von Naturprodukten gerichteten Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei, zur Urproduktion gezählt.[4]

Inhaltsverzeichnis

Etymologie


Begriff

Die hier behandelte Bedeutung des Wortes Jagd – das Aufspüren, Verfolgen, Fangen und Erlegen von Wild durch Jäger – lässt sich von mehreren verwandten, aber abweichenden Bedeutungen abgrenzen.[5][6] So wird das Wort Jagd auch als Bezeichnung für eine einzelne Jagdveranstaltung („die Jagd findet kommenden Freitag statt“), die Gesamtheit der Beteiligten an einer bestimmten Jagdveranstaltung („die Jagd bricht auf“) und als Kurzform für den Begriff Jagdrevier („der Meyer hat die Jagd im Stadtwald“) verwendet.[5][6] Die Bezeichnung Jagd wird in einem umgangssprachlich übertragenen Sinn und losgelöst vom Kontext der Tötung von Wildtieren auch als Synonym zu den Begriffen Verfolgung und Hetze benutzt („die Jagd auf die Räuber“).[5][6] Bezogen auf die Jagd in Deutschland wird Jagd in einem weiteren Sinne teilweise auch mit der Hege und Pflege des Wildes assoziiert.[7]

Herkunft

Das Wort Jagd stammt über das mittelhochdeutsche jaget vom althochdeutschen jagōd ab, einer Ableitung vom ebenfalls althochdeutschen Verb jagōn „schnell verfolgen, hetzen, zu fangen oder zu erlegen suchen, eilen“.[8][9] Die Herkunft von jagōn bzw. jagōd ist etymologisch dunkel.[10]

Ebenso wie andere jagdliche Komposita mit weid (z. B. -mann oder -gerechtigkeit) hat das Wort Weidwerk die indogermanische Wurzel *uid- mit der Bedeutung „sich Nahrung verschaffen“, die im Laufe der Sprachentwicklung zu althochdeutsch weida, später mittel- und neuhochdeutsch weid wurde.[11][12][13]

Ziele und Motive


Die Jagd wurde historisch und wird gegenwärtig aus verschiedenen und jeweils unterschiedlich gewichteten Gründen betrieben:[14][15]

Geschichte


Die Jagd gehört zu den ursprünglichsten Tätigkeiten in der Menschheitsgeschichte und ist älter als der anatomisch moderne Mensch (Homo sapiens) selbst.[20][21][22]

Die ältesten unumstrittenen, archäologischen Belege für Jagd stammen aus dem Altpleistozän und fallen zeitlich mit der Entstehung und Ausbreitung des Homo erectus vor rund 1,7 Millionen Jahren zusammen.[23][24] Von da an bis in die Zeit um 10.000 v. Chr. – und in Teilen darüber hinaus – lebte nahezu die gesamte Menschheit als Jäger und Sammler.[20][21][22] Die Jagd stellte dabei durch die mit ihr verbundene Notwendigkeit zur Spezialisierung, Arbeitsteilung und Vorausplanung der Jäger, etwa bei der Produktion von Werkzeugen und Waffen,[25] einen bedeutenden Schritt in der Evolution des Menschen dar.[26] Die gemeinsam durchgeführte Jagd förderte die sozialen und kommunikativen Fähigkeiten und bildete eine der Grundlagen der menschlichen Kultur.[27]

Die Jagd diente zur Nahrungsversorgung und lieferte neben Fleisch tierische Nebenprodukte wie Knochen für Werkzeuge oder auch für Flöten und Kunstwerke, Felle als Bekleidung, für Schuhe, für Decken, für Behausungen (Zelte) und Tragetaschen sowie Sehnen zum Nähen und für Bögen. Im Jungpaläolithikum und Magdalenien finden sich erste Höhlenmalereien und figürliche Kunstwerke der eiszeitlichen Jäger. Ursprünglich wurden die Jagdtiere zum Beispiel in eine Enge getrieben. Die ältesten Jagdformen sind die Hetz- bzw. Ausdauerjagd, die Lauer- und die Fallenjagd.[28]

Mit der sich im Zuge der neolithischen Revolution verbreitenden Sesshaftwerdung des Menschen und dem Beginn von Ackerbau und Viehzucht trat die Jagd als Ernährungsquelle bei weiten Teilen der Bevölkerung zunehmend in den Hintergrund.[21][22] Zugleich ergaben sich durch die veränderten Lebensumstände im Schutz des kultivierten Landes vor Wildschäden und der Bekämpfung von Raubtieren zum Schutz von Nutzvieh auch neue Verwendungszwecke für die Jagd.[21][22]

Jägersprache


Die Jägersprache gehört zu den ältesten existenten Fachsprachen und dient heute vornehmlich der präzisen Verständigung der Jäger untereinander.[29][30] Da sich die Jägersprache von der Gemeinsprache in der Lexik und Phraseologie, nicht aber in der Syntax unterscheidet, kann sie als jagdlicher Fachwortschatz betrachtet werden.[29][31] Dieser jagdspezifische Fachwortschatz hat sich in mehreren Sprachen entwickelt, so beispielsweise im Deutschen, Englischen und Spanischen.[32][30]

Deutsche Jägersprache

Die deutsche Jägersprache hat ihre schriftlich tradierten Ursprünge im 8. Jahrhundert und umfasst einen Wortschatz von etwa 13.000 Ausdrücken mit rund 40.000 definierten Bedeutungen.[29] Heute sind davon in der jagdlichen Praxis maximal 2000 Termini in Verwendung.[29] Aufgrund der veränderten Jagdpraxis sind inzwischen zahlreiche ältere Termini obsolet geworden (z. B. „Kloben“, eine Klemmfalle für Vögel, und andere Begriffe mit Bezug zur Fangjagd von Singvögeln).[29][31] Lange Zeit dominierten die von Anfang an präsenten und von der vorherrschenden Jagdtechnik bestimmten jagdlichen Fachausdrücke (z. B. „Saufeder“ für den langgeschäfteten, mit einem Riemen umwickelten Spieß für die Wildschweinjagd oder „Hetzen“ für das Verfolgen des Wildes durch den Jagdhund). Erst in der Neuzeit und insbesondere im 18. Jahrhundert kamen, ausgehend von den Berufsjägern der Landesfürsten, standessprachliche Begriffe hinzu, die auf soziale Distinktion von Außenstehenden abzielten und keinen praktischen Mehrwert hatten (z. B. „Teller“ für die Ohren des Wildschweins oder „Lunte“ für den Schwanz des Fuchses).[29] Hierbei gab es innerhalb des deutschen Sprachraums regionale Unterschiede, da sich, etwa in der Schweiz aufgrund der abweichenden Entwicklung des Jagdrechts kein standesprachlicher Wortschatz bildete und die Jägerspräche weitgehend auf Fachausdrücke beschränkt blieb.[29][33] Einige Wörter und Redewendungen aus der Jägersprache haben Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch gefunden (z. B. „Blattschuss“ als Synonym zu Volltreffer).[34][35]

Jagdrecht


Der Ausdruck Jagdrecht hat zwei unterschiedliche Bedeutungsinhalte, die zur expliziten Unterscheidung als subjektives Jagdrecht einerseits und objektives Jagdrecht andererseits bezeichnet werden.[36]

Objektives Jagdrecht

Das objektive Jagdrecht umfasst alle Rechtsnormen, die sich mit der Jagd befassen.[37] Art und Umfang dieser Normen können sich von Ort zu Ort teils erheblich voneinander unterscheiden, wie beispielsweise zwischen rezenten Jäger-und-Sammler-Gemeinschaften im Amazonasbecken einerseits und Staatswesen in Mitteleuropa andererseits. Generell bilden Regelungen zum rechtlichen Status des Wildes und zum Inhaber des subjektiven Jagdrechts typischerweise das Fundament des objektiven Jagdrechts.[38] Darüber hinaus existieren oft weitergehende Regelungen, so z. B. Restriktionen zu den jagdbaren Wildarten, Jagd- und Schonzeiten für das jagdbare Wild, Verbote bestimmter Jagdwaffen und -methoden, Voraussetzungen für Ausstellung eines Jagdscheins, Meldepflichten für erlegtes Wild, Vorschriften zum Umgang mit Wildbret und zahlenmäßige oder qualitative Begrenzungen beim Erlegen von jagdbaren Wild.[38]

Subjektives Jagdrecht

Das subjektive Jagdrecht ist das einem einzelnen Rechtssubjekt zustehende Recht zur Jagd.[39][36] In vielen Jurisdiktionen steht das subjektive Jagdrecht dem Grundeigentümer zu, so etwa in den Ländern West-, Mittel-, Nordeuropas und des Baltikums sowie in Namibia und Simbabwe.[40][41][42] In diesen Staaten stellt das subjektive Jagdrecht ein dem einzelnen Berechtigten persönlich zustehendes, privatrechtliches Recht an seinem Grundeigentum dar.[43] In anderen Ländern, wie etwa Italien, Polen, Rumänien und der Schweiz, liegt das subjektive Jagdrecht dagegen als hoheitliches Recht beim Staat selbst, der es Dritten durch Vergabe von Jagdlizenzen und Verpachtung von Jagdrevieren zugänglich macht oder in Eigenregie ausübt.[44][41]

Einige Jurisdiktionen garantieren dem Bürger ein in der Verfassung verbrieftes Grundrecht zur Jagd, gegenwärtig etwa die Verfassungen mehrerer US-Bundesstaaten,[45][46] historisch unter anderem die im Zuge der deutschen Revolution von 1848/49 verabschiedete Frankfurter Reichsverfassung.[47][48][49] In einigen Rechtsordnungen ist das subjektive Jagdrecht zudem als Eigentum beziehungsweise als dessen Bestandteil grundlegend geschützt, so etwa in Deutschland über die verfassungsrechtliche Eigentumsgarantie nach Art. 14 Grundgesetz.[50][51][52]

Jagdwaffen


Die Handfeuerwaffe ist heute die dominierende Jagdwaffe, in einigen Jurisdiktionen, teils eingeschränkt auf bestimmte Einsatzzwecke, sind aber auch Bogen, Armbrust, Spieß, Speer und Lanze gebräuchlich.[53] Historisch wurden bzw. werden von rezenten Jäger-und-Sammler-Gemeinschaften teils auch Feuer und (Pfeil-)Gifte jagdlich genutzt.[54][55]

Daneben sind verschiedene andere Blankwaffen in Gebrauch, insbesondere Messer, die, neben ihren Verwendung als Universalwerkzeug, auch als Waffe zum Abfangen von verletztem Wild genutzt werden.[56]

Jagdarten


Im Laufe der Zeit haben sich die verschiedensten Jagdarten entwickelt, welche auf speziellen Situationen bzw. die Jagd auf bestimmte Tierarten abgestimmt sind. Es existieren mehrere Möglichkeiten, um zumindest einen Teil der Jagdarten zu systematisieren. Eine der geläufigsten Gliederungen unterscheidet nach Anzahl der beteiligten Jäger.

Einzeljagd

Zur Einzeljagd werden Jagdarten gerechnet, die von einem Jäger alleine ausgeübt werden bzw. prinzipiell alleine ausgeübt werden können:

Gesellschaftsjagd

Zur Gesellschaftsjagd, seltener auch als Gruppenjagd bezeichnet, werden Jagdarten gezählt, die von mehreren Jägern gemeinsam ausgeübt werden:

Weitere Jagdarten

Weitere Jagdarten, die üblicherweise außerhalb der oben dargestellten Systematik von Einzel- und Gesellschaftsjagd stehen, sind:

Berufsjäger


Berufsjäger, im internationalen Kontext verschiedentlich auch als professional hunter (PH), stalker oder gamekeeper bezeichnet, sind berufsmäßig tätige Jäger, die je nach örtlichen Verhältnissen und jagdrechtlichen Rahmenbedingungen in verschiedenen Funktionen aktiv sind. In Europa sind Berufsjäger oft als Angestellte von staatlichen Forstverwaltungen, privaten Großgrundbesitzern sowie Schutzgebietsverwaltungen tätig und für die Organisation des dortigen Jagdbetriebs zuständig, so z. B. für die Regulation des Wildbestandes durch Abschuss und Hege, das Führen von Jagdgästen und die Vermarktung des anfallenden Wildbrets.[65][66][67] In Australien existiert eine Branche von Berufsjägern, die sich auf die Produktion von Känguru-Fleisch spezialisiert hat und jährlich mehrere Millionen der Beuteltiere erlegt.[68][69] In den Ländern des südlichen Afrika, wie etwa Namibia und Südafrika, führen Berufsjäger oft aus dem Ausland stammende Jagdgäste auf Jagdsafaris und kümmern sich um die zwecks Fleischbeschaffung jagenden, einheimischen biltong hunters.[70][71][72]

Jagdtourismus


Jagdtourismus, auch Auslandsjagd oder, vor allem in Bezug auf Subsahara-Afrika, (Jagd-)Safari genannt, bildet ein spezielles Segment des Tourismus.[73] Das Reiseziel ist in erster Linie von den vorhandenen Wildarten abhängig,[73] insbesondere Europa, Afrika und Zentralasien sind dabei beliebte Destinationen.[74] Die meisten Jagdtouristen stammen aus Europa und Nordamerika.[73][75] An einigen der stärker frequentierten Reiseziele gibt es Grundeigentümer, die ihre Flächen gezielt auf Jagdtouristen ausrichten, so beispielsweise mit den sporting estates in Schottland oder den hunting lodges, game conservancies und Jagdfarmen in Südafrika und Namibia.[76][77][78]

Jagdtourismus in Form von Trophäenjagden im Ausland gilt als hoch polarisierendes Thema,[75][79] vor allem wenn die charismatische Megafauna Afrikas betroffen ist.[80] Die Vorstellung, dass Trophäenjagden im Ausland unter gewissen Umständen eine nachhaltige Landnutzung darstellen und zum Erhalt von Schutzgebieten sowie der darin heimischen Arten dienen können,[81] trifft vielfach auf Unverständnis.[79][82] Umgekehrt stößt in den betroffenen Ländern, die oftmals bereits einen hohen Anteil ihrer Landesfläche unter Schutz gestellt haben, ein noch weitergehender Nutzungsverzicht durch die Ausweisung neuer Schutzgebiete häufig auf entschiedene Ablehnung bei der einheimischen Bevölkerung.[83]

Länderstatistiken


In manchen der gelisteten Länder braucht nicht jede Art der Jagdausübung bzw. jeder Jäger grundsätzlich eine staatliche Lizenz oder die geltenden Regelungen werden ignoriert (Wilderei), daher handelt es sich bei den Datensätzen zur Zahl der Jäger teilweise um Hochrechnungen basierend auf repräsentativen Umfragen, so etwa im Fall von Kanada und den Vereinigten Staaten.

Tabelle

Zahl der Jäger in verschiedenen Ländern Europas und Nordamerikas
Daten: Europa (Jagdjahr 2016/17),[84] Irland (2007),[85] Kanada (2012),[86] Russland (2012),[87] Vereinigte Staaten (2016);[88]
Staat Jäger Einwohner

in Mio.

Anteil der Jäger an der

Gesamtbevölkerung in %

Verhältnis

Jäger/Einwohner

Fläche in km² Jäger pro km² Landesfläche
 Kanada 2.482.678 34,7 7,15 1:14 9.984.670 0,25
 Finnland 308.000 5,2 5,92 1:17 338.448 0,91
 Zypern 45.000 0,8 5,63 1:18 5.896 7,63
Norwegen Norwegen 190.000 4,7 4,04 1:25 385.207 0,49
 Malta 15.000 0,4 3,75 1:27 316 47,47
Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten 11.453.000 323,1 3,54 1:28 9.826.675 1,17
Schweden Schweden 290.000 9,0 3,22 1:31 447.435 0,65
Danemark Dänemark 165.000 5,5 3,00 1:33 42.921 3,84
 Irland 104.000 4,2 2,48 1:46 70.273 1,48
Griechenland Griechenland 235.000 10,7 2,20 1:46 131.957 1,78
Spanien Spanien 980.000 45,0 2,18 1:46 505.970 1,94
 Portugal 230.000 10,7 2,15 1:47 92.212 2,49
 Frankreich 1.331.000 64,1 2,08 1:48 543.965 2,45
 Russland 2.800.000 143,2 1,96 1:51 17.125.200 0,16
 Bulgarien 110.000 7,7 1,43 1:70 110.994 0,99
 Österreich 118.000 8,3 1,42 1:70 83.879 1,41
Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich 800.000 61,1 1,31 1:76 242.495 3,30
 Italien 750.000 58,1 1,29 1:77 301.338 2,49
 Estland 16.600 1,3 1,28 1:78 45.339 0,37
 Kroatien 55.000 4,5 1,22 1:82 56.594 0,97
 Slowenien 22.000 2,0 1,10 1:91 20.273 1,09
Lettland Lettland 25.000 2,3 1,09 1:92 64.589 0,39
 Tschechien 110.000 10,2 1,08 1:93 78.866 1,39
 Slowakei 55.000 5,4 1,02 1:98 49.034 1,12
Litauen Litauen 32.000 3,6 0,89 1:113 65.300 0,49
 Ungarn 55.000 9,9 0,56 1:180 93.036 0,59
Deutschland Deutschland 351.000 82,5 0,43 1:235 357.578 0,98
Luxemburg Luxemburg 2.000 0,5 0,40 1:250 2.586 0,77
Schweiz Schweiz 30.000 7,6 0,39 1:253 41.285 0,73
 Polen 106.000 38,5 0,28 1:363 312.696 0,34
Rumänien Rumänien 60.000 22,2 0,27 1:370 238.391 0,25
 Belgien 23.000 10,4 0,22 1:452 30.688 0,75
 Niederlande 28.170 16,7 0,17 1:593 41.543 0,68

Diagramm

Jagdliteratur


Jagdliteratur sind handgeschriebene und gedruckte Schriften aller Art mit Bezug zur Jagd.[89] Schon bei Tacitus und im Mittelalter finden sich Beschreibungen zur Jagd.[90] Im deutschen Sprachraum wurden bis 1850 etwa 1200 spezielle Jagdbücher publiziert. Heute gibt es neben geschichtlichen Bearbeitungen, Wörterbüchern und Fachliteratur ein weites Feld von unterschiedlichster Belletristik. Lew Nikolajewitsch Tolstoi beschreibt eine winterliche Wolfsjagd in Krieg und Frieden.[91]

Rezeption in den Künsten


Malerei

Das Thema Jagd beschäftigt kreative Menschen spätestens seit den ersten Höhlenmalereien vor rund 44.000 Jahren.[92][93] In der europäischen Malerei waren üppige Gemälde mit Jagdszenen Prestige- und Repräsentationsobjekte von Adeligen und wohlhabenden Bürgern.[94] Oft wurden sie mit mythologischen Inhalten verknüpft (z. B. die jagende Göttin Diana). Die Grenze des Genres der Jagdmalerei zu dem der reinen Tiermalerei (z. B. von Jagdhunden) ist fließend. Bei beiden gibt es einen hohen Prozentsatz an Auftragsmalerei.

Aus der Fülle der Künstler, die sich dieses Themas mit unterschiedlichen Absichten und Fähigkeiten annahmen, seien folgende erwähnt: Peter Paul Rubens (phantasievolle mythologische und exotische Jagdszenen), Frans Snyders, Jan Fyt (Auftragsrealismus), Jean Siméon Chardin (in sich ruhende Stillleben mit erlegtem Wild), Eugène Delacroix (orientalische Jagdszenen), Emil Hünten (Parforce-Jagd), Manfred Schatz (Wild und Jagdhunde in der Natur), Carl Otto Fey (Wild in der Natur). Große Jagdmaler des 20. Jahrhunderts sind Bruno Liljefors und Dimitrij von Prokofieff; 1937 erhielten sie in Berlin die Gold- und Silbermedaille der Internationalen Jagdausstellung.

Bildhauerei

Das Motiv der Jagd in der Kunst hat von Anbeginn zahlreiche Bildhauer zu schöpferischen Werken inspiriert. In der römischen Antike wurde die Göttin Diana häufig in Plastiken und Skulpturen verewigt. Auch Künstler des 19. oder 20. Jahrhunderts haben Werke zum Thema Jagd mit klassischen oder zeitgenössischen Motiven geschaffen, mit Materialien wie Bronze (Augustus Saint-Gaudens) oder Kupfer (Klaus Rudolf Werhand).

Kritik


Natur- und Umweltschutz

Von Natur- und Umweltschützern wird eine stärkere Ausrichtung der Jagdausübung an Prinzipien der Nachhaltigkeit und Erkenntnissen der Ökologie gefordert. In der Kritik steht dabei u. a. die Überjagung bestimmter Arten (z. B. im Zusammenhang mit dem „empty forest syndrome“ in tropischen Regenwäldern),[95] aber auch die durch Hege-Maßnahmen wie Wildfütterung und Abschuss von als Konkurrenz wahrgenommenen Prädatoren unterstützte, einseitige Förderung von jagdlich interessanten Wildarten, deren zahlenmäßige Zunahme Rückwirkungen auf ihr Ökosystem hat (Populationsdynamik).[96][97][98]

Wald-Wild-Konflikt

Zu hohe Wilddichten von Pflanzenfressern, insbesondere von Schalenwild, können durch Verbiss eine aus ökologischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten angestrebte natürliche Verjüngung des Waldes erschweren oder verhindern.[99][100][101][102] Durch die Bevorzugung bestimmter Baumarten kann selektiver Verbiss Mischbaumarten aus dem Bestand verdrängen und so die Baumartendiversität verringern.[103] Auch gepflanzte Forstkulturen, die nicht durch Einzelbaumschutz oder Zäunung gesichert werden, sind betroffen.[103] Schälschäden können ältere Waldbestände, die dem Verbiss bereits entwachsen sind, über Jahrzehnte hinweg gefährden sowie im Schadensfall destabilisieren und ökonomisch entwerten.[104]

Dieser sogenannte Wald-Wild-Konflikt – zur Verdeutlichung des Zielkonflikts und der Akteure auch als Forst-Jagd- bzw. Waldbesitzer-Jäger-Konflikt bezeichnet – wird von Waldbesitzern, Forstleuten und Naturschutzverbänden im Hinblick auf einen angestrebten Waldumbau hin zu klimastabilen Mischwäldern als bedeutendes Problem betrachtet.[105][106][107]

Geschossmaterial

Blei und andere Metalle, die bei der Munitionsproduktion in einigen Projektil-Typen als Geschossmaterial Verwendung finden, können unter gewissen Umständen eine ökotoxische Wirkung aufweisen.[108][109] Geschosse oder deren Fragmente können in Boden und Wasser sowie in die Nahrungskette von Wildtieren gelangen,[110][109] wovon vor allem Wasservögel (z. B. Enten) und einige Beutegreifer (z. B. Seeadler) betroffen sein können, die verluderte Tiere oder Aufbruch fressen.[111][112]

Insbesondere die Verwendung von Munition mit Blei wird aus Gründen des Umweltschutzes (siehe Bleibelastung der Umwelt) und gesundheitlichen Gründen (siehe Bleivergiftung) kritisiert, da im Gegensatz zu anderen Materialien bei Blei keine Wirkschwelle benannt werden kann, unter der die Aufnahme von Blei gesundheitlich unbedenklich ist.[113][109] Mehrere Jurisdiktionen in Europa und Nordamerika haben daher den Einsatz von Bleimunition – zugunsten von weniger toxischer bzw. bleifreier Munition – eingeschränkt oder verboten.[114][115] Das Bundesinstitut für Risikobewertung kommt in seinen Studien zu dem Schluss, dass bei Normalverzehrern die zusätzliche Aufnahme über belastetes Wildbret verglichen mit der Gesamtaufnahme von Blei über andere Lebensmittelgruppen toxikologisch unbedeutend und ein gesundheitliches Risiko unwahrscheinlich ist.[113][109]

Jagdunfälle

Ein Kritikpunkt an der Jagd sind in Zusammenhang mit der Jagdausübung stehende Unfälle, insbesondere solche, bei denen es zu Personenschäden durch Schusswaffen kommt.[116][117] Die häufigsten Unfallursachen sind unsachgemäßer Umgang mit der Schusswaffe, das Übersehen des Opfers bzw. das Schießen auf ein nicht sicher identifiziertes Ziel und Querschläger.[118][119]

Tierschutz

Bestimmte Jagdpraktiken und teilweise auch die Jagd ganz generell werden unter Verweis auf den Tierschutz kritisiert.[120][121] Ein prominentes Beispiel für eine gesellschaftliche Diskussion, in der Kritiker vor allem auf den Tierschutz verweisen, ist die Parforce- bzw. Hetzjagd auf den Fuchs zu Pferd und mit Hundemeute, die in Großbritannien bis zu ihrem Verbot im Jahr 2004 eine lange Tradition hatte.[122][120] Auch der in diversen Jagdgesetzen erlaubte oder geforderte Abschuss von wildernden Katzen und Hunden zum Schutz des Wildes stößt immer wieder auf Kritik.[123] Bei der Beurteilung des Abschusses von streunender Katzen steht dabei insbesondere deren Wirkung auf die Vogelwelt im Zentrum der Diskussion.[124]

Tierrechte

Tierrechtler lehnen die Jagd grundsätzlich ab, da sie bestimmten Tieren auf Grund von deren Leidensfähigkeit (siehe auch Pathozentrismus) gewisse Rechte ähnlich den Menschenrechten (Recht auf Leben, körperliche Unversehrtheit) zuschreiben und daher eine Gleichbehandlung von Mensch und Tier ohne ein speziesistisches Ausschließen von bestimmter Arten fordern.[125][126][127][128] Aus diesem Grund sehen radikale Teile der Tierrechtsbewegung Akte der Jagdstörung und -sabotage als gerechtfertigt an.[129]

Siehe auch


Literatur


Wissenschaftliche Literatur

Jagdlexika

Jagdgeschichtliche Literatur

Weblinks


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Wiktionary: Jagd – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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Einzelnachweise


  1. Belege zur verwendeten Definition von „Jagd“:
    • Dudenredaktion (Hrsg.): Duden - Deutsches Universalwörterbuch. Das umfassende Bedeutungswörterbuch der deutschen Gegenwartssprache. 9., vollständig überarbeitete Auflage. Dudenverlag, Berlin 2019, ISBN 978-3-411-91287-2, S. 957: „Jagd, die; -, -en [...] das Aufspüren, Verfolgen, Erlegen od. Fangen von Wild“
    • Jagd, die. In: DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, archiviert vom Original ; abgerufen am 5. November 2019: „Jagd, die [...] das Aufsuchen, Verfolgen und Erlegen des Wildes“
    • Jagd - Enzyklopädie. In: brockhaus.de. Archiviert vom Original am 26. Oktober 2019; abgerufen am 26. Oktober 2019: „Jagd, Weidwerk, Waidwerk, Aufsuchen, Nachstellen, Erlegen, Fangen jagdbarer Tiere.“
    • Definition: Jagd - Meyers Lexikon online. In: Meyers Lexikon online. Archiviert vom Original am 2. Januar 2008; abgerufen am 2. Januar 2008: „Jagd, Weidwerk, Aufsuchen, Nachstellen, Erlegen, Fangen jagdbarer Tiere durch Jagdausübungsberechtigte.“
    • Gerhard Stinglwagner, Ilse Haseder: Das große Kosmos Jagdlexikon. Kosmos, Stuttgart 2004, ISBN 978-3-440-09160-9, S. 323: „Jagd, die: Ausdruck für 1) das Aufsuchen, Nachstellen, Fangen und Erlegen von Wild (jagdbare Tiere) nach den Regeln des Jagdrechts und des jagdlichen Brauchtums; Jagdausübung.“
    • Gerhard Seilmeier (Hrsg.): Jagdlexikon. 6., überarbeitete und erweiterte Auflage, Neuausgabe. BLV, München 1994, ISBN 978-3-405-14580-4, S. 360: „Jagd – 1) Die Tätigkeit des (rechtmäßigen) Nachstellens und Erbeutens von Wild, [...]“
    • Julia Numßen: Handbuch Jägersprache. Gräfe Und Unzer, München 2017, ISBN 978-3-8354-6241-0, Jagd (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche): „Jagd – 1. Tätigkeit des rechtmäßigen Nachstellens und Erbeutens von Wild; umfasst zugleich alle sich daraus im Lauf der Geschichte entwickelnden Sach- und Rechtsbegriffe.“
    • Jagd - Lexikon der Biologie. In: Spektrum.de. Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft, archiviert vom Original am 27. Oktober 2019; abgerufen am 27. Oktober 2019: „Jagd, 1) i.e.S. das Fangen oder Erlegen und Aneignen des Wildes, auch die Bezeichnung des (Jagd-)Reviers; i.w.S. die Hege und Pflege von Wild und Revier.“
    • Gerd Jauch: Gabler Kompakt Lexikon Recht. 2., vollstandig tiberarbeitete und erweiterte Auflage. Gabler Verlag, Wiesbaden 1992, ISBN 978-3-409-29155-2, S. 127, doi:10.1007/978-3-322-89527-1 (springer.com [abgerufen am 27. Oktober 2019]): „Jagd: Aufsuchen, Nachstellen, Erlegen und Wild nach den Regeln des Jagdrechts sowie der anerkannten Grundsätze deutscher Waidgerechtigkeit“
    • Stephan Hertel: Jagdliche Eigentumsrechte des Jagdpächters. In: Johannes Dietlein, Judith Froese (Hrsg.): Jagdliches Eigentum (= Bibliothek des Eigentum. Nr. 17). Springer-Verlag, 2018, ISBN 978-3-662-54771-7, ISSN 1613-8686 , S. 272 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche): „Der Begriff der Jagdausübung ist in § 1 Abs. 4 BJagdG mit dem Aufsuchen, Nachstellen, Erlegen und Fangen von Wild beschrieben.“
    • Sigrid Schwenk: Kulturgeschichte der Jagd. In: Johannes Dietlein, Judith Froese (Hrsg.): Jagdliches Eigentum (= Bibliothek des Eigentum. Nr. 17). Springer-Verlag, 2018, ISBN 978-3-662-54771-7, ISSN 1613-8686 , S. 4 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche): „Unter „Jagd“ werden in der Jagdkulturgeschichte drei große Bereiche subsumiert: Verfolgen, Erlegen oder Fangen von Haar- und Federwild (heute der weitaus größte Teil der Jagdaktivitäten), Verfolgen und Fangen von Haar- und Federwild mit Hilfe dazu abgerichteter Greifvögel (Beizjagd oder auch Falknerei), Fangen von Vögeln mit Hilfe von Fallen und Fangeinrichtungen.“
    • Martina Giese: Jägerlatein und lateinische Jägersprache. In: Archivum Latinitatis Medii Aevi (ALMA). Band 71. Institut de recherche et d’histoire des textes, 2013, ISSN 0994-8090 , S. 37–51 (archive.org [PDF; abgerufen am 24. Oktober 2019]): „Im Unterschied zum Mittelalter wird unter Jagd heutigentags das Aufsuchen, Nachstellen, Fangen und Erlegen von Wild (d. h. Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen, konkret bestimmte Säugetiere und Vögel) durch den Menschen verstanden.“
    • Kurt Lindner: Jagd - Verteidigung einer Definition (= Schriften zur Geschichte und Soziologie der Jagd. Homo venator). Habelt, Bonn 1978, ISBN 978-3-7749-1606-7, S. 15 (41 S.): „Jagd ist etwas spezifisch Menschliches. Sie ist zweckbewusste, in der Regel auf Tötung gerichtete Verfolgung einer Gruppe von als Wild bezeichneter Säugetiere und Vögel unter Verwendung zusätzlicher Mittel und unter Wahrung der Enkommenchancen des verfolgten Objektes.“
    • Rudolf Winkelmayer, Klaus Hackländer, Peter Kampits: Der Begriff „Jagd“ – eine Differenzierung. In: Jagdkultur - gestern, heute, morgen; Symposium des Landesjagdverbandes Bayern e.V. und der Bayerischen Akademie für Tierschutz, Umwelt- und Jagdwissenschaften; 18. und 19. Juni 2008 in Rosenheim (= Band 17). Landesjagdverband Bayern, Feldkirchen 2008, ISBN 978-3-00-027307-0, S. 71–87 (archive.org [PDF; abgerufen am 25. Oktober 2019]): „Die Jagd, also das Aufsuchen, Nachstellen, Erlegen und Fangen jagdbarer Tiere durch Jagdausübungsberechtigte, [...]“
    • Was ist Jagd? In: jagdschweiz.ch. JagdSchweiz, archiviert vom Original am 27. Oktober 2019; abgerufen am 27. Oktober 2019: „Jagd im engeren Sinn bezeichnet die spezifisch menschliche, legale Verfolgung von freilebendem Wild unter Verwendung zusätzlicher Mittel, mit der Absicht, es zu fangen, zu erlegen und es sich anzueignen. Jagd ist nur gegeben, wenn das der Verfolgung ausgesetzte Tier eine Chance zum Entkommen hat.“
    • Matt Cartmill: Das Bambi-Syndrom: Jagdleidenschaft und Misanthropie in der Kulturgeschichte (= Rowohlts Enzyklopädie). Rowohlt Verlag, Reinbek bei Hamburg 1995, ISBN 978-3-499-55566-4, S. 47 (englisch: A View to a Death in the Morning: Hunting and Nature through History. 1993. Übersetzt von Hans-Ulrich Möhring): „Wir definieren das Jagen somit als das bewusste, direkte, gewaltsame Töten ungehinderter wilder Tiere; und wir definieren wilde Tiere in diesem Zusammenhang als solche, die den Menschen scheuen oder angreifen.“
    • Jens Tuider: Jagd. In: Johann S. Ach, Dagmar Borchers (Hrsg.): Handbuch Tierethik. J.B. Metzler, Stuttgart 2018, ISBN 978-3-476-02582-1, S. 247–251, doi:10.1007/978-3-476-05402-9_41: „Definieren lässt sich Jagd als »das Aufsuchen, Nachstellen, Erlegen und Fangen von Wild« (§ 1 Abs. 4 BJagdG).“
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  103. a b Christian Ammer, Torsten Vor, Thomas Knoke, Stefan Wagner: Der Wald-Wild-Konflikt – Analyse und Lösungsansätze vor dem Hintergrund rechtlicher, ökologischer und ökonomischer Zusammenhänge (= Göttinger Forstwissenschaften. Band 5). Universitätsverlag Göttingen, Göttingen 2010, ISBN 978-3-941875-84-5, S. 41, doi:10.17875/gup2010-280 (archive.org [PDF; abgerufen am 20. Januar 2019]).
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