Jüdischer Krieg (Flavius Josephus) - de.LinkFang.org

Jüdischer Krieg (Flavius Josephus)




Das Werk Jüdischer Krieg oder Geschichte des jüdischen Krieges (griechisch Περὶ τοῦ Ἰουδαϊκοῦ πολέμου oder Ἱστορία Ἰουδαϊκοῦ πολέμου πρὸς Ῥωμαίους, lateinisch De bello Iudaico oder Bellum Iudaicum) und Jüdische Altertümer sind die beiden bedeutenden Werke des römisch-jüdischen Historikers Flavius Josephus. Der Jüdische Krieg behandelt den Aufstand der Juden gegen die Römer in den Jahren 66 bis 73 sowie vorangegangene Ereignisse, die zu dieser Revolte führten.

Die Chronik des Flavius Josephus, geschrieben aus römischer Sichtweise, ist die wichtigste Quelle zum Verlauf des jüdischen Krieges. Die älteste erhaltene Handschrift des Werkes in lateinischer Übersetzung entstand Ende des 6. Jahrhunderts in Italien und befindet sich heute in der Universitätsbibliothek Kassel.[1]

Inhaltsverzeichnis

Aufbau und Inhalt


Wie Josephus im Vorwort selbst erklärt, besteht die Abhandlung aus sieben „Büchern“. Thematisch zerfällt das Geschichtswerk in zwei Hauptteile. Der erste, kleinere Teil enthält die Vorgeschichte des jüdischen Krieges und endet mit Kapitel 14 des 2. Buches. Unter Verwendung von Passagen aus dem 1. Buch der Makkabäer schildert er die Besetzung Jerusalems durch die Seleukiden unter Antiochos IV. im Jahre 167 v. Chr. und den anschließenden Aufstand unter Führung der Makkabäer. Es folgt der Tod von König Herodes sowie die Ermordung des römischen Prokurators Gessius Florus, womit nach Ansicht des Autors der jüdische Aufstand ausgelöst wurde. Der zweite, umfangreichere Teil behandelt den Krieg selbst unter Führung der Zeloten, den Josephus als Augenzeuge miterlebte. Dazu gehören detaillierte Beschreibungen zur Verteidigung der Festung Jotapata in Galiläa, die Belagerung Jerusalems und die Zerstörung des dortigen Tempels auf Befehl von Titus im Jahre 70. Das Werk schließt mit der Darstellung des Triumphzuges von Titus in Rom und der Niederlage der letzten jüdischen Aufständischen (Sikarier) in den Festungen Herodium, Machaerus und Masada.

Sprachversionen


Eine erste, nicht erhaltene Fassung war in der Muttersprache des Autors, wahrscheinlich auf aramäisch geschrieben.[2] Um das Jahr 75, in der Regierungszeit des Kaisers Vespasian,[3] übersetzte Josephus sein eigenes Werk ins Griechische. Erhalten ist zudem eine altkirchenslawische Übertragung, die sich von der griechischen Version jedoch wesentlich unterscheidet.[4] Einerseits werden zahlreiche erzählerische Partien weggelassen, andererseits sind über 20 Stellen, davon einige mit Hinweisen auf Johannes den Täufer und Jesus von Nazaret, im Original nicht vorhanden.[5] Im 4. Jahrhundert entstand eine freie lateinische Bearbeitung des sogenannten Pseudo-Hegesippus, die 1510 in Paris erstmals gedruckt wurde.

Rezeption


Die Geschichte des jüdischen Krieges war nach ihrer Entstehung für christliche Chronisten die bedeutendste Quelle zur jüdischen Geschichte bis zur Zerstörung des Zweiten Tempels. Kirchenväter wie Eusebius von Caesarea und Origenes sahen seine Überlieferung als Zeugnis für die christliche Heilsgeschichte an und interpretierten das Ende des Zweiten Tempels als Strafe für den Tod Jesu Christi. Im Mittelalter war die Geschichte des jüdischen Krieges eines der am meisten verbreiteten historischen Werke. In der jüdischen Tradition wurde Josephus erst spät rezipiert. Sein Verhalten während des Jüdischen Kriegs galt als Verrat und Apologie des Verhaltens Titus' bei der Zerstörung Jerusalems. Anfang des 10. Jahrhunderts wurde in Italien die Geschichte des jüdischen Krieges erstmals ins Hebräische übertragen und in die jüdische Tradition integriert. Das sogenannte Sefer Yosippon wurde in den folgenden Jahrhunderten auch im Judentum als das Geschichtswerk zu den späten biblischen Büchern Ester und Daniel sowie dem Zweiten Tempel angesehen.[6]

Ausgaben und Übersetzungen


Bibliographie


1 Werkausgaben

2 Hilfsmittel

3 Schriften

4 Aufsätze

Weblinks


Commons: Jüdischer Krieg (Flavius Josephus)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen


  1. Digitalisat des Codex 2° Ms. theol. 65; zum Codex siehe Konrad Wiedemann: Manuscripta theologica. Die Handschriften in Folio (= Die Handschriften der Gesamthochschul-Bibliothek Kassel – Landesbibliothek und Murhardsche Bibliothek der Stadt Kassel. Band 1,1). Harrassowitz, Wiesbaden 1994, S. 96 (online ); Rolf Bergmann, Stefanie Stricker (Hrsg.): Katalog der althochdeutschen und altsächsischen Glossenhandschriften. Band 1. De Gruyter, Berlin/New York 2005, S. 735 f. Nr. 334.
  2. Laut Vorwort „in meiner Muttersprache“.
  3. Einführung von Heinrich Clementz
  4. Flavius Josephus: Vom jüdischen Kriege: Buch 1–4. Nach der slavischen Übersetzung herausgegeben und mit dem griechischen Text verglichen von Alexander Berendts und Konrad Grass. Dorpat 1926-1927.
  5. Christian-Georges Schwentzel: Hérode le Grand, Édition Pygmalion, Paris 2011, S. 94.
  6. Saskia Dönitz: Überlieferung und Rezeption des Sefer Yosippon. S. 3–5.



Kategorien: Flavius Josephus | Antike (Literatur) | Literarisches Werk der Antike | Literatur (Altgriechisch) | Literatur (1. Jahrhundert) | Chronik (Literatur) | Jüdischer Krieg



Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Jüdischer Krieg (Flavius Josephus) (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0


Veränderungen: Alle Bilder und die meisten Designelemente, die mit ihnen in Verbindung stehen, wurden entfernt. Icons wurden teilweise durch FontAwesome-Icons ersetzt. Einige Vorlagen wurden entfernt (wie „Lesenswerter Artikel“, „Exzellenter Artikel“) oder umgeschrieben. CSS-Klassen wurden zum Großteil entfernt oder vereinheitlicht.
Wikipedia spezifische Links, die nicht zu Artikeln oder Kategorien führen (wie „Redlink“, „Bearbeiten-Links“, „Portal-Links“) wurden entfernt. Alle externen Links haben ein zusätzliches FontAwesome Icon erhalten. Neben weiteren kleinen Designanpassungen wurden Media-Container, Karten, Navigationsboxen, gesprochene Versionen & Geo-Mikroformate entfernt.


Stand der Informationen: 04.07.2020 01:52:20 CEST - Wichtiger Hinweis Da die gegebenen Inhalte zum angegebenen Zeitpunkt maschinell von Wikipedia übernommen wurden, war und ist eine manuelle Überprüfung nicht möglich. Somit garantiert LinkFang.org nicht die Richtigkeit und Aktualität der übernommenen Inhalte. Sollten die Informationen mittlerweile fehlerhaft sein oder Fehler in der Darstellung vorliegen, bitten wir Sie darum uns per zu kontaktieren: E-Mail.
Beachten Sie auch : Impressum & Datenschutzerklärung.