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Italienzug



Als Italienzug (oft auch Romfahrt oder Romzug) werden in der historischen Forschung die Heerfahrten der fränkischen und später der römisch-deutschen Könige und Kaiser nach Italien bezeichnet. Diese Unternehmungen konnten zu einem mehrjährigen Aufenthalt in Reichsitalien führen. Der erste Zug eines Herrschers hatte in der Regel die Kaiserkrönung durch den Papst in Rom zum Ziel (daher oft die Bezeichnung Romfahrt oder Romzug). Dieser ging teilweise die Krönung zum König von Italien voraus.

Daneben dienten die Italienzüge der Sicherung der Reichsherrschaft, Wahrung der kaiserlichen Rechtsansprüche und der Nutzung der beachtlichen finanziellen Ressourcen, über die die reichsitalienischen Kommunen verfügten. Aufgrund der hohen Wirtschaftskraft Reichsitaliens waren die dort zu erzielenden Einkünfte ungleich höher als im nordalpinen deutschen Reichsteil. Nicht selten waren die Züge von kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen dem König bzw. Kaiser einerseits und italienischen Städten oder Fürsten andererseits geprägt (siehe auch Ghibellinen und Guelfen).

Allerdings war die Reichsherrschaft in Reichsitalien während des Mittelalters relativ schwach ausgeprägt, da die römisch-deutschen Kaiser über keine ausreichende Verwaltungsstruktur verfügten und die effektive Wahrnehmung von Reichsansprüchen gegenüber den Kommunen die Anwesenheit des Kaisers erforderten. Die daraus resultierende persönliche Anwesenheit des Herrschers führte zu einer erhöhten Anzahl von Beurkundungen für italienische Empfänger. Formal bekleidete der Erzbischof von Köln die Würde des Erzkanzlers für Italien, doch verlor das Amt im 13. Jahrhundert an politischer Bedeutung.

Nach der These von Marie-Luise Favreau-Lilie ging mit dem 15. Jahrhundert ein struktureller Wandel innerhalb des Charakters der Romzüge einher. Sie verloren ihre stark militärisch geprägte Ausrichtung.[1] Neuere Forschungsarbeiten fragen nicht mehr in einseitiger Nord-Süd-Richtung nach den Einflüssen der Herrscher in Italien, sondern das Handeln der ostfränkisch-deutschen Könige und Kaiser erscheint „als das Resultat eines komplexen Wechselspiels der Kräfte, in dem die Herrscher je nur ein Akteur unter vielen waren“.[2]

Aus der Pflicht der Reichsstände zur Heeresfolge als Vasallen leitet sich der Römermonat ab, der das abzustellende Truppenkontingent und den dafür aufzubringenden Sold als in den Reichsmatrikeln festgehaltenen Berechnungsgrundlage für Steuern im Heiliges Römisches Reich bestimmte.

Literatur


Weblinks


Anmerkungen


  1. Marie-Luise Favreau-Lilie: Vom Kriegsgeschrei zur Tanzmusik. Anmerkungen zu den Italienzügen des späteren Mittelalters. In: Jonathan Riley-Smith, Rudolf Hiestand, Benjamin Z. Kedar (Hrsg.): Montjoie. Studies in Crusade History in Honour of Hans Eberhard Mayer. Aldershot u. a. 1997, S. 213–233.
  2. Vgl. dazu Christoph Dartmann, Christian Jörg: Der „Zug über Berge“ während des Mittelalters. Zur Einführung. In: Dies. (Hrsg.): Der „Zug über Berge“ während des Mittelalters. Neue Perspektiven der Erforschung mittelalterlicher Romzüge. Wiesbaden 2014, S. 3–17, hier: S. 7.



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