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Ingwergewächse




Ingwergewächse

Blütenstände von Hedychium longicornutum

Systematik
Unterabteilung: Samenpflanzen (Spermatophytina)
Klasse: Bedecktsamer (Magnoliopsida)
Monokotyledonen
Commeliniden
Ordnung: Ingwerartige (Zingiberales)
Familie: Ingwergewächse
Wissenschaftlicher Name
Zingiberaceae
Martinov

Die Ingwergewächse (Zingiberaceae) sind eine Familie der in Ordnung der Ingwerartigen (Zingiberales) innerhalb der Einkeimblättrigen Pflanzen (Monokotyledonen). Diese Familie enthält je nach Quelle 52 oder 53 Gattungen und ist mit 1200 bzw. über 1300 Arten die artenreichste Familie der Zingiberales. Einige Arten werden als Gewürz- und Heilpflanzen vom Menschen genutzt, zum Beispiel Ingwer, Curcuma und Zitwerwurzel. Viele Arten sind tropische Zierpflanzen.

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung und Ökologie


Erscheinungsbild und Laubblätter

Es sind immergrüne, ausdauernde krautige Pflanzen. Sie bilden fleischige Rhizomen, die knollig verdickt sein können; bei vielen Arten bilden sie Wurzeln. Sie wachsen meist terrestrisch, selten epiphytisch. Es werden nur kurze Stängel gebildet, die bei vielen Arten durch Scheinstämme, die von den Blattscheiden der Laubblätter gebildet werden, ersetzt sind.[1]

Die wechselständig und zweizeilig (distich) angeordneten Laubblätter sind nie zu grundständigen Rosetten vereinigt. Auch die Stellung der Blätter unterscheidet die beiden Familien Costaceae und Zingiberaceae. Die gestielten bis sitzenden Laubblätter besitzen eine einfache Blattscheide. Die ungeteilten Blattspreiten sind krautig bis ledrig, mit oder ohne Haare. Im knospigen Stadium ist die Blattspreite der Länge nach eingerollt. Es ist eine erhabene Mittelrippe und Parallelnervatur vorhanden. Der Blattrand ist glatt. Es sind meist Ligulae vorhanden. Die untersten Blätter sind oft stark reduziert, so dass nur noch die Blattscheide ausgebildet ist.[1]

Blütenstände und Blüten

Endständig an den Scheinstämmen oder auf eigenen kurzen von Blattscheiden bedeckten Stängeln, die direkt aus den Rhizomen hervorgehen, werden die Blütenstände gebildet. Die Blütenstände sind dickkopfige bis schmal ährige Thyrsen, oder es sind aus zwei- bis siebenblütigen Zymen zusammengesetzte traubige Blütenstände. Die Blütenstände enthalten oft auffällig, leuchtend gefärbte Hochblättern (Brakteen) und wenige bis viele Blüten.[2]

Die zwittrigen Blüten sind dreizählig und zygomorph. Das Perianth ist doppelt. Die drei Kelchblätter sind zu einer relativ schmalen Röhre verwachsen, die auf einer Seite offen ist, manchmal spathaähnlich wirkt oder oben dreizähnig oder -lappig ist. Die drei Kronblätter sind an ihrer Basis untereinander verwachsen; die drei Kronlappen unterscheiden sich je nach Taxon sehr in Länge und Form. Es sind zwei Kreise mit ursprünglich je drei Staubblättern vorhanden. Nur das mittlere Staubblatt des inneren Kreises ist fertil; es besitzt einen langen oder kurzen Staubfaden. Alle anderen Staubblätter sind zu Staminodien reduziert und mindestens eines oder drei fehlen. Die beiden seitlichen Staminodien des äußeren Kreises sind kronblattähnlich oder bilden schmale Zähne an der Basis des Labellum, mit dem sie verwachsen sein können, oder sie fehlen. Das mittlere Staminodium des äußeren Kreises fehlt immer. Die beiden seitlichen Staminodien des inneren Kreises sind zu einem sogenannten Labellum verwachsen; es stellt den auffälligsten Teil der Blüte dar. Drei Fruchtblätter sind zu einem unterständigen (synkarpen) Fruchtknoten verwachsen, der ein- oder dreikammerig sein kann, mit mehr oder weniger vielen Samenanlagen je Fruchtknotenkammer. In einer Furche des Staubfadens befindet sich der sehr dünne Griffel und die Narbe befindet sich oberhalb des Staubbeutels.[1]

Die Blüten scheiden relativ viel Nektar ab aus zwei Nektarien, die sich an der Basis des Fruchtknotens befinden.[1] Die einzelnen Blüten verwelken schnell, meist sind sie weniger als einen Tag geöffnet. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten (Entomophilie) oder Vögel (Ornithophilie).[3]

Früchte und Samen

Sie bilden trockene bis fleischige Kapselfrüchte bis manchmal beerenartige Früchte, die wenige bis viele Samen enthalten. Die Samen enthalten Stärke. Der gerade Embryo besitzt ein Keimblatt (Kotyledone).[3] Die Samen besitzen einen Arillus, der oft gelappt bis gefranst ist.[1]

Inhaltsstoffe und Chromosomenzahl

Alle Arten besitzen Exkretzellen im Grundgewebe, die essentielle oder ätherische Öle enthalten. Es wird Kieselsäure in kleinen kugel- oder scheibenförmigen Körpern in Deckzellen oder als Kieselsand in Parenchymzellen akkumuliert.[4] Die Chromosomenzahl beträgt meist n = 12 (9–26).

Systematik und Verbreitung


Die meist tropischen Arten sind meist in der Paläotropis beheimatet und kommen schwerpunktmäßig in Südostasien und auf dem indonesischen Archipel vor. Nur von der Gattung Renealmia sind Arten in der Neotropis beheimatet. Vier Gattungen kommen in Afrika vor: Aframomum, Aulotandra, Siphonochilus und Renealmia.[5]

Der Familienname Zingiberaceae wurde 1820 von Iwan Iwanowitsch Martynow in Tekhno-Botanicheskīĭ Slovar': na latinskom i rossīĭskom iazykakh. Sanktpeterburgie, S. 682[6] und im September 1835 von John Lindley in Key Bot., 69 veröffentlicht. Typusgattung ist Zingiber Boehm.[6] Der Gattungsname Zingiber leitet sich aus einem Wort des Sanskrit sringavera ab und bedeutet hornförmig, dies bezieht sich auf die Rhizome. Synonyme für Zingiberaceae Mart. sind Alpiniaceae Link, Amomaceae J.St.-Hil., nom. illeg., Curcumaceae Dumort.[7] Früher gehörten auch die Taxa der heutigen Familie Costaceae in die Familie der Zingiberaceae, aber beispielsweise das Fehlen von ätherischen Ölen und die Stellung der Laubblätter grenzt sie gut ab.

Unterfamilien mit Tribus und Gattungen

Die Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae) wird gegliedert in vier Unterfamilien und sechs Tribus mit etwa 52 bis 53 Gattungen[7] und 1200 bis mehr als 1300 Arten. In dem hier wiedergegebenen, weitgehend Kress et al. 2002[5] folgenden Umfang sind einige Gattungen polyphyletisch, beispielsweise Afromonum, Alpinia, Globba, Curcuma und Zingiber.[8] Danach erfolgten viele Neubeschreibungen und Veränderungen der Umfänge von Gattungen, die mit jeweiliger Literatur belegt sind:

Nutzung


In der Familie der Zingiberaceae gibt es eine große Anzahl von Arten aus 47 Gattungen mit medizinisch nutzbarem Potenzial.[8][4] Einige Arten werden, besonders in den asiatischen Küchen, als Gewürz verwendet, dabei besonders die Rhizome. Wenige Arten werden als Gemüse oder Salat gegessen. Mehrere Arten liefern Ausgangsstoffe für die Parfümindustrie. Von vielen Arten werden Sorten als Zierpflanzen verwendet.

Quellen


Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m n Delin Wu, Kai Larsen: In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven (Hrsg.): Flora of China. Volume 24: Flagellariaceae through Marantaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2000, ISBN 0-915279-83-5. Zingiberaceae., S. 322–377 – textgleich online wie gedrucktes Werk.
  2. Alan T. Whittemore: In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Volume 22: Magnoliophyta: Alismatidae, Arecidae, Commelinidae (in part), and Zingiberidae, Oxford University Press, New York und Oxford, 2000, ISBN 0-19-513729-9. Zingiberaceae. – textgleich online wie gedrucktes Werk.
  3. a b Die Familie der Zingiberaceae bei DELTA von L.Watson und M.J.Dallwitz.
  4. a b Robert Hegnauer: Chemotaxonomie der Pflanzen: eine Übersicht über die Verbreitung und die systematische Bedeutung der Pflanzenstoffe., Band 7, 1986, S. 780–794, ISBN 978-3-7643-0723-3. Zingiberaceae auf S. 780–794 in der Google-Buchsuche
  5. a b W. John Kress, Linda M. Prince, Kyle J. Williams: The phylogeny and a new classification of the gingers (Zingiberaceae): evidence from molecular data., In: American Journal of Botany, Volume 89, 2002, S. 1682–1696: Online.
  6. a b Zingiberaceae bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 12. November 2014.
  7. a b c Zingiberaceae im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland.
  8. a b Dhivya Selvaraj, Rajeev Kumar Sarma & Ramalingam Sathishkuma Phylogenetic analysis of chloroplast matK gene from Zingiberaceae for plant DNA barcoding. In: Bioinformation, Volume 3, Issue, 2008, S. 24–27, PMC 2586133 (freier Volltext)
  9. a b Kyle J. Williams et al.: The Phylogeny, Evolution, and Classification of the Genus Globba and Tribe Globbeae (Zingiberaceae): Appendages Do Matter., In: American Journal of Botany, Volume 91, Issue 1, 2004, S. 100–114.
  10. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z aa ab ac ad ae af ag ah ai aj ak al am an ao Rafaël Govaerts, 1995: World Checklist of Seed Plants 1 (1, 2), 1–483, 1–529. MIM, Deurne. Rafaël Govaerts (Hrsg.): Zingiberaceae. In: World Checklist of Selected Plant Families (WCSP) – The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Abgerufen am 9. Juni 2020.
  11. Kai Larsen & Thaya Jenjittikul: Laosanthus, a new genus of Zingiberaceae from Laos, in Nordic Journal of Botany, Volume 21, Issue 2, 2001, S. 135–138.
  12. R. J. Searle: The genus Scaphochlamys (Zingiberaceae – Zingibereae): a compendium for the field worker. In: Edinburgh Journal of Botany, Volume 67, 2010, S. 75–121.
  13. W. John Kress, Thet Htun: A Second Species of Smithatris (Zingiberaceae) from Myanmar. In: Novon, Volume 13, Issue 1, 2003, S. 68–71.
  14. a b c d e f g h i Hugo de Boer, Mark Newman, Axel D. Poulsen, A. J. Droop, Tomas Fér, Lê T. T. Hiên, Kristyna Hlavatá, Vichith Lamxay, James-Edward Richardson, Karin Steffen, Jana Leong-Škorničková: Convergent morphology in Alpinieae (Zingiberaceae): Recircumscribing Amomum as a monophyletic genus. In: Taxon, Volume 67, Issue 1, März 2018, S. 6–36. doi:10.12705/671.2
  15. V. Lamxay, M. F. Newman: A revision of Amomum (Zingiberaceae) in Cambodia, Laos and Vietnam. In: Edinburgh Journal of Botany, Volume 69, 2012, S. 99–206.
  16. a b Axel D. Poulsen, Helena Båserud Mathisen, Mark Newman, Marlina Ardiyani, Øystein Lofthus, Charlotte Bjora: Sulettaria: A new ginger genus disjunct from Elettaria cardamomum. Taxon, Volume 67, August 2018, S. 725–738. doi:10.12705/674.3
  17. Axel Dalberg Poulsen: Etlingera of Borneo, in Natural History Publications (Borneo). Kota Kinabalu, Sabah, 2006. ISBN 983-812-117-7.
  18. Kai Larsen: A new species of Caulokaempferia (Zingiberaceae) from Laos., In: Edinburgh Journal of Botany, Volume 60, Issue 3, 2003, S. 509–512.
  19. P. Suksathan: A new species of Caulokaempferia (Zingiberaceae) from Thailand. In: Edinburgh Journal of Botany, Volume 60, Issue 3, 2003, S. 513–516.
  20. Chayan Picheansoonthon, Supachai Koonterm: Three New Species of the Yellow-flowered Caulokaempferia (Zingiberaceae) from Northeastern Thailand., In: Taiwania, Volume 53, Issue 3, 2008, S. 248–257: Online.  (Seite nicht mehr abrufbar, Suche in Webarchiven  Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
  21. Cautleya spicata bei Plants For A Future
  22. Einträge zu Hedychium bei Plants For A Future
  23. Gordon Cheers (Hrsg.): Botanica: Das ABC der Pflanzen. 10.000 Arten in Text und Bild. Könemann Verlagsgesellschaft, 2003, ISBN 3-8331-1600-5.

Weblinks


Commons: Ingwergewächse (Zingiberaceae)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien








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