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Imperium (Rom)

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Der Begriff Imperium (von lateinisch imperare, „herrschen“, „befehlen“, „gebieten“) gehörte im römischen Reich zum Konzept der rechtlichen Amtsbefugnisse. Ein Mann, der ein imperium innehatte, hatte fast absolute Macht innerhalb des Zuständigkeitsbereichs seines Amtes, konnte aber per Veto oder Mehrheitsbeschluss durch den oder die Inhaber eines höher- oder gleichgestellten Imperiums überstimmt werden. Unscharf war die Abgrenzung zwischen imperium (Befehlsgewalt, Machtbereich) und potestas (Amtsgewalt). Am ehesten kann man wohl sagen, dass ein imperium immer auch eine potestas war, nicht umgekehrt. Ursprünglich wurde jeder Träger eines Imperiums als Imperator bezeichnet; erst später, seit Scipio Africanus, bekam dieses Wort eine speziellere Bedeutung – zunächst „militärischer Befehlshaber“, dann „siegreicher Feldherr“ – und bezeichnete zuletzt nur noch die römischen Kaiser.

Im Regelfall wurde man in die Ämter, mit denen ein imperium verbunden war, durch die Comitia Centuriata gewählt, also durch jene Volksversammlung, die das römische Volk in Waffen repräsentierte. Ein Beamter mit imperium (Magistrat oder Promagistrat) wurde von Liktoren begleitet, die die fasces trugen (in Rom das traditionelle Symbol von Imperium und Autorität); außerhalb des pomerium (der sakralrechtlichen Stadtgrenze) wurden den fasces Äxte hinzugefügt, um die Macht eines imperialen Beamten anzuzeigen, außerhalb Roms die Todesstrafe über römische Bürger zu verhängen, die unter ihm dienten. Die Zahl der Liktoren, die den Beamten begleiteten, war ein offenkundiges Zeichen des Rangs des jeweiligen Imperiums:

Formal erhielten die Magistrate das imperium nach ihrer Wahl durch die Comitia Centuriata bei Amtsantritt durch eine lex curiata de imperio von der sonst kaum noch üblichen und altertümlichen Form der Volksversammlung, den Comitia Curiata, verliehen. Innerhalb Roms war es als imperium domi gewissen gesetzlichen Schranken unterworfen; außerhalb des Pomeriums umfasste es die volle Straf- und Befehlsgewalt (imperium militiae). Vor einigen Jahren wurde wieder die ältere Auffassung vertreten, dass ein imperium bis auf wenige Ausnahmefälle nur außerhalb des Pomeriums wirksam war, während die Amtsgewalt aller Magistrate in Rom als potestas galt.[1]

Das imperium domi erlosch mit dem Ende des Amtsjahres, das imperium militiae hingegen bestand prinzipiell fort, bis sein Träger einen Nachfolger erhielt. Seit dem späten 4. Jahrhundert v. Chr. konnte es vom Senat formal verlängert („prorogiert“) werden. Sein Inhaber war dann Promagistrat (Prokonsul oder Proprätor) und hatte das Imperium in gleicher Weise inne wie während des ursprünglichen Amtes; er wurde daher von der gleichen Anzahl Liktoren begleitet. Das imperium militiae erlosch automatisch, wenn sein Träger das Pomerium überschritt und Rom betrat; nur Triumphatoren verloren ihr imperium erst nach dem Triumphzug. Betraten sie allerdings vor dem Triumph die Stadt – etwa um sich um ein Amt zu bewerben –, so verloren sie ihr imperium und den Anspruch auf den Triumph, wenn sie nicht zuvor eine Sondergenehmigung eingeholt hatten.

Einige außergewöhnliche Aufträge, wie das berühmte Kommando des Gnaeus Pompeius Magnus gegen die Piraten, waren mit einem imperium maius ausgestattet, was bedeutete, dass es alle Inhaber anderer Imperia innerhalb des Auftragsgebietes überragte (in Pompeius’ Fall auch die Konsuln).

Das ähnlich angelegte imperium proconsulare [maius?] („[vergrößerte] statthalterliche Amtsgewalt“) wurde ein wichtiger Bestandteil der Amtsgewalt der römischen Kaiser seit der Verleihung an Augustus 23 v. Chr.; es gab ihnen die Möglichkeit, in allen Provinzen den Oberbefehl über das Heer zu übernehmen, die dem Kaiser formal unterstellt wurden. Diese Provinzen lagen an den truppenstarken Grenzen des Reiches (darunter auch das reiche Ägypten) und werden als „kaiserliche Provinzen“ bezeichnet, im Gegensatz zu den so genannten „senatorischen Provinzen“. In den kaiserlichen Provinzen ließen sich die Kaiser durch legati Augusti vertreten; da diese formal nicht unter eigenen Auspizien und ohne eigenes imperium agierten, konnten sie nicht zum Imperator ausgerufen werden und daher auch keinen Triumph feiern; beides stand daher faktisch nur dem Kaiser zu. Inschriften aus Nordafrika (Kyrene) belegen, dass es das imperium proconsulare zudem bereits Augustus erlaubte, auch direkt in Senatsprovinzen einzugreifen, obwohl ihm diese formal nicht unterstellt waren.

Gegen Ende der Republik nahm imperium daneben, ähnlich wie provincia, zunehmend auch eine räumliche Bedeutung an und bezeichnete also einen konkreten territorialen Zuständigkeits- bzw. Machtbereich. Die anfangs inoffiziellen Begriffe Imperium populi Romani („Machtbereich des römischen Volkes“) und seit Cicero Imperium Romanum („römisches Imperium“) wurden so Bezeichnungen für den römischen Herrschaftsbereich insgesamt, also das Römische Reich.

Literatur


Anmerkungen


  1. Fred K. Drogula: Imperium, potestas, and the pomerium in the Roman republic. In: Historia 56, 2007, S. 419–452.



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