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Humboldt-Universität zu Berlin




Humboldt-Universität zu Berlin
Gründung 16. August 1809, Lehrbetrieb ab 10. Oktober 1810
Trägerschaft staatlich
Ort Berlin
Bundesland Berlin Berlin
Land Deutschland Deutschland
Präsidentin Sabine Kunst[1]
Studierende 43.697 (inkl. Charité) (WS 2018/2019; ♀: 57 %)[2]
Mitarbeiter 3.889 (2018), ferner 1.864 stud. Hilfskräfte (ohne Charité)[2]
davon Professoren 461 (2018; ♀: 31 %), inkl. 45 Juniorprofessuren[2]
Jahresetat 452,9 Mio. € (2018) inkl. 113,6 Mio. € Drittmittel[3]
Netzwerke DFH[4], German U15, IAU[5]
Website www.hu-berlin.de

Die Humboldt-Universität zu Berlin (kurz HU Berlin, 1828–1945: Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin) wurde im Sommer 1809 vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. als Universität zu Berlin (lateinisch Alma Mater Berolinensis) gegründet und nahm im Herbst 1810 den Lehrbetrieb auf. Die größte und älteste Hochschule in Berlin ist seit 1949 nach den preußischen Wissenschaftlern Wilhelm und Alexander von Humboldt benannt. Sie hat ihren Hauptsitz im Palais des Prinzen Heinrich an der Straße Unter den Linden 6 im Ortsteil Mitte.

Die HU Berlin gehört zu den 20 größten Hochschulen in Deutschland und den renommiertesten Universitäten weltweit.[6] Am 19. Juli 2019 wurde sie im Rahmen der Exzellenzstrategie als Einrichtung der Berlin University Alliance (zusammen mit der Freien Universität Berlin, der Technischen Universität Berlin und der Charité – Universitätsmedizin Berlin) von Bund und Ländern in die zweite Förderlinie aufgenommen, nachdem sie bereits 2012 im Rahmen der Exzellenzinitiative zur „Exzellenzuniversität“ ernannt worden war.[7][8]

Inhaltsverzeichnis

Friedrich-Wilhelms-Universität


Die Universität wurde am 16. August 1809 auf Initiative des liberalen preußischen Bildungspolitikers Wilhelm von Humboldt durch König Friedrich Wilhelm III. im Zuge der preußischen Reformen gegründet und nahm 1810 als Universität zu Berlin (Alma Mater Berolinensis) ihren Betrieb auf. Von 1828 bis 1945 trug sie zu Ehren ihres Gründers den Namen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. 1949 erhielt die Berliner Universität den Namen Humboldt-Universität zu Berlin.

Gründung

Wesentliche Impulse zur Universitätsgründung gingen von bedeutenden Wissenschaftlern dieser Zeit aus, vor allem von dem Philosophen Johann Gottlieb Fichte und dem Theologen Friedrich Schleiermacher.

Unter dem Eindruck der Reformideen Schleiermachers entwickelte der Diplomat und Sprachwissenschaftler Wilhelm von Humboldt seine Universitätskonzeption. Humboldt war seit Februar 1809 für ein Jahr Sektionschef für Kultus und Unterricht im Ministerium des Innern. Sein oberstes Ziel war es, ein neues Bildungssystem in Preußen einzuführen. Die Hauptsäulen seines Konzepts waren die enge Verbindung von Forschung und Lehre, freie Wissenschaft um ihrer selbst willen und Persönlichkeitsformung.

Zu den ersten Professoren, deren Berufung auf Wilhelm von Humboldt zurückging, gehörten August Boeckh (Philologie), Albrecht Thaer (Landwirtschaft), Friedrich Carl von Savigny (Jura), Christoph Wilhelm Hufeland (Medizin) und Carl Ritter (Geographie). Sie trugen Humboldts Konzept mit. Der Betrieb der Wissenschaften verlange, so der Gelehrte und Staatsmann, dass Akademien, Universitäten und relativ selbstständige Forschungseinrichtungen zusammengeführt werden. Humboldts Konzepte, wie die erst später berühmt gewordene Denkschrift „Über die innere und äußere Organisation der höheren wissenschaftlichen Anstalten in Berlin“, beeinflussten die Idee der modernen Universität. Die „universitas litterarum“ als Gemeinschaft aller Wissenschaften im Sinne Humboldts, so Gabriele Metzler, sei „aktueller denn je, wenn man die drängenden Fragen der Gegenwart nicht von wissenschaftlichen Disziplinen, sondern von übergreifenden, inter- wie transdisziplinären Erkenntnisinteressen und Methoden her denkt.“[9]

Nach Gerhard Lauer war der Gründungsakt ein „bescheidenes Ereignis: Die Universität verfügte damals über kein eigenes Gebäude, viele Wissenschaftler kamen von der aufgelösten Universität Halle oder standen erst am Anfang ihrer Karriere“. Große Wissenschaftler wie Carl Friedrich Gauß seien einem Ruf nicht gefolgt. Das moderne Bildungsideal habe seine Wirkkraft anfangs noch nicht voll entfalten können: „Für Humboldts Zeitgenossen war sie [die Gründung] kein sonderlich beachtenswertes Ereignis. Sie war vor allem kein Bruch mit Traditionen anderer Universitäten“.[10]

Alles, was für die Ausbildung der Studenten geeignet war, wurde der Universität angegliedert oder konnte von den Studenten genutzt werden. So bekam sie das von 1748 bis 1766 in der Dorotheenstadt erbaute und seit dem Tod der Prinzessin Heinrich im Vorjahr (1808) ungenutzte Palais des Prinzen Heinrich übereignet. Mehrfach umgebaut und in den Jahren 1913 bis 1920 durch Anbauten erweitert, ist es das Hauptgebäude der Universität, seit 1937 (Teil-Umbenennung des damaligen Kaiser-Franz-Josephs-Platzes, seit 1947 Bebelplatz) amtlich zur Straße Unter den Linden gehörig.

Nachdem am 28. September 1810 Theodor von Schmalz zum ersten Rektor berufen worden war und sich am 6. Oktober die ersten Studenten immatrikuliert hatten,[11] konnte am 10. Oktober 1810 der Lehrbetrieb aufgenommen werden.[12] Die Fächer wurden in die Fakultäten Jura, Medizin, Philosophie und Theologie gegliedert. Die Naturwissenschaften waren damals Teil der Philosophischen Fakultät, so dass die Doktoranden zum Dr. phil. (nicht zum Dr. rer. nat.) promoviert wurden.

Karl Eduard Erdmann berichtet über die Privatdozenten und Professoren an der Friedrich-Wilhelms-Universität vor 1870:[13]

Lehrer Theologie Recht Philosophie Medizin Gesamt
Ordentliche Professoren 9 11 14 51 85
Honorarprofessoren 1 3 4 4 12
Außerordentliche Professoren 7 3 30 40 80
Privatdozenten 1 10 70 86 167
Gesamt 18 27 118 181 344

Erweiterung

Neben der starken Verankerung traditioneller Fächer, wie der Altertumswissenschaft, der Rechtswissenschaft, Philologie und Geschichte, Medizin und Theologie, entwickelte sich die Berliner Universität zum Wegbereiter für zahlreiche neue naturwissenschaftliche Disziplinen. Das verdankte sie besonders der Förderung des Naturwissenschaftlers Alexander von Humboldt, Bruder des Gründers Wilhelm. So richtete Georg Ludwig Hartig 1821 an der Universität einen Lehrstuhl für Forstwirtschaft ein, aus dem später die Forstliche Hochschule Eberswalde wurde. Mit dem Bau modernster Forschungs- und Lehreinrichtungen für die Naturwissenschaften wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begonnen. Berühmte Forscher, wie der Chemiker August Wilhelm von Hofmann, der Physiker Hermann von Helmholtz, die Mathematiker Ernst Eduard Kummer, Leopold Kronecker, Karl Weierstraß, die Mediziner Johannes Peter Müller, Albrecht von Graefe, Rudolf Virchow und Robert Koch, trugen den wissenschaftlichen Ruhm der Berliner Universität über die nationalen Grenzen.

Im Zuge der Erweiterung der Universität wurden andere in der Stadt bereits vorhandene Einrichtungen schrittweise eingegliedert. Beispiele hierfür sind die Charité, die Pépinière und das Collegium medico-chirurgicum. Das Collegium medico-chirurgicum wurde 1809 aufgelöst, die Bücherei von der Pépinière übernommen, und das medizinische und chirurgische Universitätsklinikum entstand 1810 zuerst in zwei Wohnungen der Friedrichstraße 101, bis nach mehreren Umzügen 1818 ein als Bleizucker- und Stärkefabrik gebauter Gebäudekomplex in der Ziegelstraße 5/6 erworben wurde. Die Entbindungsanstalt entstand 1816 in der Oranienburger Straße, wurde später in die Dorotheenstraße verlegt, und war der Vorläufer der 1882 eröffneten I. Universitäts-Frauenklinik in der Artilleriestraße (seit 1951 Tucholskystraße). Friedrich I. ließ 1710 ein Quarantäne-Haus für Pestkranke vor den Toren der Stadt errichten. Der ‚Soldatenkönig‘ Friedrich Wilhelm I. verfügte im Jahre 1727: „Es soll das Haus die Charité (frz. für ‚Barmherzigkeit‘, ‚Mildtätigkeit‘) heißen“. 1829 bezog die Medizinische Fakultät der Universität diesen Standort, und erst 1927 wurde die chirurgische Universitätsklinik als letzte Klinik in die Charité verlagert.

Für die seit 1810 zur Universität gehörenden naturhistorischen Sammlungen wurde 1889 ein eigenes Gebäude errichtet, das heutige Museum für Naturkunde. Eine bereits seit 1790 bestehende Tierarzneischule bildete 1934 den Grundstock der Veterinärmedizinischen Fakultät, und die 1881 gegründete Landwirtschaftliche Hochschule Berlin wurde als Landwirtschaftliche Fakultät der Universität angegliedert.

Frauen an der Universität

Die liberale Sozialreformerin der deutschen Frauenbewegung Alice Salomon war eine der wenigen Frauen, die am Anfang des 20. Jahrhunderts studieren durften. Jahrzehntelang hatten engagierte Frauen darum gekämpft, dass auch sie am wissenschaftlichen Leben teilnehmen konnten. Jedoch erst im Jahr 1908 wurde Frauen in Preußen das Recht zur Immatrikulation gewährt. Von den vier Fakultäten hatte die Philosophische Fakultät den größten weiblichen Zulauf. Schon vor dem Immatrikulationsrecht hatte es an der Berliner Universität Studentinnen gegeben, allerdings nur als Doktorandinnen mit Ausnahmegenehmigung. Als erste Frau promovierte 1899 die Physikerin Elsa Neumann. Die erste Frau, die in Berlin zur Professorin ernannt wurde, war die Mikrobiologin Lydia Rabinowitsch-Kempner, die 1912 den Titel verliehen bekam. Allerdings erhielt sie keine Anstellung an der Universität. 1926 wurde Lise Meitner als erste Physikerin an einer preußischen Universität zur außerordentlichen Professorin ernannt. Bei anderen begabten Wissenschaftlerinnen, wie der jüdischen Historikerin Hedwig Hintze, endete nach 1933 der akademische Weg mit dem Entzug der Lehrbefugnis und Emigration. Im Jahr 1947 ging dann Liselotte Richter als erste deutsche Professorin für Philosophie und Theologie in die Annalen der Universität ein. Die Berliner Universität war schon zwischen 1919 und 1945 die deutsche Universität mit den meisten Dozentinnen.

Zeit des Nationalsozialismus

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten begann an der Berliner Universität die Diffamierung jüdischer Wissenschaftler und Studierender. Vorlesungen jüdischer Dozenten wurden boykottiert, Hörer tätlich angegriffen. Politisch missliebige Dozenten waren von Verfolgung betroffen. Studierende und Lehrende der Universität beteiligten sich an der Bücherverbrennung vom 10. Mai 1933.

Nach der Machtergreifung vertrieben die Nationalsozialisten 280 Angehörige des Lehrkörpers. Das entsprach einer Entlassungsquote von 35 %. Mehr als 90 % der Entlassungen erfolgten aus antisemitischen Gründen. Andere Wissenschaftler zogen es vor, die Berliner Universität freiwillig zu verlassen.[14] Auch viele Studenten, darunter einige nichtjüdische, kehrten ihrer ehemaligen Alma Mater für immer den Rücken, die einst als Heimstätte des humanistischen Denkens gegolten hatte. Zahlreiche Doktortitel wurden aberkannt.

Die Vertreibung und Ermordung jüdischer Gelehrter und Studierender sowie politischer Gegner des Nationalsozialismus haben der Universität und dem geistigen Leben in Deutschland schweren Schaden zugefügt. Widerstand aus der Universität heraus blieb eher selten.

Neugründung und Spaltung


Neugründung

Kurz nach dem Ende der Kampfhandlungen, am 20. Mai 1945, kam es bereits zu einem ersten Treffen von Professoren bezüglich der zu einer Wiedereröffnung der Universität notwendigen Schritte, bei der der neugebildete Berliner Magistrat und die sowjetische Militärverwaltung beteiligt waren.[15]:19 ff. Die Vorbereitungsgruppe hatte vor allem die Frage der räumlichen Unterbringung zu lösen, da alle Universitätsgebäude schwer beschädigt waren. Des Weiteren stellte sich die Frage nach der Auswahl von Dozenten und Studenten: die Alliierte Militärverwaltung forderte im Rahmen der Entnazifizierung, dass keine Personen mit aktiver Beteiligung an nationalsozialistischen Organisationen an der Universität zugelassen werden dürften. Außerdem musste ein Budget aufgestellt werden, provisorische Lehrpläne, eine neue Universitätsordnung und ein Zeitplan für die Wiedereröffnung. Obwohl die Universität zunächst formell unter Viermächtekontrolle stand, erklärte sich die Sowjetische Militäradministration (SMAD) im September 1945 einseitig für die Kontrolle der im sowjetischen Sektor liegenden Universität zuständig und unterstellte diese der von ihr geschaffenen ostzonalen Deutschen Zentralverwaltung für Volksbildung (DVV).[16]:88 ff. Nachdem bereits am 3. September 1945 „Vorkurse für Studienanfänger“ begonnen hatten, konnte die Wiedereröffnung der Universität Anfang 1946 stattfinden.[15]:20[16]:87

Der Neubeginn der Universität im Januar 1946 geht auf einen Prikas (Befehl-Nr. 4) der SMAD zurück. Die SMAD, die die Berliner Universität nach sowjetischem Vorbild umgestalten wollte, bestand darauf, dass diese neueröffnet und nicht wiedereröffnet werde, da sie bei einer Wiedereröffnung unter Vier-Mächte-Kontrolle gestanden hätte. Der von der SMAD mit der Eröffnung beauftragte Präsident der DVV, Paul Wandel, sagte in seiner Rede zum Festakt am 29. Januar 1946: „Ich sprach von der Neueröffnung und nicht von der Wiedereröffnung der Universität. […] Die Berliner Universität muß in der Tat in fast allem neu beginnen. Sie haben das Bild der alten Universität vor sich. Was davon blieb, ist eine einzige Trümmerstätte.“ Der neue Rektor Stroux sprach von einer „völligen Erneuerung der äußeren und inneren Gestalt“ der Universität, die allerdings, wie im Mythos vom Vogel Phoenix, ihre Neuschöpfung selbst vollziehen werde. Dabei gelte unverändert „das Programm, das Wilhelm von Humboldt entworfen hat […] als Quelle der Kraft und Wegleitung in unsere Zukunft“. Diese Zukunft werde „eine Zeit freier deutscher Geistesarbeit“ sein, in der die Universität als „Volksuniversität“ sich allen Schichten des Volkes öffnen werde.[16]:99

Der Lehrbetrieb wurde zunächst in sieben Fakultäten in zum Teil kriegszerstörten Gebäuden wiederaufgenommen. Viele Lehrkräfte waren tot, verschollen oder konnten aufgrund ihrer Verstrickung in den Nationalsozialismus nicht übernommen werden.[17]:110 ff. Das erste Nachkriegssemester begann mit 2.800 Studenten.[15]:33 Doch bereits zum Wintersemester 1946 wurde eine Wirtschaftswissenschaftliche und eine Pädagogische Fakultät neu eröffnet. Um politisch oder rassisch verfolgten jungen Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus keine Möglichkeit hatten, die Hochschulreife zu erwerben, diese Chance zu geben, wurde eine Vorstudienanstalt eingerichtet. Daraus ging die Arbeiter-und-Bauern-Fakultät (ABF) hervor, die bis 1962 existierte.

Spaltung

Der Ost-West-Konflikt im Nachkriegsdeutschland führte zu einer immer stärker werdenden kommunistischen Einflussnahme auf die Universität. Dies blieb nicht unumstritten und hatte starke Proteste innerhalb der Studierendenschaft und von Teilen des Lehrkörpers zur Folge. Erste Beschwerden von Studenten wurden bereits am 1. Mai 1946 laut, als am Hauptgebäude der Universität das Emblem der SED angebracht wurde und es mit roten Fahnen beflaggt wurde.[18]:23 Eine Antwort darauf war unter anderem die Verhaftung mehrerer Studenten, darunter Georg Wrazidlo, welche der CDU bzw. der Jungen Union angehörten, durch die sowjetische Geheimpolizei MWD im März 1947.[19]:38 Die Urteile des sowjetischen Militärtribunals in Berlin-Lichtenberg lauteten auf jeweils 25 Jahre Zwangsarbeit und wurden mit der angeblichen Bildung einer ‚Untergrundbewegung an der Universität Berlin‘ sowie Spionage begründet. Daraufhin wurden bereits Ende 1947 Forderungen nach einer „freien“ Universität laut. 18 weitere Studenten und Lehrende wurden zwischen 1945 und 1948 von der sowjetischen Geheimpolizei verhaftet. Einige Universitätsangehörige, die durch sowjetische Militärtribunale zum Tode verurteilt worden waren, wurden in der Sowjetunion hingerichtet.

In einer Diskussion am 1. April 1947 zwischen Vertretern des Studentenrates und Professor Solotuchin, dem Leiter der Volksbildungsabteilung der SMAD, erklärte dieser, die Personen seien nicht in ihrer Eigenschaft als Studenten, sondern als deutsche Staatsbürger verhaftet worden und zwar „wegen erwiesener faschistischer Aktivitäten“, wobei er jedoch keinerlei Beweise vorlegte.[18]:23

Ein besonderer Kritikpunkt an der Berliner Universität war spätestens seit Beginn des Wintersemesters 1946 das Zulassungsverfahren zum Studium: In den Bewerbungsgesprächen wurde nach politischer Einstellung gefragt, Bewerber aus der Arbeiterklasse sowie Mitglieder kommunistischer Organisationen wurden offenbar bevorzugt, bürgerliche und SED-kritische Studenten ausgeschlossen. Auf Kritik stieß die Verpflichtung zur Teilnahme an Vorlesungen mit Titeln wie: „Einführung in die politischen und sozialen Probleme der Gegenwart“. Der Universität wurde vorgeworfen, zur „SED-Parteiuniversität“ zu werden.[19]:33–39

Nachdem im Frühjahr 1948 die Universitätsleitung mehreren Studenten ohne ordentliches Rechtsverfahren die Zulassung zum Studium entzogen hatte, forderten die oppositionellen Studenten eine Freie Universität, die mit Unterstützung vor allem der USA, der Zeitung Der Tagesspiegel und des Regierenden Bürgermeisters Ernst Reuter im amerikanischen Sektor in Dahlem gegründet wurde. Damit bewahrten die Studenten nach ihrem Verständnis das Humboldtsche Ideal der Freiheit von Lehre und Forschung. Der lateinische Wahlspruch des Wappens: „Veritas – Iustitia – Libertas“ (Wahrheit – Gerechtigkeit – Freiheit), mit dem die Fackel des Geistes tragenden Berliner Bär, sollte die ideologische Distanz zur kommunistisch dominierten alten Berliner Universität zum Ausdruck bringen und gleichzeitig an ihre Tradition erinnern.[20] Die jahrzehntelange Teilung der Stadt in Ost-Berlin und West-Berlin zementierte die Spaltung in zwei eigenständige Universitäten.

Humboldt-Universität


DDR-Zeit

1949 erhielt die Berliner Universität Unter den Linden den Namen Humboldt-Universität zu Berlin, das teils kriegszerstörte Hauptgebäude wurde bis dahin rekonstruiert.[21] Zwischen 1946 und 1949 hieß sie – wie in den Anfangsjahren bis 1828 auch – Berliner Universität oder Universität Berlin. Studieninhalte, Studienablauf und Forschungsbedingungen orientierten sich an den politischen Grundlagen der 1949 gegründeten DDR.[18]:121–133 Mit der beginnenden Entspannung in Europa Mitte der siebziger Jahre konnte die Humboldt-Universität auf einigen Wissenschaftsgebieten den internationalen Anschluss wiederherstellen und durch weltweite Kooperationen festigen. Hervorzuheben sind die langjährigen und intensiven Forschungs- und Austauschbeziehungen zu Hochschulen in Mittel- und Osteuropa, insbesondere mit Einrichtungen in der Sowjetunion. Es gab in dieser Zeit intensive Kooperationen mit Universitäten in Japan und den USA, sowie mit Entwicklungsländern in Asien, Afrika und Lateinamerika.

An der Humboldt-Universität, der größten Universität der DDR, wurden bis 1990 fast 150.000 Studierende ausgebildet. International anerkannte Forscher lehrten an der Universität. Viele konnten nach der Wiedervereinigung ihren Platz in der akademischen Welt behaupten.

Seit 1990

Die Erneuerung nach der Deutschen Wiedervereinigung hatte einen erheblichen Personalwechsel zur Folge. Von 1989 bis 1994 schieden im Hochschulbereich fast 3000 Wissenschaftler, teils aus Altersgründen, zumeist aus politischen, fachlichen oder strukturellen Gründen, aus. Die Studierendenschaft wurde im Zuge dieser Öffnung zunehmend kritischer, so gründete sich am 17. November 1989 die UnAufgefordert, die unabhängige Studierendenzeitung der HU. Sie begleitete den Veränderungsprozess und kommentierte das Geschehen aus studentischer Perspektive.[22] In Eigenverantwortung von Struktur- und Berufungskommissionen sowieso auf Grundlage von zahlreichen Gutachten und Empfehlungen von Expertengruppen gab sich die Humboldt-Universität ein neues wissenschaftliches Gefüge: Forschungs- und Lehrinhalte wurden evaluiert, verändert und neu definiert.

Seit der deutschen Wiedervereinigung hat Berlin vier Universitäten, die versuchen, ihre Studienpläne zu koordinieren. Traditionelle Studiengänge wurden im Rahmen der Studienreform umstrukturiert und das Lehrangebot auf eine moderne und international vergleichbare Grundlage gestellt und die Forschung neu ausgerichtet und gestärkt.

Durch die Erneuerung gelang es der Humboldt-Universität, in Forschung und Lehre wieder an Ansehen und Attraktivität zu gewinnen. Diese Entwicklung dokumentieren auch die beträchtlichen Fördermittel der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die an die Humboldt-Universität fließen und als Indikator für den wissenschaftlichen Erfolg gelten. Enge Kontakte und Kooperationen mit der Wirtschaft stärken die Verankerung der Universität in der Gesellschaft.

Studierendenzahlentwicklung

Seit 1994 verfügt die Universität über elf Fakultäten und mehrere interdisziplinäre Zentren und Zentralinstitute. Mit über 300 Liegenschaften in Berlin und Brandenburg zählt sie zu den bedeutendsten Standortfaktoren der Region. Im Wintersemester 2004/2005 waren 40.828 Studierende an der Humboldt-Universität einschließlich Charité eingeschrieben. Diese Zahl ist seit 1989 stark angestiegen. Im Wintersemester 1992/1993 studierten noch 20.425 Personen an der Universität, somit hat sich die Zahl seither verdoppelt. Inzwischen unterliegen fast alle Studiengänge einer Zulassungsbeschränkung. Auch wegen der für junge Menschen attraktiven Hauptstadtlage bewarben sich beispielsweise im Wintersemester 2007/2008 25.750 Abiturienten für nur 3.455 Studienplätze.[23] Sie studieren auf den verschiedenen Standorten in Mitte, Adlershof und im Norden Berlins. 5791 (14,1 Prozent) ausländische Studierende aus mehr als 100 Ländern lernen und forschen derzeit an der Humboldt-Universität.

Rankings

Gegenwärtig pflegt die HU Partnerschaften zu über 170 wissenschaftlichen Einrichtungen auf allen Kontinenten. Sie bezeichnet sich als Reformuniversität im Zeichen der Exzellenz und verfügt über ein Management mit einem hauptamtlichen Präsidium. Die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, ein System der Qualitätssicherung in Forschung und Lehre sowie die Studienreform machen die HU zu einer der führenden deutschen Hochschulen mit breiter nationaler und internationaler Anerkennung, wie zahlreiche Hochschulrankings jedes Jahr zeigen. Dennoch hat die Humboldt-Universität in der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder zur Förderung von Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen ihre selbst gesteckten Ziele nicht erreicht. In der ersten Runde im Jahr 2006 wurde ihr Zukunftskonzept nicht zur Antragsstellung aufgefordert. Im Jahr 2007 kam sie zwar in die Vorrunde, wurde jedoch zunächst nicht als sogenannte „Eliteuniversität“ ausgezeichnet. Allerdings bekam sie in der ersten Runde eine Graduiertenschule und in der zweiten Runde zwei weitere Graduiertenschulen sowie ein eigenes Exzellenzcluster (Exzellenzcluster Topoi) bewilligt, an zwei weiteren ist sie gemeinsam mit anderen Berliner Wissenschaftseinrichtungen beteiligt. In der Vorrunde der dritten Exzellenzinitiative 2011 wurde die HU neben sechs weiteren deutschen Universitäten zum Langantrag aufgefordert. Im Rahmen der zweiten Exzellenzinitiative von Bund und Ländern erhielt sie den Exzellenzstatus. Sie erhielt zudem einen neuen Exzellenzcluster und zwei weitere Graduiertenschulen, sodass die Universität nun zwei Exzellenzcluster besitzt und an einem weiteren Cluster gemeinsam mit der TU Berlin beteiligt ist, sowie drei eigene Graduiertenschulen und zwei Beteiligungen an Graduiertenschulen hat.[24]

Im World University Ranking 2014/15 der Times Higher Education erreichte die HU Platz 80.[25] Im World University Ranking 2018/19 der Times Higher Education erreichte die HU weltweit Platz 67 und im World Reputation Ranking 2018 lag sie auf den Plätzen 61–70 und gehört damit beides Mal zu den besten vier deutschen Universitäten.[26]

Gliederung


Präsidium

Das Präsidium der Humboldt-Universität setzt sich zusammen aus der Präsidentin Sabine Kunst, die dieses Amt am 11. Mai 2016 von ihrem Vorgänger Jan-Hendrik Olbertz übernahm, der Vizepräsidentin für Lehre und Studium (VPL) Eva Inés Obergfell, dem Vizepräsidenten für Forschung (VPF) Peter Frensch sowie dem Vizepräsidenten für Haushalt, Personal und Technik (VPH) Ludwig Kronthaler. Der Präsidentin ist der Präsidialbereich mit zwei Referaten und zwei Stabsstellen unterstellt, der Vizepräsidentin für Lehre und Studium unterstehen fünf, dem Vizepräsidenten für Forschung vier, dem Vizepräsidenten für Haushalt vier Abteilungen.[27]

Fakultäten

Die Humboldt-Universität gliedert sich seit April 2014 in neun Fakultäten, die jeweils mehrere Institute umfassen. Daneben bestehen verschiedene zentrale und interdisziplinäre Einrichtungen.[28]

Interdisziplinäre Zentren und Einrichtungen

Zentraleinrichtungen

Zentralinstitute

An-Institute

An der Humboldt-Universität existieren folgende An-Institute:[34]

Die An-Institute sind gegenüber der Universität berichtspflichtig. Der Leiter eines An-Instituts ist zugleich Hochschullehrer an der HU. Die An-Institute werden von der Forschungsabteilung der Universität betreut.

Gleichstellung und Gute Wissenschaftliche Praxis

Die Humboldt-Universität verfügt über eine zentrale Frauenbeauftragte, die für Fragen der Chancengleichheit und der Gleichstellung zuständig ist.[36] Die HU hat sich in zwei Runden erfolgreich am Professorinnenprogramm des Bundes und der Länder beteiligt.[37] Zur Sicherung Guter Wissenschaftlicher Praxis existiert eine Satzung, die im Jahr 2000 verabschiedet wurde.[38]

Standorte


Campus Mitte

Der Campus Mitte, auf dem fast alle geistes-, sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten angesiedelt sind, ist der älteste der drei Campi. Er erstreckt sich rund um das Hauptgebäude der Humboldt-Universität, dem Palais des Prinzen Heinrich am Boulevard Unter den Linden 6. Das Palais wurde 1748–1753 für den Prinzen Heinrich von Preußen erbaut und 1809/1810 zum Hauptgebäude der Berliner Universität umfunktioniert. In ihm befinden sich neben der Universitätsleitung auch das Studierenden-Service-Center, das Institut für Philosophie, das Institut für Anglistik/Amerikanistik, das Winckelmann-Institut für Klassische Archäologie, das Hermann-von-Helmholtz-Zentrum für Kulturtechnik und die Zweigbibliothek Klassische Archäologie. Weitere Standorte auf dem Campus Mitte sind die Alte Bibliothek, das Alte Palais und das Gouverneurshaus, die von der Juristischen Fakultät genutzt werden, sowie das Jacob-und-Wilhelm-Grimm-Zentrum, in dem sich die Universitätsbibliothek und der Computer- und Medienservice befinden.[39]

Auf den Seitenflügeln des Hauptgebäudes der Humboldt-Universität sind seit 1967 acht Attikaskulpturen des Potsdamer Stadtschlosses aufgestellt. Die Aufstellung widerspricht der Charta von Venedig und wird von Kritikern als „Raubkunst“ bezeichnet. Befürworter fordern deshalb die Restitution der Attikaskulpturen und verweisen auf ihren schlechten Zustand, ihre falsche Größe und ihren fehlenden Zusammenhang auf dem Palais des Prinzen Heinrich. Gegner lehnen die Rückgabe an das Potsdamer Stadtschloss jedoch ab und verweisen auf den bestehenden Denkmalschutz.[40]

Siehe auch: Palais des Prinzen Heinrich#Attikaskulpturen

Campus Nord

Zusammen mit der Charité bilden die Gebäude an der Luisen-, Philipp- und Invalidenstraße den Campus Nord. Hier sind in erster Linie die lebenwissenschaftlichen (landwirtschaftlich-gärtnerischen, neurowissenschaftlichen und biologischen) Institute sowie das Institut für Asien- und Afrikawissenschaften zu finden. Ebenfalls auf dem Campus Nord liegt das seit 2009 zur Leibniz-Gemeinschaft gehörende Naturkundemuseum. In den ehemaligen Reußschen Gärten, dem sogenannten „Campus der Lebenswissenschaften“, befinden sich u. a. die Anatomiegebäude der Charité, das Tieranatomische Theater, das Bernstein Zentrum für Computational Neuroscience und die Berlin School of Mind and Brain.

Campus Adlershof

Die mathematisch-naturwissenschaftlichen Institute mit Ausnahme der Biologie befinden sich auf dem Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort (WISTA) in Berlin-Adlershof im Südosten der Stadt auf dem ehemaligen Flugplatz Johannisthal. Die Gebäude, die von der Humboldt-Universität genutzt werden, sind von 1998 bis 2003 entstanden. Zu den bekanntesten Einrichtungen der seit 1912 von der Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrtforschung errichteten Forschungsanlagen gehört der Große Windkanal.[41]

Campus Dahlem

Am Campus Dahlem sind experimentell arbeitende Fachgebiete der 2014 gegründeten Lebenswissenschaftlichen Fakultät untergebracht. Diese Bereiche gehörten nach der Wiedervereinigung bis 2014 zur Landwirtschaftlich-Gärtnerischen Fakultät. Neben Gebäuden, in denen naturwissenschaftlich geforscht wird, stehen hier Freiland- und Gewächshausflächen zur Verfügung.

Arboretum im Baumschulenweg

In Berlin-Baumschulenweg befindet sich das 1879 begründete Späth-Arboretum der Universität. Das Arboretum ist seit 1995 Teil des „Instituts für Biologie“ und Sitz der „Arbeitsgruppe für Systematische Botanik“.[42]

Bibliothek


Die Bibliothek der Universität ist mit rund 6,5 Millionen Büchern und etwa 9000 laufenden Zeitschriften eine der größten Universitätsbibliotheken Deutschlands. Die Universitätsbibliothek gliedert sich in die Zentralbibliothek – das Grimm-Zentrum auf dem Campus Mitte – mit 12 integrierten Teil- und Zweigbibliotheken, die Zweigbibliothek für Naturwissenschaften auf dem Campus Adlershof, die Zweigbibliothek Campus Nord sowie acht weitere Teil- und Zweigbibliotheken, wie die des Japanzentrums, der Juristischen oder der Theologischen Fakultät.[43]

Studium


Die Humboldt-Universität ist, obwohl sie weder Medizin noch Ingenieurwissenschaften anbietet, eine traditionelle Volluniversität mit 185 Studiengängen.[44] Der Studiengang Medizin an der Charité ist eine gemeinsame Fakultät mit der Freien Universität Berlin, die ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge können – historisch bedingt – nur an der Technischen Universität Berlin studiert werden. Das Angebot für Lehramtsstudiengänge umfasst alle vier Laufbahnen des Berliner Modells.

Studiengänge und NC

Neben den klassischen Studienfächern bietet die Humboldt-Universität kleine Fächer wie Afrika- und Asienwissenschaften, Deaf Studies oder Europäische Ethnologie an. Als einzige Berliner Universität bietet die HU Agrarwissenschaft, Evangelische Theologie und Sozialwissenschaft an. Es können 12 agrarwissenschaftliche Studiengänge studiert werden.[45] Deutschlandweit einmalig ist der Studiengang Rehabilitationswissenschaften mit dem Schwerpunkt Gebärdensprach- und Audiopädagogik[46], sowie der internationale Masterstudiengang Religion und Kultur.[47] Im Rahmen der finanziellen Kürzungen der späten 1990er Jahre wurde an den Berliner Universitäten das Angebot neu strukturiert und zusammengelegt. So gab die HU Pharmazie und Veterinärmedizin an die FU ab und konnte dafür Bibliotheks- und Sportwissenschaft behalten.

Bis auf einige Ausnahmen wie Mathematik (Monobachelor), Informatik und Chemie waren im Wintersemester 2013/2014 an der Humboldt-Universität die meisten grundständigen Studiengänge zulassungsbeschränkt und hatten einen NC zwischen 1,0 in Psychologie und 2,8 in Bibliotheks- und Informationswissenschaften. Auf ca. 3.200 Studienplätze in Bachelor-Studiengängen erhielt die HU rund 29.250 Bewerbungen. Die Anzahl der Bewerbungen variierte stark nach Fach: Für Psychologie bewarben sich z. B. 4788 Personen auf 100 Plätze, in Betriebswirtschaftslehre 3939 auf 160 Plätze. In Evangelische Theologie mit 30 Plätzen gingen 65 Bewerbungen ein. Viele Zweitfächer in Kombinationsbachelor-Studiengängen waren zulassungsbeschränkt, der NC lag zwischen 1,3 in Geographie und Medienwissenschaft und 2,5 in Medienwissenschaft; ohne NC waren als Zweitfächer zum Beispiel Latein, Mathematik und Regionalstudien Asien/Afrika.[48]

Bei den Masterstudiengängen gab es zum Wintersemester 2013/2014 etwa die Hälfte ohne Beschränkung, zum Beispiel Mathematik, Moderne Süd- und Südostasienstudien oder Skandinavistik. Für die übrigen waren Noten zwischen 1,4 in European History und 2,8 in Erwachsenenpädagogik erforderlich.[48]

Semesterbeitrag

Der Semesterbeitrag an der HU Berlin beträgt 315,64 (Stand: 8. Juli 2019).[49] Dieser setzt sich aus der Semestergebühr für die Rückmeldung, dem Beitrag für das Studentenwerk Berlin und dem Beitrag zur Studierendenschaft zusammen. Außerdem ist in dem Beitrag auch ein Semesterticket enthalten, mit dem der Öffentliche Personennahverkehr im Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (Tarifbereich Berlin ABC) für sechs Monate genutzt werden kann.[50] Studiengebühren werden, wie an anderen öffentlichen Hochschulen im Land Berlin, nicht erhoben.

Studierendenvertretungen

Die Studierenden werden über das StudentInnenparlament, den Referent_innenrat (vgl. Allgemeiner Studierendenausschuss) und die Fachschaften direkt vertreten. In den medialen Mittelpunkt rückten StuPa und RefRat durch eine Recherche der Studierendenzeitung UnAufgefordert (UnAuf), die eine Debatte über die Ämtervergabe und Transparenz innerhalb der Studierendenvertretungen entfachte.[51] Der Artikel erzeugte HU-intern, aber auch landesweit ein großes mediales Echo und wurde beispielsweise im Tagesspiegel gedruckt. Andere Medien griffen das Thema auf, das zu Streitigkeiten zwischen Studierenden und Universitätsleitung führte.[52] Kritisiert wurde insbesondere, dass die Referenten des RefRats nicht ihre Namen offenlegen würden, die diesen Umstand wiederum mit Datenschutz begründeten.

StudentInnenparlament

Das StuPa ist das höchste beschlussfassende Organ der Studierendenschaft. Dieser wird ein Mal im Jahr gewählt. Zu seinen Aufgaben gehören beispielsweise die Beratung über hochschulpolitische Probleme und Beschlussfassung über die grundlegenden Richtlinien der Arbeit der studentischen Selbstverwaltung, Festlegung der Referate und Wahl der Referenten des RefRats sowie deren Kontrolle, Beschlussfassung über die Höhe der Studierendenbeiträge, Beschlussfassung über den Haushalt der Studierendenschaft, Wahl von Mitgliedern in universitären Gremien und Gremien des Studentenwerkes, sofern sie nicht durch Urwahl gewählt werden, Änderung der Satzung der Studierendenschaft und Beschluss über die Mitgliedschaft der Studierendenschaft in studentischen Organisationen sowie über die Partnerschaft mit anderen Studierendenschaften.

Die Arbeit des StudentInnenparlaments findet in öffentlichen Sitzungen (Plenarsitzungen mit allen Mitgliedern) und in Arbeitskreisen beziehungsweise Kommissionen statt. Jeder Studierende kann Anträge zur Behandlung an das Studierendenparlament stellen.

Sitzverteilung im 26. StudentInnenparlament (Wahlen im Jahr 2017), insgesamt existieren 60 Sitze

Wahlvorschlag Stimmen in % Sitze
Power of Science (PoS) 11,13 7
Liste unabhängiger Studierender (LuSt) 7,23 4
LinksGrünVersifft (LGV) 7,09 4
Bildung und Transparenz 5,93 4
Juso-Hochschulgruppe 5,90 4
StuPa Progressiv 5,23 3
FSI – CHARITÉ 5,06 3
Liberale Hochschulgruppe (LHG) 4,97 3
Linke Liste an der HU – LiLi 4,88 3
Säkulare-Humanistische Liste 4,53 3
BAföG & Brandenburg Sem.-Ticket für alle 4,53 3
Die Linke.SDS 4,07 2
IYSSE 3,75 2
Grünboldt – die grün-alternative Hochschulgruppe 3,54 2
RCDS − Die Studentenunion 3,54 2
F_emanzipatorische linke Liste 3,37 2
Queer-feministische LGBT*I*Q-Liste 3,11 2
OLKS – Offene Liste Kritischer Studierender 3,02 2
the autonome alkoholiker_innen 2,53 2
Für einen Dönerladen auf dem Campus 2,06 1
Schwule Liste – Die SchwuLis 2,00 1
Ewig und 3 Tage – Langzeitstudierende 1,08 1

(Stand: Amtliches Endergebnis zur Wahl des 26. StudentInnenparlaments, die Wahlbeteiligung betrug 8,79 Prozent.)[53]

RefRat

Der Referent_innenRat (RefRat) vertritt die Anliegen der Studierenden gegenüber der Universitätsleitung und dem Berliner Senat. Somit formuliert dieses Gremium die Interessen der Studierenden vor der Öffentlichkeit und der Politik. Des Weiteren ist das Gremium für vielerlei Serviceangebote verantwortlich. Der RefRat wird vom StudentInnenparlament für ein Jahr gewählt. Er ist das Exekutivorgan für das StuPa. Der RefRat teilt sich dabei in 16 Referate auf. Die Bezeichnung Referent_innenrat gibt es so nur an der Humboldt-Universität zu Berlin. An den anderen Berliner Hochschulen ist vom Gesetz her die Bezeichnung Allgemeiner Studierendenausschuss (AStA) vorgeschrieben, weshalb der offizielle Name des RefRat auch den Zusatz gesetzlich AStA trägt. Trotzdem gibt es signifikante Unterschiede zu einem AStA, da die Referate des RefRat einzeln gewählt werden. Das heißt, dass nach StuPa-Wahlen kein neuer RefRat konstituiert wird wie an Hochschulen mit einem AStA.[54]

Sammlungen der Humboldt-Universität


Die wissenschaftlichen Sammlungen der Universität mit mehreren Millionen Objekten gehören zu den bedeutendsten im deutschsprachigen Raum. Sie gehen zurück bis auf das Jahr 1700, als die Königlich-Preußische Akademie der Wissenschaften gegründet wurde. Nach 1810 wurden Teile dieser und anderer wissenschaftlicher Sammlungen in die Universität eingegliedert. Insgesamt gehören über 100 Sammlungen der Humboldt-Universität an.

Bis Ende 2008 war auch die naturwissenschaftliche Sammlung im 1889 gegründeten Museum für Naturkunde darunter. Im Jahr 2009 wurde das Naturkundemuseum mit seinen 30 Millionen Objekten ausgegliedert.[55]

Angehörige der Humboldt-Universität


In der Geschichte der Humboldt-Universität gibt es zahlreiche berühmte Wissenschaftler. Als 1901 der Nobelpreis zum ersten Mal verliehen wurde, ging eine der begehrten Auszeichnungen an die Berliner Universität, an den niederländischen Chemiker Jacobus Henricus van ’t Hoff. Ein Jahr später wurde Theodor Mommsen, Professor für Alte Geschichte, gewürdigt – als erster deutscher Nobelpreisträger für Literatur. Den Nobelpreis für Physik erhielten zahlreiche Forscher, die mit der Universität wissenschaftlich verbunden waren. Unter den insgesamt 29 Nobelpreisträgern[56] waren Albert Einstein und Max Planck. Für ihre Leistungen in der Chemie wurden Emil Fischer, Walther Nernst und Otto Hahn, in der Medizin Robert Koch und Otto Warburg ausgezeichnet. Zu den politisch profilierten Professoren der Humboldt-Universität gehörte Ernst Niekisch, der Herausgeber der 1934 verbotenen Zeitschrift Widerstand. Zeitschrift für nationalrevolutionäre Politik, der 1948 Professor der Soziologie wurde.

Doch nicht nur die Nobelpreisträger prägten und prägen den Ruf der Berliner Universität; auch ihre Alumni bestimmten die Entwicklung der Gesellschaft im 19. und 20. Jahrhundert mit: Heinrich Heine, Adelbert von Chamisso, Ludwig Feuerbach, Otto von Bismarck, Karl Marx, Franz Mehring, Wilhelm und Karl Liebknecht, Kurt Tucholsky und Alfred Wegener waren einst als Studierende an der Berliner Alma Mater eingeschrieben. Nachdem das Frauenstudium in Preußen 1908 erlaubt worden war, konnten auch weibliche Studierende und Lehrende den akademischen Ruf der HU vertreten, unter ihnen Alice Salomon, Liselotte Richter, Lise Meitner und Clara von Simson.[57] Die Erstsynthese des Amphetamins wurde 1887 durch den Chemiker Lazăr Edeleanu an der Humboldt-Universität durchgeführt.

Professoren der Universität (Auswahl)


Bis 1945

1945 bis 1990

Nach 1990

Siehe auch


Literatur


Zeitschriften der Humboldt-Universität


Film


Weblinks


Commons: Humboldt-Universität zu Berlin  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Kunst wird Präsidentin der Humboldt-Universität. (Nicht mehr online verfügbar.) Humboldt-Universität zu Berlin, archiviert vom Original am 5. März 2016; abgerufen am 3. März 2016.
  2. a b c Daten und Zahlen zur Humboldt Universität. Humboldt-Universität zu Berlin, abgerufen am 22. Januar 2020.
  3. Leistungsbericht über das Jahr 2018 zur Umsetzung des Hochschulvertrags. Land Berlin, S. 25, abgerufen am 3. August 2020.
  4. Netzwerk. Liste der Hochschulen im Netzwerk der DFH. In: www.dfh-ufa.org. Deutsch-Französische Hochschule, abgerufen am 5. Oktober 2019.
  5. List of IAU Members. In: iau-aiu.net. International Association of Universities, abgerufen am 28. Juli 2019 (englisch).
  6. timeshighereducation.com
  7. ZEIT ONLINE: Exzellenzstrategie: Zehn Universitäten und Berliner Verbund dürfen sich exzellent nennen. In: Die Zeit. 20. Juli 2019, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 21. Juli 2019]).
  8. Land Berlin: Exzellenzstrategie. Abgerufen am 27. Juni 2020.
  9. Gabriele Metzler: Was vom Humboldt-Jahr übrig blieb. In: Der Tagesspiegel, 14. Oktober 2017, S. B 5.
  10. Wilhelm von Humboldt: Schriften zur Bildung (hrsg. von Gerhard Lauer), Stuttgart 2017, S. 264–265.
  11. Matrikelnummer 1: Der erste Student (Memento vom 29. Dezember 2011 im Internet Archive) (hu-berlin.de)
  12. Vgl. Begrüßungsrede von Christoph Markschies, dem damaligen Präsidenten der Humboldt-Universität, zur Auftaktveranstaltung des Humboldt-Jubiläumsjahres am 12. Oktober 2009, abgerufen am 6. März 2012.
  13. Eduard Erdmann: Die Bedeutung der Privatdozenten. Zur Kritik der Lex Arons
  14. Sven Kinas, Massenentlassungen und Emigration, in: Michael Grüttner u. a., Die Berliner Universität zwischen den Weltkriegen 1918–1945, Berlin 2012 (Geschichte der Universität Unter den Linden, Bd. 2), S. 386.
  15. a b c James F. Tent: The Free University of Berlin. A Political History. Indiana University Press, Bloomington 1988, ISBN 0-253-32666-4.
  16. a b c Siegward Lönnendonker: Freie Universität Berlin. Gründung einer politischen Universität. Duncker & Humblot, Berlin 1988, ISBN 3-428-06490-9
  17. Ilko-Sascha Kowalczuk: Geist im Dienste der Macht. Hochschulpolitik in der SBZ/DDR 1945–1961. Christoph Links Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-86153-296-4.
  18. a b c Karol Kubicki, Siegward Lönnendonker: Die Freie Universität Berlin 1948–2007. Von der Gründung bis zum Exzellenzwettbewerb. V&R unipress, Göttingen 2008, S. 22, ISBN 978-3-89971-474-6.
  19. a b Claudia Dreier: Verfemte Vorgeschichte: Die HU 1945 bis 1948. In: Jessica Hoffmann, Helena Seidel, Nils Baratella (Hrsg.): Geschichte der Freien Universität Berlin, Frank und Timme, Berlin 2008, ISBN 978-3-86596-205-8.
  20. Edwin Redslob: Freie Universität Berlin, Reihe: Berlin. Gestalt und Geist. Bd. 1, Wolfgang Stapp Verlag, Berlin 1963, S. 31 ff.
  21. Reimer Hansen: Von der Friedrich-Wilhelms-Universität zur Humboldt-Universität zu Berlin. Die Umbenennung der Berliner Universität 1945 bis 1949 und die Gründung der Freien Universität Berlin 1948 (PDF; 980 kB), Humboldt-Universität zu Berlin 2009, ISBN 978-3-9813135-7-4.
  22. UnAufgefordert-Ausgaben von 1989. UnAufgefordert-Archiv, abgerufen am 22. August 2018.
  23. Ansturm auf Berlins Universitäten. Berliner Morgenpost, 13. Oktober 2007, abgerufen am 25. Juni 2008.
  24. Pressemitteilung der HU zur Exzellenzinitiative 2012 vom 15. Juni 2012, abgerufen am 16. Juni 2012.
  25. Humboldt-Universität zu Berlin. timeshighereducation.co.uk, abgerufen am 4. Oktober 2014.
  26. Humboldt-Universität zu Berlin. timeshighereducation.co.uk, abgerufen am 3. Oktober 2018.
  27. Organisation der HU , abgerufen am 13. Oktober 2020.
  28. Fakultäten der HU , abgerufen am 6. Mai 2014.
  29. Humboldt-Uni gründet Institut für Islamische Theologie , deutschlandfunkkultur.de, erschienen und abgerufen am 29. Juni 2018
  30. Kilian-Kristoph Schumann: Herzlich Willkommen! — Humboldt-ProMINT-Kolleg. Abgerufen am 15. Februar 2018.
  31. Homepage des Antikezentrums
  32. Mehr Praxis für künftige Lehrkräfte , Artikel in der Tagesspiegel-Beilage vom 16. Oktober 2011, abgerufen am 23. Oktober 2011.
  33. Website des Hermann von Helmholtz-Zentrums für Kulturtechnik
  34. An-Institute. Humboldt-Universität zu Berlin, abgerufen am 8. Juni 2013.
  35. Internetseite des Instituts Kirche und Judentum (Memento vom 10. April 2014 im Internet Archive), abgerufen am 5. Dezember 2013
  36. Siehe Homepage der zentralen Frauenbeauftragten, abgerufen am 22. September 2015
  37. Siehe Ergebnisse der zweiten Auswahlrunde des Professorinnenprogramms liegen vor (Memento vom 28. Oktober 2015 im Webarchiv archive.today) Meldung der HU vom 14. Juli 2013
  38. Siehe hu-berlin.de
  39. hu-berlin.de
  40. Matthias Matern: "Potsdams bauliches Erbe: Streit um die Attika-Figuren. Potsdamer Zeitungsverlagsgesellschaft mbH & Co. KG, 4. November 2016, abgerufen am 10. Oktober 2020.
  41. Siehe ebenfalls folgenden Link zum Campus Adlershof: Der Campus Adlershof auf der offiziellen Homepage der HU Berlin. Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2010.
  42. Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät I – Institut für Biologie: Botanik & Arboretum (Memento vom 20. Dezember 2014 im Internet Archive)
  43. hu-berlin.de: Profil der Universitätsbibliothek , abgerufen am 25. Juli 2010.
  44. hu-berlin.de: Daten und Zahlen , abgerufen am 29. Juni 2014.
  45. Übersicht der agrarwissenschaftlichen Studiengänge. Abgerufen am 28. Juni 2014.
  46. hu-berlin.de: Profil der Abteilung Audio- und Gebärdensprachpädagogik (Memento vom 22. Mai 2009 im Internet Archive), abgerufen am 10. April 2011.
  47. Internationaler Masterstudiengang Religion und Kultur (MRC)
  48. a b hu-berlin.de: Wie hoch ist der NC? (WS 13/14) (pdf), abgerufen am 29. Juni 2014.
  49. Rückmeldung Humboldt-Universität zu Berlin . Website der Universität. Abgerufen am 8. Juli 2019.
  50. Rückmeldung auf den Seiten der HU Berlin, abgerufen am 29. Juni 2014.
  51. Ämtergeschacher in studentischen Gremien. In: Der Tagesspiegel Online. 15. November 2017, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 9. August 2018]).
  52. Philip Kuhn: Hochschul-Konflikt: Berliner Humboldt-Uni verklagt eigene Studenten. In: DIE WELT. 5. August 2018 (welt.de [abgerufen am 9. August 2018]).
  53. Amtliches Endergebnis zur Wahl des 26. StudentInnenparlaments am 16. und 17. Januar 2018. (PDF) Abgerufen am 9. August 2018.
  54. Humboldt-Universität zu Berlin: RefRat – Referent_innenRat der Humboldt-Universität zu Berlin. Abgerufen am 22. Januar 2020.
  55. Geschichte des Museums (Memento vom 10. April 2014 im Internet Archive), abgerufen am 6. März 2012.
  56. www.hu-berlin.de: Nobelpreisträger , abgerufen am 23. Oktober 2011.
  57. www.hu-berlin.de: Frauen in den Naturwissenschaften , abgerufen am 23. Oktober 2011.
  58. Vgl. die Rezension von Ilko-Sascha Kowalczuk in: Zeitschrift des Forschungsverbundes SED-Staat Nr. 33, 2013









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