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Hof (Ortsname)

Hof ist ein Ortsname (Toponym). Er ist die Grundform vieler Haus- und Siedlungsnamen. Er ist insbesondere als Endung -hof/e/n, -höf/e/n, -hov/e/n, -höv/e/n im deutschen sehr häufig.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie


Das wohl urgermanische Wort Hof hat in seiner Geschichte einige grundlegende Bedeutungswandlungen vollzogen:[1]

Hof steht ursprünglich mit kurzem Vokal, der sich im mittel- und süddeutschen Raum in der Schreibung Hoff bis ins 18. Jahrhundert erhält, und zeigt im altertümlichen Hofe („am Hofe des Königs“) einen Rest des alten substantivischen Stammschlusses (Apokope).

Namenkunde


Hof als Liegenschaft in der frühesten Bedeutung gehört den ältesten Sprachschichten deutscher Namengebung an, und könnte durchaus über die fränkische Landnahme ab dem 5. Jahrhundert n. Chr. hinausgehen. Es ist wie -haus und -heim der prototypische Bildungsbestandteil für Wohnstättennamen.

„…marchionis in loco Niuuanhova dicto, id est cum eadem curte et in proximo confinio adiacentes triginta regales hobas cum terris cultis et incultis pratis pascuis silvis aedificiis aquis aquarumve decursibus venationibus zidalweidun piscationibus molendinis mobilibus viis en inviis exitibus et reditibus quesitis et inquirendis omnibusque iure legaliterque ad easdem hobas pertinentibus …“

Ostarrîchi-Urkunde, 996[2], übers. W. Kleindel[3]: … in dem Ort, der Niuvanhouva [Neuhofen] genannt wird, daß heißt mit eben diesem Hofe und dreißig in seiner unmittelbaren Umgebung liegenden Königshufen mit bebautem und unbebautem Land, mit Wiesen, Weiden, Wäldern, Gebäuden, mit Quellen und Wasserläufen, mit Jagden, Bienenweiden, Fischwässern, Mühlen, mit beweglichem und unbeweglichem Gut, mit Wegen und unwegsamen Land, mit Ausgängen und Eingängen, mit erzielten und noch zu erzielenden Erträgen und mit allem, was nach Recht und Gesetz zu diesen Hufen gehört …

Der Text dieser Urkunde gibt einen Überblick, was zum Konzept eines Hofes an der Wende von Früh- und Hochmittelalter gehört. Hufe ist ein rechtlicher Ausdruck über eine Größe eines Anwesens. Erstaunlich ist das bairische Wort zidalweidun für „Bienenweide“ (Zeidlerei) im lateinischen Text.

Namensvarianten


Drei Begriffe sind weitgehend gleichbedeutend zum Grundwort und nur im rechtlichen Sinne präzisiert:

Diminutive:

Typische Komposita:

Mit der – in diesem Kontext meist vermutlich älteren – Silbe für Familienverbände und Wohnstätten -ing verbindet sich -hof zum -inghoven (Sauerland), -ikon (aus -ighof, deutschsprachige Schweiz). Fraglich ist jedoch die Etymologie der umgekehrten Hofing/Höfingen, die aber selten sind.

In der Ableitung des herrschaftlichen Hofstaats liegt die Wurzel der Wiener Hofburg und der Adresse Am Hof zugrunde.

Als Gebäude oder Gebäudekomplexe, deren wesentliches Merkmal der Hof ist, können nach diesem benannt sein, wie die Wiener Gemeindebauten (z. B. der Karl-Marx-Hof), der Frankfurter Hof, die Fünf Höfe in München oder die Hackeschen Höfe in Berlin als enge Mietskasernen.

Als grundlegender Hausnamen ist es dann auch in Personennamen häufig:[4]

Nicht für Hof steht das niederdeutsche Hövel/Höbel/Heuvel, das über Hubel/Hübel/Hibl und Heugel/Heigl zu „Hügel“ gehört, typisches Beispiel: Hövelhof, das sonst sinnlos wäre (süddeutsch ist keine Verwechslung möglich, hier steht Bühl oder Pichl für ‚Hügel‘, und Höfel für Hof)

In anderen Sprachen entspricht:

Verbreitung


Der Name ist im gesamten germanischen Sprachgebiet verbreitet.

Einzelnachweise


  1. a b c Eintrag HOF, m. area, villa, aula. In: Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Leipzig 1854–1960 (dwb.uni-trier.de)
  2. Ostarrîchi – Urkunde (Otto III. im Jahre 996) , Originaltext Latein, auf ELibraryAustria)
  3. Walter Kleindel Urkund dessen…. Dokumente zur Geschichte Österreichs 996 bis 1955. Österreichischer Bundesverlag, Wien, 1984, ISBN 3-215-04447-1, S. 16 (plato.kfunigraz.ac.at (Memento vom 18. Juni 2004 im Internet Archive), Institut für europäische und vergleichende Rechtsgeschichte, Uni Graz.
  4. Konrad Kunze: dtv-Atlas Namenkunde (= dtv-Band. Band 2490). 1. Auflage. dtv, München 1998, ISBN 3-423-03266-9, Bäuerl. Rechts- und Besitzverhältnisse, S. 111.



Kategorien: Agrarsoziologie | Siedlungsname | Geographie des Mittelalters



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