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Harrys Kopf

Harrys Kopf ist ein Theaterstück von Tankred Dorst, das am 17. Oktober 1997 unter der Regie von Wilfried Minks im Großen Haus des Schauspielhauses Düsseldorf mit Fritz Schediwy in der Titelrolle uraufgeführt wurde.[1]

Harry Heine, 1797 in Düsseldorf geboren, konvertiert im Juni 1825 als Heinrich Heine von der jüdischen zur christlichen Religion. 1831 geht er ins Pariser Exil. Ab 1848 liegt Heine dort schwerkrank in der Matratzengruft. Tankred Dorst erinnert mit Szenen aus jenen Pariser Jahren an das Leben und Sterben des bedeutenden deutschen Dichters.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt


In der ersten Szene, dem „Prolog“, kommen anonyme Herrschaften zu Wort, die – aus Deutschland anreisend – vom Mai 1848 bis zum Frühjahr 1851 zu dem „hochverehrten Dichter Heinrich Heine“[2] an sein Pariser Krankenlager vorgedrungen waren beziehungsweise ihn im Garten des Palais Royal angetroffen hatten. In den Gesprächen, über die berichtet wird, war es nicht nur um deutsche Literatur gegangen, sondern zum Beispiel auch um Heines Geldspekulationen im Auftrag Rothschilds. Allerdings wird jene Chronologie, die der Zuschauer nach den anfangs ausgesprochenen Jahreszahlen 1848 und 1851 erwartet, durch ein paar Rückblenden unterbrochen. In der vierten Szene – „Du wirst mich nicht los“ – geht es zurück ins Jahr 1841: Heine heiratet seine Mathilde, wie er sie nannte. Und in der fünften Szene – „Hier finde ich Sie“ – tritt Börne auf den Plan. Das müsste vor 1837 gewesen sein. Nicht nur der Zeitenlauf wird aufgebrochen. Da trägt in der neunten Szene – „Eine Religion“ – Christus sein schweres Kreuz über die Bühne und Heine springt – wie gesundet – von seiner Matratzengruft nach einer seiner unverhohlen artikulierten Blasphemien auf. Heine meint, er überlasse alles dem lieben Gott – bis auf die Finanzen. Oder in der zwölften Szene – „Alte Geschichte“ – wird beim Rabbi von Bacharach[3] das Passah-Fest gefeiert. In der zehnten Szene – „Köpfe“ – dieses Skurrilitätenkabinetts kommen vier Köpfe Heines, in Blumentöpfe verpflanzt, mit Gedichten des Poeten zu Wort. Aber das Stück heißt nicht „Harrys vier Köpfe“. Der sinnsuchende Zuschauer könnte sich an das Geleitwort am Kopf des Stücks klammern, in dem Heinrich Heine von einem anderen Körperteil – seinem Herzen – sagt, dass es im Leben nicht heil geblieben, sondern zerrissen worden wäre. Mehr noch, durch das Herz des Dichter ginge „der große Weltriß“.[4]

Immer einmal im Stück – in den Szenen „Monsieur ist nicht zu Hause“, „Hier finde ich Sie“, „Die armen Reichen“, „Im Käfig“, „Köpfe“ und „Je flâne“ – wird die Familie Heine von Mr. Cokker behelligt. Dem Journalisten, der vornehmlich für englische Damen schreibt, ist Goethe ein Unbekannter. Cokkers Betrachtungen zum gültigen Vornamen – Heinrich oder Harrühhh – kann Heine nicht mehr hören. Dem Engländer offenbart der lyrische Dichter eine Neuigkeit. Der Finanzier Heinrich Heine spekuliere neuerdings mit Nordbank-Aktien des Barons Rothschild. Ein Engländer verliert zwar nie die Fassung, doch er spricht als Vernunftmensch über sein Verständigungsproblem mit dem deutschen Dichter Monsieur Heine beiseite. Mr. Cokkers Beharrlichkeit wird belohnt. Manche Äußerung des Dichters darf er sich notieren; zum Beispiel die über den Zwang zum exzessiven Genuss des Lebens, wenn man nun einmal sterblich ist.

Heines Literaturcafé hat wegen Revolution geschlossen. Aber „Reb Heine“, der „Monarchist“ Balzac und Börne werden vom alten Kellner Nasenstern[5] bedient.[A 1] Es geht zwischen den Literaten hin und her. Heine blickt zurück. Mit dem Wort habe er etliche Altäre kaputtgeschlagen. Der Poet beziffert seine unsterblichen Gedichte auf zwanzig. Börne schimpft Heine den Hofnarren Rothschilds. Balzac gebietet dem ehemaligen Theaterkritiker Dr. Börne Schweigen, wenn Dichter reden. Nicht nur der Engländer Mr. Cokker und der Kellner Nasenstern sorgen für Zuschauer-Belustigung.[A 2] Im Café erscheint als weiterer Spaßvogel der gut verdienende Hippodrombesitzer Seraphim. Der Pferdefreund erklärt den drei Literaten die Literatur und gibt bekannt, sobald er genug verdient habe, verfalle er sofort in Nichtstun; werde Schriftsteller. Es treten nicht nur männliche Spaßvögel auf. Als vierter oder aber vierte schlägt Heinrich Heines Frau Mathilde den Dr. Börne mit einem ihrer Schuhe in die Flucht. Mathilde-Späße werden jedoch nur bis zur vorletzten Szene namens „Je flâne“ durchgehalten. In der letzten Szene „Thanatos“, als es mit Titelfigur zu Ende geht, verdrängt Heinrich Heines letzte Liebe Mouche die Gattin Mathilde vom Platz am Sterbelager.

Fast keiner aus den Pariser Jahren bleibt unerwähnt. Heines junger Freund Dr. Marx wird besprochen. Heine scherzt mit dem Kellner Nasenstern, Gott habe den Todesengel Malach Hammoves getötet. Nun könne der Mensch also am Leben bleiben. Außer den eingangs genannten anonymen Literaturliebhabern dringt zu guter Letzt eine Abordnung deutscher Arbeiter und Handwerker zu dem Schwerkranken vor. Die Botschaft: Deutsche Revolutionäre bräuchten Heine dringend. Zu spät. Heine kann nicht mehr auf deren Versammlung drüben in Deutschland erscheinen. Und dem Dichter graut, wie er eingestehen muss, vor dem Machtantritt des „täppischen Souveräns“ Volk.

Lyrik


Tankred Dorst hat ein klein wenig von Heines Lyrik teilweise wörtlich-vollständig übernommen:

Rezeption


Hörspiel


Literatur


Textausgaben

Sekundärliteratur

Weblinks


Anmerkungen


  1. Wenn Börne nicht bereits 1837 gestorben wäre, könnte die Februarrevolution 1848 gemeint sein.
  2. Der Jude Nasenstern bietet zudem Raum für Interpretation. Sein Liedvortrag „Ein Zicklein, ein Zicklein“ (Verwendete Ausgabe, S. 186–188 oben), zusammengenommen mit seinen restlichen bekennerischen Reden, können als Fundament für eine Grundaussage des Stücks genommen werden: Der Erwachsene kann in eine fremde Religion konvertieren und bleibt doch in dem religiösen Kulturkreis, in den er hineingeboren wurde.

Einzelnachweise


  1. Erken bei Arnold, S. 88, linke Spalte, dritter Eintrag
  2. Verwendete Ausgabe, S. 137 Mitte
  3. Heinrich Heine: Der Rabbi von Bacherach im Projekt Gutenberg-DE
  4. Verwendete Ausgabe, S. 133
  5. Heinrich Heine: Der Rabbi von Bacherach im Projekt Gutenberg-DE
  6. Verwendete Ausgabe, S. 150
  7. Verwendete Ausgabe, S. 170, 8. Z.v.u.
  8. Verwendete Ausgabe, S. 179, 6. Z.v.o.
  9. Verwendete Ausgabe, S. 179, Mitte
  10. Verwendete Ausgabe, S. 203, oben
  11. Verwendete Ausgabe, S. 172, 3. Z.v.o. (siehe auch Rezitation Fritz Stavenhagen auf YouTube)
  12. Verwendete Ausgabe, S. 179, letzte Strophe
  13. Verwendete Ausgabe, S. 180, oben
  14. Kässens im Nachwort der verwendeten Ausgabe, S. 387, 4. Z.v.o.
  15. Kässens im Nachwort der verwendeten Ausgabe, S. 387, Mitte
  16. HörDat



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