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Hans-Peter Blossfeld

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Hans-Peter Blossfeld (* 30. Juli 1954 in München) ist ein deutscher Soziologe.

Inhaltsverzeichnis

Leben


Hans-Peter Blossfeld wurde 1954 in München geboren und studierte 1976–1980 Soziologie, Volkswirtschaft, Statistik und Wirtschaftsinformatik an der Universität Regensburg. 1984 promovierte er in Wirtschaftswissenschaften (Dr. rer. pol.) an der Universität Mannheim und 1987 habilitierte er sich im Fach Soziologie an der Freien Universität Berlin. 1980–1984 war er wissenschaftlicher Mitarbeiter beim VASMA-Projekt an der Universität Mannheim und 1984–1992 leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin (dort beurlaubt von 1988 bis 1992). Im Studienjahr 1988–1989 war Blossfeld Fellow am Netherlands Institute for Advanced Study in the Humanities and Social Sciences (NIAS) in Wassenaar bei Den Haag (Niederlande); danach war er 1989–1992 Professor und Chair in Political and Social Sciences am European University Institute in Florenz (Italien), 1992–1998 Lehrstuhlinhaber für Statistik und Methoden der empirischen Sozialforschung an der Universität Bremen und 1998–2002 Lehrstuhlinhaber für Allgemeine Soziologie, insbesondere Theorie und Empirie von Sozialstrukturen und Wirtschaftssystemen an der Universität Bielefeld. Seit 2002 ist Blossfeld Inhaber des Lehrstuhls für Soziologie I an der Universität Bamberg (dort seit September 2012 beurlaubt). Seit September 2012 ist Blossfeld Professor und Chair of Sociology am European University Institute (EUI) in Florenz (Italien). Bis zu seinem Wechsel an das EUI war er an der Universität Bamberg 2003–2012 Leiter des Staatsinstituts für Familienforschung (ifb), 2008–2012 Direktor des Instituts für bildungswissenschaftliche Längsschnittstudien (INBIL) sowie 2006–2008 Gründer dann von 2008 bis 2012 Wissenschaftlicher Leiter (Principal Investigator) des Nationalen Bildungspanels (NEPS).

Während der letzten drei Jahrzehnte lehrte Blossfeld als Gastprofessor an vielen renommierten Universitäten und Forschungsinstituten, so zum Beispiel an der Harvard und Cornell University, der University von Haifa und Tel Aviv, den Universitäten in Utrecht, Groningen und Nijmegen, den Universitäten in Southampton, Essex und Oxford, der Universidad Complutense de Madrid und der Universitat Pompeu Fabra in Barcelona, der Università degli Studi di Trento und der Università degli Studi di Torino, den Universitäten Graz und Wien, der Wirtschaftsuniversität in Bergen und der Staatsuniversität in St. Petersburg.

Weitere Funktionen


Blossfeld leitete in den letzten 15 Jahren mehrere sozialwissenschaftliche Großforschungsvorhaben, darunter das Nationale Bildungspanel (NEPS) mit 190 Mitarbeitern, das vom BMBF mit einem Budget von jährlich etwa 23 Mio. Euro ausgestattet ist; das international vergleichende Globalife-Projekt mit 15 Mitarbeitern und einem Budget von 1,5 Mio. Euro, das von der Volkswagen Stiftung unterstützt wurde; das TransEurope-Projekt mit 20 Mitarbeitern, welches mit 1 Mio. Euro von der European Science Foundation (ESF) finanziert wurde; und das eduLIFE-Projekt mit 11 Mitarbeitern, das mit 2,5 Mio. Euro durch das European Research Council (ERC) unterstützt wird.

Zurzeit leitet Blossfeld zusammen mit Prof. Sabine Weinert (Bamberg) auch das DFG-Schwerpunktprogramm 1646 „Education as a Lifelong Process“ (Budget 5,5 Mio. Euro) und ist in leitender Funktion bei der DFG-Forschergruppe BiKS (Budget ca. 6 Mio. Euro) sowie den ESF-Netzwerken „Quantitative Methods in the Social Sciences 1 und 2“ (QMSS1 und QMSS2 mit jeweils 1 Mio. Euro) tätig. Blossfeld arbeitete in verschiedenen DFG-Sonderforschungsbereichen, so beim Sfb3 an den Universitäten Frankfurt a. M. und Mannheim sowie beim Sfb186 an der Universität Bremen. Schließlich war Blossfeld in den letzten 25 Jahren Leiter einer großen Zahl von Forschungsprojekten im Normalverfahren (mit bis zu 7 Mitarbeitern) finanziert durch die DFG, die ESF, die German-Israeli Foundation (GIF), die Alexander von Humboldt Stiftung (AvH), die National Science Foundation (NSF) in den USA sowie die Europäische Kommission in Brüssel (DG5 und DG12).

1990–2012 war Blossfeld Editor-in-Chief des „European Sociological Review“ (ESR – Oxford University Press) und 2003–2012 war er leitender Herausgeber der „Zeitschrift für Familienforschung“ (ZfF – Verlag Barbara Budrich). Seit 1998 ist er Mitherausgeber der „Zeitschrift für Erziehungswissenschaft“ (ZfE – VS Verlag) und seit 2004 Mitherausgeber des Journals „International Sociology“ (IS – Sage). Blossfeld ist darüber hinaus Mitglied des Editorial Boards einer Reihe von Fachzeitschriften wie „Sociological Methodology“ (SM – Sage) (seit 2011), „Studies of Transition States and Societies“ (STSS) (seit 2009), „DRUŠTVENA ISTRAŽIVANJA, Časopis za opća društvena pitanja“ (Journal for General Social Studies) (seit 2010), „The Journal of Sociology and Social Anthroppology“ (JSSA) (seit 2012), „Revista Sociologia“ (seit 2011) und „Zeitschrift für Familienforschung“ (ZfF – Verlag Barbara Budrich) (seit 2012). Seit 1998 ist Blossfeld Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Zeitschrift für Soziologie und seit 2003 Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie.

Blossfeld ist seit 2002 Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Deutschen Jugendinstituts (DJI) in München, seit 2012 ist er Mitglied des Advisory Boards für das Research Programme „Educational Systems and Four Functions of Education“ des Amsterdam Centre for Inequality Studies (AMCIS) und der Maastricht University. Seit 2005 ist Blossfeld auch Vorsitzender des Beirats des Absolventenpanels des Bayerischen Staatsinstituts für Hochschulforschung und Hochschulplanung (IHF) in München.

Werk


Die fachlichen Schwerpunkte von Blossfeld sind: Allgemeine Soziologie, Bildungssoziologie, Arbeitsmarktforschung, Familiensoziologie, Bevölkerungsforschung, Lebenslaufforschung, Sozialstrukturanalyse, Schichtungs- und Mobilitätsforschung, Globalisierungsforschung, Soziologie des internationalen Vergleichs, Soziologie der Dynamik sozialer Systeme und des sozialen Wandels, Soziologie der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung, Statistik, insbesondere Anwendung moderner Längsschnittverfahren, und Methoden der empirischen Sozialforschung, insbesondere die Erhebung von Längsschnitten. Blossfeld hat 35 Bücher und über 240 Artikel veröffentlicht, die über 13.800mal zitiert wurden (H-Index = 50; I10-Index = 147; Google Scholar, Jan. 2013).

Blossfeld ist einer der wichtigsten Forscher auf dem Gebiet der modernen Lebensverlaufsforschung. Er hat zahlreiche zentrale Arbeiten über die Dynamik sozialer Rollen im Lebenslauf von Männern und Frauen (z. B. Blossfeld 1986, 1987, 1995), die Interdependenz von Lebensläufen (z. B. Blossfeld & Hakim 1997; Blossfeld & Drobnič 2001; Blossfeld & Mills 2001), die situativen Zwänge kritischer Lebensverlaufssituationen (e.g. Blossfeld & Huinink 1991), die Logik von Lebensverlaufsentscheidungen (Blossfeld & Prein1998) und die kumulativen Effekte früher Bevorzugungen und Benachteiligungen auf das spätere Leben vorgelegt (z. B. Shavit & Blossfeld 1993; Blossfeld et al. 1995, Blossfeld, Buchholz & Hofäcker 2006).

Mit seinen methodischen Beiträgen hat Blossfeld insbesondere die mit Längsschnittdaten arbeitende Sozialforschung maßgeblich beeinflusst. Seine Bücher über die Erhebung und Modellierung von Ereignisdaten gehören dabei zu den meist zitierten Publikationen in der angewandten Statistik und sind auch in den verschiedenen Nachbarwissenschaften der Soziologie umfassend zur Kenntnis genommen worden (Blossfeld, Hamerle & Mayer 1995; Blossfeld & Rohwer 2002; Blossfeld, Rower & Golsch 2007).

Blossfeld gehört vor allem zu den Pionieren der international vergleichenden Lebensverlaufsforschung. In seinen zahlreichen Buchveröffentlichungen hat er nicht nur Erkenntnisse über die Mechanismen des Lebenslaufs in einzelnen Ländern verallgemeinern, sondern auch die Bedeutung institutioneller und sozialstruktureller Variationen moderner Gesellschaften auf die Lebensläufe im Detail untersuchen können. In seinen Analysen hat er in der Regel 10 bis 20 theoretisch sorgfältig ausgewählte Länder aufgenommen und intensiv mit Experten aus diesen Ländern kooperiert.

Beispiele für Blossfelds international vergleichende Beiträge sind:

  1. Das viel zitierte Standardwerk von Yossi Shavit and Hans-Peter Blossfeld (1993), das heute als wichtiger Meilenstein in der Bildungsforschung gilt. Es zeigt, dass in den letzten 50 Jahren im Zuge der Bildungsexpansion und -reformen in fast allen modernen Industrieländern die Bildungsungleichheiten nach sozialer Herkunft erstaunlich stabil geblieben sind.
  2. Der langfristige internationale Vergleich der Entwicklung der Teilzeitarbeit von Frauen in Europa und in den Vereinigten Staaten von Amerika (Blossfeld & Hakim, 1997). Diese vergleichende Studie zeigt, dass der starke Anstieg der Teilzeitarbeit in den meisten Ländern weder zu einer Gleichstellung von Frauen geführt hat, noch dass die Teilzeit arbeitenden Frauen völlig marginalisiert werden. Teilzeitarbeit ist vielmehr aus einem traditionellen Familienkontext heraus zu verstehen und kann als effektive Strategie gelten, qualifizierte Frauen für den Arbeitsmarkt verfügbar zu machen. Dieses Buch hat sich auf dem Gebiet der Arbeitsmarktforschung zu einem vielzitierten Referenzbuch entwickelt.
  3. Der Wandel der Rolle des Bildungssystems als Heiratsmarkt (Blossfeld & Timm 2003). In modernen Industrieländern hat die Bildungsexpansion danach die Bildungshomogamie deutlich verstärkt. Diese Tendenz bedeutet aber auch eine wachsende Schließung der sozialen Kreise und eine Verstärkung der im individuellen Lebenslauf entstandenen Ungleichheiten durch Paarbildung sowie eine zunehmende Differenzierung der Lebensbedingungen für die Generation der Kinder. Auch diese bahnbrechende Untersuchung wurde durch zahlreiche andere Wissenschaftler repliziert.
  4. Das Buch von Blossfeld und Drobnič (2001), in dem die parallelen Karrieren von (Ehe-)Partnern in modernen Gesellschaften im Längsschnitt untersucht wurden. Dieser internationale Vergleich zeigte insbesondere, dass unterschiedliche Arbeitsmarktstrukturen und Wohlfahrtsstaatsregime zu sehr verschiedenen sozialen Ungleichheitsmustern zwischen Familien und Paarhaushalten führen. Auch diese Studie ist ein Standardwerk geworden und von vielen Wissenschaftlern zitiert und repliziert worden.
  5. Die Studien aus Blossfelds "Globalife"-Project (1999–2009): Diese Forschung fragte, wie die Effekte des Globalisierungsprozesses durch historisch gewachsene Institutionen in modernen Industrieländern gefiltert und dann auf bestimmte soziale Gruppen kanalisiert werden. Dieses Projekt untersuchte die Rolle der Globalisierung (1) für die Chancen der jungen Generation (Blossfeld et al. 2005); (2) die Chancen der Männer in der Karrieremitte (Blossfeld, Mills & Bernardi 2006); (3) die Chancen der Frauen in der Lebensmitte zwischen Familie und Beruf (Blossfeld & Hofmeister 2006); und (4) für späte Berufskarrieren und den Übergang in die Verrentung (Blossfeld, Buchholz & Hofäcker 2006).

Preise und Auszeichnungen


Blossfeld ist seit 2005 Mitglied der Leopoldina,[1] Ordentliches Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gewählter Fellow der European Academy of Sociology (EAS). 2004–2009 war er gewählter Präsident des European Consortium of Sociological Research (ECSR).

Im Dezember 2010 erhielt Blossfeld vom Europäischen Forschungsrat (European Research Council, ERC) einen der sehr angesehenen Advanced Researchers Grants für das Projekt eduLIFE (Preisgeld: 2,5 Mio. Euro). Im März 2007 wurde ihm von der European Commission in Brüssel der „Descartes Prize for Excellence in Scientific Research 2006“ für das Globalife-Project verliehen (Preisgeld: 30.000 Euro). Bereits im Jahr 1991 erhielt Blossfeld den Fritz-Thyssen-Stiftungs-Preis für den besten deutschsprachigen sozialwissenschaftlichen Aufsatz des Zeitschriftenjahrgangs 1990.

2012 wurde Blossfeld aufgrund seiner Verdienste auf dem Gebiet der Arbeitsmarkt- und Bildungsforschung vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg zum IAB Research Fellow und vom Research Centre for Education and the Labour Market (ROA) an der Maastricht University zum Fellow ernannt. Im Juli 2012 wurde Blossfeld für seine Aufbauarbeit des NEPSA die Ehrenmedaille in Silber des Bezirks Oberfranken verliehen. Im Mai 2011 erhielt Blossfeld von der Bulgarischen Akademie der Wissenschaften, Sofia, Bulgarien, die Ehrenmedaille am Bande für seine exzellenten Forschungsleistungen und seine Aktivitäten als Leiter bedeutsamer europäisch vergleichender Forschungsprojekte. Im März 2010 wurde Blossfeld für seine herausragenden sozialwissenschaftlichen Beiträge und sein großes interuniversitäres Engagement die Ehrendoktorwürde (Dr. h. c.) der Universität Tallinn verliehen.

Veröffentlichungen (Auswahl)


International peer-reviewed journals
Bücher

Weblinks


Einzelnachweise


  1. Mitgliedseintrag von Prof. Dr. Hans-Peter Blossfeld (mit Bild und CV) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 30. Juni 2016.



Kategorien: Soziologe (20. Jahrhundert) | Soziologe (21. Jahrhundert) | Hochschullehrer (Bamberg) | Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften | Mitglied der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften | Mitglied der Leopoldina (21. Jahrhundert) | Ehrendoktor der Universität Tallinn | Deutscher | Geboren 1954 | Mann

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Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Hans-Peter Blossfeld (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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