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Hajo Funke

Hans-Joachim „Hajo“ Funke (* 18. November 1944 in Guhrau, Niederschlesien) ist ein deutscher Politikwissenschaftler. Er lehrte von 1993 bis zur Emeritierung 2010 am Institut für Politische Wissenschaften der Freien Universität Berlin. Sein Schwerpunkt liegt auf den Untersuchungen zu Rechtsextremismus und Antisemitismus in Deutschland.

Inhaltsverzeichnis

Biografie


Funke, mit katholischem Hintergrund, stammt aus Niederschlesien. Sein Vater war Lehrer, trat 1935 der NSDAP bei und diente als Artillerieoffizier der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. 2008 hielt Funke auch seine familiären Erlebnisse im autobiographischen Werk Das Otto-Suhr-Institut und der Schatten der Geschichte. Eine andere Erinnerung fest.

Nach dem Besuch der Grundschule (1951–1954) und des Gymnasiums (1954–1964) absolvierte er von 1964 bis 1966 seinen Wehrdienst. Im direkten Anschluss daran begann er das Studium der Politischen Wissenschaft, Soziologie und Philosophie, welches er 1971 mit dem Diplom und der Note Sehr gut abschloss. Während der Studienzeit war er in der westdeutschen Studentenbewegung aktiv. Er engagierte sich etwa im Sozialistischen Deutschen Studentenbund[1] (SDS) und wurde 1968 Sprecher[2] der studentischen Fachschaft des Otto-Suhr-Instituts für Politikwissenschaft (OSI) der FU Berlin. Noch im selben Jahr wurden er und seine Mitstreiter abgesetzt, weil sie die vorangegangene Besetzung des OSIs guthießen. Der Publizist Michael L. Müller, damals hochschulpolitischer Korrespondent der Berliner Morgenpost, kommentierte, dass die Fachschaftsvertretung dem „linksextremen AStA-Kurs“ zugeneigt gewesen war.[3] Später war Funke dann im Sozialistischen Büro (SB), einer Organisation der Neuen Linken, aktiv.[4]

Von 1971 bis 1977 war er Teilzeit-Assistent am Institut für Politische Wissenschaften der Freien Universität Berlin. Sein Thema war die Industrielle Soziologie und Politik. 1976 erfolgte die Promotion in Politischer Wissenschaft („Über die Taylorisation der industriellen Arbeit“) mit der Beurteilung Summa cum laude. 1977 nahm er eine Stelle als „Research Fellow“ am Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) an, die er bis 1983 beibehielt. 1984 folgte die Habilitation (Vortrag über Theorien zum Antisemitismus). Danach war er an der Sozialforschungsstelle Dortmund tätig. 1985–1987 untersuchte Funke die Emigration von Juden vor und während der Zeit des Nationalsozialismus. Diese Untersuchung bildete die Grundlage für seine Veröffentlichung Die andere Erinnerung. Interviews und Portraits von Jüdischen Gelehrten im Exil. Er war Gast an Universitäten und Fachhochschulen in Kopenhagen, Linz und Darmstadt.

1987 war er visiting scholar am Center for European Studies an der Harvard University. 1988/89 übernahm er vorübergehend die Vertretungsprofessur von Alexander Schwan, Lehrstuhl der Politischen Philosophie, an der Freien Universität Berlin. 1989–1992 war Funke Associate Professor (DAAD) an der University of California, Berkeley für German Area Studies (Moderne Geschichte (modern history), Literatur (literature), Politik (politics)). Dort unterhielt er engen Kontakt mit dem Literatursoziologen Leo Löwenthal.

1993 kehrte Funke nach Deutschland zurück und wurde Professor für Politische Wissenschaft unter besonderer Berücksichtigung der Verhältnisse von Politik und Kultur am Otto-Suhr-Institut für Politische Wissenschaften der Freien Universität Berlin, an dem er bis 2010 lehrte.[5] Zu seinen akademischen Schülern gehören u. a. Steffen Hagemann, Lars Rensmann und Fabian Virchow.

Seit 2008 ist er Lehrbeauftragter für Holocaust Studies and Communication am Touro College Berlin.

Während des zweiten Jugoslawienkrieges förderte Funke die Arbeit von La Benevolencija – Deutschland e.V. Der überkonfessionelle Verein unterstützte während des Krieges mit humanitären Hilfeleistungen die jüdische Gemeinde in Sarajevo mit Hilfslieferungen, Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising. 1997 wurde Funke Mitglied des Vorstandes.[6] Überdies war er Vorstandsmitglied des Deutsch-Israelischen Arbeitskreises für Frieden im Nahen Osten.

Im Jahr 2000 trat Funke, drei Jahre nach dem Tod des sechsjährigen Joseph Kantelberg-Abdullah im Schwimmbad der sächsischen Kleinstadt Sebnitz, als Berater von dessen Familie auf.[7]

Im Prozess Irving gegen Lipstadt und Penguin Books, in dem Irving sich gegen den Vorwurf der Holocaustleugnung zu verwahren versuchte und verlor, verfasste Funke folgendes Gutachten im Hauptverfahren: David Irving, Holocaust Denial, And His Connections To Right-Wing Extremists And Neo-National Socialism (Neo-Nazism) In Germany.

Er wirkt häufiger als Sachverständiger für die Politik, darunter 2012 auf Einladung der Oppositionsfraktionen im NSU-Untersuchungsausschuss im Bayerischen Landtag.[8]

Auszeichnungen


Am 18. November 2019 wurde Funke das Bundesverdienstkreuz im Roten Rathaus verliehen.[9]

Veröffentlichungen (Auswahl)


Aufsätze

Bücher

Literatur


Weblinks


Commons: Hajo Funke (Political scientist)  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. Birgit Haas: FU-Berlin – drei Generationen, 60 Hochschuljahre . In: Berliner Morgenpost, 4. Dezember 2008, S. 17.
  2. Joachim Scharloth: 1968. Eine Kommunikationsgeschichte. Fink, Paderborn 2011, ISBN 978-3-7705-5050-0, S. 278.
  3. Michael L. Müller: Berlin 1968. Die andere Perspektive. Berlin-Story-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-929829-85-3, S. 275.
  4. Willi Hoss: "Komm ins Offene, Freund". Autobiographie. Hrsg. von Peter Kammerer, Westfälisches Dampfboot, Münster 2004, ISBN 3-89691-562-2, S. 81.
  5. FU Berlin, Arbeitsschwerpunkt Politik und Kultur, Mitarbeiter Prof. Dr. a. D. Hajo Funke. 5. Mai 2013, abgerufen am 21. Mai 2014.
  6. Joan Klakow, Hajo Funke, Christoph Koch: Bericht über die Aktivitäten '97 und zur momentanen Situation in Sarajevo. In: Jüdische Gemeinden in Deutschland. 29. September 1997, abgerufen am 20. Mai 2014.
  7. Sven Röbel, Andreas Wassermann: Wen ich will. In: Der Spiegel. Nr. 6, 2001, S. 73 (online 5. Februar 2001).
  8. Untersuchungsausschuss Rechtsterrorismus in Bayern – NSU 2012–2013 . bayern.landtag.de, 2. Februar 2016.
  9. siehe Politikwissenschaftler Prof. Dr. Hans-Joachim Funke mit Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet Pressemitteilung der FU Berlin November 2019, abgerufen 26. November 2019
  10. Rezension ; Inhaltsverzeichnis und Einleitung (pdf)



Kategorien: Politikwissenschaftler | Rechtsextremismusforscher | Hochschullehrer (Freie Universität Berlin) | Hochschullehrer (University of California, Berkeley) | Mitglied des Sozialistischen Büros | Deutscher | Geboren 1944 | Mann | Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande

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Quelle: Wikipedia - https://de.wikipedia.org/wiki/Hajo Funke (Autoren [Versionsgeschichte])    Lizenz: CC-by-sa-3.0

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