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Große Tulln

Große Tulln

Laabenbach in Neulengbach flussabwärts gesehen

Daten
Lage Niederösterreich
Flusssystem Donau
Abfluss über Donau → Schwarzes Meer
Quelle als Laabenbach am Pass Klammhöhe
48° 4′ 3″ N, 15° 50′ 24″ O
Quellhöhe ca. 680 m ü. A.
Mündung bei Tulln in die DonauKoordinaten: 48° 20′ 0″ N, 16° 1′ 50″ O
48° 20′ 0″ N, 16° 1′ 50″ O
Mündungshöhe ca. 177 m ü. A.
Höhenunterschied ca. 503 m
Sohlgefälle ca. 13 ‰
Länge 40 km
Einzugsgebiet 218,6 km²[1]
Rechte Nebenflüsse Kleine Tulln
Kleinstädte Neulengbach, Tulln an der Donau
Gemeinden Brand-Laaben, Neustift-Innermanzing, Altlengbach, Asperhofen, Sieghartskirchen, Judenau-Baumgarten, Langenrohr

Die Große Tulln beim Bahnhof Tullnerfeld

Informationen über eine Brücke, die über die Große Tulln in Langenrohr geht

Die Große Tulln ist ein Fluss in Niederösterreich.

Inhaltsverzeichnis

Geographie


Sie entspringt in 680 m ü. A. als Laabenbach am Pass Klammhöhe im Südosten des Bezirks St. Pölten und fließt am Fuß des Schöpfls nach Norden über Neulengbach (wo sie ab der Einmündung des Anzbaches wirklich Große Tulln heißt), bis sie nach insgesamt circa 40 km östlich der Rosenbrücke bei Tulln im Bezirk Tulln in die Donau mündet (177 m ü. A.).

Die Ortschaften von der Laabenbach-Quelle bis zur Mündung heißen:

Die Große Tulln stellt die Westgrenze des Wienerwalds im engeren Sinne dar.

Hydrologie


Die wichtigsten Zubringer der Großen Tulln lauten von der Quelle (Laabenbach) zur Mündung (rechts / links im orographischen Sinne, also flussab schauend):

Der Hochwiesgraben (mit Zuflüssen Egelseegraben und Rinnengraben), der früher bei Asparn (links) in die Große Tulln mündete, wird wegen der Dämme jetzt parallel geführt und mündet in einen Donau-Altarm, der hinwiederum über ein Pumpwerk in die Donau entwässert wird. Es gibt auch nahe der Bahnstation Atzenbrugg eine Verbindung zur Perschling (Fluss).

Das Einzugsgebiet umfasst etwa 258 km² (durch den Überleitungskanal von der Kleinen Tulln kommen weitere etwa 72 km² dazu, gesamt daher etwa 330 km²).

Ein nicht unwichtiger Zubringer ist auch seit 1972 die mechanisch-biologische Kläranlage in Neulengbach-Markersdorf, die die Abwässer von neun Gemeinden an Anzbach und Laabenbach/Großer Tulln behandelt. Nach der mechanischen Reinigung folgt eine biologische in Belebtschlammbecken sowie die Phosphatfällung. Bis zu 15 000 m³ Abwässer (das entspricht 47.000 Einwohnern) können pro Tag geklärt werden und fließen anschließend in die Große Tulln.

Das Mittelwasser am Pegel Siegersdorf (Asperhofen) beträgt nach Angaben des Amts der Niederösterreichischen Landesregierung circa 1,2 m³/s, das hundertjährliche Hochwasser circa 220 m³/s. Ein Grund für den großen Unterschied zwischen Hochwasser und Mittelwasser liegt in den im Einzugsgebiet vorherrschenden Geologischen Verhältnissen.

Geologie


Von der Quelle bis Neulengbach-Haag fließt der Laabenbach durch die Flyschzone, diese besteht vorwiegend aus Sandstein, welcher mit Tonstein seltener mit Mergel wechsellagert, vereinzelt kommt auch Kalkstein aus der Kreidezeit bis zum Paläogen/Alttertiär vor. Diese Gesteine sind praktisch wasserundurchlässig, sodass Regenwässer oder Schmelzwasser nach kurzer Zeit in den Fluss gelangen.

In Neulengbach durchquert der Fluss die hier sehr schmale Zone der Subalpinen Molasse. Es handelt sich dabei um Konglomerate, gefaltete Konglomerate (Buchberg, Neulengbacher Schlossberg) und feinkörnigere Sedimente, die aber aufgrund der geringen Breite dieser Zone zu keiner spürbaren Versickerung führen.

Ab dem Neulengbacher Ortsteil Inprugg fließt die Große Tulln durch die Molasse. Es handelt sich dabei überwiegend um Sande, Schluffe und Tone („Schlier“) aus dem Neogen, die stellenweise von Lössen überlagert werden. Auch diese Lockergesteine sind gering wasserdurchlässig, jedoch ist das Gelände aufgrund ihrer geringen Standfestigkeit überwiegend so flach, dass aus diesem Bereich keine großen Wassermengen mehr anfallen.

Flussab von Judenau verläuft die Große Tulln bis zu ihrer Mündung im Tullnerfeld in einer breiten quartären Schotterfläche, in der kaum Oberflächenabfluss stattfindet, da das Gelände praktisch horizontal ist und Niederschläge in den gut durchlässigen Schottern und Sanden versickern können.

Namen und historische Rolle


Seit spätestens 1810 wird das Gewässer als große Tulln bezeichnet. Davor und bis etwa 1910 wurde es auch als Dullona, (großer) Tulnerbach oder (großer) Tullnerbach bezeichnet, wobei eine Verwechslungsgefahr mit dem nach Süden fließenden Tullnerbach besteht, welcher über den Wienfluss in die Donau gelangt. Ebenso gab es bei beiden Gewässern Brückenmauten.

In den Jahrbüchern von Fulda wird die Große Tulln 884 als Grenze zwischen den Bayern und den Slawen bezeichnet.[2] Zirka 991 durchbrach Heinrich II. von Bayern in einem siegreichen Heereszug den Ungarnhaag (beachte die Ortsnamen "Haag bei Neulengbach" und "Haagen" nördlich von Altlengbach!) auf dem Wienerwaldkamm. Dabei dürfte sich der bayrische Adelige namens „Engelricus“ (Engelrich) ausgezeichnet haben. Das neugewonnene Gebiet östlich der Großen Tulln war noch nicht gesichert und wahrscheinlich nicht einmal in die Mark des Heinrich I. von Österreich einbezogen. Am 29. April 998 übertrug Kaiser Otto III. auf Bitten von Heinrich III. von Bayern (der spätere Kaiser Heinrich II.) Engelrich den Besitz zwischen „Dullona u. Amizinesbahc“ (Großer Tulln und Anzbach → Maria-Anzbach), die Burg Altlengbach wurde errichtet. Teile des Besitzes gelangten an die Herren von Lengbach und um ihre Burg entstand der Markt Neulengbach (seit 2000 Stadt).

Gegen Tunnelbauten durch Biber, die im Fall von Hochwasser Böschungen einstürzen lassen, wurden im Bereich Abstetten September 2017 Wurfsteine (große Steinblöcke) mit der Gesamtmasse von 140 t verlegt.[3]

Galerie


Weblinks


 Commons: Große Tulln  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. BMLFUW (Hrsg.): Flächenverzeichnis der Flussgebiete: Donaugebiet von der Enns bis zur Leitha. In: Beiträge zur Hydrografie Österreichs Heft 62, Wien 2014, S. 101. PDF-Download , abgerufen am 8. Juli 2018.
  2. Annales Fuldenses Pars. IV, 884 „Imperator in terminis Noricorum et Sclavorum cum Zuentibaldo colloquium habuit; Pars V, 884, prope flumen Tullinam, Monte Camiano colloquium habuit.“
    Commission zur Pflege vaterländischer Geschichte der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Archiv für Kunde österreichischer Geschichts-Quellen. 10. Band, kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1853, S. 11 (Online-Version )
  3. Schwere Biberschäden an der „Großen Tulln“ orf.at. 6. September 2017, abgerufen 6. September 2017.



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