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Gewissheitsgrade der Dogmatik

Die Gewissheitsgrade der Dogmatik (auch: nota theologica, Notationen) kategorisieren in der Dogmatik die Lehrsätze des katholischen Glaubens in mehr (z. B. Dogmen) oder weniger (z. B. Sententia tolerata) sichere und für die Gläubigen verbindliche Aussagen.

Inhaltsverzeichnis

Grundsätzliches


Die vom kirchlichen Lehramt seit der Scholastik geübte Praxis der Lehrbeurteilung impliziert eine Hierarchie christlicher Glaubenswahrheiten. Denn indem die theologischen Lehren dogmatisch beurteilt (Notationen) wurden und so der Gewissheitsgrad – entweder ihrer Verwerfung (negative Zensuren) oder aber ihrer Annehmbarkeit (positive Qualifikationen) – festgestellt wurde, wurde auch über deren Nähe zur regula fidei remota (Schrift und Tradition) bzw. proxima (kirchliches Lehramt) befunden. Vor allem im 17. und 18. Jahrhundert kommt es zur Ausbildung vielfältiger und noch variierender Abstufungen innerhalb der Lehrbeurteilung, die insbesondere im 19. Jahrhundert eine eindeutige Gestalt annahmen: Äußerst diffizil werden verschiedene positive Qualifikationen unterschieden: fides divina; fides divina et catholica; usw. – für die negativen Zensuren treffen sodann die entsprechenden Entgegensetzungen zu.[1]

Das Zweite Vatikanische Konzil sagte, dass es eine Rangordnung oder "Hierarchie" der Wahrheiten innerhalb der katholischen Lehre gibt, je nach der verschiedenen Art ihres Zusammenhangs mit dem Fundament des christlichen Glaubens.[2] Das gilt nach Papst Franziskus sowohl für die Glaubensdogmen als auch für das Ganze der Lehre der Kirche, einschließlich der Morallehre.[3]

Abstufungen


Je nach theologischem Gewissheitsgrad und glaubensmäßiger Verbindlichkeit der kirchlichen Lehraussagen unterscheidet die römisch-katholischen Dogmatik hinsichtlich der katholischen Wahrheiten abgestuft wie folgt (nota theologica):

Interpretation


Aus kirchlicher Sicht wird bei den dogmatischen Aussagen – relativierend – angemerkt, "dass der Sinn, den die Glaubensaussagen haben, teilweise von der Aussagekraft der zu einer bestimmten Zeit und unter bestimmten Umständen angewandten Sprache abhängt. Außerdem kommt es bisweilen vor, dass eine dogmatische Wahrheit zunächst in unvollständiger, aber deshalb nicht falscher Weise ausgedrückt wird und später in größeren Zusammenhängen des Glaubens und der menschlichen Erkenntnisse betrachtet und dadurch vollständiger und vollkommener dargestellt wird. Ferner will die Kirche in ihren neuen Aussagen das, was in der Heiligen Schrift und in den Aussagen der früheren Überlieferungen schon einigermaßen enthalten ist, bestätigen oder erhellen, sie pflegt dabei aber zugleich an die Lösung bestimmter Fragen und die Beseitigung von Irrtümern zu denken. All dem muss man Rechnung tragen, um jene Aussagen richtig zu deuten. Schließlich unterscheiden sich zwar die Wahrheiten, die die Kirche in ihren dogmatischen Formeln wirklich lehren will, von dem wandelbaren Denken einer Zeit und können auch ohne es zum Ausdruck gebracht werden; trotzdem kann es aber bisweilen geschehen, dass jene Wahrheiten auch vom Lehramt in Worten vorgetragen werden, die Spuren solchen Denkens an sich tragen."[9]

Literatur


Siehe auch


Einzelnachweise


  1. Christoph Böttigheimer, Glauben verstehen (Herder 2012), Seite 182–183 (auch: www.muenster.de/~angergun/boettigheimer-leseprobe2.pdf? abgefragt am 9. Dezember 2013).
  2. ZWEITES VATIKANISCHES KONZIL, Dekret Unitatis redintegratio über den Ökumenismus, 11.
  3. Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, Nr 37.
  4. http://katholischpur.xobor.de/t250f42-Theologische-Gewissheitsgrade-Teil-I.html (abgefragt am 6. Dezember 2013).
  5. dtv-Lexikon 1971 zitiert nach Archivlink (Memento des Originals vom 15. Dezember 2013 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (abgefragt am 6. Dezember 2013)
  6. http://katholischpur.xobor.de/t255f42-Theologische-Gewissheitsgrade-Teil-II.html (abgefragt am 6. Dezember 2013)
  7. Sixtus Cartechini, De Valore Notarum Theologicarum et de Criteriis ad eas Dignoscendas (1951) zitiert nach http://www.the-pope.com/theolnotes.html (abgefragt am 6. Dezember 2013)
  8. http://katholischpur.xobor.de/t255f42-Theologische-Gewissheitsgrade-Teil-II.html (abgefragt am 6. Dezember 2013)
  9. Kongregation für die Glaubenslehre: Erklärung "Mysterium ecclesiae" zur katholischen Lehre über die Kirche und ihre Verteidigung gegen einige Irrtümer von heute vom 24. Juni 1973, Nachkonziliare Dokumentation 43, Trier 1975, Nr. V, S. 147 f.



Kategorien: Dogmatik


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