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Gesellschaft im Herbst

Gesellschaft im Herbst ist ein Einakter in sieben Bildern von Tankred Dorst, der am 2. Juli 1960 unter der Regie von Heinz Joachim Klein im Kleinen Haus des Nationaltheaters Mannheim uraufgeführt wurde.[1]

Inhaltsverzeichnis

Inhalt


Die verwitwete Gräfin Athalie de Villars-Brancas, Herrin auf Schloss Croix des Anges, will ihr langsam verrottendes Anwesen an Herrn Costeneau, Chef eines Reiseunternehmens, verkaufen. Da dringt Charles Toussaint, Archivar in der Handschriftenabteilung der Bibliothek Lyon, mit diversen Schriftstücken zu der älteren Dame vor. Die belegen, der Familienschatz im Wert von um die 94 Millionen Francs, in einer Truhe direkt im Schloss unter der Halle vergraben, soll die Plünderung anno 1789 überstanden haben. Die Gräfin will nicht mehr verkaufen. Nachdem der Journalist Poisinet die Neuigkeit publiziert hat, interessiert sich der junge Marcel de Rochouart nach einem Jahr Abwesenheit auf einmal wieder für seine ehemalige Braut Claire-Hélène. Die bejahrte Gräfin will ihr 30-jähriges einziges Kind endlich unter die Haube bringen.

Bald untergraben über fünfzig Arbeiter unter Führung des Bauunternehmers Paul Bigot das Schloss von drei Seiten; dringen in das Labyrinth unterirdischer Gänge systematisch vor. Die Risse in dem bereits baufälligen Gemäuer verbreitern sich. Claire-Hélène muss in die Halle umziehen; kampiert dort mit Marcel in einer Art Verschlag. Bigot hat sich neben dem Verschlag in der Halle ein Baubüro eingerichtet. Die Gräfin hat Bigot überhaupt nicht beauftragt. Der Unternehmer argumentiert überzeugend mit der Anständigkeit seiner Arbeiterschaft. Die Herrin auf Schloss Croix des Anges will schließlich doch zahlen. Das Geld beschafft sie sich von einem ihrer Getreuen, dem Notar Testière. Der sieht sich zunächst außerstande, wird aber von dem Journalisten Poisinet übertölpelt. Auch der Journalist findet einen Arbeitsplatz in der Halle des Schlosses. Seine Schreibmaschine klappert.

Poisinets Nachricht von den Grabungen dringt von Frankreich bis nach Amerika. Der Geschäftsmann Fox, nebenher mit der Überwachung angelegter Mündel­gelder von Waisenkindern betraut, reist aus gutem Grund von Übersee an. Er hat von der Veruntreuung dieser Anlagen durch einen gewissen Testière erfahren. Mr. Fox, in Frankreich unter dem Namen Martinez besser bekannt, hat dem Anschein nach den Reiseunternehmer Costeneau zur Deckung der Summe Geldes überredet. Übrigens ist Martinez auch der Boss der grabenden Arbeiterschar. Der Amerikaner besitzt alle Zeitungen, für die Poisinet schreibt.

Die Truhe wird gefunden, soll aber erst auf der Festlichkeit zur Verlobung von Hélène mit Marcel aufgebrochen werden.

Marcel kann es nicht erwarten. Er findet in der Truhe nur Sand, Erde und zerbrochene Blumentöpfe. Der Bräutigam schleicht sich das zweite Mal davon.

Graf Henri, seliger Gatte der Gräfin, zwanzig Jahre vor Handlungsbeginn verstorben, hatte zu Lebzeiten den Schatz an den Amerikaner Fox veräußert.

Form


Witzige Dialoge erheitern den Zuschauer. Der morbide Adel wird verspottet. Tankred Dorst verlangt in einer Bühnenanweisung[2] groteske Situationen als Stilelement. Zu erzeugen seien diese durch die Verzahnung von Realem mit Imagination. Das sieht dann zum Beispiel so aus: Als Toussaint auf seiner nervenaufreibenden Schatzsuche nicht fündig wird, stürzen ihn Hélène, Marcel und der Schlossverwalter von der Halle hinab in das Gewölbe.

Erst im letzten der sieben Bilder des Stücks dringt in Person des Geschäftsmannes Fox eine vom international operierenden Kapital beherrschte neue Nachkriegsgesellschaft mit Macht ins Zuschauerbewusstsein.

Rezeption


Literatur


Verwendete Ausgabe

Sekundärliteratur

Weblinks


Einzelnachweise


  1. Günther Erken bei Arnold, S. 85, rechte Spalte, 2. Eintrag v.o.
  2. Verwendete Ausgabe, S. 73 Mitte
  3. Barner, S. 269, „Das poetische und das absurde Drama“



Kategorien: Werk von Tankred Dorst | Literarisches Werk | Literatur (20. Jahrhundert) | Literatur (Deutsch) | Drama

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