Geely



Zhejiang Geely Holding Group Co. Ltd
吉利汽车

Rechtsform Limited (nach chinesischem bzw. Hongkonger Recht)
ISIN KYG3777B1032
Gründung 1986
Sitz Hangzhou, Volksrepublik China (Holding)
Leitung Li Shufu (Vorstandsvorsitzender),
Gui Sheng Yue (CEO)
Mitarbeiterzahl 80.000 (2018)
Umsatz 92,52 Mrd. HK$
Branche Automobilindustrie
Website www.zgh.com

Geely (chinesisch 吉利汽車 / 吉利汽车, Pinyin Jílì Qìchē – „Glückverheißendes Automobil“) ist ein chinesischer Automobil- und Motorradhersteller. Unternehmenssitz ist Hangzhou, Hauptstadt der Provinz Zhejiang. Geely verfügt über sieben Standorte zur kompletten Produktion von Autos. Dazu zählen die Städte Linhai, Ningbo und Luqiao in der Provinz Zhejiang sowie Shanghai, Xiangtan in Hunan, Jinan in Shandong, Lanzhou in Gansu. Ein weiterer Standort für die Produktion von Teilen befindet sich in Chengdu in Sichuan.

Die für den Export und Import zuständige „Geely International Corporation“ wurde 2002 gegründet und hat ihren Sitz in Shanghai.

Das Unternehmen betreibt oder betrieb neben Geely (Lizenzprodukte CKD/SKD) auch die Markennamen, Submarken oder Modellbezeichnungen Emgrand (100-prozentige Eigenentwicklungen), Englon (JV-Modelle), London Taxi (gekauft), Panda (Kleinwagenmodelle), Shanghai Maple Automobile (SMA) (gekauft) und Volvo (2010 gekauft), Polestar (2015 gekauft), sowie Proton (2017 zu 49,9% gekauft), Lynk & Co, Lotus (2017 gekauft), Zeekr und 2017 den Flugauto Entwickler Terrafugia.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte


Am 6. November 1986 eröffnete der Firmengründer Li Shufu die erste Manufaktur für Kühlschrankteile. Im April 1992 begann das Unternehmen, Motorräder herzustellen. Am 8. August 1998 verließ das erste Automobil von Geely das Werk in Linhai in der Provinz Zhejiang. Im April 2003 rollte das 100.000ste Fahrzeug vom Band. In China ist Geely relativ erfolgreich, in den USA und in der EU ist die Marke jedoch kaum bekannt. Die Technik der ersten Modelle stammte weitgehend vom japanischen Automobilhersteller Daihatsu.

2004 verkaufte Geely bereits 200.000, 2008 221.900 Fahrzeuge.[1] 2009 konnten 325.413 Fahrzeuge produziert werden.[2] Das Ziel, bis 2015 zwei Millionen Einheiten pro Jahr herzustellen, konnte allerdings nicht erreicht werden. Dieses wurde auf 2020 verschoben.[3]

Im September 2005 präsentierte sich Geely erstmals auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main.

2008 äußerte Li sein Interesse, den Automobilhersteller Volvo, eine Tochtergesellschaft der Ford Motor Company, zu übernehmen. Im März 2009 wurde das Angebot wiederholt und im Dezember des gleichen Jahres von Volvo angenommen. Die Verhandlungen und die endgültige Unterzeichnung des Vertrages zogen insbesondere durch den Streit über die Nutzungsrechte des geistigen Eigentums von Volvo.[4] Der Vertrag wurde Ende März 2010 unterzeichnet. Der Kaufpreis betrug 1,8 Mrd. Dollar.[5] Wie am 20. April 2010 bekannt wurde, wird Geely den Hauptsitz des Volvo-Werkes im Zusammenhang mit einem Neubau eines weiteren Automobilwerkes nach Shanghai verlegen.[6] Nach einer Erklärung des Vorstandsvorsitzenden Li Shu Fu wurde darüber aber noch keine Entscheidung getroffen.[7]

Li Shufu zufolge zahlt der Konzern die besten Löhne im Handelssektor. Als Parteimitglied setzt sich Li angeblich auch für höhere Löhne in der ganzen Automobilbranche ein.[8]

Die neu gegründete China Euro Vehicle Technology AB (CEVT) ist für die Entwicklung der neuen Compact Modular Architecture (CMA) Plattform für Volvo und Lynk & Co verantwortlich.[9]

2012 errichtete die Firma mit dem weißrussischen Unternehmen BelAZ ein Joint Venture in Baryssau.[10] Die Unternehmensanteile sind zu 50 % auf BelAZ, zu 32,5 % auf Geely und zu 17,5 % auf den weißrussisch-chinesischen Automobilzulieferer SoyuzAvtotekhnologii verteilt. Das Joint Venture trägt den Namen BelGee.[11]

Am 7. April 2016 erließ der weißrussische Präsident Aljaksandr Lukaschenka im Rahmen der weißrussischen Automobilausstellung eine Anweisung, nach der künftig alle weißrussischen Beamten verpflichtet sind, Autos der Marke Geely zu kaufen, um die heimische Wirtschaft zu fördern, da die Fahrzeuge von BelGee vertrieben werden.[12]

Am 24. Mai 2017 übernahm Geely 51 % der Firmenanteile von Lotus Cars.[13]

Seit Ende 2017 ist Geely bei Volvo Trucks AB größter Anteilseigner[14] sowie seit Februar 2018 größter Einzelaktionär bei der Daimler AG mit 9,7 Prozent der Aktien.[15]

Forschung und Patente


2007 meldete Geely insgesamt über 120 Schutzrechte an, wobei ca. ein Drittel davon Patente waren und zwei Drittel Gebrauchsmuster. Gebrauchsmuster sind im Vergleich zu Patenten kostengünstiger und weniger forschungsintensiv, jedoch hat der Schutz durch ein Gebrauchsmuster auch eine kürzere Dauer. Die Anmeldungen zum Schutz von geistigem Eigentum haben sich seit 2005 jährlich verdoppelt. Von 2005 auf 2006 haben sich die Anmeldungen sogar fast verfünffacht.[16]

Geely kündigte 2018 seine neue Fahrzeugstrategie „Geely Intelligent Power“ an, die bis 2020 insgesamt 30 neue Elektro- und Hybridautos beinhaltet. Schon 2015 hatte Geely seine „Blue Geely Initiative“ mit dem Versprechen angekündigt, dass 90 Prozent der Verkäufe der Marke bis zum Jahr 2020 Elektrofahrzeuge sein sollen. Gemeinsam mit Geylys iNTEC-Technologie hat Geely auch eine neue Strategie für die Energieentwicklung vorgestellt, die vier technologische Wege verfolgt, um zum Marktführer für neue Energietechnologien, alternative Kraftstoffe, Brennstoffzellen, rein elektrische und hybride Technologien zu werden.[17]

Marken


Ursprünglich ein Hersteller von Kühlschränken, wurde Mitte der 1990er ein staatlicher Hersteller von Motorrädern übernommen und deren Produktion weiterentwickelt. Geely ist heute ein führender Hersteller von Motorrädern in China und unterhält auch auf diesem Gebiet verschiedene Marken.

Marke Kommentar
Geely Unter der Stamm-Marke wurde 2002 die PKW-Fertigung aufgenommen. 2010 bis 2012 sollte sie zugunsten der drei neuen Marken Englon, Gleagle und Emgrand eingestellt werden. Nach einem Umsatzeinbruch 2011 bis 2013 wurden die drei Marken aber 2014 wieder unter dem gemeinsamen Dach Geely zusammengeführt.
Shanghai Maple Automobile
(SMA)
Geely war seit 2002 an SMA beteiligt und übernahm diese 2008 komplett als Einstiegsmarke. 2010 bis 2012 wurde die Marke SMA durch Englon abgelöst.
Englon Englon war ab 2010 die neue Marke für das preiswerte Einstiegssegment und ersetzte damit SMA. 2014 wurde Englon wieder unter das Dach Geely geholt und etwas später durch Vision abgelöst.
Gleagle Ab 2010 repräsentierte Gleagle das mittlere Preissegment, und darüber wurden die Fahrzeuge der bisherigen Marke Geely vertrieben. Auch Gleagle wurde 2014 wieder in Geely reintegriert.
Emgrand Emgrand sollte das gehobenere Preissegment besetzen und mit überwiegend neu entwickelten Fahrzeugen versorgt werden. Wurde auch in Geely reintegriert.
Vision
(远景 = Yuanjiang)
Vision ersetzt seit ca. 2016 Englon als Submarke für den Einstiegsbereich.
Kandi Seit 2013 betreibt Geely (anfangs über SMA) ein 50/50%-Joint-Venture mit der Kandi Technologies Group, einem Hersteller von Antriebstechnik für Elektroautos. Die daraus entstandene gemeinsame Tochter Zhejiang Kandi Vehicles sollte Elektroautos für den chinesischen Markt herstellen, seit 2018 wird aber auch in die USA exportiert.
Zhidou (ZD Auto) ZD Auto ist seit 2014 ein Joint Venture, an dem Geely die Mehrheit hält. ZD Auto baute bis 2019 zweisitzige elektrische Stadtautos.
Lynk & Co[18][19] Die Marke ist zwischen Geelys chinesischen Marken und Volvo positioniert und bietet seit 2018 auf der technischen Basis der kleineren Fahrzeuge von Volvo Modelle mit verbesserter Konnektivität für ein jüngeres Publikum an.
Geometry[20] Über Geometry werden seit 2019 rein elektrische Autos angeboten werden, vorwiegend für den chinesischen Markt.
Zeekr[21] Die Marke verkauft wie Geometry rein elektrische Autos, ist aber höher positioniert. Sie wurde 2021 gegründet.
Marken aus Auslandsbeteiligungen
Volvo 2010 wurde die damals deutlich größere, aber angeschlagene schwedische Volvo Personvagnar von Ford übernommen und saniert. Dazu gehören die Nutzungsrechte am Namen Volvo (gemeinsam mit Volvo Group) und an Polestar.
Polestar 2015 erwarb Geely/Volvo von einem Rennstall (heute Cyan Racing) deren Abteilung als markeninterner Volvo-Tuner und die Namensrechte an Polestar. Auf der Basis von Volvo sollen Elektrofahrzeuge angeboten werden, vorrangig für den Export. Dazu gab es Anfang 2019 eine Markenvorstellung in Berlin.
London EV Company
(LEVC)

Nach einer Zusammenarbeit seit 2006 übernahm Geely 2013 die London Taxi Taxi Company und benannte sie 2017 in London Electric Vehicle Company (LEVC) um.

Proton 2017 übernahm Geely von DRB-HICOM 49,9 % der Anteile an Proton.
Lotus Zusammen mit der Beteiligung an Proton erwarb Geely auch 51 % der Anteile an Lotus, einem britischen Hersteller von Sportwagen, der über besonderes Know-how zum Leichtbau von Fahrzeugen verfügen soll.
Terrafugia 2017 kaufte Geely Terrafugia, einen US-amerikanischen Entwickler und Hersteller eines straßenfähigen Kleinflugzeugs. Das Zulassungsverfahren soll abgeschlossen sein und die Produktion vorbestellter Maschinen möglicherweise noch 2019 beginnen. Ein ähnliches Fahrzeug als Senkrechtstarter soll in der Entwicklung sein.

PKW-Modellübersicht


Jeweils das gleiche Modell wurde/wird unter einer Vielzahl von Bezeichnungen angeboten. Ursachen dafür sind u. a., dass anfangs Modelle anderer Hersteller in Lizenz gefertigt, verschiedene andere Hersteller übernommen und im Export teilweise länderspezifisch unterschiedliche Bezeichnungen benutzt wurden. Hinzu kommt, dass bestehende Geely-Modelle vorübergehend unter den Marken Englon/Gleagle/Emgrand angeboten wurden und diese dann in Submarken von Geely umgewandelt wurden. Die Submarke Englon wurde später durch Vision (= YuanJing) ersetzt. Die hier genannten Bezeichnungen sind nur ein Auszug, soweit sie in der deutschsprachigen Wikipedia genannt werden.

Kleinstwagen
Kleinwagen
Kompaktklasse
Mittelklasse
Obere Mittelklasse
Oberklasse
Van
SUV
Sportwagen

Plagiat


Auf der Shanghai Auto Show 2009 wurde ein Auto präsentiert, das dem Rolls-Royce Phantom zum Verwechseln ähnlich sah. Der Geely-Präsident Jie Zhao gab an, mit dem Geely Ge das Markenimage aufwerten zu wollen.[23]

Produktgalerie


Emgrand

Englon

Geely

Gleagle

London Taxi Co.

Lotus

Shanghai Maple

Volvo

Lynk & Co

Geometry

Zeekr

Terrafugia Transition

Weblinks


Commons: Geely  – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise


  1. The Wall Street Journal, July 16, 2008, S. 16
  2. Hong Kong-listed Geely Automobile 2009 sales up 39 pct yr-on-yr by volume to 2008 (PDF; 756 kB)
  3. Das steckt hinter Volvo, Lotus, Lynk & Co. abgerufen am 19. Juli 2017
  4. Neue Chancen in China. 2012, ISBN 978-3-89879-694-1 (m-vg.de [abgerufen am 16. März 2021]).
  5. Expansion: Chinesen zahlen 1,8 Mrd. Dollar für Volvo, Financial Times Deutschland (Memento vom 31. März 2010 im Internet Archive) abgerufen am 28. März 2010
  6. Nach Volvo-Übernahme: Geely geht nach Shanghai, Finanzen.net abgerufen am 20. April 2010
  7. Wird das Geely-Volvo-Werk in Shanghai errichtet? (chin.), Tencent Internet Service Portal, 20. April 2010 abgerufen am 25. Mai 2010
  8. Li Shufu, “China’s Henry Ford,” to Propose Wage Increase for Line Workers in Congress? abgerufen am 17. April 2011
  9. Edenspiekermann: Home. Abgerufen am 28. Juni 2019 (englisch).
  10. BELTA. Chinese car factory in Belarusian Borisov nearly ready (englisch) (Memento vom 26. Februar 2014 im Internet Archive)
  11. Geely to push volume production in Belarus (englisch), Automotive Logistics, 31. Juli 2013 abgerufen am 7. April 2016
  12. Belarussische Beamte werden auf Geely umsteigen Belarussische Telegraphenagentur Belta, 7. April 2016 abgerufen am 7. April 2016
  13. Chinese car giant Geely has bought Lotus. 24. Mai 2017, abgerufen am 28. Juni 2019 (englisch).
  14. China's Geely turns to Volvo trucks in latest Swedish venture . In: Reuters. 27. Dezember 2017. Abgerufen am 25. Februar 2018.
  15. Martin Mrowka: Daimler-Geely. Abgerufen am 28. Juni 2019 (deutsch).
  16. a b chinese-champions.de. Abgerufen am 28. Juni 2019.
  17. Geely kündigt 30 neue Elektrofahrzeuge bis 2020 an | Elektroauto-News.net. 2. Juni 2018, abgerufen am 28. Juni 2019 (deutsch).
  18. Tom Grünweg: Chinesische Automarke Lynk&Co: Nächster Versuch – Mobilität. In: Spiegel Online. 21. Oktober 2016, abgerufen am 9. Juni 2018.
  19. Reportage: So pompös startet Geely in Berlin die Automarke Lynk&Co. Abgerufen am 28. Juni 2019.
  20. Uli Baumann, Marcel Sommer: Geely Geometry A: Elektro-Limousine mit bis 500 km Reichweite. In: auto-motor-und-sport.de. 12. April 2019, abgerufen am 12. April 2019.
  21. Uli Baumann: Geely plant Premium-E-Autos: Mit Zeekr gegen Tesla. In: auto-motor-und-sport.de. 19. März 2021, abgerufen am 17. April 2021.
  22. Geely startet globale Elektroauto-Marke „Geometry“. 17. April 2019, abgerufen am 28. Juni 2019.
  23. Darum baut Geely den Lolls-Loyce auf autobild.de vom 4. Mai 2009









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Stand der Informationen: 27.04.2021 02:01:50 CEST

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