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Gaetano Donizetti

Domenico Gaetano Maria Donizetti (* 29. November 1797 in Borgo Canale, heute in Bergamo in Italien; † 8. April 1848 in Bergamo) war einer der wichtigsten Opernkomponisten des Belcanto. Einige seiner Opern wie Anna Bolena (1830), L’elisir d’amore (1832), Lucrezia Borgia (1833), Lucia di Lammermoor (1835), Maria Stuarda (1835), La fille du régiment (1840), La favorite (1840) und Don Pasquale (1843) gehören zum Standardrepertoire der Opernhäuser weltweit.

Inhaltsverzeichnis

Leben


Jugend

Gaetano war das jüngste Kind von Andrea und Domenica Donizetti. Seine Geschwister waren Giuseppe (geb. 1788), Maria Roselinda (geb. 1790), Francesco (geb. 1792) und Maria Antonia (geb. 1795). Ein weiteres Mädchen, Maria Racchele, kam 1800 zur Welt, überlebte jedoch ihr erstes Lebensjahr nicht. Die Eltern waren arm und lebten mit ihren Kindern außerhalb der Stadtmauern im Haus Nummer 10 im sogenannten Borgo Canale in zwei dunklen, hangwärts und unterhalb des Straßenniveaus gelegenen Kellerräumen. Der Vater verdiente sein Geld ab 1800 als Pförtner des städtischen Pfandhauses, in dem die Familie 1808 eine Wohnung beziehen durfte. Die Mutter und die Töchter arbeiteten als Näherinnen.

Zu seinen Eltern hatte Donizetti zeit seines Lebens ein zwiespältiges Verhältnis. Er verbot ihnen, zu den Premieren seiner Opern zu erscheinen, und über seine Hochzeit mit der wohlhabenden Bürgerstochter Virginia Vasselli aus Rom wurden sie erst nachträglich informiert.

Im April 1806 besuchte der achtjährige Donizetti erstmals die Lezioni Caritatevoli di Musica, eine Chorsängerschule für Knaben in Bergamo, die Simon Mayr, damals Kapellmeister der Basilika, 1805 ins Leben gerufen hatte. Unter dem erfolgreichen Opernkomponisten Mayr lernte Donizetti neun Jahre lang. 1814 sang der Sechzehnjährige als Buffo-Bassist (Bassbuffo)[1] im Teatro della Società. Zudem war er Archivar an der Kirche Santa Maria Maggiore.

1815 schickte ihn Mayr nach Bologna, wo er unter Padre Stanislao Mattei im Liceo Filarmonico Kirchenkomposition studierte und zahlreiche liturgische Texte vertonte. 1816 entstand seine erste einaktige Oper Pigmalione, die jedoch erst 1960 in Bergamo uraufgeführt wurde. Im Alter von zwanzig Jahren kehrte Donizetti 1818 nach Bergamo zurück.

Frühe Schaffensphase

Im selben Jahr brachte er am venezianischen Teatro San Luca (dem heutigen Teatro Goldoni) seine Oper Enrico di Borgogna zur Aufführung, die er ohne offiziellen Auftrag komponiert hatte, und gab damit sein Debüt als Opernkomponist. Das Textbuch stammte von Bartolomeo Merelli, einem Schulfreund Donizettis. Sie gefiel zwar, erregte aber ebenso wenig größeres Aufsehen wie 19 andere Opern, die er von 1818 bis 1828 schrieb (L’ajo nell’imbarazzo, Elvida, Alfredo il Grande, Olivo e Pasquale, Alahor in Granada, Chiara e Serafino u. a.). Einen Achtungserfolg erlangte er allerdings mit Il falegname di Livonia (dt. „Der Zimmermann von Livland“; Venedig, Teatro San Samuele, 1819) – es handelt sich um denselben Stoff wie in Zar und Zimmermann –, der bis 1827 sieben Inszenierungen erleben sollte. Mit seiner neunten Oper, dem Melodramma eroico Zoraida di Granata (Rom, 28. Januar 1822), konnte Donizetti sich als Hoffnungsträger der italienischen Seria etablieren. Er freundete sich zu dieser Zeit mit dem Librettisten Jacopo Ferretti und mit Antonio Vasselli an, einem 26-jährigen Wundarzt beim Militär aus einer vornehmen römischen Advokatenfamilie.

Bald darauf zog Donizetti nach Neapel um, das für viele Jahre seine hauptsächliche Wirkungsstätte werden sollte. Bereits die erste seiner dortigen Premieren, La zingara (1822), sei mit leidenschaftlichem Enthusiasmus aufgenommen worden.[2] Zudem nahm Donizetti auch künstlerische Aufgaben am Teatro San Carlo wahr.[3]

Im Jahre 1827 lernte Donizetti nicht nur seinen später langjährigen Librettisten Domenico Gilardoni kennen, mit dem er den gleichen Bühneninstinkt teilte, sondern schloss auch einen Vertrag mit dem Neapolitaner Impresario Domenico Barbaja, der die Komposition von jeweils vier Opern für die kommenden drei Jahre vorsah.[4] Tatsächlich entspricht dieses Verhältnis – von vier Opern pro Jahr – etwa dem normalen Schaffensrhythmus Donizettis bis zum vorzeitigen Ende seiner Karriere. Die ab 1827 meist für Neapel entstehenden Werke trugen Donizetti denn auch zahlreiche Erfolge ein, darunter die Zauberoper Alina, regina di Golconda, das Melodramma eroico L’esule di Roma sowie das Melodramma semiserio Gianni di Calais (alle drei 1828). Es folgten die Melodrammi seri Il paria und Il castello di Kenilworth sowie die Farsa Il giovedì grasso (1829), schließlich die „azione tragico-sacra“ Il diluvio universale (1830), die an Rossinis Mosè in Egitto anknüpfte.

Am 1. Juni 1828 heiratete Donizetti Virginia Vasselli, die Schwester seines Freundes Antonio, die er einige Jahre zuvor als Dreizehnjährige kennengelernt hatte. Ein Jahr nach der Hochzeit wurde nach einer schwierigen Schwangerschaft ihr erstes Kind missgebildet und zwei Monate zu früh geboren; Filippo Francesco verstarb nach zwölf Tagen. Auch zwei weitere Kinder überlebten nicht.[5]

Internationaler Erfolg

Eine neue Periode in Donizettis Schaffen leitete die tragische Oper Anna Bolena ein, die am 26. Dezember 1830 im Teatro Carcano in Mailand mit großem Erfolg erstmals aufgeführt wurde. Dies war Donizettis großer Durchbruch zu internationalem Erfolg. In den nächsten Jahren folgten seine wohl berühmtesten Opern, das Melodramma giocoso L’elisir d’amore (1832) und das „dramma tragico“ Lucia di Lammermoor (1835), sowie Lucrezia Borgia (1833) und die zweite von Donizettis Tudor-Tragödien Maria Stuarda (1835). Heute weniger bekannte Werke aus dieser Zeit sind die Romantiksatire La romanziera e l’uomo nero und Fausta (beide 1831), Il furioso all’isola di San Domingo und Parisina (beide 1833).

1836–37 hatte Donizetti zahlreiche Todesfälle zu verkraften: in dieser Zeit starben seine Eltern und seine beiden Kinder, und am 30. Juni 1837 erlag auch seine Frau Virginia Vasselli im Alter von nur neunundzwanzig Jahren der Cholera. Dies war für den Komponisten ein harter Schlag und führte zu Gefühlen von Einsamkeit und Verlassenheit. In dieser Zeit war Donizetti mit der Komposition von Roberto Devereux beschäftigt.

Donizetti war inzwischen 1834[1] zum Kapellmeister und Lehrer für Komposition am Konservatorium zu Neapel ernannt worden, erhielt 1836 auch die Professur für die Lehre des Kontrapunktes[1] und wurde 1838, nach Niccolò Antonio Zingarellis Tod, Direktor der Anstalt. Er gab diese Stellung 1840 auf, um zum zweiten Mal sein Glück in Paris zu versuchen, diesmal mit größerem Erfolg. Zudem wollte er auf diese Weise der Zensur[1] entgehen. Er fand sowohl an der Académie Royale de Musique mit La favorite als auch an der Opéra-Comique mit La fille du régiment enthusiastischen Beifall, wenn auch nicht gleich bei den ersten Aufführungen.

Nachdem Donizetti 1842 Linda di Chamounix für Wien komponiert hatte, wurde er von Kaiser Ferdinand I. zum Kammerkapellmeister und Hofkomponisten ernannt. Er dirigierte in Wien Aufführungen von Maria di Rohan (Uraufführung 1843), Don Pasquale und Dom Sébastien, Roi de Portugal (1845).[6] Während seines dritten Paris-Aufenthalts brachte er 1843 den Don Pasquale zur Uraufführung. 1844 wurde Caterina Cornaro in Neapel uraufgeführt.

Krankheit und Tod

Nach einer unbewiesenen und unbeweisbaren Theorie litt Donizetti an einer nicht erkannten und nicht behandelten Syphilis bzw. Neurolues. Dabei handelt es sich jedoch um eine postume Diagnose, die zuerst 1887, also Jahrzehnte nach Donizettis Tod, von Cappelli formuliert wurde, nachdem dieser den Schädel Donizettis untersucht hatte.[7] Da Syphilis erst ab 1906 serologisch nachweisbar ist und die Symptome leicht mit anderen Krankheiten verwechselt werden können, ist die Syphilis-Diagnose Donizettis zum derzeitigen Zeitpunkt[8] als zweifelhaft anzusehen.[9]

1845 verschlechterte sich Donizettis Gesundheitszustand rapide und er musste auch vorteilhafte Verträge ablehnen. Nachdem er in Paris einen „schweren Anfall“ erlitten hatte, wurde er anfangs ohne sein Wissen und gegen seinen Willen zwangsweise im Irrenhaus von Ivry-sur-Seine untergebracht. Anfang Oktober 1847 wurde der mittlerweile geistig stark beeinträchtigte Komponist von seinem Neffen Andrea nach Bergamo zurückgebracht, wo er im Palazzo der Baronin Rosa Rota-Basoni gepflegt wurde.[10] Donizetti starb am 8. April 1848 um 17.30 Uhr. Drei Tage später wurde sein Sarg durch die Stadt getragen, begleitet von drei Musikkapellen, 400 Fackelträgern und um die 4000 Menschen.

Nach dem Tod

Der Sarg Donizettis wurde in Valtesse, einem Vorort Bergamos, in der Familienkapelle des bergamaskischen Adelsgeschlechts der Pezzoli zur Ruhe gebettet. Als man ihn im September 1875 wieder ausgrub, um ihn bei einem für ihn von seinen Brüdern errichteten Denkmal zu bestatten, stellte man fest, dass sein Schädel fehlte. Er wurde in der Hinterlassenschaft eines inzwischen verstorbenen Arztes eines Irrenhauses in der Umgebung gefunden. Da einige Bürger der Meinung waren, der „entweihte“ Schädel dürfe nicht in einer Kirche liegen, brachte man den Kopf in das „Museo donizettiano“. Erst im Mai 1951 wurde der Schädel zum restlichen Skelett gelegt. Sein Grab befindet sich in der Kirche Santa Maria Maggiore in Bergamo, unmittelbar neben dem Grabmal seines Lehrers und Förderers Mayr. Sein Grabmal wurde von seinen Brüdern in Auftrag gegeben.[11]

1897 entstand im Auftrag der Stadt Bergamo das Marmordenkmal von Francesco Jerace, das neben dem Teatro Gaetano Donizetti an der Via Gennaro Sora aufgestellt wurde.

Werke


Insgesamt sind für Donizetti 71 Opern nachweisbar.[12] Davon sind eine Reihe von Frühwerken, z. B. Olimpiade (1817) oder L’ira d’Achille (1817), verloren gegangen. Eine lückenlose Aufführungstradition seit der Uraufführung besteht lediglich bei L’elisir d’amore (1832), Lucia di Lammermoor (1835), La fille du régiment (1840) und Don Pasquale (1843). Die anderen Opern Donizettis gerieten entweder gleich nach der Uraufführung oder ab der Mitte des 19. Jahrhunderts in Vergessenheit und wurden dann nur noch gelegentlich aufgeführt. Erst rund 100 Jahre später wurden im Zuge der Belcanto-Renaissance auch eine Reihe von Donizetti-Opern wiederentdeckt, die sich seither regelmäßig in den Spielplänen der Opernhäuser wiederfinden, dazu gehören vor allem die sog. Tudor-Opern Anna Bolena, Maria Stuarda und Roberto Devereux, auch Lucrezia Borgia, La favorite, Linda di Chamounix sowie Le convenienze ed inconvenienze teatrali oder Viva la mamma! Seit den 1980er-Jahren liegen aber von fast allen Tonaufzeichnungen vor, auch von den selten gespielten Opern.

Frühphase

Mittelphase

Spätphase

Quellen


Literatur


Weblinks


 Commons: Gaetano Donizetti  – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise


  1. a b c d Clive Unger-Hamilton, Neil Fairbairn, Derek Walters; deutsche Bearbeitung: Christian Barth, Holger Fliessbach, Horst Leuchtmann, et al.: Die Musik – 1000 Jahre illustrierte Musikgeschichte. Unipart-Verlag, Stuttgart 1983, ISBN 3-8122-0132-1, S. 110.
  2. Herbert Weinstock: Donizetti and the World of Opera in Italy, Paris and Vienna in the First Half of the Nineteenth Century. Random House, New York 1963, 1963, S. 28–32.
  3. William Ashbrook: Donizetti and his Operas. Cambridge University Press, Cambridge 1982, S. 25.
  4. John Stewart Allitt: Donizetti – in the light of romanticism and the teaching of Johann Simon Mayr. Element Books, Shaftesbury (Dorset, UK) 1991, S. 29 f.
  5. Antonia Bonomi: Un geniale stacanovista, Arcobaleno (it.) (Memento vom 23. September 2015 im Internet Archive)
  6. Michael Jahn, Die Wiener Hofoper von 1836 bis 1848. (Schriften des rism-österreich B/1). Wien 2004, S. 181ff.
  7. G. Cappelli: „La calotta cranica di Donizetti“, in: Archivo italiano per le malattie nervose 14, 1887, S. 135–153 (italienisch)
  8. Stand 2019
  9. Siehe auch: Maximilian Hohenegger: „Kritische Bemerkungen zu Werk und Krankheit von Gaetano Donizetti“, in: Kantner, Leopold M.: Donizetti in Wien. (Musikwissenschaftliches Symposion, 17.-18. Oktober 1997). Kongreßbericht, herausgegeben im Auftrag der Wiener Donizetti-Gesellschaft, Wien: Edition Praesens 1998.
  10. Donizetti: Zeittafel. (Nicht mehr online verfügbar.) In: Fondazione Bergamo nella storia. 2012, archiviert vom Original am 25. April 2014; abgerufen am 9. März 2018.
  11. Robert Steiner-Isenmann: Gaetano Donizetti. Sein Leben und seine Opern. Hallwag, Bern 1982, S. 363 f.
  12. Robert Steiner-Isenmann: Gaetano Donizetti. Sein Leben und seine Opern. Hallwag, Bern 1982, S. 499 ff.



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