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Günther Sterba



Günther Hans Wenzel Sterba (* 20. Mai 1922 in Brüx, Tschechoslowakei) ist ein deutscher Zoologe und Ichthyologe. Nach Sterba wurden mehrere Fischarten, beispielsweise der Panzerwels Corydoras sterbai, benannt.

Inhaltsverzeichnis

Leben


Günther Sterba ist der Sohn des Bergbauingenieurs Adolf Sterba und Melitta Sterba (geborene Baudis). Über die mütterliche Linie besteht eine weitläufige Verwandtschaft mit dem Zoologen Karl von Frisch.

In Most besuchte er das Gymnasium, das er mit dem Abitur abschloss. Von 1943 bis 1945 leistete er seinen Militärdienst ab. Im September 1944 wurde er verwundet und war bis nach Kriegsende in verschiedenen Lazaretten. Während der Lazarettzeit meldete er sich zum Invaliden-Fernstudium für Humanmedizin in Prag an und immatrikulierte sich im Spätsommer 1945 an der Universität Jena. Am 27. April 1947 legte er dort das Physikum ab und belegte anschließend sieben klinische Semester. Auf Anraten des Zoologen Jürgen Wilhelm Harms erweiterte Günther Sterba seine Immatrikulation ab 1947 auf ein zusätzliches Zweitstudium für Biologie mit der Fachrichtung Zoologie. Am 14. April 1949 promovierte er zum Dr. rer. nat. mit „summa cum laude“. Unter der Obhut seines Doktorvaters J. W. Harms fertigte er seine Dissertation zum Thema: Über die morphologischen und histogenetischen Thymusprobleme bei Xenopus laevis Daudin nebst einigen Bemerkungen über die Morphologie der Kaulquappen an.[1]

Sterba war in erster Ehe mit Renate Kosak und ist in zweiter Ehe mit Hede Rössler verheiratet. Er hat 5 Kinder.

1946 meldete sich Sterba in Weimar bei der dortigen Parteigruppe der SPD als Mitglied an, nicht ahnend, dass schon deren Vereinigung mit der KPD zur Sozialistischen Einheitspartei (SED) vorgesehen war. 1953 trat Sterba aus der SED aus und ist seitdem parteilos.

Akademische Karriere


1949 wurde Sterba Wissenschaftlicher Assistent am Zoologischen Institut der Universität Jena und 1951 Lehrbeauftragter für Zoologie. Am 20. Mai 1952 habilitierte er mit der Arbeit Die Physiologie und Histogenese der Schilddrüse und des Thymus beim Bachneunauge (Lampetra planeri Bloch) als Grundlagen phylogenetischer Studien über die Evolution der innersekretorischen Kiemendarmderivate.[2] zum Dr. rer. nat.habil. und wurde kurz darauf zum Hochschuldozenten für Zoologie ernannt. 1958 wurde er als Professor mit Lehrauftrag für Zoologie an die Universität Jena berufen.

Von 1957 bis 1961 gab es Berufungsgespräche mit den Universitäten in Halle (Saale), Tharandt und Leipzig. Zudem gab es Anfragen aus Marburg und Heidelberg. Der vor allem von Franz Duspiva geförderten Berufung nach Heidelberg wäre Sterba gern nachgekommen, allerdings zogen sich die Verhandlungen bis zum Mauerbau hin und mussten dann abgebrochen werden, da man nun nicht mehr Berufungen als Professor in der BRD annehmen durfte.

1959 wurde Sterba als Professor mit vollem Lehrauftrag nach Leipzig berufen. Die in den Verhandlungen erbetene Einrichtung eines Zentrums für Elektronenmikroskopie und biochemische Kapazitäten wurde dabei zusagend bestätigt. Am 9. April 1959 wurde er zum Direktor des Zoologischen Institutes der Karl-Marx-Universität Leipzig ernannt und zwei Jahre später zum Professor mit Lehrstuhl für Zoologie berufen. 1968 wurde er nach Gründung der Sektion Biowissenschaften zum Leiter des Bereiches Zellbiologie und Regulation der Sektion ernannt, 1969 zum ordentlichen Professor für Allgemeine Zoologie und Tierphysiologie umberufen. Am 1. Juli 1987 wurde er emeritiert.

Werke


Die etwa 200 wissenschaftlichen Publikationen kann man, trotz zahlreicher Überlappungen und Ausnahmen, folgenden Themenkreisen zuordnen:

  1. Genese und Struktur inkretorischer Organe bei niederen Wirbeltieren.
  2. Vergleichende Neuroendokrinologie bei Wirbeltieren.
  3. Zirkumventrikuläre Organe und Liquor bei Wirbeltieren.

Während in den Publikationen des ersten Themenkreises nur eigene Ergebnisse aus der Qualifikationsperiode in Jena behandelt werden, stammen die Publikationen der Themenkreise zwei und drei vorwiegend aus der Zeit in Leipzig. Viele davon sind Gemeinschaftsarbeiten, beispielsweise mit Gerald Wolf, Arnim Ermisch, Hans Luppa, Wilfried Naumann und Georg Hoheisel.

Genese und Struktur inkretorischer Organe bei niederen Wirbeltieren

Noch während des Studiums entstand eine gefaltete farbige Lehrtafel über die cerebrospinale und autonome Innervation des Menschen (Gustav Fischer Verlag Jena, 1948). Neben der bereits erwähnten Dissertation und Habilitationsarbeit stammen 18 weitere Publikationen aus der Zeit in Jena. Die meisten betreffen Organe der inneren Sekretion bei niederen Wirbeltieren. Aber auch über die Endomitose der sich parthenogenetisch entwickelnden Sommereier der Daphnien, andere cytologische Probleme und die Entwicklung einer bislang unbekannten Doppeltier-Art (Diplozoon) hat Sterba in dieser Zeit publiziert. Vermutlich sind auch die beiden umfangreichen monografischen Darstellungen für das Handbuch der Binnenfischerei Mitteleuropas „Die Schmerlenartigen (Cobitidae)“ und „Die Neunaugen (Petromyzonidae)“ bereits in Jena entstanden. Beide Monografien erschienen im Band.III des Handbuches auf den S. 201–234 und 265–352; Herausgeber E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung, 1962. Eine englische Ausgabe der Neunaugen-Monografie erschien 1965 in den USA und Canada. 1957 erschien ein Referat welches die Entwicklung eines Gerätes für Versuche an lebenden histologischen Gewebeschnitten begleitete. Das von der Fa. Zeiss geförderte Vorhaben wurde von Rolf Köber technisch realisiert und patentiert, ging jedoch durch die aufkommende Kryo-Mikrotomie nie in die Produktion.[3]

Vergleichende Neuroendokrinologie bei Wirbeltieren

Alle Untersuchungen zu diesem Themenkreis wurden durch die Einführung der Pseudoisocyanin-Reaktion in die Fluoreszenzmikroskopie durch Sterba initiiert.[4] Im Gegensatz zu älteren Färbemethoden gewährleistete die wesentlich empfindlichere Technik den Nachweis geringster Spuren des Trägerproteins der Hypophysenhinterlappen-Hormone Vasopressin und Oxytocin. Damit wurde es an diesem Modell möglich zu beweisen, dass die hormonproduzierenden Nervenzellen die Hormone in ihren Fortsätzen nicht nur zur Neurohypophyse, dem Ort der Hormonfreisetzung in die Blutbahn, transportieren, sondern auch mit zahlreichen anderen Arealen durch hormontransportierende Fortsätze verbunden sind. Durch Einbeziehung immunologischer Techniken, licht- und elektronenmikroskopischer Art, gelang es schließlich erstmals festzustellen, dass die Endformationen dieser Fortsätze mit normalen Nervenzellen Kontakte synaptischer Art bilden. Die peptiderge Synapse vieler Neuropeptide ist inzwischen für viele neuronale Prozesse eine integrale, wenn auch nicht immer verstandene Struktur.[5]

Wichtige Publikationen zu diesem Themenkreis sind

Zirkumventrikuläre Organe und Liquor bei Wirbeltieren

Unter den Organen in den Wänden der Hirnventrikel der Wirbeltiere dominiert das Subcommissuralorgan (SCO), dessen Sekret in den 3. Ventrikel abgegeben und dort durch Zilienbänder zu einem Faden zusammengewirbelt wird. Die als Reissner’scher Faden bekannte Struktur schiebt sich in dem Zentralkanal des Rückenmarkes kontinuierlich bis in dessen Endampulle, in deren Umgebung er schließlich abgebaut wird. Sterba und sein Team konnten nachweisen, dass sich der Faden an der Entfernung von ependymalem Zelldedritus beteiligt, bei der Ratte die Geschwindigkeit der Fadenbewegung im Zentralkanal bestimmen, die physiologischen Folgen nach experimenteller Ausschaltung des Fadentransportes durch Versetzung des Zentralkanals beobachten und aus 18 km isoliertem Fadenmaterial des Rindes zahlreiche immunologische und biochemische Faktoren sammeln. „Trotz aller Teilergebnisse gelang es jedoch nicht, einen befriedigenden Beweis zur Fadenfunktion zu finden. Da aber das SCO-Fadensystem die älteste Hirnstruktur überhaupt ist, bei allen Wirbeltieren vorkommt, beim Menschen embryonal angelegt, aber mit dem teilweisen Verschluss des Zentralkanals wieder reduziert wird, ist die Annahme erlaubt, dass das System eine grundsätzliche Funktion hat. Auch sollte bei Diskussionen über Demenzprobleme gelegentlich daran erinnert werden, dass sich auch im Ventrikelliquor des menschlichen Gehirns Zelldetritus ansammelt“[6].

Wichtige Publikationen zu diesem Themenkreis sind

Aquaristik und Ichthyologie

Die häufig mit dem Namen Sterba verbundenen Fisch- und Aquarienbücher sind ausschließlich Resultate einer Liebhaberei, die in der Kindheit begann und im Laufe der Jahre zu ichthyologischem Spezialwissen reifte. Die zahlreichen deutschen Nach- und Neuauflagen, die fremdsprachigen Lizenzen in den USA (MIT), Großbritannien, Kanada, Niederlande und Tschechien bedingten die Verbreitung von etwa 1,5 Millionen Exemplaren. An dem Titel „Süßwasserfische der Welt“ sind von der 4. Auflage an die Mitautoren Axel Zarske, Klaus Breitfeld und Helmut Sander beteiligt. An dem Titel „Lexikon der Aquaristik und Ichthyologie haben G. Brückner, H.-J. Franke, U. Jakob, J. Kormann, H. Mühlberg und W. Naumann als Autoren mitgearbeitet. Für die Kapitel Wasserpflanzen des 2. Bandes der Aquarienkunde konnte Sterba zunächst A. Wendt und nach dessen Ableben H. Mühlberg gewinnen.

Sonstige

Außer den Fischbüchern existieren noch einige andere, nicht wissenschaftliche, Buchpublikationen als deutsche und englische Ausgaben, z. B.: Familie Olividae (Gastropoda) und Meissener Gebrauchsporzellan. Sterba war mehrfach zu längeren Auslandsaufenthalten mit der Bitte eingeladen, Vorlesungen oder Vorträge zu halten. Realisiert wurden solche Einladungen nach Großbritannien, Chile, Japan, Schweden, UdSSR, Finnland und Italien. Fast immer war auch seine Frau eingeladen, aber nur für die UdSSR und Italien erhielt sie die Genehmigung, ihn zu begleiten.

Ehrungen


Quellenangaben


Literatur


Weblinks


Einzelnachweise


  1. (Sächsische Akademie der Wissenschaften Leipzig, 44, 5-54, 1950)
  2. Wiss.Zeitschr.der Univ.Jena 3, Math.Nat.Reihe 239-298 (1953).
  3. Sterba: Überlebende histologische Gewebeschnitte Experientia, Volume 13, issue 8 (August 1957), S. 335 – 336; ISSN 0014-4754 doi:10.1007/BF02296832 , Birkhäuser-Verlag, Basel
  4. Sterba,G.; Über eine neue Methode zum Nachweis für Neurosekret; Acta biol..med..germ. 7; 218-231,1961;
  5. zitiert nach Sterba
  6. Sterba, stark gekürzt aus einem Vortrag
  7. Mitgliedseintrag von Günther Sterba (mit Bild) bei der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, abgerufen am 22. Juli 2016.



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